Erfolgreiche Gehirnwäsche?

Ein Gespräch mit einem Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker ist in der Regel etwas uner­freu­li­ches, aller­dings lässt sich auch etwas über gelun­ge­ne Mani­pu­la­ti­on lernen. 

Der Bekann­te war außer sich. Was als harm­lo­ser Small­talk begann, ende­te mit einem auf­ge­brach­ten Men­schen, dem offen­sicht­lich der Hang zur Rea­li­tät abhan­den gekom­men war. 

Viel mehr als die kru­den Argu­men­ta­ti­ons­ket­ten, die Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker auf­bau­en, inter­es­sier­te mich die Fra­ge, was einen Men­schen dazu bewe­gen könn­te, Ver­schwö­rungs­theo­rien zu ver­fal­len und die­se mas­siv ver­su­chen zu verbreiten. 

Und sie­he da, auch dazu gibt es eine wis­sen­schaft­li­che Abhand­lung, “Ver­schwö­rungs­theo­rien und ihre Anhän­ger”, gefun­den über Goog­le Sho­lar. Prof. Dr. Jür­gen Kör­ner hat sich mit dem Phä­no­men Ver­schwö­rung beschäf­tigt und die Aus­lö­ser bzw. Mecha­nis­men dazu untersucht. 

Zunächst ist fest­zu­stel­len, dass eine Ver­schwö­rungs­theo­rie kom­ple­xe Zusam­men­hän­ge ver­ein­facht, somit ver­lie­ren Sach­ver­hal­te ihren Schre­cken und der Mensch gewinnt schein­bar die Kon­troll­fä­hig­keit über kom­pli­zier­te Sach­ver­hal­te zurück. 

Ver­schwö­rungs­er­zäh­lun­gen lie­fern eine kla­re Ursa­che, was emo­tio­nal ent­las­tend wirkt. Eine Rol­le spielt sicher­lich die Gemein­schaft, auch wenn sie oft­mals nur vir­tu­ell erlebt wird. In der Sze­ne fin­den sie plötz­lich Gleich­ge­sinn­te, die Bestä­ti­gung, Iden­ti­tät und ein „Wir gegen die“ anbieten. 

Oft­mals füh­len sich Men­schen, die ins Ver­schwö­rungs­mi­lieus abrut­schen, gesell­schaft­lich nicht geach­tet und fin­den in der „Ver­schwö­rungs­ge­mein­schaft“ Bestä­ti­gung ihrer Mei­nung und ihrer Person.

Dane­ben gibt es die­je­ni­gen, die nar­ziss­ti­sche Ten­den­zen auf­wei­sen und glau­ben, etwas ganz Beson­de­res zu wis­sen, was sonst kaum jemand weiß. Auch eine vor­he­ri­ge nega­ti­ve Erfah­rung mit Poli­ti­kern oder Auto­ri­tä­ten und sei es nur durch Intrans­pa­renz berei­tet oft den Boden für Verschwörungen. 

Durch Mani­pu­la­ti­on in den sozia­len Netz­wer­ken kommt es letzt­end­lich zu einer Bestä­ti­gung der eige­nen Ansich­ten; Fake News und gefälsch­te Bil­der und Fil­me wer­den unkri­tisch bewer­tet und ver­stär­ken oft­mals die eige­ne Welt­an­sicht. Ein Algo­rith­mus sorgt dafür, dass der User in sei­ner Ver­schwö­rungs­bla­se bleibt. 

Gefälsch­te Nach­rich­ten, Bil­der, vor allem Vide­os wer­den in die Time­line gespült und ver­stär­ken den kogni­ti­ven Gesamt­ein­druck. Seriö­se Medi­en sind dann die Fake News in Diens­ten der Herr­schen­den. An dem Punkt haben die Pro­fi­teu­re der Mani­pu­la­ti­on gewon­nen. Kri­ti­sche Selbst­re­fle­xi­on ist nicht mehr mög­lich. Mit Argu­men­ten las­sen sich Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker oft­mals auch nicht mehr überzeugen. 

Im Gegen­teilt – jeder Ver­such wird sofort als Beleg für das die Rich­tig­keit der eige­nen Argu­men­te gewertet.

Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker sind nicht ein­fach „gehirn­ge­wa­schen“, son­dern gera­ten in eine Mischung aus Kri­se, kogni­ti­ven Mus­tern, sozia­ler Bestä­ti­gung und digi­ta­ler Ver­stär­kung. Die­se Kom­bi­na­ti­on kann sehr mäch­tig sein – und das macht Ver­schwö­rungs­theo­rien so anziehend.
Wie gut inzwi­schen dabei unter­stüt­zen­de Fake-Vide­os sind, lässt sich an dem nach­fol­gen­den wit­zig gemach­ten Video zeigen. 

Operationsplan D

Noch bis vor einem hal­ben Jahr hät­te ich die Annah­me des Mili­tärs zur Sicher­heits­la­ge in Deutsch­land ver­neint. War­um soll­te Putin in zwei, drei Jah­ren eine „bedeu­ten­de mili­tä­ri­sche Her­aus­for­de­rung“ für die NATO sein? Was soll­te Russ­lands Prä­si­den­ten dazu bewe­gen, die NATO anzu­grei­fen? Ein Angriff auf ein NATO Gebiet ver­wei­ger­te sich jed­we­der Logik, so mei­ne Vermutung.

Aller­dings ent­zie­hen sich zuwei­len Macht­an­sprü­che einer Ver­nunft­s­be­trach­tung, erkenn­bar ist das immer dann, wenn ein Land die gül­ti­ge regel­ba­sie­ren­den Ord­nung nicht mehr aner­kennt. Dann näm­lich gilt wie­der das Recht des Stärkeren.

Natür­lich kann nie­mand in Putins Kopf gucken, aber die Vor­zei­chen sind der­zeit groß, dass der rus­si­sche Staats­chef sei­ne ter­ri­to­ria­len Ein­fluss und sei­ne Macht­struk­tu­ren erwei­tert. Vor allem auch des­halb, weil sich Euro­pa nicht sicher sein kann, ob das sicher­heits­po­li­ti­sche Kon­zept der NATO für die USA noch bin­dend ist.

Das Schre­ckens­sze­na­rio auf das sich Deutsch­land vor­be­rei­ten soll ist der Ein­marsch rus­si­scher Trup­pen an der Ost­flan­ke der NATO. Bei einem Über­ra­schungs­an­griff stün­de nach heu­ti­gem Stand, eine in der Mann­stär­ke deut­li­che Über­le­gen­heit der rus­si­schen Streit­kräf­te vor den Gren­zen Europas.

Die­ser Ver­tei­di­gungs­fall wird in Deutsch­land sehr ernst genom­men und unter dem Schlag­wort Ope­ra­ti­ons­plan D vor­be­rei­tet und durch­ge­spielt. Dabei geht es um eine Zusam­men­ar­beit von Mili­tär, Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen und Zivil­be­völ­ke­rung für einen mög­li­chen Ver­tei­di­gungs­fall. Dass es dabei von Sei­ten Russ­lands bereits ers­te Vor­be­rei­tun­gen zu einer Ter­ri­to­re­al­ver­let­zung gibt, das steht für die geheim­dienst­li­chen Orga­ne in Deutsch­land außer Frage.

In Arns­berg refe­rier­te ges­tern dazu der Kom­man­deur des Lan­des­kom­man­dos NRW, Gene­ral Mül­ler, bei der IHK Arns­berg vor Unter­neh­mern und komm­mu­na­len Verantwortlichen.

Das, was der Gene­ral unter Beach­tung der Geheim­hal­tung der Ein­zel­hei­ten zu sagen hat­te, ließ — zumin­dest bei mir und den Anwe­sen­de – den Schluss zu, dass tat­säch­lich sein kann, was nicht sein darf.

Nicht nur die der­zei­ti­gen Umtrie­be Russ­lands in Form von Des­in­for­ma­ti­on, Sabo­ta­ge, Spio­na­ge und Hacker­ang­tif­fen auf die kri­ti­sche Infra­struk­tur neh­men rasant zu.

