Sprechdurchfall

Im Zusam­men­hang mit dem Text von Horst Schul­te über das erneu­te, doku­men­tier­te und kaum ver­ständ­li­che Gefa­sel des US-Prä­si­den­ten ist mir auf­ge­fal­len, dass nicht nur Donald Trump zu zusam­men­hangs­lo­sen Reden neigt. Auch im beruf­li­chen All­tag begeg­net man die­sem Phä­no­men nicht sel­ten – meist kopf­schüt­telnd oder ein­fach nur genervt.

Was mir dabei bis­lang nicht bewusst war: Hin­ter einem sol­chen Rede­drang kann durch­aus eine ernst­haf­te psy­chi­sche Stö­rung ste­cken. Der Fach­be­griff Logor­rhoe beschreibt ein über­mä­ßi­ges, schnel­les Reden ohne Punkt und Kom­ma, häu­fig beglei­tet von sprung­haf­ten Gedan­ken­gän­gen. Die­ses Sym­ptom tritt unter ande­rem bei bipo­la­ren Stö­run­gen oder Psy­cho­sen auf.

Ein wei­te­res Warn­si­gnal kann eine aus­ge­prägt zusam­men­hangs­lo­se Spra­che sein, wie sie etwa bei Schi­zo­phre­nie vor­kommt. In die­sem Zusam­men­hang spricht man auch von soge­nann­tem „Wort­sa­lat“. Eben­so kann eine des­or­ga­ni­sier­te Spra­che – gekenn­zeich­net durch Umständ­lich­keit, man­geln­de Logik oder plötz­li­che Gedan­ken­sper­run­gen – auf eine ernst­haf­te psy­chi­sche Erkran­kung hindeuten.

Mei­ne bis­he­ri­ge Annah­me, dass noto­ri­sche Schwät­zer schlicht ver­su­chen, ihre fach­li­che Unfä­hig­keit zu kaschie­ren, trifft also offen­sicht­lich nicht immer zu. Notiz an mich: Beim nächs­ten ver­ba­len Dau­er­feu­er weni­ger an Selbst­dar­stel­lung den­ken – und statt­des­sen viel­leicht einen Arzt­be­such empfehlen.

Kriegsverbrechen im Sauerland

Gestern erin­ner­te der bun­des­wei­te Gedenk­tag des Holo­caust an die Befrei­ung des KZ in Ausch­witz. Das Ver­nich­tungs­la­ger Ausch­witz ist wohl das Syn­onym für die Ver­bre­chen der Deut­schen und die Ermor­dung von über einer Mil­li­on Men­schen allein in Ausch­witz, vor­wie­gend Juden, Sin­ti und Roma und sowje­ti­sche Kriegs­ge­fan­ge­ne. Aber auch hier im Sau­er­land gab es grau­sa­me Ermor­dun­gen und Ver­bre­chen gegen die Menschlichkeit. 

Ende März 1945 ver­üb­te ein Kom­man­do der soge­nann­ten „Divi­si­on zur Ver­gel­tung“ im Raum Sut­trop ein Mas­sa­ker an 57 Zwangs­ar­bei­te­rin­nen und Zwangs­ar­bei­tern sowie einem Säug­ling. Der Säug­ling wur­de wie ein Tier mit dem Kopf an einen Baum geschla­gen, bis er tot war. Die Geflüch­te­ten wur­den gezielt inter­niert, in einer Schu­le fest­ge­hal­ten und schließ­lich in einem Wald­ge­biet sys­te­ma­tisch erschos­sen. Das Ver­bre­chen steht exem­pla­risch für die bru­ta­len End­pha­se­ver­bre­chen des NS-Regimes und zeigt die kalt geplan­te Gewalt gegen schutz­lo­se Men­schen bis in die letz­ten Kriegstage.

