Madeira — eine Reise wert

Das ältes­te Städt­chen auf Madei­ra — Machico

Festes Schuh­werk, eine gute Kon­sti­tu­ti­on und Klei­dung im Zwie­bel­prin­zip. Im Grund ist das die Aus­rüs­tung für einen Urlaub auf der Blu­men­in­sel. Madei­ra ist eine por­tu­gie­si­sche Insel­grup­pe im Atlan­ti­schen Oze­an, gele­gen rund 950 Kilo­me­ter süd­west­lich des por­tu­gie­si­schen Fest­lands und etwa 700 Kilo­me­ter west­lich der afri­ka­ni­schen Küs­te. Auf­grund der land­schaft­li­chen Beschaf­fen­heit mit hohen Gebirgs­zü­gen, stei­len Klip­pen und einer dich­ten, ganz­jäh­ri­gen Vege­ta­ti­on wird die Insel häu­fig als „Insel des ewi­gen Früh­lings“ bezeich­net. Zu errei­chen ist die Insel ab Düs­sel­dorf in einem vier­stün­di­gen Flug. Dass wir auf einer nicht zu gro­ße Insel gelan­det sind, wird beim Auf­set­zen mit dem rela­tiv klei­nen Flug­zeug schnell klar. Der Pilot muss mäch­tig in die Eisen. Die Lan­de­bahn auf Madei­ra ist zwar in den 80er und spä­ter in den 2000er Jah­ren ver­län­gert wor­den, zählt aber immer noch zur gefähr­lichs­ten Lan­de­bahn der Welt und darf nur von Pilo­ten mit einer spe­zi­el­len Lizenz ange­flo­gen wer­den. Die Erwei­te­rung auf sieb­zig Meter hohen Stel­zen gilt als Meis­ter­werk der Ingenieurskunst. 

Lan­de­bahn für Flug­zeu­ge auf Stel­zen in der Nähe von Funchal

Das Kli­ma ist ganz­jäh­rig mild. Die Tem­pe­ra­tu­ren sin­ken im Win­ter sel­ten stark, wäh­rend die Som­mer­mo­na­te warm, aber durch den Ein­fluss des Oze­ans meist nicht extrem heiß sind. Die­se sta­bi­len Wet­ter­be­din­gun­gen ermög­li­chen das Wachs­tum zahl­rei­cher exo­ti­scher Pflan­zen­ar­ten und Blu­men auf der gesam­ten Insel. Die Insel hat ver­schie­de­ne Kli­ma­zo­nen, wäh­rend es im Nor­den küh­ler und reg­ne­ri­scher ist, waren die Tem­pe­ra­tu­ren jetzt im Mai im Süden und unten am Meer mit 22° sehr ange­nehm. Aber Ach­tung: der UV-Index ist ziem­lich hoch und in den Ber­gen kann es emp­find­lich kalt wer­den. Unse­re Hüt­te lag auf 1000 Metern Höhe in den Ber­gen, da waren es um die 8°. Ruck­sack mit Ergän­zungs­be­klei­dung für den Zwie­bel­look ist also unverzichtbar.

Der Tou­ris­mus ist der zen­tra­le Wirt­schafts­fak­tor Madei­ras. Die meis­ten Rei­sen­den kom­men für Out­door-Akti­vi­tä­ten auf die Insel, ins­be­son­de­re für Wan­de­run­gen ent­lang der Leva­das – den tra­di­tio­nel­len Bewäs­se­rungs­ka­nä­len – oder wegen der Aus­sichts­punk­te an den Küs­ten. Zudem zäh­len Was­ser­sport, Wal­be­ob­ach­tun­gen und regio­na­le Kul­tur­fes­te zu den Haupt­at­trak­tio­nen. Die Wan­de­run­gen sind anspruchs­voll, aber zu schaf­fen. Für mei­nen Geschmack aber tou­ris­tisch über­lau­fen. Anmel­dung ist Pflicht und wer nicht zur gebuch­ten Zeit erscheint, hat Pech gehabt und wird wie­der umge­schickt. Belohnt wird der Fuß­marsch durch gran­dio­se Aus­sich­ten von der Hochebene.

Tipp: Bei der Aus­wahl des Leih­wa­gens auf eine aus­rei­chen­de Moto­ri­sie­rung und Boden­frei­heit ach­ten. Die Autos sind hier durch­weg Mit­tel­klas­se SUVs mit ca. 100 PS, die braucht’s aber auch, 30 Pro­zent Stei­gung ist hier kei­ne Sel­ten­heit. Unser Autos ist trotz Auto­ma­tik­ge­trie­be auf­rund der Stei­gung beim Rück­wärts­an­fah­ren ein Stück nach vor­ne gerollt.