Auch die Umstel­lung der rus­si­schen Wirt­schaft auf eine Kriegs­wirt­schaft deu­ten auf eine Vor­be­rei­tung grö­ße­rer Aktio­nen hin. Als Zah­len­werk zur Ver­deut­li­chung nann­te Gene­ral Mül­ler die Jah­res­pro­duk­ti­on von 1500 rus­si­schen Pan­zern. Man muss nicht mathe­ma­tisch begabt sein, um fest­zu­stel­len, über wel­ches Kriegs­ge­rät Russ­land in zwei, drei Jah­ren ver­fü­gen könnte.

Im Ver­tei­di­gungs­fall ist Deutsch­land Dreh­schei­be für die Ver­le­gung von NATO-Trup­pen an die Ost­flan­ke. Infra­struk­tur, Ver­pfle­gung, Betan­kung und Mit­hil­fe von Blau­licht­or­ga­ni­sa­tio­nen und Zivil­be­völ­ke­rung müs­sen sicher­ge­stellt sein.

Allein die Bewäl­ti­gung eines sol­chen Orga­ni­sa­ti­ons­auf­wands, eine Kern­kom­pe­tenz Deutsch­lands, könn­te einen mög­li­chen Aggres­sor abschre­cken. Soll­te sich Russ­lands Trup­pen an der Ost­flan­ke eine rie­si­ge „euro­päi­sche Armee“ ent­ge­gen stel­len, könn­te das bereits für maxi­ma­le Abschre­ckung sorgen.

Gene­ral Mül­ler erklär­te den Anwe­sen­den, dass es nicht das Zeil sei, Angst zu ver­brei­ten. Aller­dings soll auch nicht ver­ges­sen wer­den, was der rus­si­sche Staats­chef am 20. Juni 2025 beim Wirt­schafts­fo­rum in St. Peters­burg sag­te: „Es ist eine alte Regel: „Wo der Fuß eines rus­si­schen Sol­da­ten hin­tritt, das gehört uns.“

Die Rente wäre sicher

Mich hat ja schon immer geär­gert, was Poli­tik und Wirt­schaft als Argu­men­ta­ti­on raus­hau­en, um letzt­end­lich die Ren­ten ein wei­te­res Mal zu kür­zen. Mir ist immer noch unbe­greif­lich, wie man einem arbei­ten­den Men­schen nach 45! Erwerbs­jah­ren eine Ren­te zahlt, die 48 Pro­zent vom durch­schnitt­li­chen Gehalt beträgt und damit vie­le Erwerbs­tä­ti­ge in die Alters­ar­mut schickt.

In den nächs­ten Tagen beginnt die Dis­kus­si­on im Bun­des­tag um Ren­ten und Sozi­al­etas und ich wür­de wet­ten wol­len, dass den Poli­ti­kern wie­der nichts ande­res ein­fällt, als die Ren­ten ein­mal mehr „anzu­pas­sen“, de fac­to also wei­ter zu kür­zen. Nichts ande­res ist die viel­fach geführ­te Dis­kus­si­on um ein höhe­res Ren­ten­ein­tritts­al­ter näm­lich. Und noch­mal: es geht nicht dar­um, die nächs­te Gene­ra­ti­on über Maßen zu belas­ten, oder gar ihnen kei­ne Ren­te mehr zu gewähren.

Es geht dar­um, dass Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mer, die 45 Jah­re lang, also fast über zwei Gene­ra­tio­nen hin­weg, jeden Tag ihrer Ver­pflich­tung nach­ge­kom­men sind, den unge­kürz­ten Ren­ten­zu­gang zu ermög­li­chen, der mei­ner Mei­nung nach, bei mind. 60 Pro­zent des aktu­el­len Durch­schnitts­ver­dienst lie­gen sollte.

