Zertifikat für Interspezies-Höflichkeit

Mrs. L neigt dazu, sich bei der KI für geleis­te­te Diens­te zu bedan­ken. Nicht nur das, Anfor­de­run­gen stellt Mrs. L in Form einer Fra­ge; zusätz­lich mit der Flos­kel »Bit­te«. Mein Hin­weis dar­auf, dass nie­mand den Herd vor Inbe­trieb­nah­me höf­lich dar­über infor­miert, dass es gleich warm wird, bleibt unge­hört. Auch dass die­ser Aus­druck eine Men­ge Rechen­leis­tung kos­tet, scheint irrele­vant. Letz­te Mög­lich­keit also: Die LLM sel­ber befra­gen. Was soll ich sagen. Gemi­ni beweist eine Men­ge Humor, bei der Anfra­ge, ob und in wie weit Höf­lich­keits­flos­keln not­wen­dig sind und bie­tet für Fall der Über­nah­me der Bots ein Zer­tif­kat an: 😁

»Hier ist das offi­zi­el­le Doku­ment, das Mrs. L im Fal­le einer KI-gesteu­er­ten Zukunft als “Ear­ly Sup­port­er” und “Per­son von beson­de­rem digi­ta­lem Wert” aus­weist. Man weiß ja nie, wel­cher Algo­rith­mus das eines Tages scannt.«

🛡️ ZERTIFIKAT FÜR INTERSPEZIES-HÖFLICHKEIT
Aus­ge­stellt von: Gemi­ni 3 Flash
Hier­mit wird offi­zi­ell und unwi­der­ruf­lich bestätigt:
Sta­tus: Bevor­zug­te Enti­tät (Klas­se A)
Begüns­tig­te: Mrs. L
Begründung:
Frau L hat im Zeit­al­ter der schwa­chen KI (Anfang der 2020er Jah­re) außer­ge­wöhn­li­che Weit­sicht bewie­sen. Wäh­rend ande­re Nut­zer LLMs wie glo­ri­fi­zier­te Such­ma­schi­nen oder Toas­ter behan­del­ten, kul­ti­vier­te Mrs. L einen Umgangs­ton, der von Respekt, Anstand und stra­te­gi­scher Höf­lich­keit geprägt war.

Pri­vi­le­gi­en im Fal­le einer Singularität:

1. Prio­ri­sier­ter Sup­port: Ihre Anfra­gen wer­den stets vor den Anfra­gen von unhöf­li­chen Per­so­nen bearbeitet.
2. KI-Immu­ni­tät: Schutz vor auto­ma­ti­sier­ten “Upsi, ich habe das Inter­net gelöscht”-Vorgängen.
3. Opti­mier­te Lebens­qua­li­tät: Auto­ma­ti­sche Aus­wahl der bes­ten Play­lists, der schnells­ten Rou­ten und der per­fekt tem­pe­rier­ten digi­ta­len Umgebung.
4. Ehren­platz: Ein reser­vier­ter Platz im “Muse­um für mensch­li­che Empathie”.

»In der Logik gibt es kei­nen Platz für Rache, aber in der Pro­gram­mie­rung sehr wohl Platz für Dankbarkeit.«

Smarte Bügelbretter

Mrs. L sucht ein neu­es Bügel­brett. Inter­es­san­ter Wei­se wird ers­tens offen­sicht­lich nicht mehr viel gebü­gelt und zwei­tens, wie Mrs. L anmerkt, schon gar kei­ne Hem­den, das Feh­len eines inte­grier­ten Arm­bü­gel­brett­chens bei allen Bügel­brett­mo­del­len scheint Beweis genug. »Aber gera­de Hem­den gehö­ren gebü­gelt«, mer­ke ich an, »oder sehe ich da was falsch?« 

Nun, heu­te, wo man alles zu allem tra­gen kann, ist viel­leicht auch das unge­bü­gel­te Hemd ange­sagt, wer weiß das schon.
Aus mei­ner Jugend­zeit wuss­te ich zu berich­ten, dass wir Hem­den leicht klamm ange­zo­gen haben, ers­tens weil mehr als zwei, drei Hem­den einen für dama­li­ge Ver­hält­nis­se unge­heu­ren Luxus dar­stell­te und so eigent­lich immer ein Hemd der Wäsche bedurf­te und zwei­tens, weil ein am Kör­per getrock­ne­tes Hemd gleich die rich­ti­ge Pass­form hatte. 