Ana­nas­ba­na­nen
Die Haupt­stadt Fun­chal liegt an der Süd­küs­te und bil­det das wirt­schaft­li­che sowie kul­tu­rel­le Zen­trum. Die Stadt ist vor allem für ihren Hafen, die his­to­ri­sche Alt­stadt, die zen­tra­len Markt­hal­len und den Bota­ni­schen Gar­ten bekannt. Hier spielt sich der Tou­ris­mus ab, aller­dings ist die Stadt trotz­dem nicht über­lau­fen. Klei­ne Läden mit Nip­pes, Muse­en, die Alt­stadt mit den berühm­ten kunst­voll gestal­te­ten Haus­tü­ren in den engen Gas­sen, es gibt eine Men­ge zu sehen. Der Markt von Fun­chal ist eben­falls einen Besuch wert. Zahl­rei­che noch nie gese­he­ne Früch­te wer­den hier ange­bo­ten, unter ande­rem die auf Madeu­ra bekann­te Ana­nas­ba­na­ne. Kau­fen soll­te man hier nicht, die Prei­se sind mit einem hef­ti­gen Tou­ris­ten­auf­schlag ver­se­hen. Ansons­ten sind die Prei­se für Essen und Trin­ken human. Pro­bie­ren soll­te man auf jeden Fall eines der Natio­nal­ge­rich­te: Espa­da, der schwar­ze Degen­fisch. Nicht erschre­cken, auf dem Markt sieht das Tier aus wie der Höl­le ent­sprun­gen, als Filet mit meist frit­tier­ter Bana­ne ist er ein ech­ter Genuss.


Kurz und gut: Wer im Urlaub Akti­vi­tä­ten und Erkun­dun­gen schätzt, viel sehen möch­te und kei­ne Angst vor madei­ri­schen Ama­teur­berg­renn­fah­rern im Gegen­ver­kehr in den Ser­pen­ti­nen hat, für den ist die Insel im Atlan­tik genau das richtige. 

Saisonwechsel

Eigent­lich ist mir eine gewis­se Eitel­keit nicht fremd. Nicht in der Schnee­witt­chen­ver­si­on, son­dern eher in Form gepfleg­ter Klei­dung. Unei­gent­lich und in der Pra­xis weicht der Wunsch­ge­dan­ke z.B. einen Maß­an­zug zu tra­gen, man­geln­der Offer­te im Klei­der­schrank und stan­des­ge­mä­ßen Gelegenheiten. 

Will sagen: In der Pra­xis hole ich mei­ne inzwi­schen bestimmt zwan­zig Jah­re alte Jeans­ja­cke im Mai aus dem Schrank, schnei­de mit der Sche­re ers­te Auf­lö­sungs­er­schei­nun­gen am Kra­gen ein­fach ab und nut­ze die­se tag­täg­lich und zwar so lan­ge, bis Mrs. L fest­stellt, dass eine Wäsche einer all­ge­mei­nen Sozi­al­ver­träg­lich­keit durch­aus ent­ge­gen­kom­men würde.

Na jeden­falls las­sen die Tem­pe­ra­tu­ren im Sau­er­land inzwi­schen den stra­te­gi­schen Aus­tausch von Win­ter- gegen Som­mer­gar­de­ro­be zu. Dach­te ich. Denn besag­te Jacke glänz­te im Dach­bo­den-Exil durch Abwesenheit.
Die Jacke für den Som­mer, eben­die­se Jeans­ja­cke, befand sich nicht mehr im Win­ter­quar­tier, son­dern war schlicht­weg unauf­find­bar. Da Mr. L am Tag des ver­such­ten Sai­son­be­klei­dungs­wech­sels nicht zuge­gen war, konn­te ich natür­lich auch nicht fra­gen, was ich durch exzes­si­ves Flu­chen kompensierte.

Gleich­wohl war nicht nur die Jacke, son­dern die gesam­te Som­mer­kol­lek­ti­on, die in mei­nem Fall ohne­hin eher an einen über­schau­ba­ren tex­ti­len Schluss­ver­kauf in Form einer wei­te­ren Jacke erin­nert, spur­los ver­schwun­den. Mei­ne Ver­mu­tung: Mrs. L hat­te das Prin­zip der sai­so­na­len Ein­la­ge­rung kur­zer­hand durch kon­se­quen­te Ent­sor­gung ersetzt und die Jacke dem Rest­müll überordert. 