Die Lei­chen der Getö­te­ten wur­den Ende April nach dem Ein­marsch der Alli­ier­ten exhu­miert. Die gesam­te Orts­be­völ­ke­rung von Sut­trop und Kal­len­hardt, d.h. Kin­der ein­ge­schlos­sen, wur­de gezwun­gen, als Süh­ne­maß­nah­me am 3. Mai 1945 an den gegen­über der Erschie­ßungs­stel­le auf­ge­reih­ten Lei­chen vor­bei­zu­ge­hen. Eine Tan­te von mir erin­nert sich dar­an, als Kind eben­falls die Lei­chen­ber­ge gese­hen zu haben. 

Die gesam­te Doku­men­ta­ti­on und die fil­mi­sche Auf­zeich­nung des Vor­bei­gangs an den Lei­chen ist auf der Sei­te lwl.org — West­fä­li­sche Geschich­te dokumentiert.

Geschüttelt, nicht gerührt

Am Sams­tag habe ich mir den letz­ten Teil aus der lan­gen Rei­he der Bond-Fil­me noch ein­mal ange­se­hen. Der Film lief bereits 2021 im Kino, für mich war es also eine Wie­der­ho­lung. Eigent­lich hat­te ich gehofft, in die­sem Jahr wie­der ein­mal wegen Bond ins Kino zu gehen. Zu früh gefreut.

Ama­zon MGM Stu­di­os hat inzwi­schen die krea­ti­ve Kon­trol­le über die 007-Rei­he über­nom­men, das war’s dann aber auch schon. Weder gibt es ein Dreh­buch, noch eine erkenn­ba­re Idee – und von einem neu­en Bond-Dar­stel­ler ganz zu schweigen.

Auf mei­ner Wunsch­lis­te für einen neu­en Bond gehört ein Dar­stel­ler vom Typ Pier­ce Bros­nan in die Rol­le des MI6-Agen­ten. Dani­el Craig hat sei­ne Sache kei­nes­wegs schlecht gemacht, im Gegen­teil. Doch gera­de in den letz­ten Fil­men war mir zuviel Gefühls­du­se­lei im Spiel.

Ein Dop­pel-Null-Agent im Ein­satz rich­tet sich not­falls auch unter Was­ser erst ein­mal die Kra­wat­te – und macht dann wei­ter. Das hat­te Stil. Zu sehen ab der drit­ten Minute

So was erwar­tet man von einem bri­ti­schen Geheim­agen­ten. Die Buch­ma­cher­sei­ten lau­fen übri­gens schon heiß, wer wohl Nach­fol­ger von Bond wer­den soll. Hoch gehan­delt wer­den zwei Nach­fol­ger: Callum Tur­ner und Tay­lor-John­son gel­ten der­zeit als die hei­ße Anwär­ter, wenn man Spe­ku­la­tio­nen und Wett­quo­ten zusam­men betrachtet.

Ich hät­te mir Idris Elba eben­falls vor­stel­len kön­ne, schließ­lich hat der die not­wen­di­ge Bla­siert­heit für einen James Bond. Elba ist aller­dings auch schon 53 Jah­re alt. Nach eige­nen Anga­ben steht er nicht zur Ver­fü­gung, obwohl er offen­sicht­lich einen Spaß dar­an hat, die Dis­kus­sio­nen immer wie­der anzu­fa­chen.

Per­sön­lich fällt mir noch Tom Har­dy ein, der in Mob­Land bewie­sen hat, dass er mit aus­drucks­lo­ser Mie­ne die Lizenz zum Töten hat. 