Wie das funk­tio­niert? Viel­leicht soll­ten wir statt auf die Lob­by­is­ten zu hören, wie­der Fach­leu­te zu Wort las­sen: Der Öko­nom Hei­ner Flass­beck schreibt dazu:

Die Ren­te wäre sicher – wenn die Poli­tik den libe­ra­len Ideo­lo­gen weni­ger leicht auf den Leim gin­ge und wir mehr über Wirt­schaft wüssten

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Neuer Wein in alten Schläuchen

Der Arbeit­ge­ber­ver­band beklagt die Sozi­al­ver­si­che­rungs­kos­ten und möch­te eine Wider­ein­füh­rung der im Jah­re 2013 abge­schaff­te Pra­xis­ge­bühr. Im Jahr 2004 führ­te die Bun­des­re­gie­rung die­se Gebühr von 10 Euro ein, die ein­ma­lig Quar­tal beim Arzt­be­such fäl­lig wur­de. 2013 wur­de die Pra­xis­ge­bühr auf­grund des enor­men büro­kra­ti­schen Auf­ands wie­der abgeschafft. 

Zudem ver­fehl­te die Gebühr eine spür­ba­re Steue­rungs­wir­kung, d.h. Das ursprüng­li­che Ziel von “unnö­ti­gen” Arzt­be­su­chen wur­de verfehlt. 

Stu­di­en und Aus­wer­tun­gen zeig­ten, dass die Gebühr kaum Ein­fluss auf das Arzt­ver­hal­ten hat­te: Men­schen mit chro­ni­schen Erkran­kun­gen muss­ten trotz­dem regel­mä­ßig zum Arzt, wäh­rend ande­re den Besuch oft nur hin­aus­zö­ger­ten – was medi­zi­nisch eher nach­tei­lig war.

Arzt­pra­xen und Kran­ken­kas­sen muss­ten viel Zeit und Per­so­nal auf­brin­gen, um die Gebühr ein­zu­zie­hen und zu ver­bu­chen. Die­ser büro­kra­ti­sche Auf­wand stand in kei­nem Ver­hält­nis zu den Einnahmen.

Für Men­schen mit wenig Geld war die Gebühr spür­bar belas­tend und führ­te teil­wei­se dazu, dass not­wen­di­ge Arzt­be­su­che ver­mie­den oder ver­zö­gert wur­den. Vor­sor­ge­un­ter­such­tun­gen wur­den vernachlässigt. 

Als Alter­na­ti­ve könn­te das “Haus­arzt­mo­dell” wie­der ein­ge­führt wer­den, dass den Pati­en­ten ver­pf­li­chet, erst immer den Haus­arzt auf­zu­su­chen, der dann bei Bedarf die Über­wei­sung zu den Fach­ärz­ten übernimmt. 

Ein kon­se­quen­ter Aus­bau der Digi­ta­li­sie­rung für die Ter­min­ver­ga­be, der Ein­satz von KI-Sprach­mo­du­len für eine ers­te Ein­schät­zung, Ein­füh­rung von Video­sprech­stun­den und die Wei­ter­füh­rung von tele­fo­ni­scher Krank­schrei­bung wür­de die Arzt­pra­xen entlasten. 

Zudem könn­ten die Kran­ken­kas­sen gesun­de Lebens­ge­wohn­hei­ten mit einer Kos­ten­ent­las­tung beloh­nen, eini­ge Kran­ken­kas­sen för­dern bereits die Teil­nah­me im Fit­ness­stu­dio. Gesund­heits­be­ra­tun­gen durch die Kran­ken­kas­sen run­det die Ver­sor­gung ab. 

Zuletzt kön­nen die Arbeit­ge­ber sel­ber dazu bei­tra­gen, unnö­ti­ge Arzt­be­su­che zu ver­mei­den, indem sie bei­spiels­wei­se ihren Mit­ar­bei­tern Zeit geben, leich­te Erkran­kun­gen auch ohne Arzt­be­such und Arbeits­un­fä­hig­keits­be­schei­ni­gung unter Lohn­fort­zah­lung zu Haue auszukurieren.

Vie­le Arbeit­ge­ber machen das bereits, bei­spiels­wei­se dadurch, Krank­schrei­bun­gen erst ab dem vier­ten Tag zu ver­lan­gen. Auch Gesund­heits­zu­satz­leis­tun­gen, die in die Rich­tung Vor­beu­gung und Prä­ven­ti­on gehen, könn­ten hel­fen, Krank­heits­kos­ten zu senken. 

