KI mit Humor?

Kann ein LLM eigent­lich Humor? Oder genau­er: Was braucht es für Humor und Witz, wie wir ihn ken­nen? Ich mei­ne damit nicht ein­fach erzähl­te Wit­ze, son­dern die Fähig­keit, poin­tiert und humor­voll auf eine Bemer­kung zu reagieren.

Anlass für die­sen Text ist ein Blog­bei­trag von Night­cat. Sie hat in einem Dia­log mit einer Maschi­ne über­rascht fest­ge­stellt, dass die­se durch­aus humor­voll ant­wor­tet. Ihre Erklä­rung: Das LLM spieg­le offen­bar ihren eige­nen Humor, und im Dia­log klin­ge das dann wie eine schlag­fer­ti­ge, humor­vol­le Antwort.

Zuerst wäre zu klä­ren, was Humor über­haupt ist. Eine ein­heit­li­che Ant­wort gibt es nicht: Schon vor rund 100 Jah­ren wur­den 77 Humor­theo­rien gezählt. Fünf davon stellt »Psy­cho­lo­gie Heu­te« vor. Die Über­le­gen­heits­theo­rie (wir lachen über die Schwä­chen ande­rer) reicht bis zu Pla­ton und Hob­bes zurück. Die Inkon­gru­enz­theo­rie ist eben­falls sehr alt. Sie sieht das Unvor­her­seh­ba­re, Über­ra­schen­de als wesent­li­ches Ele­ment des Humors. Dazu kom­men die Entlastungs‑, die Erre­gungs- und die Umschalt­theo­rie. Kei­ne von ihnen erklärt nach Ansicht des dort zitier­ten Psy­cho­lo­gen G. Neil Mar­tin voll­stän­dig, war­um wir lachen.

Eines set­zen aber, soweit ich sehe, alle Theo­rien vor­aus: Der Mensch braucht kogni­ti­ve Fähig­kei­ten, um Humor aus­zu­drü­cken oder zu ver­ste­hen. Eine KI besitzt die­se Fähig­kei­ten nur im Sin­ne von Infor­ma­ti­ons­ver­ar­bei­tung, Mus­ter­er­ken­nung und Ler­nen aus Daten. Ein Bewusst­sein schreibt man heu­ti­gen KI-Sys­te­men über­wie­gend nicht zu, und ob man bei ihnen von ech­tem Ver­ste­hen spre­chen kann, ist zumin­des­tens umstrit­ten. Von Absich­ten und sub­jek­ti­vem Erle­ben ganz zu schwei­gen. Bes­ten­falls simu­liert eine KI die­se Dinge.

Wie kann eine KI dann situa­tiv humor­voll ant­wor­ten? Fra­gen wir doch ein­fach nach, in dem Fall die KI Claude:

Wenn eine KI eine Bemer­kung macht, die der Mensch im All­ge­mei­nen als humor­voll emp­fin­det: Hat sie dann ein­fach nur den mensch­li­chen Humor gespie­gelt, oder wie funk­tio­niert das?

Es gibt kein sepa­ra­tes Humor­mo­dul. Das Modell erzeugt Text Token für Token, bedingt auf alles, was im Gespräch bis­her steht. Eine situa­ti­ve Poin­te ist also der­sel­be Mecha­nis­mus wie jede ande­re Ant­wort, nur dass der Kon­text (dei­ne For­mu­lie­rung, die Stim­mung, der Gesprächs­ver­lauf) die Fort­set­zung in Rich­tung “wit­zig” lenkt. Zwei Trai­nings­stu­fen prä­gen das: das Vor­trai­ning auf Tex­ten, in denen Men­schen poin­tiert schrei­ben, und das Nach­trai­ning mit mensch­li­chen Bewer­tun­gen, das Ant­wor­ten bevor­zugt, die gut ankommen.

