Wahr & Unwahr

Wahr ist, dass sich der CDU-Kreis­tags­mit­glied Bernd Pran­ge mit einem offe­nen Brief eine Allein­re­gie­rung der AFD für die Land­tags­wah­len in Sach­sen-Anhalt wünscht und für die Wahl der Rechts­extre­men wirbt.

Wahr ist auch, dass Pran­ge vor­gibt, sel­ber die AFD wäh­len zu wol­len, da ihm die CDU »zu links sei«.

Unwahr ist, dass Pran­ge seit der Geburt eine Stö­rung im Prae­fron­ta­len Kor­tex hat, die mit einer Rechts-Links Schwä­che korreliert. 

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Wahr ist, dass Fried­rich Merz sei­nen Urlaub auf­grund der Wald­brän­de auch im Sau­er­land, nicht unter­bre­chen wollte.

Wahr ist auch, dass Bun­des­kanz­ler Merz im Jah­re 2021 zur Flut­ka­ta­stro­phe den Rück­tritt der dama­li­gen Minis­te­rin Anne Spie­gel for­der­te, da sie sich in der Zeit im Urlaub befand.

Unwahr ist, dass Merz nur des­halb nicht am Ort der Kata­stro­phe war, da er sei­nen Urlaub im eige­nen Geld­spei­cher ver­bringt und ver­ges­sen hat, wie die Tre­sor­tür aufgeht.

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Wahr ist, dass es bei den Land­tags­wah­len in Sach­sen-Anhalt für eine Regie­rungs­bil­dung der rechts­extre­men AFD rei­chen könnte.

Unwahr ist, dass die AFD bereits für die Regie­rungs­bil­dung Anlei­hen bei abge­half­ter­ten Künst­lern macht und Xavier Nadoo als Wis­sen­schafts­mi­nis­ter nebst Hei­no als Kul­tus­mi­nis­ter gehan­delt wird. 

Macht Ihnen die Hitze zu schaffen?

Eine E‑Mail mei­ner Kran­ken­kas­se deu­tet auf eine wich­ti­ge Nach­richt für mich. Offen­sicht­lich so wich­tig und sicher­heits­re­le­vant, dass die Nach­richt nicht über den digi­ta­len Weg der E‑Mail zuge­stellt wer­den konn­te, denn ich soll­te mich in das Kran­ken­kas­sen­por­tal ein­log­gen, um eben­die­se Nach­richt zu abzu­ru­fen. War­um mir die Nach­richt nicht in der E‑Mail zuge­sen­det wird, die ich bekom­men habe, um mich dar­auf auf­merk­sam zu machen, dass mir eine wich­ti­ge Nach­richt zuteil wür­de, die ich eben in die­sem Por­tal fin­de, weiß nur der über­be­zahl­te Digi­tal Mar­ke­ting Manager. 

Jeden­falls ver­su­che ich mich umge­hend ein­zu­log­gen. Statt der erwar­te­ten wich­ti­gen Nach­richt errei­chen mich meh­re­re Pop-Ups, die eben­so­vie­le Akti­vi­tä­ten for­der­ten: Geben Sie ihre TAN ein, die ihnen per Tele­fon zuge­sandt wird, Wol­len Sie sich das nächs­te Mal nicht lie­ber per TIN, Tan Tun, oder was auch immer anmel­den? Captchaab­fra­ge: Bit­te kli­cken Sie auf die Bil­der mit einer Brü­cke. (ein Unter­fan­gen, das selbst mit Bril­le kaum zu bewerk­stel­li­gen ist, so klein sind die Bil­der). Lei­der falsch, kli­cken Sie nun auf die Bil­der mit Fahr­rä­dern. (Ja was denn jetzt?!) Akzep­tie­ren Sie die Coo­kies? Möch­ten Sie einen News­let­ter abon­nie­ren? Möch­ten Sie an der Prä­mi­en­ge­win­nung teil­neh­men? Möch­ten Sie dies und das und jenes? 