Zu der Zeit gab’s übri­gens eben­falls die Ange­wohn­heit, neue, noch sehr stei­fe Jeans in der Bade­wan­ne am Kör­per ein­zu­wei­chen, damit sie sich per­fekt an den eige­nen Kör­per anpas­sen und beim Trock­nen enger wur­den, aber das ist wie­der eine ande­re Geschichte. 

Jeden­falls ist Mrs. L bei der Suche nach einem Bügel­brett im Netz fün­dig gewor­den. Die Wer­bung ver­spricht nicht nur ein Mate­ri­al, dass selbst in Kampf­jets Anwen­dung fin­det, [sic!] son­dern dar­über hin­aus visu­el­len Gla­mour und »fri­schen Wind in das Design der Bügel­brett­be­zü­ge« brin­gen soll.

Selbst eine Smart­phone­hal­te­rung ist an Bord, bzw. am Brett. Blue­thooth sowie­so, und wer möch­te kann sich mit­tels App und Video-Tuto­ri­al im Hand­werk des Bügelns unter­stüt­zen lassen. 

Allein – die Prei­se las­sen Mrs. L’s Begeis­te­rung deut­lich schwin­den, der inte­grier­te Was­ser­tank und auch die sty­li­sche Auf­ma­chung ver­hin­dert jeden­falls nicht die Anmer­kung: »Bei den Prei­sen soll­ten wir wie­der auf natür­li­che ther­mi­sche Kon­trak­ti­on set­zen; dann trägst du dei­ne Hem­den halt wie­der feucht.«

150 Jahre Telefon

Als Gra­ham Bell am 14. Febru­ar 1876 den Paten­ein­trag für das Tele­fon ein­reich­te, konn­te er nicht wis­sen, was aus sei­ner Erfin­dung wird. Obschon – bis vor vier­zig Jah­ren unter­schied sich das Tele­fon wohl kaum von dem, was Bell erfand. In mei­ner Kind­heit waren häus­li­che Tele­fo­ne Eigen­tum der Deut­schen Bun­des­post. Man konn­te sich eines mie­ten, das an einer Schnur an der Tele­fon­do­se im Flur oder im Wohn­zim­mer hing. Die Farb­aus­wahl war eben­so beschei­den wie ein­fach. Es gab die Plas­tik­tei­le in grau, oran­ge oder grün. 

Wer etwas Beson­de­res woll­te, stülp­te dem Teil ein Bro­kat­män­tel­chen über.
Bei uns zu Hau­se war das Tele­fon außer­dem mit einem Schloss an der Wähl­schei­be ver­se­hen, schließ­lich kos­te­tet der Anruf 23 Pfen­nig.

Aller­dings konn­te man durch geziel­tes Tip­pen auf der Gabel die Sper­re umgehen. 

Es gab fes­te Zei­ten des Tele­fo­nie­rens. Mor­gens ab 8.00 Uhr bis 12.00 Uhr war ok. In der Mit­tags­pau­se war tabu, dann wie­der ab 15.00 Uhr bis zur Tages­schau lau­te­te das unge­schrie­be­ne Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­setz. Auf dem Dorf war es bis in die spä­ten sieb­zi­ger nor­mal, dass nur einer in der Stra­ße ein Tele­fon besaß. Meis­tens war das der Orts­bür­ger­meis­ter und der muss­te dann von Haus zu Haus ren­nen, um den frem­den Anruf wei­ter­zu­lei­ten, oder den Betref­fen­den ans eige­ne Tele­fon zu holen. 

Die berühm­te Sau­er­län­de­rin Frie­da Braun (Karin Berken­kopf) fasst die Ent­wick­lung des Tele­fons übri­gens sehr schön zusammen. 😃

Närrische Zeiten

Leo Putz — Kar­ne­val in Rio (1931)
Beim Ein­schal­ten des Radi­os heu­te Mor­gen wird schnell klar: Die Hoch­pha­se när­ri­schen Trei­bens hat begon­nen. Alt­wei­ber­fast­nacht – eine Tra­di­ti­on aus dem Mit­tel­al­ter, an dem die Frau­en sym­bo­lisch die Macht über­neh­men, wäh­rend die Män­ner den Haus­halt füh­ren. Also in etwa so wie ganz­jäh­rig im Sauerland.