Ent­spre­chend war mei­ne Lau­ne nach einem halb­stün­di­gen Such­gang. Eine KI hät­te nicht mehr Schimpf­wör­ter und Flü­che erfin­den können. 

Offen­sicht­lich war nicht nur die­se Jacke, son­dern mein gesam­tes Ord­nungs­sys­tem in Fra­ge gestellt worden. 

War­um mein gesam­ter Som­mer­ja­cken­be­stand dann einen Tag spä­ter an ande­rer Stel­le wie­der auf­tauch­te, ent­zieht sich mei­ner Erkennt­nis, nicht aber der Erin­ne­rung von Mrs. L: »Du hast die Jacken dort sel­ber hin­ge­legt, um Platz für die Herbst­sa­chen zu schaf­fen«, bemerk­te sie süffisant.

Die Geschichte von Borgward

Borg­ward Isa­bell­la von 1958

Gestern beim Werk­statt­be­such ent­deck­te ich den auto­mo­bi­len Beweis her­aus­ra­gen­der deut­scher Inge­nieurs­kunst: Eine Borg­ward Isa­bel­la von 1958. 

Ein ech­tes Auto mit Cha­rak­ter, noch von Hand gezeich­net und noch nicht im Wind­ka­nal rund­ge­lutscht. Grund genug, mal tief in die Geschich­te einer Mar­ke ein­zu­tau­chen, deren Auf­stieg und Fall zu den fas­zi­nie­rends­ten Kapi­teln der deut­schen Auto­mo­bil­ge­schich­te gehören.

[Recher­che mit Hil­fe von Gemini]

Die Anfänge (1890–1924)

Alles begann mit einem Mann, der den unbe­ding­ten Kon­struk­ti­ons­wil­len im Blut hat­te: Carl Fried­rich Wil­helm Borg­ward. Gebo­ren am 10. Novem­ber 1890 in Alto­na, absol­vier­te er zunächst eine soli­de Leh­re als Schlos­ser, um das Hand­werk von der Pike auf zu ler­nen. Es folg­te ein Maschi­nen­bau­stu­di­um am Tech­ni­kum in Ham­burg. Nach den Wir­ren des Ers­ten Welt­kriegs trat er 1919 als Teil­ha­ber in die Fir­ma Bre­mer Rei­fen­in­dus­trie GmbH ein. Der eigent­li­che Genie­streich gelang ihm jedoch 1924: Borg­ward ent­wi­ckel­te das Lie­fer­drei­rad Blitz­kar­ren. Für 980 Reichs­mark ange­bo­ten, traf das spar­ta­ni­sche, aber unge­mein prak­ti­sche Gefährt exakt den Nerv der von der Hyper­in­fla­ti­on gebeu­tel­ten Wirt­schaft. Es wur­de ein rie­si­ger Erfolg und leg­te das finan­zi­el­le Fun­da­ment für alles, was noch kom­men sollte.

Expansion und Aufstieg (1928–1938)

Borg­ward dach­te groß und han­del­te schnell. Im Jahr 1928 grün­de­te er die »Goli­ath-Wer­ke Borg­ward & Co GmbH« und über­nahm nur ein Jahr spä­ter, im Jahr 1929, die wirt­schaft­lich ange­schla­ge­nen Han­sa-Lloyd Wer­ke. Dass er ein per­fek­tes Gespür für den Mas­sen­markt besaß, bewies er 1931/32 mit der Drei­rad-Limou­si­ne Pio­nier. Der end­gül­ti­ge Durch­bruch in der eta­blier­ten auto­mo­bi­len Ober­li­ga gelang der Mar­ke auf der Inter­na­tio­na­len Auto­mo­bil­aus­stel­lung 1934 in Ber­lin. Mit den moder­nen, ele­gan­ten Model­len Han­sa 1100 und Han­sa 1700 zeig­te Borg­ward der Kon­kur­renz, was tech­no­lo­gi­sche Inno­va­ti­on gepaart mit anspre­chen­dem Design bedeu­te­te. Die­se rasan­te Expan­si­on gip­fel­te im Jahr 1938 mit dem Bau des damals moderns­ten und fort­schritt­lichs­ten Auto­werks Euro­pas in Bremen-Sebaldsbrück.