Nach einer gefühl­ten Vier­tel­stun­de spä­ter dann end­lich die Nach­richt: »Moment, Sie wer­den auf ihre Nach­rich­ten­sei­te weitergeleitet.«

End­lich gelan­ge ich zur wich­ti­gen Nach­richt mei­ner Krankenkasse:

Guten Tag,
macht Ihnen die aktu­el­le Hit­ze­wel­le zu schaf­fen? Gera­de bei höhe­ren Tem­pe­ra­tu­ren kön­nen Schwin­del, Kopf­schmer­zen oder Kreis­lauf­be­schwer­den Ihren All­tag belasten.
Wir bie­ten allen, die medi­zi­ni­schen Rat für die hei­ßen Tage suchen, eine kos­ten­lo­se Hit­ze-Hot­line an. (….)

Lie­be Krankenkasse,
mir nicht, aber Euch?

Werbung für die AFD?

Der SPIEGEL hat den AFD Mann Ulrich Sieg­mund in sei­ner jüngs­ten Aus­ga­be aufs Titel­blatt gehievt. Sieg­mund ist AfD-Spit­zen­kan­di­dat für das Minis­ter­prä­si­den­ten­amt in Sach­sen-Anhalt, 35 Jah­re alt, in Umfra­gen mit über 40 Pro­zent Zustim­mung der Wäh­le­rin­nen und Wäh­ler im Land. Am 6. Sep­tem­ber könn­te er Chef der Chef der Lan­des­re­gie­rung wer­den und das für einen Lan­des­ver­band, den der Ver­fas­sungs­schutz seit 2023 als »gesi­chert rechts­extrem« führt. 

Das Maga­zin titelt dazu auf dem Cover: »Der gefähr­lichs­te Mann Deutsch­lands« und dürf­te dem Spit­zen­kan­di­dat und er AFD damit einen Rie­sen­ge­fal­len getan haben.

Denn — was ver­mut­lich als War­nung gemeint war, wirkt im Zusam­men­hang mit der Titel-Geschich­te eher er wie Werbung.

Sieg­mund kam 2024 bun­des­weit ins Gespräch, als sei­ne Teil­nah­me am Pots­da­mer Tref­fen im Land­haus Adlon bekannt wur­de – jenem Tref­fen, bei dem laut Cor­rec­tiv über einen »Mas­ter­plan« zur Ver­trei­bung von Mil­lio­nen Men­schen unter dem Begriff Remi­gra­ti­on gespro­chen wur­de. Von da an geht es im Arti­kel vor allem um Ver­pa­ckung: Wo ande­re in der AfD pol­tern, lächelt Sieg­mund. Wo ande­re Angst schü­ren, ver­kauft er Nähe. Der SPIEGEL nennt ihn gar »Schwie­ger­mut­ter-Typ«. Mit 19 CDU, mit 24 zur AfD, seit 2016 im Land­tag, seit 2022 Frak­ti­ons­chef zusam­men mit Oli­ver Kirch­ner. Dazu Tik­Tok-Kanal, Sim­son-Kor­sos, Ver­eins­prä­senz im gan­zen Land.

Inhalt­lich kri­ti­siert das Maga­zin zwar die straf­fe Linie Sieg­munds: Abschaf­fung des Asyl­grund­rechts, »Remi­gra­ti­ons­of­fen­si­ve«, Rück­bau des öffent­lich-recht­li­chen Rund­funks auf zwei Pro­gram­me, Bil­dungs­pflicht statt Schul­pflicht zur Ermög­li­chung von Heimunterricht. 

Das ist aller­dings kei­ne Kri­tik, das ist eine Beschrei­bung des AfD-Pro­gramms, das der Mann seit Jah­ren ver­tritt. Was soll­te er sonst vertreten?

Erst spät im Text kom­men die Fak­ten, die eigent­lich den Auf­ma­cher hät­ten tra­gen sol­len: Pres­se­spre­cher Patrick Harr war in der 2009 ver­bo­te­nen neo­na­zis­ti­schen »Hei­mat­treu­en Deut­schen Jugend« (HDJ) aktiv, eben­so Frak­ti­ons­mit­ar­bei­ter Lau­rens Not­h­durft, einer der füh­ren­den Köp­fe der HDJ. Land­tags­kan­di­dat Simon Lans­mann soll auf sei­nem Grund­stück eine völ­ki­sche Sonn­wend­fei­er ver­an­stal­tet haben, bei der laut Recher­chen ein Lied der Hit­ler­ju­gend gesun­gen wur­de. Recher­chen von t‑online und Cor­rec­tiv leg­ten zudem sys­te­ma­ti­sche Vet­tern­wirt­schaft offen: Abge­ord­ne­te beschäf­ti­gen ihre Ver­wand­ten als Mit­ar­bei­ter, bezahlt aus Steuergeld.