Eine poin­tier­te Bemer­kung braucht typi­scher­wei­se zwei Din­ge: eine Reprä­sen­ta­ti­on der Situa­ti­on, die genug Mate­ri­al ent­hält (was ist erwart­bar, was ist pein­lich, was wider­spricht sich?), und eine Fort­set­zung, die die­se Erwar­tung knapp und über­ra­schend bricht. Bei­des sind Mus­ter­er­ken­nungs­leis­tun­gen, die ein Modell die­ser Grö­ße erbrin­gen kann. Des­halb wirkt Humor aus dem Gespräch her­aus bes­ser als Wit­ze auf Zuruf: Er wird nicht abge­ru­fen, son­dern jedes Mal neu zusam­men­ge­setzt. Dass Kür­ze und Timing dabei oft stim­men, liegt ver­mut­lich dar­an, dass poin­tier­te Tex­te im Trai­nings­ma­te­ri­al genau so gebaut sind.

Die KI bedient sich also der Mus­ter­er­ken­nung. Das funk­tio­niert beson­ders gut, wenn der Gesprächs­ver­lauf im Kon­text steht: Das Modell setzt fort, was bis­her gesagt wur­de, in Ton und Stim­mung. Dazu­ge­lernt hat es dabei nichts. Die Gewich­tung ändert sich im Gespräch nicht.

Damit wäre Night­cats Spie­gel-The­se zumin­dest nicht wider­legt. In wie weit man das als Humor ver­ste­hen will, ist dabei fast schon eine phi­lo­so­phi­sche Fra­ge. Fas­zi­nie­rend ist es allemal. 

Die Faszination des Bösen — Film Nürnberg

Die Nürn­ber­ger Pro­zes­se mar­kie­ren die völ­ker­recht­li­che Auf­ar­bei­tung der NS-Ver­bre­chen nach dem Zwei­ten Welt­krieg. Vom 20. Novem­ber 1945 bis zum 1. Okto­ber 1946 ver­han­del­te das Inter­na­tio­na­le Mili­tär­tri­bu­nal (IMT) im Saal 600 des Nürn­ber­ger Jus­tiz­pa­las­tes gegen die Haupt­kriegs­ver­bre­cher des »Drit­ten Reiches«.

Der rang­höchs­te Ange­klag­te war Her­mann Göring, Reichs­mar­schall und nach Hit­ler der mäch­tigs­te Mann des NS-Staa­tes. Wäh­rend eini­ge Mit­an­ge­klag­te Reue zeig­ten, ver­tei­dig­te er Hit­lers Poli­tik, recht­fer­tig­te den Angriffs­krieg und stell­te die Legi­ti­mi­tät des Gerichts als »Sie­ger­jus­tiz« infrage.

Der Film »Nürn­berg« mit Rus­sell Cro­we als Göring und Rami Malek als Psych­ia­ter Dou­glas M. Kel­ley setzt zu Beginn der Pro­zes­se an. Kel­ley soll als US-Psych­ia­ter den Geis­tes­zu­stand der Ange­klag­ten begut­ach­ten, ist aber schnell von Görings Per­sön­lich­keit fas­zi­niert und ver­liert den pro­fes­sio­nel­len Abstand. Göring, wuch­tig in sei­ner Auto­ri­tät und nicht ohne Charme, wickelt den unsi­che­ren Kel­ley zunächst um den Fin­ger. Im Film schmug­gelt Kel­ley sogar Brie­fe Görings an des­sen Fami­lie aus dem Gefäng­nis und freun­det sich mit Görings Frau und Toch­ter an.

In den fol­gen­den Wochen ver­bringt Kel­ley vie­le Stun­den mit Göring, der sich schlag­fer­tig und im Umgang mit Men­schen geschickt zeigt. Im Gerichts­saal zeigt sich eine ande­re Sei­te: sein enor­mes Selbst­be­wusst­sein. Göring ver­sucht, die ande­ren Ange­klag­ten zu domi­nie­ren, tritt selbst­si­cher auf und glaubt offen­bar, die Geschich­te wer­de ihn eines Tages reha­bi­li­tie­ren. Am Ende gelingt es Kel­ley im Film, Göring Details sei­ner Ver­tei­di­gungs­stra­te­gie zu ent­lo­cken und an die Ankla­ge weiterzugeben.

Cro­we spielt Göring aus­ge­fuchst, aber auch sym­pa­thisch. Ob das der his­to­ri­schen Dimen­si­on gerecht wird, ist frag­lich: Göring war maß­geb­lich an der Ver­fol­gung der Juden betei­ligt, am 31. Juli 1941 beauf­trag­te er Heyd­rich schrift­lich, eine »Gesamt­lö­sung der Juden­fra­ge« vorzubereiten. 