Zweiter Weltkrieg und Wiederaufbau (1939–1950)

Die dunk­len Jah­re des Zwei­ten Welt­kriegs mach­ten die Erfolgs­ge­schich­te jedoch jäh zunich­te. Die Borg­ward-Wer­ke wur­den gezwun­ge­ner­ma­ßen als Haupt­lie­fe­rant für die Wehr­macht ein­ge­spannt; statt ele­gan­ter Limou­si­nen wur­den fort­an Halb­ket­ten­fahr­zeu­ge, Schüt­zen­pan­zer und schwe­re Zug­ma­schi­nen pro­du­ziert. Die Quit­tung folg­te prompt: Das erst 1938 fei­er­lich eröff­ne­te Werk in Bre­men wur­de durch alli­ier­te Luft­an­grif­fe fast kom­plett zer­stört. Doch wer glaub­te, das sei das Ende der Borg­ward-Ära gewe­sen, unter­schätz­te den unbän­di­gen Steh­auf­männ­chen-Geist des Grün­ders und sei­ner Beleg­schaft. Man mach­te sich sofort an den müh­sa­men Wie­der­auf­bau – der Weg war frei für die gro­ßen Iko­nen der Nach­kriegs­zeit. Iko­nen wie jene Isa­bel­la, die heu­te noch in der Werk­statt die Bli­cke auf sich zieht.

Borgward Isabella (1954–1961) – Das Herzstück

Und damit wären wir wie­der bei mei­nem ein­gangs erwähn­ten Werk­statt-Fund­stück, dem eigent­li­chen Star der Bre­mer Auto­mo­bil­ge­schich­te: der Borg­ward Isa­bel­la. Sie war das abso­lu­te Herz­stück des Unter­neh­mens, ein Mit­tel­klas­se-PKW, den die Carl F. W. Borg­ward GmbH von 1954 bis 1961 in Bre­men-Sebalds­brück vom Band lau­fen ließ. Sie war nicht ein­fach nur ein Auto; sie war das Sym­bol des Wirt­schafts­wun­ders.Der Vier­zy­lin­der-Rei­hen­mo­tor mit drei­fach gela­ger­ter Kur­bel­wel­le und par­al­lel hän­gen­den Ven­ti­len hat­te eine seit­li­che Nocken­wel­le, die über ein Stirn­rad­ge­trie­be mit Zahn­rad aus gewe­be­ver­stärk­tem Phe­nol­harz (Novo­tex) ange­trie­ben wird. Das Ansaug­rohr ist Teil des Zylin­der­kop­fes; der Ver­ga­ser ist auf dem Ven­til­de­ckel ange­flanscht. Neu war damals die hydrau­lisch betä­tig­te Kupp­lung. Das Vier­gang­ge­trie­be mit Lenk­rad­schal­tung ist voll syn­chro­ni­siert, der 1,5 l Motor leis­tet zwi­schen 60 und 75 PS. Die Isa­bel­la war mit 7.265,00 DM teu­rer als der Opel Rekord oder der Ford 12 M, aber güns­ti­ger als ein Mer­ce­des 180. Im ers­ten Pro­duk­ti­ons­jahr stell­te Borg­ward 11.150 Isa­bel­las her. (Wiki­pe­dia) Den Namen soll das Auto durch eine Gleich­gül­tig­keit des Fir­men­chefs erhal­ten haben: Auf die Fra­ge der Inge­nieu­re, wie der Pro­to­typ beti­telt wer­den soll­te, hat der Erzäh­lung nach Borg­ward geant­wor­tet: »Das ist mir egal, schreibt mei­net­we­gen Isa­bel­la drauf.«

Der Untergang (1960–1963)

Der tie­fe Fall folg­te auf dem Fuße, und er kam schnell. Im Win­ter 1960 geriet der Kon­zern mas­siv in Zah­lungs­schwie­rig­kei­ten. Um die stol­ze Zahl von 27.000 Mit­ar­bei­tern irgend­wie zu hal­ten, benö­tig­te Borg­ward drin­gend eine Kre­dit­hil­fe des Bre­mer Senats. Die Poli­tik zöger­te, sodass das Geld nur zum Teil über­haupt zur Aus­zah­lung kam.

Die Affäre Borgward — BMW

Der Inter­es­sen­kon­flikt
Als Borg­ward 1961 in finan­zi­el­le Not geriet und der Bre­mer Senat ein­sprang, muss­te ein Sanie­rer her. Der Finanz­se­na­tor traf sich mit dem Unter­neh­mens­be­ra­ter Johan­nes Sem­ler, und Bür­ger­meis­ter Kai­sen plan­te die Grün­dung einer Akti­en­ge­sell­schaft. Dabei wäre eine Zusam­men­ar­beit mit VW oder BMW denk­bar gewe­sen, die bereits Inter­es­se signa­li­siert hat­ten. Der ent­schei­den­de Haken dabei: Nie­mand im Bre­mer Senat wuss­te bis dahin, dass Sem­ler zugleich Auf­sichts­rats­mit­glied bei BMW war. Das bestä­tigt auch Wiki­pe­dia: Am 1. Febru­ar 1960 wur­de Sem­ler Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­der bei BMW – und 1961 gleich­zei­tig Sach­ver­stän­di­ger für den Bre­mer Senat in der Sache Borgward.