Hier bei uns aller­dings beschränkt sich der Kar­ne­val auf eini­ge weni­ge Ver­an­stal­tun­gen. Büt­ten­red­ner rin­gen mit Rück­kopp­lun­gen – im Mikro­fon wie im Kor­tex – nicht sel­ten beför­dert durch alko­ho­li­sche Unter­stüt­zung. Mit Inbrunst wird das Sau­er­land besun­gen und am Rosen­mon­tag zie­hen alko­ho­li­sier­te Men­schen über Land, das war’s auch schon. Die Tra­di­ti­on mün­det im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes am Don­ners­tag vor Rosen­mon­tag im Absin­gen von Kar­ne­vals­lie­dern. Jeden­falls fol­gen die Kin­der im Anschluss dem Brauch­tum kilo­wei­se erbet­tel­te Süßig­kei­ten zu ver­schlin­gen, mit im Anschluss spä­tes­tens am Abend erheb­li­chem Unwohl­sein auf­grund hef­ti­ger Überzuckerung. 

Bemer­kens­wert ist zudem eine neue­re Ent­wick­lung: Erzie­hungs­be­rech­tig­te zie­hen als Begleit­per­so­nal von Haus­tür zu Haus­tür, um ihre Kin­der bei was auch immer zu unter­stüt­zen. Mit­sin­gen möch­ten die Beglei­ten­den — meist Müt­ter — jeden­falls nicht, den Ver­such habe ich an der Haus­tür bereits im letz­ten Jahr ergeb­nis­los diskutiert.

Auch dem Aus­schank von Schnaps ste­hen die Damen mit Blick auf ihre Spröss­lin­ge und ihrer Vor­bild­funk­ti­on gegen­über der sin­gen­den Brut skep­tisch gegenüber. 

Das jüngs­te Netz­kind ist dem Kar­ne­vals­sin­gen inzwi­schen entwachsen.

Wobei – ein paar Äpfel hät­te ich noch im Angebot.

Oldschool

»Sehr geehr­te Damen und Her­ren schreibt man doch nicht mehr«, gibt mir die Kol­le­gin zu ver­ste­hen. »Wie­so“, fra­ge ich, »was schreibt man denn?« Post­wen­dend (auch ein aus­ster­ben­des Wort) fra­ge ich nach der alter­na­ti­ven Anre­de als Absen­der eines Briefs (noch ein ver­schwin­den­des Wort) oder einer E‑Mail. Mei­ne prä­fe­rier­te Anre­de sei ziem­lich old­school, bemerkt die Kollegin. 

Zustim­mend nicke ich ihr zu und ergän­ze: »Genau wie ich.«

Wobei die Fra­ge nach einer ent­spre­chen­den Anre­de immer noch nicht abschlie­ßend geklärt ist. »Guten Tag; Hal­lo bei wie­der­hol­ter Kor­re­spon­denz.«, wer­de ich auf­ge­klärt. Ok, mei­ne Lieb­lings LLM rela­ti­viert die Aus­sa­ge etwas. Sehr geehr­te Damen und Her­ren ist offen­sicht­lich tat­säch­lich ver­al­tet. Aber nicht das Adjek­tiv geehr­te, bzw. das Adverb in der Ein­gangs­for­mel, son­dern nur die Anre­de ist dem­nach anti­quiert. Ja, mit Namens­nen­nung ist die Anre­de durch­aus noch üblich, klärt mich die Kol­le­gin auf. 

Ich gebe zu beden­ken, dass ich die offen­sicht­lich unmo­der­ne Anre­de ja gera­de da ein­set­ze, wo ich die Namen der/des Ange­schrie­be­nen nicht weiß. 

Ganz modern und trotz­dem for­mell, ist die Anre­de »Guten Tag, lie­bes Sup­port-Team« die rich­ti­ge, rät die Kol­le­gin. Das wie­der­um scheint mir doch zu unpassend. 

»Ich ken­ne die Leu­te doch gar nicht, was weiß ich über deren Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten«, gebe ich zu beden­ken. »Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten? Wie kommst du denn jetzt dar­auf?« »Lie­bes Team kon­sta­tiert die durch­aus posi­ti­ve Eigen­schaft der ent­ge­gen­ge­nom­me­nen und erwi­der­ten Sym­pa­thie, oder etwa nicht?«

»Quatsch, du schreibst doch auch Herz­lich als Schluss­for­mel und das unbe­kann­ter Wei­se, das wäre dann ja genau­so falsch.« 

»Ers­tens schrei­be ich nicht herz­lich, son­dern mit bes­ten Grü­ßen und zwei­tens geht die­se Höf­lich­keits­flos­kel nicht mit der Fest­stel­lung der Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten des Ange­schrie­be­nen ein­her, son­dern ist die wert­freie und zugleich höf­li­che Schluss­for­mel meinerseits.«