Der Film hin­ter­lässt einen Zwie­spalt. Als Spiel­film mit his­to­ri­schem Kern ist er den­noch sehenswert.

Horts Schul­te schreibt eben­falls zum The­ma:Die Bana­li­tät des Bösen.

Cinderellas Rache


EEine klei­ne Stadt im Sau­er­land. Schmu­cke Ein­fa­mi­li­en­häu­ser, gepfleg­te Vor­gär­ten. Bund­ern ist ein Ort, an dem Geheim­nis­se tief unter der Erde begra­ben wer­den – bis Hal­lo­ween vor der Tür steht und die Erin­ne­run­gen auf schreck­li­che Art und Wei­se freigibt. 

Vor drei Wochen fing es an. Erst traf es Arthur Mül­ler, den ehe­ma­li­gen Inha­ber des ört­li­chen Eisen­wa­ren­han­dels. Zwei Tage spä­ter fand man den Pas­tor in sei­nem Stu­dier­zim­mer, und ges­tern war es der pen­sio­nier­te Ober­stu­di­en­rat Peter Wanke.

Die Todes­ur­sa­che bei allen drei­en: Mul­ti­ples Organ­ver­sa­gen, ohne erkenn­ba­ren Grund. Kei­ne Vor­er­kran­kun­gen, kei­ne Gif­te, kein Motiv, nichts. Neben den Lei­chen — der blu­ti­ge Abdruck einer Hand — wie auf­ge­malt. Nach­for­schun­gen der Poli­zei lie­fen ins Lee­re. Die ein­zi­ge Gemein­sam­keit der Toten: Bei allen drei­en fand man ein Notiz­buch mit der­sel­ben Tele­fon­num­mer. Eine alte, längst abge­schal­te­te Orts­netz­num­mer aus den 1970er-Jahren. 

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Wem die Tele­fon­num­mer gehör­te, wuss­te nie­mand. Die Akten des loka­len Tele­fon­an­bie­ters schie­nen wie vom Erd­bo­den ver­schluckt – ein­zig die alte Frau Gabel schien etwas zu wis­sen. Die Frau saß auf ihrer ver­wit­ter­ten Veran­da, strick­te an einem schal­ähn­li­chen Etwas, das aus­sah wie ein Hen­kers­seil für das Jüngs­te Gericht und spuck­te auf die Veran­da, als der jun­ge Poli­zist sie nach der Num­mer fragte.

»Cin­de­r­el­la«, krächz­te sie und bleck­te die ver­blei­ben­den Zäh­ne. »So nann­ten die Jungs sie damals. Eigent­lich hieß sie anders, aber die Män­ner hier hat­ten einen schrä­gen Humor.« Frau Gabel kichert. In den sieb­zi­ger Jah­ren, erzähl­te sie, gehör­te die­ser Anschluss einer stadt­be­kann­ten Pro­sti­tu­ier­ten. Eine ein­sa­me Frau am Ran­de der Sied­lung, deren Diens­te von den männ­li­chen Ein­woh­nern des Dorfs nachts eif­rig und heim­lich in Anspruch genom­men wur­den. Tags­über, auf der Stra­ße, lie­ßen die­sel­ben Män­ner frei­lich kein gutes Haar an Cinderella. 

Sie spuck­ten aus, wenn sie sie sahen, tuschel­ten über sie und nann­ten sie den Schand­fleck der Stadt. Der Höhe­punkt der bür­ger­li­chen Heu­che­lei folg­te, als die Frau schwer an erkrank­te. Statt ihr zu hel­fen, trieb der gut­bür­ger­li­che Mob sie an einem Novem­ber­tag aus der Stadt in Rich­tung des nahen Sees. 