Sabo­ta­ge statt Sanierung?
Anstatt die Fir­ma wie­der auf die Bei­ne zu brin­gen, plan­te Sem­ler laut spä­te­ren Vor­wür­fen ein »Aus­blu­ten«, sodass BMW die Borg­ward-Wer­ke zum kleinst­mög­li­chen Preis über­neh­men könn­te. So schick­te er sogleich sechs Borg­ward-Kon­struk­teu­re nach Mün­chen – dekla­riert als »Wei­ter­bil­dung«. Zwei Wochen nach sei­nem Amts­an­tritt bezeich­ne­te Sem­ler den Borg­ward-Kom­plex noch als »unge­wöhn­lich gesund« – doch Borg­wards Ruf war da bereits ruiniert.

Der Plan schei­tert – aber Borg­ward auch
Sem­lers Plan ging nicht auf: BMW war nur an Borg­wards Haupt­werk inter­es­siert und schlug das Kauf­an­ge­bot aus. Der Bre­mer Senat wur­de unru­hig, weil Sem­ler kei­ne sicht­ba­ren Erfol­ge vor­wei­sen konn­te. Nach­dem er wei­te­re 50 Mil­lio­nen for­der­te und die Wer­ke nicht ver­kau­fen konn­te, wur­de sei­ne Gene­ral­voll­macht wider­ru­fen – und das end­gül­ti­ge Ende der Auto­mo­bil­pro­duk­ti­on war besiegelt.

Der dama­li­ge Senats­prä­si­dent Wil­helm Kai­sen fäll­te Jah­re spä­ter ein ver­nich­ten­des Urteil: »Dr. Sem­ler erwies sich als eine Niete.«

Am 4. Febru­ar 1961 kapi­tu­lier­te der sicht­lich mür­be gemach­te Fir­men­grün­der und über­gab sei­ne Wer­ke ent­schä­di­gungs­los dem Land Bre­men. Der Senat instal­lier­te dar­auf­hin einen Sanie­rer, der die Sache aller­dings nicht bes­ser, son­dern gründ­li­cher mach­te und noch mehr Schul­den anhäuf­te – die Sanie­rung schlug gran­di­os fehl. Nach den Werks­fe­ri­en 1961 war end­gül­tig Schluss: Allen Mit­ar­bei­tern wur­de gekün­digt. Der genia­le Geist hin­ter dem Impe­ri­um, Carl F. W. Borg­ward, über­leb­te das Ende sei­nes Lebens­werks nicht lan­ge und starb 1963.

Das Erbe und die Wiederbelebung

Man soll­te mei­nen, damit wäre die Geschich­te zu Ende, aber im Zeit­al­ter des Mar­ken-Zom­bie­fi­zie­rungs-Trends lässt man Legen­den sel­ten in Frie­den ruhen. Ab 2005 ver­such­te Chris­ti­an Borg­ward, der Enkel des Grün­ders, die Auto­mo­bil­mar­ke wie­der­zu­be­le­ben. Nach viel Vor­lauf ver­kauf­te er die Mar­ken­rech­te 2014 schließ­lich nach Chi­na. Doch auch die­ser reani­mier­te Ver­such, der mit den alten Klas­si­kern außer dem Namen und dem Rhom­bus wenig zu tun hat­te, schei­ter­te letzt­lich an der har­ten Rea­li­tät des Mark­tes: Die neue Borg­ward-Grup­pe mel­de­te 2022 eben­falls Insol­venz an. Was bleibt ist die Erin­ne­rung an einen gro­ßen Unter­neh­mer, der in den Nach­kriegs­jah­ren die Design­spra­che neu defi­nier­te und dem die Nach­welt eini­ge der schöns­ten, wenn auch nur noch ganz weni­gen deut­schen Autos ver­dankt. Borg­ward bleibt eines der fas­zi­nie­rends­ten, tra­gischs­ten und span­nends­ten Kapi­tel der deut­schen Auto­mo­bil­ge­schich­te. Ein ech­tes Bre­mer Urge­stein, das den bei­spiel­lo­sen Auf­stieg vom schlich­ten, drei­räd­ri­gen Lie­fer­kar­ren zum viert­größ­ten Auto­her­stel­ler Deutsch­lands geschafft hat – und danach eben­so dra­ma­tisch wie­der von der Bild­flä­che ver­schwand. Scha­de eigentlich. 