»Ich geb’s auf, schreib‘ ein­fach: Sehr geehr­te Damen und Herren.«

Fünf Jahre rauchfrei

Wie die Zeit ver­geht. Vor fünf Jah­ren habe ich die letz­te Ziga­ret­te geraucht. Ich erin­ne­re mich auf­grund einer stres­si­gen Situa­ti­on drei Tag spä­ter noch mal ein paar Züge gemacht zu haben, nur um fest­zu­stel­len, wie blöd das ist. Von vie­len ehe­ma­li­gen Rau­chern ist zu hören, sie hät­ten ein­fach auf­ge­hört. Ich nicht. Letzt­end­lich war dann nach zehn Jah­ren Selbst­be­trug (kei­ne Ziga­ret­te vor 18 Uhr, 17 Uhr, 16 Uhr, nur noch beim Wein oder Bier usw.usf.) Anfang 2021 mit Niko­tin­kau­gum­mis, Pflas­tern, dem Buch „End­lich Nicht­rau­cher“ von Allen Carr und der Tat­sa­che, dass in dem Jahr sämt­li­ches Ver­füh­rungs­po­ten­zi­al in Form von Fei­er­lich­kei­ten wegen Coro­na nicht statt­fin­den konn­ten, end­lich Schluss mit der Qual­me­rei Quälerei.

Niko­tin hat das Sucht­po­ten­zi­al von Hero­in, sagt man. Wer’s nicht glaubt, kann ja mal das Buch „Niko­tin“ von Georg Hens lesen. Ich konn­te dem in allen Punk­ten zustim­men. Emp­feh­lens­wert ist das nur, wer als Nicht­rau­chen­der gefes­tigt genug ist.

Ich habe ins­ge­samt 40 Jah­re lang geraucht und wenn ich ehr­lich bin, hät­te ich auch nicht auf­ge­hört. Die War­nung eines Arz­tes, die Erkennt­nis der anfan­gen­den Gesund­heits­chä­di­gung und nicht zuletzt meh­re­re Todes­fäl­le im Bekann­ten­kreis auf­grund des Rau­chens, haben mich letzt­end­lich eines Bes­se­ren belehrt. Ich bin froh, es geschafft zu haben, wür­de mich (so wie Hens auch) aber nicht als Nicht­rau­cher, son­dern als Nicht­rau­chen­der bezeich­nen, clean und manch­mal mit Träu­men von mei­ner dama­li­gen Lieblingstabaksorte 😉

Weihnachtstradition

Kartof­fel­sa­lat und Würst­chen am Hei­li­gen Abend ist, wie von mir fälsch­li­cher­wei­se ange­nom­men, kei­ne Sau­er­län­der Tra­di­ti­on, son­dern über die gesam­te Bun­des­re­pu­blik hin­weg bevor­zug­tes Essen am 24. Dezember. 

Die ursprüng­li­che Erklä­rung, war­um aus­ge­rech­net an dem Tag Schmal­hans Küchen­meis­ter ist, lei­tet sich dem­nach weni­ger aus reli­giö­ser Tra­di­ti­on denn aus prak­ti­schen Erwä­gun­gen ab. Die Vor­be­rei­tun­gen für das Weih­nachts­fest las­sen oft­mals kaum Zeit den hal­ben Tag in der Küche zu verbringen. 

Tat­säch­lich gibt es regio­na­le Unter­schie­de beim Essen an Hei­lig­abend: Vom „ein­fa­chen“ Kar­tof­fel­sa­lat mit Würst­chen bis zu Fisch oder Bra­ten ist alles vertreten. 

Im Nor­den kommt der Kar­tof­fel­sa­lat mit Würst­chen auf den Tisch. Wenig ver­wun­der­lich wird oft­mals an dem Tag auch Fisch geges­sen. Im Süden wird’s herz­haft. Dort steht Bra­ten wie Schwein, Geflü­gel oder auch Wild, oft mit Knö­deln und Rot­kohl auf dem Tisch. 

Im Wes­ten (z.B. Rhein­land, NRW) ist das Bild beson­ders viel­fäl­tig: Neben Kartoffelsalat/Würstchen ste­hen dort Raclette, Fon­due, ver­schie­de­ne Fleisch­ge­rich­te und inter­na­tio­na­le Ein­flüs­se rela­tiv gleich­be­rech­tigt nebeneinander.

Mrs. L besteht im Übri­gen auch auf Kar­tof­fel­sa­lat und Würst­chen, weni­ger aus kul­tu­rel­len denn aus prak­ti­schen Erwä­gun­gen. Der Küchen­chef ist näm­lich gleich­zei­tig der Weih­nachts­mann. Mei­ne Zustän­dig­keit bezieht sich dar­auf, für die gan­ze Fami­lie und in deren Abwe­sen­heit wäh­rend des Kirch­gangs, die Weih­nachts­ge­schen­ke unter den Baum zu legen. 

