Kuriose Gedenktage

Erstaun­li­cher­wei­se gibt es offen­sicht­lich, neben den bekann­ten Fei­er­ta­gen, in der Bun­des­re­pu­blik, bzw. welt­weit, Gedenk­ta­ge für alles Mög­li­che und Neben­säch­li­che. Ges­tern war der Tag der Logik, der an die gro­ßen Den­ker der Geschich­te erin­nern soll. Das ist in so weit nach­voll­zieh­bar, als das es mit der Logik in eini­gen Tei­len der Gesell­schaft nicht so weit her ist und man zumin­dest dar­an erin­nert, dass Deutsch­land im 19. Jahr­hun­dert ein­mal das Land der Dich­ter und Den­ker war.

Im 21. Jahr­hun­dert, wo sich die sozia­len Nor­men dem fak­ti­schen Ver­hal­ten und der geleb­ten Pra­xis in der Gesell­schaft anglei­chen, dürf­te der Tag der Jog­ging­ho­se am nächs­ten Mitt­woch, den 21. Janu­ar, wohl eher auf Zustim­mung treffen.

Zeit­gleich an dem Tag ist der Welt­knud­del­tag, der zumin­dest in den USA zele­briert wird. Der Tag soll dar­an erin­nern, Gefüh­le in der Öffent­lich­keit bes­ser zum Aus­druck bringen. 

Übri­gens: Auch wenn der Welt­knud­del­tag als Akti­ons­tag defi­niert ist, warnt Wiki­pe­dia aus­drück­lich davor, dass der Tag nicht zum Ziel hat, wild­frem­de Men­schen in der Öffent­lich­keit zu umarmen. 

Schon gar nicht in Jogginghose. 

Dresscode

So eine Beer­di­gung ist ja eigent­lich ein for­mel­ler Anlass. Glück­li­cher­wei­se möch­te man mei­nen, denn for­ma­le Abläu­fe erspa­ren mit­un­ter eine Rei­he von Pein­lich­kei­ten. Teil­neh­men­de wis­sen in der Regel, was zu tun ist. Wer’s nicht weiß: In Schwarz klei­den, die Hän­de fal­ten und betrof­fen gucken. 

In den letz­ten Jah­ren konn­te man aller­dings eine zuneh­men­de Indi­vi­dua­li­sie­rung von Bei­set­zun­gen beob­ach­ten. Nicht mehr Psalm 23 und schwar­zer Anzug sind gefragt. Non­kon­for­mis­mus auch auf Beer­di­gun­gen. Jede noch so skur­ri­le Idee wird zuneh­mend umge­setzt, selbst hier auf dem Dorf. Angeb­lich immer auf Wunsch des Ver­stor­be­nen. Kunst­stück, Ver­stor­be­ne ent­zie­hen sich gemein­hin der Nachfrage.
Eben­falls angeb­lich auf Wunsch des Ver­stor­be­nen soll kei­ne Trau­er­klei­dung getra­gen wer­den, was zumin­dest bei mir die Fra­ge auf­wirft: Was denn sonst? 

Ich mei­ne ich kann ver­ste­hen, wenn aus kul­tu­rel­len Grün­den auf schwar­ze Beklei­dung ver­zich­tet wird, wenn bei­spiels­wei­se die Far­be weiß Trau­er bekundet.
Im Som­mer auf einer Beer­di­gung dann die Aus­wüch­se die­ser Neue­rung. Kur­ze Hosen, Schlab­ber­shirts und Jogginghosen. 

WTF?

Heu­te dann eine wei­te­re Ein­la­dung – aller­dings kei­ne Beer­di­gung — mit Anga­be des Dresscodes:

Urban Fes­ti­val Chic.
Mix & Match: Ein Mix aus Street­style und State­ment-Pie­ces, Laye­ring, auf­fäl­li­ge Accessoires

Was auch immer das heißt: Ich den­ke, der nicht mehr benö­tig­te schwar­ze Beer­di­gungs­an­zug ist wohl passend. 

Metaphorisches Geblubber

In einer Fol­ge der Serie Raum­schiff Enter­pri­se „The next Gene­ra­ti­on“, trifft die Crew auf eine Spe­zi­es, deren Spra­che, bzw. die Anein­an­der­rei­hung von Wor­ten, zwar ver­ständ­lich, aber nicht zu ver­ste­hen ist. Das Volk der Tama­ria­ner unter­hal­ten sich meta­pho­risch, die Wör­ter erge­ben als Satz für Außen­ste­hen­de kei­nen Sinn. 

Genau­so wie die KI-Kom­men­ta­re, denen ich seit eini­gen Tagen aus­ge­lie­fert bin. Bei­spiel gefällig?