Wie ernst Sieg­mund die Macht­über­nah­me nimmt, zeigt ein Detail aus dem SPIE­GEL-Inter­view selbst: Sein Kabi­nett habe er „zu 95 Pro­zent” fer­tig, Namen nen­ne er aber nicht, das wür­de »medi­al ablen­ken«. Der SPIEGEL selbst schreibt, Sieg­munds Erfolg beru­he nicht auf gemä­ßig­ten Inhal­ten, son­dern auf Nah­bar­keit, Medi­en­prä­senz und der Fähig­keit, radi­ka­le Poli­tik so zu ver­pa­cken, dass sie nicht radi­kal wirkt. Genau das lie­fert der Titel dann auch: ein Foto, eine rei­ße­ri­sche Über­schrift, und ein Text, der über wei­te Stre­cken das Bild eines poli­ti­schen Machers zeich­net, bevor er zu den eigent­lich rele­van­ten rechts­extre­men Ver­bin­dun­gen kommt. 

Im Zusa­men­hang ergibt sich für die meis­ten Wäh­le­rin­nen und Wäh­ler eher das Bild eines Machers in der Poli­tik, dem selbst eta­blier­te Medi­en min­des­tens Aner­ken­nung zol­len. Der AFD jeden­falls konn­te nichts Bes­se­res pas­sie­ren, als die, wenn auch unge­woll­te, Dar­stel­lung eines boden­stän­di­gen, bür­ger­na­hen Man­nes, der es offen­sicht­lich schafft, die not­wen­di­ge poli­ti­sche Auf­merk­sam­keit zu errei­chen. Der SPIEGEL jeden­falls hat ihm die­se zuteil kom­men las­sen. Eigent­lich woll­te man davor war­nen, dass mit der Wahl die ers­te rechts­extre­mis­ti­sche Lan­des­re­gie­rung seit 1945 an die Macht kom­men könn­te, des­sen Spit­zen­kan­di­dat die inhalt­li­che und poli­ti­sche Linie in Gän­ze unterstützt. 

Da hilft auch kei­ne nach­träg­li­che Recht­fer­ti­gung mehr.

Lizenz zum Schnüffeln

Nach dem Zwei­ten Welt­krieg, noch unter dem Ein­druck der gän­gi­gen Gesta­po-Metho­den, ver­füg­ten die Alli­ier­ten für die noch jun­ge Bun­des­re­pu­blik eine strik­te Tren­nung zwi­schen Poli­zei und Geheim­dienst. Nie wie­der soll­te eine unkon­trol­lier­ba­re Geheim­po­li­zei ent­ste­hen. Im soge­nann­ten Poli­zei­brief von 1949 leg­ten die Sie­ger­mäch­te die orga­ni­sa­to­ri­sche Eigen­stän­dig­keit bei­der Behör­den­zwei­ge fest. Bis­her galt: exe­ku­ti­ve Zwangs­mit­tel – Durch­su­chun­gen, Fest­nah­men, Zugriff – blie­ben allein der Poli­zei vor­be­hal­ten, die dafür gegen­über Staats­an­walt­schaft und Gerich­ten rechen­schafts­pflich­tig ist. Geheim­dienst­li­che Arbeit soll­te sich auf das Sam­meln von Infor­ma­tio­nen und auf Beob­ach­tung beschrän­ken. Die­ses Tren­nungs­ge­bot ist bis heu­te eine der zen­tra­len Leh­ren aus Gesta­po und Stasi.

Genau an die­ser Grund­fes­te rüt­telt jetzt eine Reform, die wei­ter geht als alles, was es seit Grün­dung der Bun­des­re­pu­blik gab. Am 12. August 2026 hat das Kabi­nett unter Kanz­ler Fried­rich Merz einen knapp 700 Sei­ten star­ken Gesetz­ent­wurf aus dem Haus von Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Alex­an­der Dob­rindt (CSU) gebil­ligt. Kanz­ler­amts­che­fin Nina War­ken nann­te es die grund­le­gends­te Reform der Nach­rich­ten­diens­te seit ihrem Bestehen.

