
Bundeskanzler Friedrich Merz wollte die Entscheidung über die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier eigentlich gemeinsam mit den Parteivorsitzenden von CDU, CSU und SPD erst in ein paar Tagen treffen.
Söder prescht einmal mehr vor und brachte Aigner bereits früher öffentlich ins Spiel. Damit erhöhte er den Druck auf Merz, sich mit dieser Personalie auseinanderzusetzen.
Der bayerische Ministerpräsident schlägt somit gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe: Er präsentiert die CSU als eigenständigen politischen Akteur. Indem er sie nun unterstützt, könnte er signalisieren, dass er seine eigenen Ambitionen zurückstellt.
Söder steht selbst unter Druck
Die CSU musste bei den bayerischen Kommunalwahlen 2026 Verluste hinnehmen. Das sorgte parteiintern für Kritik an Söders Führungsstil und seiner politischen Strategie.
Mit seiner Unterstützung für Aigner könnte er versuchen, sich als großzügiger und staatstragender Parteichef zu präsentieren, der auch anderen Spitzenpolitikern Chancen eröffnet. Zudem könnte er mit dem Vorstoß zeigen, dass er die Wünsche wichtiger Kräfte innerhalb der CSU ernst nimmt.
Zusätzlich treibt er einmal mehr den Bundeskanzler vor sich her. Die CDU als Regierungspartei wird es sich schließlich nicht nehmen lassen, einen eigenen Kandidaten bzw. eine eigene Kandidatin für das höchste Amt der Bundesrepublik vorzuschlagen.
Söder weiß, dass Merz im Gegensatz zu ihm kein Taktiker ist, im Gegenteil. Die Handlungen des Bundeskanzlers sind durchaus durchschaubar.
Söder könnte mit dieser Vorgehensweise eine Zwickmühle aufbauen. Setzt er sich mit der Nominierung von Ilse Aigner nicht durch, zählt der Versuch auf der Punkteliste um Söder und seine möglichen Ambitionen für das Kanzleramt offen.
Setzt er sich durch und Ilse Aigner wird neue Bundespräsidentin, könnte Markus Söder sich in strategischer Demut darstellen, falls Merz als Bundeskanzler scheitert – was zumindest dann wahrscheinlich ist, wenn die CDU bei den nächsten Landtagswahlen noch einmal gravierend verliert. Im April nächsten Jahres wählen Schleswig-Holstein, das Saarland und NRW ihre Landtage.
Verliert die CDU dort massiv, kann die CDU unmöglich mit Merz an der Spitze weitermachen.
Söder könnte dann sein Machtkalkül als Bescheidenheit verkaufen und mit Hinweis auf Aigner müsste er schon gebeten werden zu kandidieren. Söder selber formulierte es indessen zur Wahl der Kandidatin im höchsten Amt so: »Eigentlich kann man schon mal argumentieren, dass wir jetzt auch ein bisschen dran wären.«
Ein Schelm, wer an eine Doppeldeutung denkt.