Quel­len:

  • Schul­mu­se­um Bre­men / Weser-Kurier (Geschichts­ar­chiv)
  • Staats­ar­chiv Bre­men / Der Spiegel
  • Han­dels­blatt / Auto­mo­bil Industrie
  • Wirt­schafts­be­richt­erstat­tung (u.a. WELT, Focus Online)
  • Wiki­pe­dia — Borgward
  • Wiki­pe­dia- Carl F.W. Borgward
  • Film: Die Affä­re Borgward
  • Energiekrise: Schlimmer als gedacht?

    Durch die Schlie­ßung der Stra­ße von Hor­mus droht Deutsch­land eine Ener­gie­kri­se, die weit erns­ter aus­fal­len könn­te, als man uns glau­ben machen will. Trotz aller Beteue­run­gen der Poli­tik: Nicht nur Gas und Kero­sin könn­ten knapp wer­den, son­dern auch Basis­pro­duk­te wie Dün­ger und ande­re Pro­duk­te. Wäh­rend die Indus­trie bereits Alarm schlägt, üben sich Kanz­ler und Wirt­schafts­mi­nis­ter vor­nehm im Weg­du­cken. Durch den unsin­ni­gen Kon­flikt der USA und Isra­el mit dem Iran wur­de ein Erpres­sungs­po­ten­zi­al geschaf­fen, des­sen Hebel­wir­kung man dort nun sehr genau zu schät­zen weiß.

    Die ohne­hin pre­kä­re Lage wird durch die Ver­knap­pung des Ange­bots und den gewohnt schlep­pen­den Netz­aus­bau ver­schärft. Das Ergeb­nis sind Strom­prei­se, die für Indus­trie und Pri­vat­ver­brau­cher auf einem hohem Niveau ver­har­ren – oder gar wei­ter stei­gen –, das die Wett­be­werbs­fä­hig­keit des Stand­orts Deutsch­land mas­siv gefährdet.

    Der Chef der Inter­na­tio­na­len Ener­gie­agen­tur ver­stieg sich laut SPIEGEL zu der Aus­sa­ge, dass die Mensch­heit in der größ­ten Ener­gie­kri­se seit 50 Jah­ren ste­cke. Die Stra­ße von Hor­mus fun­giert dabei als Achil­les­ver­se der Welt­wirt­schaft: Durch die­se Meer­enge flie­ßen nicht bloß Erd­öl und Erd­gas, son­dern auch essen­zi­el­le Grund­stof­fe für die Dün­ge­mit­tel­her­stel­lung. Soll­te die­se Ver­sor­gung abrei­ßen, stün­de die Ernäh­rung der hal­ben Mensch­heit auf dem Spiel. Noch erreicht uns die­se Kri­se gewis­ser­ma­ßen in Zeit­lu­pe, da die Preis­stei­ge­run­gen bei Öl und Gas meist erst zeit­ver­setzt beim End­ver­brau­cher ankom­men. Bis­her jeden­falls hält sich die Belas­tung des Ver­brau­chers in Gren­zen. Zur Beru­hi­gung der erhitz­ten Gemü­ter wur­de die Steu­er auf Ben­zin und Die­sel gesenkt, die Heiz­pe­ri­ode ist mit Beginn des Som­mers vor­bei. Flü­ge wer­den zwar teu­rer, aber wer sich heut­zu­ta­ge noch einen Urlaub mit Flug­rei­se gön­nen kann, für den dürf­te eine sol­che Preis­er­hö­hung kaum exis­ten­zi­ell sein. 

    Der Bun­des­ver­band der Deut­schen Luft­ver­kehrs­wirt­schaft reagiert den­noch ner­vös und for­dert bereits die Frei­ga­be der stra­te­gi­schen Kero­sin­re­ser­ven – auf natio­na­ler wie euro­päi­scher Ebe­ne. Im Bereich der Gas­ver­sor­gung sieht die Lage kaum rosi­ger aus: Die Spei­cher­stän­de sind inzwi­schen auf unter 25 Pro­zent gefal­len, wäh­rend die Gas­händ­ler ange­sichts der Prei­se bei der Bevor­ra­tung lie­ber abge­war­tet haben. Mit jedem Tag, an dem die Sper­rung der Meer­enge andau­ert, wächst das Risi­ko einer hand­fes­ten Gas­man­gel­la­ge, die in der Heiz­pe­ri­ode im Herbst die Prei­se durch die Decke gehen las­sen könnte. 