Wie auch immer, es ist wohl so, dass vor 2028 nichts viel pas­siert. Geplant ist der­zeit kon­kret noch nichts. Also heißt es war­ten und viel­leicht den ein oder ande­ren Bond-Film von ins­ge­samt 25 Fil­me noch mal gucken:

Wei­ter­le­sen

Killer Web Sites

In den mei­nen Anfän­gen des Inter­nets war mein gro­ßes Vor­bild David Sie­gel. Der Web­de­si­gner und Typo­graf setz­te 1996 mit dem Buch »Crea­ting Kil­ler Web Sites« die Stan­dards für das dama­li­ge Design im Netz. Sie­gel war der Ansicht, Web­sei­ten müss­ten über­ra­schen, typo­gra­fisch sau­ber gestal­tet und vor allem schnell sein. Kei­ne Web­site über 70kB, war der Grund­satz damals.

Die Mas­se der User war mit einem 56kB Modem unter­wegs, eini­ge weni­ge mit einer ISDN-Lei­tung. Sie­gel erreich­te gute Lade­zei­ten bei sei­nen Sei­ten, indem er, neben dem Design, alles opti­mier­te, was nur irgend­wie das Laden der Sei­te ver­lang­samt hät­te. Heu­te sind Web­sei­ten ungleich grö­ßer und die Daten­grö­ße ist nicht mehr allei­ni­ges Hauptmerkmal. 

Durch DSL und Glas­fa­ser­lei­tun­gen sind selbst anspruchs­vol­le Sei­ten schnell gela­den. Trotz­dem gilt: Sei­ten, die mehr als 3 Sekun­den laden, wer­den in der vom User weg­ge­klickt. So soll­ten Sei­ten auch noch heu­te, in weni­ger als zwei Sekun­den gela­den sein. 

Das ist heu­te kein Hexen­werk mehr, durch die ver­schie­de­nen Tech­ni­ken laden ins­be­son­de­re Word­Press Sei­ten inner­halb die­ser Zeit und schnel­ler. Neben­bei ist eine kur­ze Lade­zeit auch Ran­king­fak­tor bei Google. 

Als ich heu­te mor­gen durch den Web­ring-Feed durch uber­blogr geklickt habe, ist mir eine Sei­te auf­ge­fal­len, die extrem lan­ge brauch­te, um zu laden. Es gibt sicher tau­send Din­ge wor­an das lie­gen könn­te, eine Lade­zeit von 5 Sekun­den (gemes­sen über https://tools.pingdom.com) ist ent­schie­den zu lang. 

Gera­de Blogs soll­ten ihr Haupt­au­gen­merk auf die Lade­zei­ten richten. 

Heu­te sind schnel­le Lade­zei­ten bei­spiels­wei­se mit Gene­ra­te­Press oder dem Ein­satz ver­schie­de­ner Caching-Metho­den kein Pro­blem mehr. Umso schlim­mer, wenn dann ein Blog­be­trei­ber sei­nen Besu­chern eine lan­ge Lade­zeit zumutet. 

Tipp: Star Trek — Starfleet Academy

Warp­kern­bruch steht unmit­tel­bar bevor. Die unmiss­ver­ständ­li­che Ansa­ge des Bord­com­pu­ters vor einer bevor­ste­hen­den Kata­stro­phe, darf natür­lich nicht feh­len. In der Pilot­fol­ge zur neu­en Serie Star Trek: Star­fleet Aca­de­my ist das aber nur eine holo­gra­phi­sche Fin­te, um den Ober­schur­ken Nus Bra­ka (Paul Gia­mat­ti) vom Schiff zu vertreiben.

Der Pilot­film lief (läuft?) auf kos­ten­los aus You­tube, die Serie wird von Para­mount+ aus­ge­strahlt. (den ich auf­grund grot­ti­ger Soft­ware gekün­digt habe 🙄)

Vor­weg: Ent­ge­gen den vie­len Ver­ris­sen der Star-Trek Fan­ge­mein­de: Ich fand den Pilot­film rich­tig gut. Man merk­te ins­be­son­de­re den Haupt­fi­gu­ren die Spiel­freu­de an. Kanz­le­rin und Cap­tain Nahla Ake (Hol­ly Hun­ter) Halb-Lan­tha­ni­tin und immer­hin über 400 Jah­re alt, nimmt sich einer Hor­de von jun­gen Kadet­ten an. Ver­schie­den Spe­zi­es, ver­schie­de­ne Cha­rak­te­re, arro­gan­te Schnö­sel aus denen ein­mal gute Offi­zie­re wer­den sol­len. Das ist im Grun­de das Gemenge­la­ge, aus dem sich eine neue Serie im Star-Trek Uni­ver­sum erge­ben soll. 