Die zentralen Punkte:

  • Video­über­wa­chung in Echt­zeit: BfV und BND sol­len pri­va­te und öffent­li­che Kame­ra­sys­te­me – etwa an Bahn­hö­fen oder in Ein­kaufs­zen­tren – live anzap­fen dürfen.
  • Bio­me­tri­scher Daten­ab­gleich: Groß­flä­chi­ge bio­me­tri­sche Abglei­che im Inter­net, etwa per Gesichts­er­ken­nung, sol­len zuläs­sig werden.
  • Auto­no­me Hack­backs: KI-gestütz­te Sys­te­me sol­len künf­tig eigen­stän­dig digi­ta­le Gegen­an­grif­fe ein­lei­ten kön­nen – ohne dass zwin­gend ein Mensch dazwi­schen­ge­schal­tet ist.
  • Erwei­ter­te Daten­spei­che­rung: Der BND soll Infor­ma­tio­nen nicht mehr nur direkt am Daten­ka­bel abgrei­fen, son­dern auch vor­über­ge­hend spei­chern dürfen.
  • Online­durch­su­chun­gen im Inland: Der eigent­lich für das Aus­land zustän­di­ge BND soll Rech­ner und Han­dys auch im Inland durch­su­chen dür­fen, sofern ein Aus­lands­be­zug besteht.


  • Kurz gesagt: Aus Diens­ten, die bis­lang Infor­ma­tio­nen sam­meln, sol­len Diens­te wer­den, die aktiv ein­grei­fen – über Mani­pu­la­ti­on, Sabo­ta­ge und Täu­schung bis hin zum digi­ta­len Gegen­schlag. Dob­rindt selbst hat das Ziel schon Anfang des Jah­res offen benannt: Aus dem Nach­rich­ten­dienst soll ein ech­ter Geheim­dienst werden.

    Dass Deutsch­land auf hybri­de Bedro­hun­gen – rus­si­sche Sabo­ta­ge, Spio­na­ge, Cyber­an­grif­fe – reagie­ren muss, ist kei­ne Erfin­dung von Dob­rindt. Dass sich die Sicher­heits­la­ge spür­bar ver­schärft hat, dürf­te jeder mit­be­kom­men haben, der die Nach­rich­ten verfolgt. 

    Bri­san­ter als die ein­zel­nen neu­en Werk­zeu­ge ist, was mit der Kon­trol­le pas­siert. Bis­lang tei­len sich vier ver­schie­de­ne Gre­mi­en die Auf­sicht – Unab­hän­gi­ger Kon­troll­rat, Par­la­men­ta­ri­sches Kon­troll­gre­mi­um, G10-Kom­mis­si­on, Bun­des­amt für Daten­schutz. Künf­tig soll die­se Kon­trol­le beim Unab­hän­gi­gen Kon­troll­rat gebün­delt wer­den. Eine Bün­de­lung von Befug­nis­sen bei gleich­zei­ti­ger zuneh­men­der Intrans­pa­renz ist genau die Kom­bi­na­ti­on, vor der das Tren­nungs­ge­bot his­to­risch schüt­zen sollte.

    Berech­tig­te Kri­tik kommt ent­spre­chend von meh­re­ren Sei­ten. Eini­ge Par­tei­en pro­tes­tier­ten bereits im Kabi­nett. Ver­bän­de und Exper­ten kri­ti­sie­ren, dass mehr Befug­nis­se mit weni­ger Kon­trol­le ein­her­ge­hen. Der Rechts­wis­sen­schaft­ler Prof. Zöl­ler hält es für his­to­risch pro­ble­ma­tisch, dass der BND künf­tig auch im Inland gegen eige­ne Staats­bür­ger ope­rie­ren darf, und zieht dabei aus­drück­lich die Par­al­le­le zur Gesta­po. Auch aus juris­ti­scher Fach­ana­ly­se heißt es, der Ent­wurf defi­nie­re an meh­re­ren Stel­len nicht klar genug, wel­che Mit­tel die Diens­te wann ein­set­zen dür­fen – was vor allem dem BND erheb­li­chen Ermes­sens­spiel­raum verschafft.