Was mit ihr geschah, wuss­te nie­mand so genau. Eini­ge ver­mu­te­ten, sie sie im nahen Bor­pe­see umge­kom­men sei und ihr Geist zu Hal­lo­ween immer noch durch die Klein­stadt schli­che. »Die alte Num­mer wur­de nie neu ver­ge­ben«, mur­mel­te Frau Gabel und strick­te see­len­ru­hig wei­ter. »Wer heu­te den Hörer abhebt und die Zif­fern wählt, hört eine Stim­me, die spricht: »Komm zu mir. Wer sich drauf ein­lässt und ant­wor­tet, zahlt mit sei­nem Leben. Cin­de­r­el­las Rache für das, was man damals im See ver­ges­sen las­sen wollte.«

Der jun­ge Poli­zist schluck­te, blick­te auf sein Notiz­buch und frag­te mit tro­cke­ner Keh­le, ob man jemals die Lei­che Cin­de­r­el­las gefun­den hät­te. Die Alte hör­te auf zu stri­cken, sah ihn mit ihren mil­chi­gen Augen direkt an und lächel­te:» Tja, Tim. Am bes­ten begibst du dich an den See heu­te in der Hal­lo­ween-Nacht und wartest.«

»Du wärst aber nicht der Ers­te, der dort in der Hal­lo­ween-Nacht sei­nen Ver­stand ver­liert, also viel Spaß», krächz­te die Alte sicht­lich vergnügt. 

Ähn­lich­kei­ten mit leben­den oder toten Per­so­nen sowie Orten wären rein zufäl­lig und für Hal­lo­ween ausgeliehen 😉

Söder: Jetzt sind wir auch ein bisschen dran

Man kann von Bay­erns Minis­ter­prä­si­den­ten hal­ten, was man will – eins kann man ihm nicht abspre­chen: Er ist ein gewief­ter Tak­ti­ker. Ich habe mich tat­säch­lich gefragt, war­um aus­ge­rech­net Mar­kus Söder sich für eine Kan­di­da­tur der CSU-Frau Ilse Aigner aus­spricht. Ihm als poli­ti­schem Tak­ti­ker muss­te doch klar sein, dass er damit sei­ne eige­nen Chan­cen als Anwär­ter für das Kanz­ler­amt zunich­te machen wür­de. Nie­mals wür­de der Bun­des­tag zwei CSU-Poli­ti­ker in die höchs­ten Ämter ver­hel­fen, so viel steht fest.

Bun­des­kanz­ler Fried­rich Merz woll­te die Ent­schei­dung über die Nach­fol­ge von Frank-Wal­ter Stein­mei­er eigent­lich gemein­sam mit den Par­tei­vor­sit­zen­den von CDU, CSU und SPD erst in ein paar Tagen treffen.

Söder prescht ein­mal mehr vor und brach­te Aigner bereits frü­her öffent­lich ins Spiel. Damit erhöh­te er den Druck auf Merz, sich mit die­ser Per­so­na­lie auseinanderzusetzen.

Der baye­ri­sche Minis­ter­prä­si­dent schlägt somit gleich meh­re­re Flie­gen mit einer Klap­pe: Er prä­sen­tiert die CSU als eigen­stän­di­gen poli­ti­schen Akteur. Indem er sie nun unter­stützt, könn­te er signa­li­sie­ren, dass er sei­ne eige­nen Ambi­tio­nen zurückstellt.

Söder steht selbst unter Druck

Die CSU muss­te bei den baye­ri­schen Kom­mu­nal­wah­len 2026 Ver­lus­te hin­neh­men. Das sorg­te par­tei­in­tern für Kri­tik an Söders Füh­rungs­stil und sei­ner poli­ti­schen Strategie.

Mit sei­ner Unter­stüt­zung für Aigner könn­te er ver­su­chen, sich als groß­zü­gi­ger und staats­tra­gen­der Par­tei­chef zu prä­sen­tie­ren, der auch ande­ren Spit­zen­po­li­ti­kern Chan­cen eröff­net. Zudem könn­te er mit dem Vor­stoß zei­gen, dass er die Wün­sche wich­ti­ger Kräf­te inner­halb der CSU ernst nimmt.

Zusätz­lich treibt er ein­mal mehr den Bun­des­kanz­ler vor sich her. Die CDU als Regie­rungs­par­tei wird es sich schließ­lich nicht neh­men las­sen, einen eige­nen Kan­di­da­ten bzw. eine eige­ne Kan­di­da­tin für das höchs­te Amt der Bun­des­re­pu­blik vorzuschlagen.