Jährlicher Sommerhinweis

Ich weiß, es sind 30 Grad da drau­ßen und auch auf die Gefahr hin mich unbe­liebt zu machen, muss ich doch auch in die­sem Som­mer mei­nen Appell an die Her­ren der Schöp­fung rich­ten, kei­ne kur­zen Hosen zu tra­gen. Nun sind wir Män­ner was die Mode angeht, ziem­lich unbe­darft. Nichts­des­to­we­ni­ger gibt es eine unte­re Mode­gren­ze, die tun­lichst nicht unter­schrit­ten wer­den soll­te: Jog­ging­ho­sen und KURZE Hosen. Das gilt zumin­dest für Män­ner ab einem gewis­sen Alter. Ja man könn­te sogar sagen, dass die sitt­li­cher Rei­fe mit Beginn der Aus­sor­tie­rung der Jog­ging­ho­sen, kur­zen Hosen und zu engen T‑Shirts mit Löchern beginnt. Also Män­ner, ertragt die Hit­ze wie ein Mann und zieht die kur­zen Hosen nur da an, wo euch nie­mand sieht. Zur Ori­en­tie­rung ein paar Hin­wei­se, die bei Beant­wor­tung mit Ja die unver­fäng­li­che Kleid­sam­keit kur­zer Hosen bejaht.
Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie dazu gehö­ren, dann machen Sie ein­fach einen klei­nen Test:

  • Sind sie beim Fuss­ball, Hand­ball oder Ten­nis – und zwar auf dem Platz und nicht auf der Zuschauertribüne?
  • Sind sie in einem Trach­ten­ver­ein und auf dem Weg zu einer Veranstaltung?
  • Sind sie an einem Ort, an dem nie­mand Ein­blick hat und nie­mand ohne Vor­ankün­di­gung her­ein­kom­men kann?
  • Ist Ihr Name Char­lie Brown oder Micky Maus?
  • Sind sie unter 12 Jah­re alt?
  • Schöner Leben mit Bürgergeld?

    Immer und immer wie­der hört und liest sich die Debat­te um das Bür­ger­geld als eine als eine not­wen­di­ge Dis­kus­si­on einer ver­meint­li­chen Fehl­ent­wick­lung im deut­schen Sozi­al­recht mit der Not­wen­dig­keit schnells­ter Reformierung.

    Ist das nun eine Som­mer­loch­pos­til­le, oder ist das Bür­ger­geld wirk­lich ein bedin­gungs­lo­ses Grund­ein­kom­men, mit dem man unter Addi­ti­on von Mie­te und Neben­kos­ten, eben­falls auf Staats­kos­ten, ein stress­frei­es und ange­neh­mes Leben füh­ren kann? Der Minis­ter­prä­si­dent und Influen­cer Mar­kus Söder hat in den letz­ten Tagen ein­mal mehr die Kam­pa­gne los­ge­tre­ten, indem er for­der­te, hier leben­den Ukrai­nern das Bür­ger­geld zu streichen.

    Es mag sicher Miss­bräu­che beim Bezug von Bür­ger­geld geben, ich bin aber davon über­zeugt, dass es sich bei den Emp­fän­ger von Bür­ger­geld um Men­schen han­delt, die sich­re nicht frei­wil­lig am Exis­tenz­mi­ni­mum leben. Der Regel­be­darf für das Bür­ger­geld beträgt 563 Euro, dazu kommt die Über­nah­me von Mie­te und Hei­zung, bzw. Neben­kos­ten, aller­dings nur für einen ange­mes­se­nen Aufwand.

