Digitaler Betrug ist inzwischen ein Handwerk, das manche erschreckend gut beherrschen. Mich erreichte die E‑Mail eines angeblichen Insolvenzverwalters: Waren aus einer Firmeninsolvenz, günstig abzugeben. Dazu gab es einen Katalog, der so sauber gemacht war wie die Mail selbst. Im Angebot waren unter anderem Transporter und Bullis, zu Preisen, die einen sofort interessieren.
Beim ersten Check fiel nichts auf. Der Absender nutzte die Domain eines Anwalts, den es im Netz tatsächlich gab. Dessen Website wirkte seriös, mit Impressum, Angabe der Anwaltskammer und Umsatzsteuer-Identifikationsnummer. Zwei Dinge passten allerdings nicht. Die E‑Mail-Adresse auf der Website war nicht die, von der meine Mail kam. Und der Bielefelder Anwalt ist laut seiner Website Fachanwalt für Arbeitsrecht, nicht für Insolvenzrecht. Das machte mich stutzig.
Den vermeintlichen Anwalt einfach anzuschreiben, kam nicht in Frage, denn ich wusste ja nicht, ob nicht auch die Website eine Fälschung war. Klarheit brachte schließlich eine E‑Mail an die Anwaltskammer. Den Anwalt gibt es wirklich. Er ist, wie viele andere auch, Opfer eines professionellen Identitätsbetrugs geworden.
Die Masche funktioniert so: Die Betrüger bedienen sich auf der Website eines echten Anwalts oder einer Anwältin. Sie erstellen einen höchst professionellen Katalog mit Waren aus der angeblichen Insolvenzmasse, mitunter auch gleich eine Fake-Seite, mit Design, Namen und Verweis auf die Website der Kanzlei. Wer sich über die Telefonnummer oder E‑Mail-Adresse im Katalog meldet, landet beim vermeintlichen Anwalt. Die Abwicklung soll dann aus „insolvenzrechtlichen Gründen“ per Vorkasse laufen.
Wer zahlt, sieht sein Geld nie wieder.
Die Rechtsanwaltskammer Hamm führt auf ihrer Website eine Liste betroffener Kanzleien:rechtsanwaltskammer-hamm.de
Ob jemand tatsächlich als Anwalt zugelassen ist, lässt sich im Bundesweiten Amtlichen Anwaltsverzeichnis prüfen: bravsearch.bea-brak.de