Söder weiß, dass Merz im Gegen­satz zu ihm kein Tak­ti­ker ist, im Gegen­teil. Die Hand­lun­gen des Bun­des­kanz­lers sind durch­aus durchschaubar.

Söder könn­te mit die­ser Vor­ge­hens­wei­se eine Zwick­müh­le auf­bau­en. Setzt er sich mit der Nomi­nie­rung von Ilse Aigner nicht durch, zählt der Ver­such auf der Punk­te­lis­te um Söder und sei­ne mög­li­chen Ambi­tio­nen für das Kanz­ler­amt offen. 

Setzt er sich durch und Ilse Aigner wird neue Bun­des­prä­si­den­tin, könn­te Mar­kus Söder sich in stra­te­gi­scher Demut dar­stel­len, falls Merz als Bun­des­kanz­ler schei­tert – was zumin­dest dann wahr­schein­lich ist, wenn die CDU bei den nächs­ten Land­tags­wah­len noch ein­mal gra­vie­rend ver­liert. Im April nächs­ten Jah­res wäh­len Schles­wig-Hol­stein, das Saar­land und NRW ihre Landtage. 

Ver­liert die CDU dort mas­siv, kann die CDU unmög­lich mit Merz an der Spit­ze weitermachen. 

Söder könn­te dann sein Macht­kal­kül als Beschei­den­heit ver­kau­fen und mit Hin­weis auf Aigner müss­te er schon gebe­ten wer­den zu kan­di­die­ren. Söder sel­ber for­mu­lier­te es indes­sen zur Wahl der Kan­di­da­tin im höchs­ten Amt so: »Eigent­lich kann man schon mal argu­men­tie­ren, dass wir jetzt auch ein biss­chen dran wären.« 

Ein Schelm, wer an eine Dop­pel­deu­tung denkt. 

Wahlhelfer Audi?

Natür­lich kann es für man­che Pro­duk­te schwie­rig am deut­schen Markt wer­den. Wenn bei­spiels­wei­se die Rich­tung der auto­mo­bi­len Zukunft E‑Automobilität heißt, dürf­te das für die meis­ten deut­schen Autos das Ende ihrer Cash-Cows bedeu­ten. Eini­ge haben viel­leicht rechts­zei­tig reagiert, aber die Mar­ge, die die Auto­mo­bi­lis­ten bis­her mit Ver­bren­nern erwirt­schaf­tet haben, dürf­te in Zukunft vor­bei ein. Dass an die­sem Punkt eini­ge Fahr­zeug­her­stel­ler ihr Heil im Aus­land suchen ist legi­tim. Dass dabei vor allem die USA in den Focus mög­li­cher Ansied­lun­gen gerät, ist auch nicht ver­wun­der­lich. Dass man aber als deut­scher Auto­her­stel­ler neben­bei noch Wahl­wer­bung für den amtie­ren­den Prä­si­den­ten der USA macht, ist schlicht­weg unanständig. 

Audi hat ver­kün­det, was in Ingol­stadt jah­re­lang hin- und her gewälzt wur­de: ein eige­nes Werk in den USA. Ver­kün­det wur­de es nicht auf einer Pres­se­kon­fe­renz, son­dern auf einer Wahl­kampf­ver­an­stal­tung von Donald Trump in Georgia.

Das Werk ent­steht in Geor­gia, bei Macon. Audi will rund 4 Mil­li­ar­den US-Dol­lar inves­tie­ren, Trump nann­te 4,2 Mil­li­ar­den Dol­lar (rund 3,6 Mil­li­ar­den Euro). Geplant sind rund 4.500 Arbeits­plät­ze und eine Kapa­zi­tät von 200.000 Fahr­zeu­gen im Jahr. Gebaut wer­den sol­len laut Audi-Chef Ger­not Döll­ner die »größ­ten und hoch­wer­tigs­ten« SUVs der Mar­ke. Nach Audis Anga­ben beginnt der Bau 2027 und die Pro­duk­ti­on Anfang der 2030er-Jahre.