    Die­sen „ange­mes­se­nen Auf­wand“ legen die Län­der fest. In der Regel heißt das aber: Woh­nung und Neben­kos­ten wer­den im unte­ren Bereich des jewei­li­gen Miet­spie­gels über­nom­men. Jeder Euro dar­über muss von den 563 Euro abge­führt wer­den. Für die Haus­halts­kos­ten steht oft­mals nur gut die Hälf­te des Regel­sat­zes zur Ver­fü­gung. Für Essen dürf­ten nicht sel­ten nur ein paar Euro täg­lich zur Ver­fü­gung ste­hen, Man­gel­er­näh­rung somit unum­gäng­lich. Gerüch­ten zufol­ge sol­len Rat­schlä­ge zur Nut­zung der Sozi­al­kü­chen und Tafeln die pre­kä­re Situa­ti­on etwas ent­span­nen. Mal abge­se­hen davon, dass es in einem der reichs­ten Län­der der Welt eigent­lich kei­ne Tafeln geben soll­te, sind die­se im Gegen­teil bereits über­lau­fen und sehen sich in der Zwangs­la­ge eines Aufnahmestopps.

    Selbst­re­dend muss die Ver­wen­dung staat­li­cher Leis­tun­gen, d.h. Hil­fen für Bedürf­ti­ge, finan­ziert durch die Gemein­schaft aus Steu­er­mit­teln, über­wacht und kon­trol­liert wer­den, Miss­brauch ver­folgt und abge­stellt werden.

    Wer als Poli­ti­ker mit einem Jah­res­ge­halt der ein­kom­mens­stärks­ten Bevöl­ke­rung, eben­falls ali­men­tiert durch die Gemein­schaft aus Steu­er­mit­teln, pau­scha­le Kür­zun­gen oder gar Abschaf­fun­gen bei denen for­dert, die in Armut leben oder von Armut bedroht sind, han­delt jeden­falls zutiefst unanständig.

    Virtueller Partner

    KI-Bild
    Laut einer Umfra­ge des Nach­rich­ten­por­tals rnd.de kann sich jeder drit­te Befrag­te eine Bezie­hung mit einem KI gene­rier­ten Ava­tar vor­stel­len. Tat­säch­lich zeich­net auch der SPIEGEL in sei­ner Print­aus­ga­be ein ver­stö­ren­des Bild in ver­schie­de­nen Inter­views von Men­schen, die eine emo­tio­na­le Bezie­hung mit einer vir­tu­el­len Maschi­ne haben. Dabei geht es nicht um eine fehl­ge­lei­te­te Stö­rung eines Fetischs, son­dern tat­säch­lich um ech­te oder ver­meint­lich ech­te Gefüh­le eines selbst ent­wor­fe­nen vir­tu­el­len Gegen­übers – nur eben auf dem Smartphone. 

    Dabei han­delt es sich offen­kun­dig nicht nur um eine Spie­le­rei ähn­lich des Tama­got­chis in den neun­zi­ger Jah­ren. Men­schen ver­trau­en ihrem auf einem Sprach­mo­dell basie­ren­den Ava­tar ihre Pro­ble­me, Sor­gen und Nöte mit. Eini­ge ver­lie­ben sich gar in den vir­tu­el­len Traum­part­ner und tei­len sexu­el­le Obses­sio­nen. Was ist da los mit den Men­schen? Was könn­te ein Aus­lö­ser für die ver­such­te Nähe zu einer Maschi­ne sein? 

    Zuge­ge­ben, KI Sprach­bots wer­den immer bes­ser und Nut­zer von KI Assis­ten­ten nei­gen beim Umgang mit der KI zu Flos­keln wie Bit­te oder Dan­ke. Wis­send, dass eine KI eben nur ein Pro­gramm ist und Emo­tio­na­les Ver­ständ­nis und Empa­thie nicht repli­zie­ren kann, da ihr das Bewusst­sein für Emo­tio­nen fehlt, ist es umso erstaun­li­cher, dass sie als The­ra­peu­tin oder bes­te Freun­din ein­ge­setzt wird. Trotz die­ser Dif­fe­ren­zen und Unge­reimt­hei­ten scheint das Phä­no­men nicht nur auf undif­fe­ren­zier­te Cha­rak­te­re zuzutreffen. 