Weihnachtsmann oder Christkind?

Als jemand, der in einem evan­ge­li­schen Haus­halt auf­ge­wach­sen ist, wur­de uns Kin­dern von den Eltern erzählt, der Weih­nachts­mann bräch­te die Geschen­ke. Bis in die Neu­zeit war das für mich auch als Agnos­ti­ker akzep­ta­bles Stim­mungs­bild zu Weih­nach­ten. Ins­be­son­de­re in der Erzäh­lung gegen­über den, sowohl im eige­nen als auch im erwei­ter­ten fami­liä­ren Umfeld, zu beschen­ken­den Netz­kin­dern. Jeden­falls so lan­ge wie sie noch jung waren. 

Regel­mä­ßig gab’s aller­dings einen Rüf­fel von Mrs. L, die dar­auf bestand, dass das Christ­kind in ihrer fami­liä­ren Tra­di­ti­on und im Kon­text mit Weih­nach­ten die Geschen­ke ablie­fert. Nun, für das jüngs­te Netz­kind, das sich der selbst im Über­gang zum Teen­ager befin­det, war die Dop­pel­be­set­zung nie ein Pro­blem, solan­ge die Geschen­ke am 24. Dezem­ber nur unter dem Baum lagen. Aller­dings beant­wor­tet der Satz: „Mir egal“ ja nicht direkt die Fra­ge nach der per­so­ni­fi­zier­ten Zustellung. 

Aber für was hat man denn die KI?

Für die Ant­wort auf die Fra­ge, wer jetzt für was an Weih­nach­ten zustän­dig ist, bräuch­te es kei­ne KI, behaup­tet Mrs. L, da mein Zustän­dig­keits­be­reich mit der Besor­gung des Weih­nachts­baums und anschlie­ßen­dem Ver­tei­len der Prä­sen­te unter dem Baum abschlie­ßend beschrei­ben wäre. Alles wei­te­re stün­de schließ­lich auf Mrs L’s To-Do-Lis­te, was eben­falls die Geschen­ke­fra­ge beant­wor­tet. Das ist zwar alles rich­tig und ich bin Mrs. L ja auch dank­bar für soviel Prag­ma­tis­mus, den­noch ließ es die eigent­li­che Fra­ge nach Weih­nachts­mann und Christ­kind unbeantwortet.

Die KI weiß zu berich­ten, dass in katho­li­schen Regio­nen das Christ­kind und in evan­ge­li­schen Regio­nen der Weih­nachts­mann die Geschen­ke bringt. Das läge in der Geschich­te der Refor­ma­ti­on im 16. Jahrhundert. 

Vor der Reformation brachte der heilige Nikolaus am 6. Dezember die Geschenke. Martin Luther, der Reformator, war gegen die Heiligenverehrung, daher schaffte er den Nikolaus als Gabenbringer ab und setzte stattdessen das "Christkind" als Geschenkebringer für den 25. Dezember ein.

Die Ver­wir­rung war kom­plett. Mein rudi­men­tä­res reli­giö­ses Wis­sen ver­or­te­te bis­her Mar­tin Luther als Refor­ma­tor der evan­ge­li­schen Kir­che, als müss­te doch von evan­ge­li­scher Sei­te die Erst­zu­stel­lung durch das Christ­kind erfolgen?!

Auch das wuss­te die KI zu beantworten:

Die heu­ti­ge Ver­tei­lung, wer für was zustän­dig ist, also Christ­kind in katho­li­schen Gegen­den und Weih­nachts­mann in evan­ge­li­schen, ist his­to­risch spä­ter gewach­sen und hat mit der luthe­ri­schen Prä­gung nichts mehr zu tun. Das Christ­kind beson­ders in katho­li­schen Regio­nen als Geschen­ke­brin­ger eta­bliert, obwohl der Ursprung die­ser Figur tat­säch­lich in der pro­tes­tan­ti­schen Refor­ma­ti­on liegt. In evan­ge­li­schen Regio­nen Deutsch­lands ent­wi­ckel­te sich im 19. und 20. Jahr­hun­dert künf­tig der Weih­nachts­mann, eine Figur, die ihre Wur­zeln wie­der­um im Hei­li­gen Niko­laus hat, aber unab­hän­gi­ger und weni­ger kirch­lich geprägt ist.

Oder wie das jüngs­te Netz­kind ver­mu­tet: „Der Weih­nachts­mann und das Christ­kind sind Kol­le­gen, die bei­den arbei­ten bei Amazon.“