„Der nächste Krieg ist ja wohl auch schon ausgerufen worden, nur eben ohne offizielle Bekanntgabe und mit weniger Schrotflinten, dafür aber mit riesigen Datenmengen und einer gewissen Dringlichkeit, wie sie auch in den Kommentaren spürbar ist. Man muss ja nicht immer Soldat sein, um für den eigenen Server zu kämpfen!“

Lie­be KI, viel­leicht soll­test Du die Kolum­nen des ver­stor­be­nen Franz-Josef Wag­ner, zu fin­den im Archiv der BILD-Zei­tung, in dei­nen Schreib­mo­dus inte­grie­ren, der hat zwar auch viel Mist geschrie­ben, aber wenigs­ten umwa­ber­te sein Geschreib­sel den Hauch eines gefal­le­nen Dich­ters. Vor allem war es manch­mal in Tei­len wenigs­tens unter­halt­sam.

Weihnachtsessen

Weih­nach­ten ist es Sit­te, sich den Bauch ordent­lich voll­zu­schla­gen. In vie­len Fami­li­en steht Gans auf dem Spei­se­plan, ande­re bevor­zu­gen Rin­der­bra­ten. Hei­lig­abend ist es hier im Sau­er­land (und viel­leicht noch anders­wo – ich weiß es nicht genau) Tra­di­ti­on, Kar­tof­fel­sa­lat mit Würst­chen auf­zu­ti­schen. Und ehr­lich gesagt – Mrs.L liest ja nicht mit – ich habe das nie verstanden.

Aus­ge­rech­net Weih­nach­ten (Mrs. L wür­de pro­tes­tie­rend rich­tig­stel­len, dass es der Tag vor Weih­nach­ten wäre), jeden­falls in der Weih­nachts­zeit gibt es ein Essen, dass gemein­hin auf Bau­stel­len aller Art ser­viert wird. Hä? Ich mei­ne, wir essen uns am 25. und 26. Dezem­ber die Bäu­che dick und aus­ge­rech­net Hei­lig­abend ist Schmal­hans Küchenmeister?

Na, wahr­schein­lich hat das auch wie­der mit Reli­gi­on zu tun und das The­ma mei­det man bes­ser an Weih­nach­ten (in Dis­kus­si­on zu Weih­nach­ten, nicht in der Ausführung)

Jeden­falls war man frü­her schon arg gebeu­telt, was die Aus­wahl des Essens in der von den Kir­chen ver­ord­ne­ten spei­se­ar­men Zeit, der soge­nann­ten Fas­ten­zeit, anging. Fleisch war (und ist?) ver­bo­ten, was vie­len Mit­bür­gern heut­zu­ta­ge durch­aus guttäte.

In die­ser Zeit kam, zumin­dest da wo der Otter behei­ma­tet war, sel­bi­ger zur Fas­ten­zeit auf den Tisch, galt er doch als Fisch und nicht als Fleisch und durf­te, ohne den lie­ben Gott zu ärgern, auch ver­speist werden.

Der Fisch­ot­ter schien aber so rich­tig kein Höhe­punkt dama­li­ger Ver­pfle­gung gewe­sen zu sein, obwohl es durch­aus aller­lei Rezep­te für das Fell­tier gab. Ein­gangs warnt das Rezept mit dem Satz: „Der Fisch­ot­ter ist nicht gera­de wohl­schme­ckend, doch fin­det er hin und wie­der als Fas­ten­spei­se Verwendung.“

Wer nun auf die Idee kommt, den Otter auf die Weih­nachts­pei­se­kar­te zu set­zen, weil das gleich eine schö­ne Fell­müt­ze mit sich bringt, der sei gewarnt: Der Fisch­ot­ter gehört zu den streng geschütz­ten Arten und darf nicht gejagt und noch weni­ger ver­speist werden.

Aus dem Knigge 1788

»Es gibt noch and­re klei­ne gesell­schaft­li­che Unschick­lich­kei­ten und Unkon­se­quen­zen, die man ver­mei­den und wobei man immer über­le­gen muß, wie es wohl aus­sehn wür­de, wenn jeder von den Anwe­sen­den sich die­sel­be Frei­heit erlau­ben woll­te; zum Bei­spiel: wäh­rend der Pre­digt zu schlafen [..]«

Vom Weihnachtsfestessen

Im 19. Jahr­hun­dert leg­te man sehr viel Wert auf die Eti­ket­te. Der Schrift­stel­ler Juli­us Stet­ten­heim nahm das zum Anlass, im Jah­re 1899 eine Benimm Fibel für gesell­schaft­li­che Anläs­se zu ver­fas­sen. Unter ande­rem gab er in sei­nem »Leit­fa­den durch das Jahr und die Gesell­schaft«, Tipps für die Gefah­ren, in die man beim Abend­essen gera­ten kann.