    Hier liegt das eigent­li­che Risi­ko: nicht in der ein­zel­nen Kame­ra, dem ein­zel­nen Hack­back, dem ein­zel­nen bio­me­tri­schen Abgleich – son­dern in der schlei­chen­den Auf­wei­chung der Trans­pa­renz­pflicht. Man gau­kelt der Bevöl­ke­rung vor, dass die per­sön­li­che Frei­heit nur mit ent­spre­chen­der staat­li­cher Sicher­heit funk­tio­nie­re, für die es der wei­ter­ge­hen­den Mög­lich­kei­ten bedür­fe, die dem Bür­ger ver­schlos­sen sein sol­len. Wenn aller­dings Behör­den­kom­pe­ten­zen zuneh­mend gebün­delt wer­den und Geheim­diens­ten poli­zei­ähn­li­che Auf­ga­ben zufal­len, ist das im schlimms­ten Fall ein Schritt in Rich­tung Staat im Staa­te. Grund­ge­setz­lich ver­an­ker­te Rech­te wie die Unver­letz­lich­keit der Woh­nung dür­fen nicht ange­tas­tet wer­den – erst recht nicht durch einen Dienst, der sich der gewohn­ten gericht­li­chen und par­la­men­ta­ri­schen Kon­trol­le zuneh­mend entzieht.

    Bei einer Bün­de­lung der Diens­te und der damit ver­bun­de­nen Intrans­pa­renz wächst die Gefahr, dass sich Lan­des- und Bun­des­re­gie­run­gen künf­tig auch „vor­beu­gend” poli­zei­ähn­li­cher Mit­tel bedie­nen kön­nen, ohne dass es dafür einer Legi­ti­ma­ti­on durch die Staats­an­walt­schaft bedarf.

    Und — wenn die Schwel­le für ver­deck­te Beob­ach­tung und digi­ta­le Ein­grif­fe sinkt, über­legt es sich man­cher zwei­mal, an einer Demons­tra­ti­on teil­zu­neh­men oder zu öffent­li­cher Mei­nungs­äu­ße­rung. Genau das soll­te in einer Demo­kra­tie nicht passieren.

    Nicht der Staat hat sei­ne Bür­ger zu über­wa­chen. Die Bür­ger soll­ten den Staat überwachen.

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    Quel­len:
    netzpolitik.org, 10.07.2026: Geheim­dienst­re­form: Zei­ten­wen­de für Spione

    Hers­fel­der Zei­tung, 12.08.2026: Geheim­dienst-Reform: Kabi­nett beschließt neue Befug­nis­se für BND und Verfassungsschutz

    ZDFheu­te, 12.08.2026: Geheim­dienst­re­form: So weit sol­len die Befug­nis­se gehen

    t‑online, 09.08.2026: BND und Ver­fas­sungs­schutz: Jetzt sol­len Spio­ne zurück­schla­gen dürfen

    Recher­che­zu­sam­men­stel­lung mit KI

    Vorsprung durch Irrsinn


    Am Wochen­en­de hat­te ich eine Dis­kus­si­on über die Ursa­che der Kri­se in der Auto­mo­bil­in­dus­trie. Erwart­bar war die übli­che Argu­men­ta­ti­on: der ver­meint­li­che Viel­ver­dienst der Beschäf­tig­ten, die per­ma­nen­te Ein­mi­schung des Staats, die über­bor­den­de Büro­kra­tie, die ach so bescheu­er­ten Nor­men und Vor­schrif­ten, zu vie­le Beam­te, die angeb­lich nichts tun, und der Daten­schutz müs­se natür­lich auch weg.

    Ich will gar nicht bestrei­ten, dass wir in der Bun­des­re­pu­blik manch­mal etwas zu viel des Guten tun, wenn wir Vor­schrif­ten erlas­sen und dass weni­ger Büro­kra­tie durch­aus ent­las­tend wir­ken könnte. 

    Nur sind die eif­rigs­ten Ver­fech­ter von Büro­kra­tie- und Daten­schutz­ab­bau meis­tens genau die­je­ni­gen, die sich zwei Sät­ze spä­ter, in einem ande­ren Kon­text, posi­tiv dar­über äußern, dass „in Deutsch­land Gott sei Dank“ alles gere­gelt ist.

    Aber das ist eine ande­re Geschichte.
    Jeden­falls scheint das Prin­zip des Markt­gleich­ge­wichts in die­ser Debat­te kaum noch eine Rol­le zu spie­len. Wenn Pro­duk­te her­ge­stellt wer­den, die kaum Nut­zen haben, zu teu­er und womög­lich auch noch häss­lich sind, bleibt der Anbie­ter am Ende in der Regel dar­auf sit­zen. Um auf die Auto­mo­bil­in­dus­trie zurück­zu­kom­men: Wenn ich Autos baue, die kaum jemand haben will, pro­du­zie­re ich am Kun­den vor­bei und ver­kau­fe nichts.