War­um jetzt?
Audi fer­tigt für den US-Markt bis­her nichts vor Ort, anders als BMW und Mer­ce­des. Die Zöl­le haben das teu­er gemacht: 2025 kos­te­ten sie Audi rund 1,2 Mil­li­ar­den Euro. Trump wie­der­um steht ein­ein­halb Wochen vor den Mid­terms am 3. Novem­ber und kann Bil­der von Fabri­ken und Jobs gut brau­chen. Die Inter­es­sen pas­sen erstaun­lich gut zusam­men.
Audi soll in Ame­ri­ka wach­sen und in Deutsch­land Kos­ten sen­ken, bei­des gleich­zei­tig. Ingol­stadt steht unter Druck, und in Neckar­sulm ban­gen die Beschäf­tig­ten um die Zukunft ihres Werks. Wo Audi am Ende spart, ist offen.

Neu ist die Idee nicht. Im Juni 2025 hieß es, ein kom­plett eige­nes US-Werk sei Favo­rit, im August ein „Zwil­lings­werk“ zur VW-Fabrik in Chat­ta­noo­ga. Im Dezem­ber 2025 berich­te­te das Mana­ger Maga­zin, Döll­ner habe das eige­ne Werk aus Kos­ten­grün­den vor­erst aus dem Pro­gramm genommen. 

Jetzt aller­dings scheint die Idee wie­der Fahrt auf­zu­neh­men, gleich­zei­tig kann Trump ver­kün­den, sei­ne Idee von deut­schen Inves­to­ren in den USA tra­ge nun doch end­lich Früchte. 

Angebliche Verwertung aus Insolvenzmasse

Digi­ta­ler Betrug ist inzwi­schen ein Hand­werk, das man­che erschre­ckend gut beherr­schen. Mich erreich­te die E‑Mail eines angeb­li­chen Insol­venz­ver­wal­ters: Waren aus einer Fir­men­in­sol­venz, güns­tig abzu­ge­ben. Dazu gab es einen Kata­log, der so sau­ber gemacht war wie die Mail selbst. Im Ange­bot waren unter ande­rem Trans­por­ter und Bul­lis, zu Prei­sen, die einen sofort interessieren.

Beim ers­ten Check fiel nichts auf. Der Absen­der nutz­te die Domain eines Anwalts, den es im Netz tat­säch­lich gab. Des­sen Web­site wirk­te seri­ös, mit Impres­sum, Anga­be der Anwalts­kam­mer und Umsatz­steu­er-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer. Zwei Din­ge pass­ten aller­dings nicht. Die E‑Mail-Adres­se auf der Web­site war nicht die, von der mei­ne Mail kam. Und der Bie­le­fel­der Anwalt ist laut sei­ner Web­site Fach­an­walt für Arbeits­recht, nicht für Insol­venz­recht. Das mach­te mich stutzig.

Den ver­meint­li­chen Anwalt ein­fach anzu­schrei­ben, kam nicht in Fra­ge, denn ich wuss­te ja nicht, ob nicht auch die Web­site eine Fäl­schung war. Klar­heit brach­te schließ­lich eine E‑Mail an die Anwalts­kam­mer. Den Anwalt gibt es wirk­lich. Er ist, wie vie­le ande­re auch, Opfer eines pro­fes­sio­nel­len Iden­ti­täts­be­trugs geworden.

Die Masche funk­tio­niert so: Die Betrü­ger bedie­nen sich auf der Web­site eines ech­ten Anwalts oder einer Anwäl­tin. Sie erstel­len einen höchst pro­fes­sio­nel­len Kata­log mit Waren aus der angeb­li­chen Insol­venz­mas­se, mit­un­ter auch gleich eine Fake-Sei­te, mit Design, Namen und Ver­weis auf die Web­site der Kanz­lei. Wer sich über die Tele­fon­num­mer oder E‑Mail-Adres­se im Kata­log mel­det, lan­det beim ver­meint­li­chen Anwalt. Die Abwick­lung soll dann aus „insol­venz­recht­li­chen Grün­den“ per Vor­kas­se laufen. 

Wer zahlt, sieht sein Geld nie wieder.

Die Rechts­an­walts­kam­mer Hamm führt auf ihrer Web­site eine Lis­te betrof­fe­ner Kanz­lei­en:rechtsanwaltskammer-hamm.de

Ob jemand tat­säch­lich als Anwalt zuge­las­sen ist, lässt sich im Bun­des­wei­ten Amt­li­chen Anwalts­ver­zeich­nis prü­fen: bravsearch.bea-brak.de