»Über den Umgang mit der Ser­vi­et­te möch­te ich eini­ge Zei­len sagen. Zu erschöp­fen wird die­ser Gegen­stand nicht sein. Ich fin­de, daß die Ser­vi­et­te, obwohl sie so etwas von einer Fah­ne der Kul­tur hat, eigent­lich ste­hen geblie­ben ist und heu­te noch wie vor hun­dert Jah­ren die Spei­sen­den mehr ärgert, als ihnen dient. Wer sie nicht zwi­schen Hals und Bin­de steckt, oder gar so befes­tigt, daß sie als Brust­schür­ze dient, – bei­des trägt nicht zur Hebung der mensch­li­chen Erschei­nung bei – wird die Bemer­kung machen, daß sie häu­fi­ger den Fuß­bo­den als den Schoß bedeckt. Stets strebt sie, her­ab­zu­fal­len, und man könn­te des­halb von einer Nie­der­tracht der Ser­vi­et­te sprechen.

Der Gast wird natür­lich immer wie­der dies eben­so nütz­li­che als untreue Wäsche­stück ein­zu­fan­gen suchen und zu die­sem Zweck sich seuf­zend bücken und die Hand unter die Tisch­de­cke ver­schwin­den las­sen müs­sen. Die­ser ein­fa­che, harm­lo­se und dem Rei­nen abso­lut rei­ne Vor­gang wird aber häu­fig miß­deu­tet, und es ist daher nötig, daß der tau­chen­de Gast sei­ne Tisch­nach­ba­rin genau abzu­schät­zen trach­tet, bevor er der abge­stürz­ten Ser­vi­et­te nachjagt.

Denn es gie­bt Damen, wel­che die­se Bewe­gung ihres Tisch­nach­bars miß­deu­ten und einen Schrei des Ent­set­zens aus­sto­ßen, so daß sich Män­ner in der Nähe fin­den, wel­che bereit schei­nen, die gar nicht gefähr­de­te Ehre der Schrei­en­den ener­gisch zu schützen.« 

Juli­us Stet­ten­heim — Der moder­ne Kinig­ge 1899

Darwin Award 2020

Auch die­ses Jahr wie­der fin­det die Preis­ver­lei­hung des Dar­win Award im Inter­net statt.Zur Erin­ne­rung: Der Dar­win Award wird meist post­hum an Men­schen ver­lie­hen, die sich durch gren­zen­lo­se Dumm­heit aus dem Gen­pool ver­ab­schie­det haben. In die­sem Jahr sind nominiert:

Der schieß­wü­ti­ge Haus­be­sit­zer aus dem US-Bun­des­staat Main, der sich mit einer selbst­ge­bas­tel­ten Selbst­schuss­an­la­ge an sei­ner Haus­tür höchst­ei­gen erschoss.

Eben­falls aus den USA, aus Mon­ta­na, ist der Pilot eines Pri­vat­flug­zeu­ges nomi­niert. Obschon ihm auf­ge­fal­len war, dass eine Lecka­ge am Tank das Cock­pit liter­wei­se mit Sprit flu­te­te, setz­te er den Flug nach einem Zwi­schen­stopp und den drin­gen­den Rat des dor­ti­gen Mecha­ni­kers, dies nicht zu tun, fort. Als er sich kurz nach dem Start anders ent­schied, dreh­te er um. Dabei ver­lor er die Kon­trol­le über das Flug­zeug und ende­te auf­grund des aus­ge­lau­fe­nen Treib­stoffs in einer Riesenexplosion.

Die drit­te Nomi­nie­rung wird an einen Über­le­ben­den ver­lie­hen, jedoch erfüllt der Kan­di­dat vor­aus­sicht­lich das zwei­ten Kri­te­ri­ums, weil aller Vor­aus­sicht nach das Skrot­um eben­falls in Mit­lei­den­schaft gezo­gen wor­den ist und sich der Kan­di­dat so aus dem Gen­pool zurück­ge­zo­gen hat:

Zwei Freun­de in Öster­reich nut­zen an Sil­ves­ter die Poba­cken des Einen zur Abschuss­ram­pe für eine Feu­er­werks­ra­ke­te. Der Aus­er­wähl­te hat sich nach Poli­zei­an­ga­ben offen­bar so erschro­cken, dass er die Poba­cken fest zusam­men­kniff; in Fol­ge des­sen konn­te die Rake­te nicht star­ten und ist im Bereich des Gesä­ßes explodiert.