Jährlicher Sommerhinweis

Ich weiß, es sind 30 Grad da drau­ßen und auch auf die Gefahr hin mich unbe­liebt zu machen, muss ich doch auch in die­sem Som­mer mei­nen Appell an die Her­ren der Schöp­fung rich­ten, kei­ne kur­zen Hosen zu tra­gen. Nun sind wir Män­ner was die Mode angeht, ziem­lich unbe­darft. Nichts­des­to­we­ni­ger gibt es eine unte­re Mode­gren­ze, die tun­lichst nicht unter­schrit­ten wer­den soll­te: Jog­ging­ho­sen und KURZE Hosen. Das gilt zumin­dest für Män­ner ab einem gewis­sen Alter. Ja man könn­te sogar sagen, dass die sitt­li­cher Rei­fe mit Beginn der Aus­sor­tie­rung der Jog­ging­ho­sen, kur­zen Hosen und zu engen T‑Shirts mit Löchern beginnt. Also Män­ner, ertragt die Hit­ze wie ein Mann und zieht die kur­zen Hosen nur da an, wo euch nie­mand sieht. Zur Ori­en­tie­rung ein paar Hin­wei­se, die bei Beant­wor­tung mit Ja die unver­fäng­li­che Kleid­sam­keit kur­zer Hosen bejaht.
Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie dazu gehö­ren, dann machen Sie ein­fach einen klei­nen Test:

  • Sind sie beim Fuss­ball, Hand­ball oder Ten­nis – und zwar auf dem Platz und nicht auf der Zuschauertribüne?
  • Sind sie in einem Trach­ten­ver­ein und auf dem Weg zu einer Veranstaltung?
  • Sind sie an einem Ort, an dem nie­mand Ein­blick hat und nie­mand ohne Vor­ankün­di­gung her­ein­kom­men kann?
  • Ist Ihr Name Char­lie Brown oder Micky Maus?
  • Sind sie unter 12 Jah­re alt?
  • Das bisschen Haushalt.…

    Vor­ges­tern ver­starb die Film‑, Thea­ter- und Musi­cal­schau­spie­le­rin Johan­na von Koc­zi­an, die mit ihrem Lied Das biss­chen Haus­halt mach sich allein, sagt mein Mann“, auch als Sän­ge­rin Erfolg hat­te. Das Lied nimmt sar­kas­tisch die Rol­len­ver­tei­lung in den 70er Jah­ren auf die Schüppe .

    50 Jah­re spä­ter gehört die strik­te Rol­len­ver­tei­lung im Haus­halt (Frau am Herd, Mann auf Sofa) weit­ge­hend der Ver­gan­gen­heit an. Jeder macht heu­te das, was er/sie am bes­ten kann, jeden­falls ken­ne ich das so.

    Nun, bei uns ist die Küche mein Revier, und zwar nicht nur zum Kochen, son­dern auch, was Ord­nung und Sau­ber­keit angeht. Mei­ne Ord­nung, ver­steht sich.

    Oft­mals führt das dazu, dass Mrs. L’s Ansicht mit mei­ner nicht korreliert.

    Mrs. L steht bei­spiels­wei­se mit der Spül­ma­schi­ne auf Kriegs­fuß. Eigent­lich ist die Daseins­be­rech­ti­gung einer Spül­ma­schi­ne weit­ge­hend selbst­er­klä­rend. Die Maschi­ne wird zyklisch mit Geschirr und Besteck gefüllt und ver­sieht nach Inbe­trieb­nah­me ihren Dienst.

    Mrs. L aller­dings spült regel­mä­ßig mit der Hand, was dem Spül­ma­schi­nen­ge­brauch dia­me­tral ent­ge­gen­läuft denn so muss die Maschi­ne ihren Betrieb auf­neh­men, ohne ihre Kapa­zi­tät voll aus­ge­schöpft zu haben.

    Der männ­li­chen Logik – also mei­ner Logik — wei­ter fol­gend soll­te der Sinn einer Säu­be­rung – und Auf­räum­ak­ti­on dar­in bestehen, alles, aber auch wirk­lich alles in greif­ba­rer Nähe zu säu­bern, zu ord­nen bzw. der Spül­ma­schi­ne zu überordnen.

    Mrs. L ist aller­dings der Ansicht, dass ein gebrauch­tes Glas zur Mehr­fach­ver­wen­dung genutzt wer­den sollte.

    Den Hin­weis auf das Vor­han­den­sein einer Spül­ma­schi­ne, die eh alle zwei Tage läuft, kom­men­tiert Mrs. L mit dem Hin­weis: „Bei mehr­ma­li­gen Gebrauch eben nicht.“