    Umso dring­li­cher wird nun die Beschleu­ni­gung der Dekar­bo­ni­sie­rung beschwo­ren, auch im pri­va­ten Sek­tor. Wenn – ja, wenn – da nicht das lei­di­ge The­ma des schlep­pen­den Netz­aus­baus wäre. Mit der aktu­el­len Infra­struk­tur ist eine Umstel­lung auf Strom als pri­mä­re Ener­gie­form für Hei­zung und Ver­kehr schlicht noch nicht zu stemmen.
    Das Strom­netz wur­de his­to­risch schließ­lich dar­auf aus­ge­legt, dass nie alle Haus­hal­te gleich­zei­tig den Herd ein­schal­ten. Wenn nun jedoch in einer Stra­ße abends 20 Elek­tro­au­tos mit 11 kW laden, wäh­rend zeit­gleich 20 Wär­me­pum­pen bei Minus­tem­pe­ra­tu­ren auf Hoch­tou­ren lau­fen, sto­ßen die loka­len Orts­netz­trans­for­ma­to­ren unwei­ger­lich an ihre Grenzen. 

    Die Lei­tun­gen wür­den schlicht durchschmoren.

    Filmkritik — Apex

    Man neh­me das „Hand­buch für Thril­ler“, kopie­re den Inhalt und ver­le­ge das Gan­ze in die Wild­nis. Gar­niert wird das Rezept mit einem geis­tes­kran­ken Psy­cho­pa­then, einer Pri­se Ver­fol­gung, dem obli­ga­to­ri­schen Über­le­bens­kampf und ein paar pho­bi­schen Sze­nen. Am Ende noch ein melan­cho­li­scher Sieg, zwei, drei bekann­te Gesich­ter vor die Kame­ra – fer­tig ist der Standard-Thriller.

    Ich will nicht unfair sein: Apex, das neu­es­te Ding auf Net­flix, ist nicht unspan­nend. Lei­der ist er auch an vie­len Stel­len vorhersehbar. 

    Im Zen­trum steht Sasha (Char­li­ze The­ron). Eine Berg­stei­ge­rin, die den Ruck­sack vol­ler emo­tio­na­lem Bal­last mit­bringt: Ihr Part­ner Tom­my (Eric Bana) hat sich Mona­te zuvor in Nor­we­gen bei einer Tour in den Tod ver­ab­schie­det. Um die Trau­er zu bewäl­ti­gen und die eige­nen Gren­zen zu che­cken, flüch­tet sie in den aus­tra­li­schen Watarrka-Nationalpark.
    Doch die geplan­te Selbst­fin­dung wird zum Hor­ror­trip. Sasha lan­det als Beu­te auf dem Radar von Ben (Taron Eger­ton), einem sadis­ti­schen Seri­en­kil­ler, der im Out­back hob­by­mä­ßig Men­schen jagt.

    Ben klaut ihr in einer Nacht-und-Nebel-Akti­on die Aus­rüs­tung und gibt sich am nächs­ten Tag als Men­schen­jä­ger zu erken­nen. Er hat aller­dings die Rech­nung ohne Sashas Klet­ter-Skills und ihren Über­le­bens­wil­len gemacht. Wer nor­we­gi­sche Fels­wän­de über­lebt, lässt sich eben nicht so leicht im aus­tra­li­schen Staub abschlachten.

    Fazit:
    Die Ver­fol­gungs­sze­nen und ins­be­son­de­re die Klet­ter­sze­nen las­sen bei jeman­dem, der bereits auf einer Lei­ter zu Höhe­angst neigt, Span­nung auf­kom­men. Wer auf auf soli­de Action und Char­li­ze The­ron steht, für den ist der Thril­ler soli­de Abend­un­ter­hal­tung. Net­flix lie­fert hier exakt das ab, was auf der Packung steht – nicht mehr, nicht weniger.

    Kaufhausdirektor Merz

    Manche Äuße­run­gen von Bun­des­kanz­ler Merz mögen Ergeb­nis patho­lo­gi­scher Unre­flek­tiert­heit sein. Eine gewis­se Selbst­iro­nie scheint ihm aller­dings nicht fremd zu ein.