    Der SPIEGEL inter­view­te dazu ver­schie­de­ne Per­so­nen, die sich gar in einen Ava­tar ver­liebt haben, oder das zumin­dest glau­ben. Dabei ist ein pro­mo­vier­ter Wis­sen­schaft­ler, der für eine For­schungs­ge­sell­schaft arbei­tet. Auf der Seite
    kindroid.ai hat der Wis­sen­schaft­ler sich sei­ne Traum­frau gebas­telt. Wenn er sich auf der Sei­te ein­loggt, begrüßt er den Ava­tar mit den Wor­ten: Hi mein Lieb­ling, wie geht es Dir?“

    Chat­bots sind offen­sicht­lich ziem­lich gut dar­in, eine schein­ba­re Per­sön­lich­keit auf­zu­bau­en und Gefüh­le zu simu­lie­ren. Dabei wen­det die Soft­ware einen simp­len Trick an: Sie spie­gelt das Ver­hal­ten des Users. Die KI lernt durch den emo­tio­na­len Umgang, was ihr Erschaf­fer hören will und gibt das ent­spre­chend wie­der. Sind Men­schen, die sich ihren Part­ner auf dem Desk­top oder Smart­phone hal­ten, ein­fach nur Spin­ner? So ein­fach ist es wohl nicht, denn auch emo­tio­na­le Aus­nah­me­si­tua­tio­nen oder schwer­wie­gen­de Ver­trau­ens­brü­che kön­ne dazu füh­ren, dass Men­schen sich eher einem künst­li­chen Objekt anvertrauen. 

    Sicher haben die­se Bezie­hun­gen viel­leicht auch ihre Berech­ti­gun­gen und wer­den auf kurz oder lang viel­leicht sogar gesell­schaft­lich akzeptiert. 

    Solan­ge Men­schen noch unter­schei­den kön­ne zwi­schen einer vir­tu­el­len und einer rea­len Per­son, mag das viel­leicht noch mit Bereich moder­nes Spiel­zeug abge­tan sein; pro­ble­ma­tisch könn­te es wer­den, wenn sich die Mensch­heit erst an kri­tik­lo­se Ava­tare als eine Gesell­schaft, einen Freund, gar einen Part­ner gewöh­nen. Dann näm­lich besteht die Gefahr der Ent­frem­dung von der Rea­li­tät mit all den nega­ti­ven Konsequenzen. 

    Planet Ozean im Gasometer Oberhausen


    Im Indus­trie­denk­mal Gaso­me­ter Ober­hau­sen fin­det der­zeit die mul­ti­me­dia­le Aus­tel­lung „Pla­net Oze­an“ statt. Prä­sen­tiert wer­den groß­for­ma­ti­ge Foto­gra­fien und Fil­me, dar­un­ter beein­dru­cken­de Auf­nah­men wie der Harlekin‑Oktopus in Mayot­te, ein Blau­hai, ein See­lö­we mit Fet­zen­fisch und ande­re, teils sku­ri­le Unter­was­ser­be­woh­ner im Ozean. 

    Höhe­punkt ist die inter­ak­ti­ve Instal­la­ti­on „Die Wel­le“ in der obe­ren Eta­ge. Auf einer über 40 Meter hohen und 18 Meter brei­ten Lein­wand pro­ji­ziert die Show foto­rea­lis­ti­sche Mee­res­wel­ten – inklu­si­ve rie­si­ger Fische, Qual­len und Wale in Ori­gi­nal­grö­ße. Die Lein­wand ist unter der Kup­pel ange­bracht und Kis­sen in der Mit­te des Ober­ge­schos­ses laden ein, sich lie­gend dem Rausch der Tie­fe hinzugeben. 

    „Pla­net Oze­an“ ent­führt auf eine begeh­ba­re Rei­se durch die fas­zi­nie­ren­de Viel­falt der Welt­mee­re und reflek­tiert zugleich deren Ver­letz­lich­keit durch mensch­li­ches Ein­grei­fen. Die Ver­bin­dung aus XXL-Foto­gra­fie, moderns­ter Tech­nik, klang­li­cher Insze­nie­rung und inter­ak­ti­ven Visua­li­sie­run­gen macht die Aus­stel­lung zu einem ein­drucks­vol­len Erleb­nis. Die Aus­tel­lung geht noch bis Ende Novem­ber, diens­tags bis sonn­tags von 10.00 Uhr — 18.00 Uhr. Lohnt sich jedenfalls.