Die Hand­lung ist schnell erzählt:
Eine Grup­pe jun­ger Men­schen, die sich als Ster­nen­flot­ten-Offi­zie­re aus­bil­den las­sen, um die Föde­ra­ti­on nach einer inter­stel­la­ren Kata­stro­phe wie­der auf­zu­bau­en, begibt sich im Raum­schiff (lei­der nicht die Enter­pri­se) unter der Lei­tung von Cap­tain Nahla Aken zur neu gegrün­de­ten Ster­nen­flot­ten­aka­de­mie in San Francisco. 

Auf dem Weg meis­tern die Kadet­ten eini­ge Her­aus­for­de­run­gen, knüp­fen Freund­schaf­ten und stel­len sich einem neu­en Feind, dem Welt­raum­pi­ra­ten Nus Bra­ka. Der Pilot­film läuft (legal) auf You­tube, ist span­nend und wit­zig und ver­spricht eine inter­es­san­te Serie zu wer­den. Die Trek­kie-Gemein­de sieht das zwar anders, vie­le Fans kri­ti­sie­ren Kli­schees, zu sei­fen­haf­te Jugend­dra­ma-Ele­men­te und feh­len­de Logik­lü­cken, hol­ly­wood­rei­fes Tem­po und Vorhersehbarkeit. 

Aber, hey die Serie ver­folgt kei­ne wis­sen­schaft­li­chen Ansprü­che, sie soll nur unterhalten. 

Alte Blogger?

Marco fragt sich mit sei­nen 26 Jah­ren, ob Blogs inzwi­schen über­wie­gend von älte­ren Blog­ge­rin­nen und Blog­gern betrie­ben wer­den und ob es eigent­lich auch jün­ge­re Blog­ger gibt. Beim Scrol­len durch den Uber­blogr-Feed ist ihm jeden­falls auf­ge­fal­len, dass offen­bar kaum jemand in sei­nem Alter ver­tre­ten ist.

Der Web­ring uberblogr.com ist mit rund 320 gelis­te­ten Blogs zwar ordent­lich auf­ge­stellt. Ob die­se Zahl jedoch für eine belast­ba­re empi­ri­sche Aus­sa­ge aus­reicht, darf bezwei­felt wer­den. Hin­zu kommt ein wei­te­rer Effekt: Oft folgt hier der eine dem ande­ren. Letzt­lich unter­schei­det sich das bei Uber­blogr nicht wesent­lich von ande­ren Netz­wer­ken. Man folgt sich, weil es inhalt­li­che Über­schnei­dun­gen gibt – und die­se ent­ste­hen häu­fig dort, wo eine gewis­se Homo­ge­ni­tät herrscht.

Die the­ma­ti­sche Inter­es­sen­la­ge ist dabei nicht sel­ten alters­ab­hän­gig, es sei denn, es han­delt sich um klar abge­grenz­te Spe­zi­al­the­men wie Word­Press, CSS oder ande­re tech­ni­sche Fragestellungen.