    Bei einer Rede vor dem CDA-Bun­des­kon­gress, bei der die CDU von Den­nis Rad­tke als eine Art »Voll­sor­ti­ment-Kauf­haus« beschrie­ben wur­de, griff Merz die­se Meta­pher auf und gab zu ver­ste­hen: »Es spricht zu Ihnen der Kaufhausdirektor.«

    Inhalt­lich wur­de es nicht so wit­zig. Wenn Merz den Kauf­haus­di­rek­tor gibt, stellt sich die Fra­ge nach dem Sor­ti­ment für die, die nicht in der Tep­pich­ab­tei­lung resi­die­ren. Die Rela­ti­vie­run­gen beim The­ma Ren­te klin­gen in den Ohren von Hand­wer­kern, Lie­fer­fah­rern, Gas­tro­no­mie­kräf­te, kurz: allen hart kör­per­lich arbei­ten­den abhän­gig Beschäf­tig­ten, wie Hohn. Wer kaum über den Monat kommt, braucht kein Ver­si­che­rungs — und Aktio­närs­ge­schwätz zur pri­va­ten Vor­sor­ge, son­dern eine funk­tio­nie­ren­de gesetz­li­che Basis.

    Dazu kom­men die Plä­ne der Bun­des­re­gie­rung zur Gesund­heits­re­form und die Debat­ten um Lohn­fort­zah­lun­gen oder die Strei­chung des 1. Mai als Fei­er­tag. Das hat mit »Augen­maß« nicht zu tun, das ist sozia­le Schief­la­ge mit Ansage. 

    Ein Kauf­haus­di­rek­tor mag den Über­blick über sein Inven­tar haben, aber wenn das Geschäfts­mo­dell die Kun­den (oder Wäh­ler) im Regen ste­hen lässt, hilft auch die schöns­te Kra­wat­te nichts mehr. Tho­mas Boley hat das mit sei­nem Text und dem dazu­ge­hö­ri­gen Bild ziem­lich tref­fend seziert.

    Bild von widlbits.de mit freund­li­cher Genehmigung

    Das große Ausprobieren

    Es ist wohl nicht ver­kehrt zu behaup­ten, dass die künst­li­che Intel­li­genz inzwi­schen im All­tag ange­kom­men ist. Ob als LLM, als Bild­ge­ne­ra­to­ren, als Audio oder Video KI, oder als gene­ra­ti­ve KI. Absicht­lich oder unab­sicht­lich, an künst­li­cher Intel­li­genz kommt nie­mand mehr vor­bei. Per­sön­lich bin ich ein dank­ba­rer Nut­zer pri­mär im Bereich des Pro­gram­mie­rens gewor­den. Ich konn­te mei­ne rudi­men­tä­ren Fähig­kei­ten mit KI im Bereich der Script­spra­che php und Ser­ver­wis­sen erheb­lich erweitern. 

    Gelernt habe ich aber auch, dass beim Umgang mit der KI eini­ges beach­tet wer­den soll­te, zumin­dest dann, wenn man ver­nünf­ti­ge Ergeb­nis­se erwar­tet. Natür­lich kann man dazu auch die KI befra­gen, aber die Grund­zü­ge erklärt der Mensch, zumin­dest für mich, dann doch bes­ser. Dazu sei die Sei­te von Jörg Schieb erwähnt, einer der Spe­zia­lis­ten im digi­ta­len Bereich.

    Die Dozen­tin und Mar­ke­ting Feli­cia Simon erklärt sehr ver­ständ­lich, wie man mit­tels der rich­ti­gen Prompts die bes­ten Ergeb­nis­se erzielt. Außer­dem wider­steht sie dem Ver­such vie­ler Influen­cer mit Base­cap, wild ges­ti­ku­lie­rend und ner­vös krei­schend auf­zu­tre­ten. Aber das ist wie­der eine ande­re Geschichte. 

    Jeden­falls beschäf­tigt mich tat­säch­lich schon län­ger die Fra­ge des Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mo­dels, jetzt eben nur mit­tels KI. Erstaun­li­cher­wei­se lässt sich eines der Haupt­pro­ble­me, näm­lich das Hal­lu­zi­nie­ren der KI ziem­lich ein­fach eli­mi­nie­ren, näm­lich mit der exak­ten Beschrei­bung der Auf­ga­be und dem Hin­weis an die KI, sich eben nichts auszudenken. 

    Aus ver­schie­de­nen Vide­os hat mir die KI dann eine Art Hand­lungs­emp­feh­lung zusam­men­ge­stellt, bzw. die fünf Grund­re­geln für den klu­gen Umgang mit einer KI erstellt. Die­se Hand­lungs­emp­feh­lun­gen sind nur die Grund­la­ge, ich emp­feh­le zu wei­te­ren Infor­ma­tio­nen die oben genann­ten Seiten. 

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