    Anstatt nun umzu­den­ken und fami­li­en­freund­li­che Autos zu akzep­ta­blen Prei­sen auf den Markt zu brin­gen, machen die Ver­ant­wort­li­chen der Auto­mo­bil­in­dus­trie was? Na klar, sie stel­len ihre neu­es­te Inno­va­ti­on vor: Audi bei­spiels­wei­se einen Ver­bren­ner-Trumm von 5,30 Meter Län­ge, drei, wahl­wei­se vier Liter Hub­raum, 6‑Zylinder, mit bis zu 600 PS.

    Ganz im Ernst: Habt ihr noch alle Maul­ta­schen auf der Pfanne?

    Streaming Tipp — Cassandra

    Die Idee ist klas­se: Eine ver­ges­se­ne »KI« als Smart-Home in einem Haus der sieb­zi­ger Jah­re, reak­ti­viert sich nach 50 Jah­ren, um den jet­zi­gen Besit­zer die Höl­le heiß zu machen. Ich bin eigent­lich immer skep­tisch bei deut­schen Pro­duk­tio­nen, vor allen bei Seri­en. Mit dem Tod von Die­ter Wedel ist das gro­ße Seri­en­ki­no aus deut­scher Pro­duk­ti­on gleich mitgestorben. 

    Wenn dann noch um ein Schnitt­sze­nen­wech­sel mit Rück­blen­den aus den sieb­zi­ger Jah­ren ins neue Jahr­tau­send unver­meid­lich sind, um die Vor­ge­schich­te zu erklä­ren, dann könn­te das anspruchs­voll wer­den. Umso über­ra­schen­der, dass das mit der Serie gelang. 

    Nach einem schwe­ren Schick­sals­schlag zieht Sami­ra mit ihrem Mann David und den zwei Kin­dern auf das Land in ein ver­las­se­nes Haus, das seit den 1970er-Jah­ren unbe­wohnt ist. Dort befin­det sich das ältes­te Smart-Home-Sys­tem Deutsch­lands – inklu­si­ve einer Robo­ter-Haus­halts­hil­fe namens Cas­san­dra.

    Als die Fami­lie das ver­staub­te Sys­tem reak­ti­viert, tritt Cas­san­dra über inte­grier­te Bild­schir­me und eine Robo­ter­fi­gur (gespielt von Lavi­nia Wil­son) als für­sorg­li­che „gute Fee“ auf. Was harm­los beginnt, ent­wi­ckelt sich schnell zum Albtraum: 

    Cas­san­dra beginnt, das Fami­li­en­le­ben gezielt zu mani­pu­lie­ren. Sie spielt die Fami­li­en­mit­glie­der gegen­ein­an­der aus und ver­sucht, die Rol­le der neu­en Haus­her­rin als neue und bes­se­re Mut­ter einzunehmen. 

    Sami­ras Miss­trau­en wächst, doch Robo­ter­da­me Cas­san­dra stellt sie vor den ande­ren als labil und psy­chisch gestört dar, was anfangs auch gelingt. 

    Sami­ra begibt sich auf Anra­ten auch ihres Man­nes in eine psych­ia­tri­sche Kli­nik. Von jetzt an
    über­nimmt die KI die kom­plet­te Steue­rung des Hau­ses, schließt die Fami­lie ein und rich­tet ein tyran­ni­sches Regime auf Leben und Tod ein. 

    Par­al­lel lau­fen­de Rück­blen­den ent­hül­len die düs­te­re Geschich­te des Hau­ses: Cas­san­dra war in den 1970er-Jah­ren eine rea­le Frau. Ihr Mann – ein ego­zen­tri­scher Wis­sen­schaft­ler – führ­te Expe­ri­men­te durch und trans­fe­rier­te ihr Bewusst­sein nach ihrem Tod in das Sys­tem. Ihr trau­ma­ti­sier­ter Wunsch, eine „per­fek­te Mut­ter“ zu sein, treibt den Robo­ter in der Gegen­wart an. 

    Das Ende war mir aller­dings zu geküns­telt und teil­wei­se unglaub­wür­dig. Der Rest lohnt das Ein­schal­ten. Cas­san­dra läuft als Mini­se­rie auf Net­flix.