Tat­säch­lich exis­tiert eine wis­sen­schaft­li­che Unter­su­chung zum Blog­gen in Deutsch­land. Prof. Dr. Micha­el Schenk von der Uni­ver­si­tät Hohen­heim hat sich in einer Stu­die mit dem Selbst­ver­ständ­nis von The­men­blog­gern beschäf­tigt. Die Unter­su­chung stammt zwar aus dem Jahr 2014, lie­fert aber nach wie vor auf­schluss­rei­che Ergeb­nis­se. Beson­ders inter­es­sant sind die Moti­ve für das Blog­gen: Neben dem Wunsch, einen per­sön­li­chen Bei­trag zur Mei­nungs­bil­dung zu leis­ten, nann­ten die Befrag­ten Unter­hal­tung, sozia­le Aner­ken­nung, beruf­li­che Chan­cen und Selbst­re­fle­xi­on als zen­tra­le Antriebsfaktoren.

Die in der Stich­pro­be erfass­ten Blog­ge­rin­nen und Blog­ger waren über­wie­gend männ­lich (68,9 Pro­zent) und im Durch­schnitt 38,1 Jah­re alt. Die Alters­span­ne reich­te dabei von 14 bis 72 Jah­ren. Von einer rei­nen Alters­ko­hor­te kann also kei­ne Rede sein.

Dar­über hin­aus beleuch­tet die Stu­die Fra­gen zum zeit­li­chen Auf­wand, zu genutz­ten tech­ni­schen Mit­teln, Recher­che­pra­xis, jour­na­lis­ti­scher Qua­li­tät sowie zum Bil­dungs­ab­schluss der Blog­gen­den. Ins­ge­samt han­delt es sich um eine durch­aus lesens­wer­te und nach wie vor rele­van­te Untersuchung.

DFJV-Stu­die-Blog­ger-Jour­na­lis­mus

Quel­le:dfjv.de

Aufgewärmtes

Arbeit­ge­ber­prä­si­dent Rai­ner Dul­ger ist für sei­ne neo­li­be­ra­len Posi­tio­nen bekannt. Die aktu­el­le Wirt­schafts­flau­te kommt ihm dabei durch­aus gele­gen: Dient sie ihm doch als will­kom­me­ner Anlass, aus sei­ner Sicht längst über­fäl­li­ge Refor­men im Arbeits­recht kon­se­quent im Sin­ne der Arbeit­ge­ber voranzutreiben.

Das ist erst mal nichts Ver­werf­li­ches. Dul­ger ver­tritt die Inter­es­sen der Arbeit­ge­ber – genau dafür ist sein Ver­band da. Pro­ble­ma­tisch wird es dort, wo er der Regie­rungs­ko­ali­ti­on vor­wirft, „hart an der Gren­ze der Ver­ant­wor­tungs­lo­sig­keit“ zu han­deln, und der SPD attes­tiert, den „Ernst der Lage“ noch immer nicht erkannt zu haben.

Was er damit meint, bleibt sein Geheimnis. 

Kon­kret for­dert der 61-Jäh­ri­ge die Abschaf­fung der tele­fo­ni­schen Krank­schrei­bung, eine Neu­re­ge­lung der Lohn­fort­zah­lung im Krank­heits­fall sowie eine soge­nann­te „Moder­ni­sie­rung des Arbeits­zeit­ge­set­zes“. Was unter dem Eti­kett Reform und Moder­ni­sie­rung ver­kauft wird, läuft in der Sum­me jedoch auf einen arbeits­markt­po­li­ti­schen Rück­schritt hin­aus – eher zurück in die 1970er Jah­re als nach vorn.

Dabei müss­te der Per­spek­tiv­wech­sel eigent­lich genau anders­her­um aus­se­hen. Nicht mehr, son­dern klü­ger soll­te gear­bei­tet wer­den. Dort, wo Digi­ta­li­sie­rung und der Ein­satz künst­li­cher Intel­li­genz Arbeit effi­zi­en­ter, leich­ter und pro­duk­ti­ver machen, müs­sen sie auch kon­se­quent genutzt wer­den. Das geschieht aller­dings nicht von selbst. Wer Bil­der bei Face­book hoch­la­den kann, ist noch lan­ge nicht in der Lage, digi­ta­le Pro­zes­se zu steu­ern oder KI sinn­voll einzusetzen.

Genau hier liegt die eigent­li­che Ver­ant­wor­tung der Arbeit­ge­ber. Wei­ter­bil­dung in digi­ta­len Kom­pe­ten­zen und im Umgang mit KI sind die wirk­lich über­fäl­li­gen Refor­men – und sie las­sen sich nur in den Unter­neh­men selbst anstoßen.

Krank­schrei­bung und Lohn­fort­zah­lung refor­mie­ren? Ja, auch das liegt in der Hand der Arbeit­ge­ber. Was spricht dage­gen, Mit­ar­bei­ten­de bis zu drei Tage wei­ter zu bezah­len, wenn sie krank zu Hau­se blei­ben? Nichts. Außer viel­leicht die Erkennt­nis, dass vie­le danach schnel­ler an ihren Arbeits­platz zurück­keh­ren wür­den – zumin­dest dann, wenn es ihr Gesund­heits­zu­stand zulässt.

Der demo­gra­fi­sche Wan­del wird die Unter­neh­men ohne­hin hart tref­fen. Wer ent­schei­det sich künf­tig noch für die freie Wirt­schaft, wenn Mili­tär, öffent­li­cher Dienst und Indus­trie zuneh­mend um die­sel­ben Fach­kräf­te kon­kur­rie­ren? Die Bun­des­wehr etwa bie­tet längst attrak­ti­ve zivi­le Arbeits­plät­ze in Ver­wal­tung, Logis­tik, Ver­trieb oder Instand­hal­tung – inklu­si­ve plan­ba­rer Karrierewege.

Unter­neh­men wer­den sich des­halb anstren­gen müs­sen: attrak­ti­ve­re Arbeits­plät­ze, ver­läss­li­che Kin­der­be­treu­ung, soli­de Alters­vor­sor­ge. Und vor allem: Abschied von Arbeits­mo­del­len, die auf zehn Stun­den mono­to­ne Tätig­keit set­zen. Dank Digi­ta­li­sie­rung und KI ist die­ser Abschied nicht nur mög­lich, son­dern überfällig.

Andern­falls droht ein ande­res Sze­na­rio: der Ver­lust des Anschlus­ses – und die Reduk­ti­on auf die ver­län­ger­te Werk­bank ande­rer Volkswirtschaften.

Also weg mit den Phra­sen. Wir brau­chen kei­nen alten Wein in neu­en Schläu­chen. Wir brau­chen klu­ge Köp­fe. Wir brau­chen Sys­te­me, die aus Daten ler­nen, Mus­ter erken­nen, Tex­te gene­rie­ren und Ent­schei­dun­gen vorbereiten.

Chat­bots, auto­ma­ti­sier­te Sach­be­ar­bei­tung, Ana­ly­se-Tools zur Aus­wer­tung gro­ßer Daten­men­gen – all das ist längst Rea­li­tät und muss kon­se­quent genutzt wer­den. Tätig­kei­ten, die stark stan­dar­di­sier­bar sind, soll­ten auto­ma­ti­siert wer­den. Umso ent­schei­den­der wird Wei­ter­bil­dung in digi­ta­len und KI-Kom­pe­ten­zen für die Beschäf­ti­gungs­fä­hig­keit der Zukunft.

Das sind Refor­men, die Unter­neh­men wirk­lich brau­chen – und die sie selbst gestal­ten kön­nen. Was wir nicht brau­chen, sind Zehn-Stun­den-Tage und ein grund­sätz­li­ches Miss­trau­en gegen­über erkrank­ten Beschäftigten.

Polarlichter

Das ist nun etwas, was im Sau­er­land eher sel­ten zu sehen ist. Polar­lich­ter über dem Haar­strang, ges­tern Abend gegen 23.00 Uhr. Und nein, dies­mal ist kei­ne KI im Spiel.


Bild: Nadi­ne