Strom muss billiger werden

Man kann viel strei­ten über För­de­rung oder Nicht­för­de­rung von rege­ne­ra­ti­ver Ener­gie. Wirt­schafts­mi­nis­te­rin Rei­che jeden­falls sieht kei­nen För­der­be­darf für klei­ne­re Solar­an­la­gen. Das kann man als Aus­brem­sen und „back to fos­si­le“ Brenn­stof­fe ver­stan­den wis­sen, man kann aber auch der Mei­nung sein, dass wir tat­säch­lich auf­grund des immensen Strom­be­darfs in 2030 vor­erst neben den rege­ne­ra­ti­ven Ener­gien auf den Ein­satz von Gas­kraft­wer­ken als Prio­ri­tät set­zen, um lang­fris­tig Ener­gie bezahl­bar zu machen.

Fakt ist jeden­falls: Kli­ma­neu­tra­li­tät gibt es nicht, ohne das die Strom­prei­se mas­siv sin­ken. Wenn wir zukünf­tig mit Strom hei­zen wol­len und unse­re E‑Fahrzeuge funk­tio­nie­ren sol­len, braucht es jede Men­ge Strom.

Frü­he­re Berech­nun­gen gin­gen von einem Mehr­ver­brauch von ca. 300 TWh aus, das sind 300 Mil­li­ar­den Kilo­watt­stun­den. Das man nun, wie die Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­rin, davon aus­geht, dass Deutsch­land zukünf­tig weni­ger Strom ver­braucht, dem kann ich nicht ganz folgen.

Denn neben der Elek­tri­fi­zie­rung der Hei­zung, des Ver­kehrs und der gesam­tem Indus­trie­pro­duk­ti­on, sind da ja auch noch ver­schie­de­ne Zukunfts­pro­jek­te, die nur mit rie­si­gen Rechen­zen­tren funk­tio­nie­ren, die wie­der­um rie­si­ge Men­gen an Strom brauchen.

Der Moni­to­ring Bericht der Bun­des­re­gie­rung pro­gnos­ti­ziert einem Strom­ver­brauch im Jahr 2030 von ca. 600 bis 700 Tera­watt­stun­den (TWh).

Der­zeit liegt der Strom­ver­brauch in Deutsch­land bei etwa 500 TWh. Rea­lis­ti­sche Ein­schät­zun­gen gehen davon aus, dass die Bun­des­re­pu­blik bis zum Jah­re 2035 bei elek­tri­fi­zier­tem Vol­lersatz aller Anwen­dun­gen inkl. der Pro­duk­ti­on für den von der Indus­trie benö­tig­ten Was­ser­stoff ca. 1000 TWh Strom benö­tigt. Das wäre eine Ver­dop­pe­lung des heu­ti­gen Strom­be­darfs. Sie­he Netz­ent­wick­lungs­plan bis 2035

Vor dem Hin­ter­grund, dass ande­re Län­der eben­falls von einer Ver­dop­pe­lung des Strom­ver­brauchs in den nächs­ten zehn Jah­ren aus­ge­hen, ist die­ses Sze­na­rio wohl wahrscheinlicher.

Das hie­ße dann: Infra­stru­kur und Gewin­nung von Strom müs­sen mas­siv aus­ge­baut wer­den: Mehr Gas- bzw. Was­ser­stoff­kraft­wer­ke sind dafür nötig, geschick­te inter­na­tio­na­le Ver­zah­nung und intel­li­gen­te Speichersysteme.

Aus mei­ner Sicht kann es weni­ger um För­de­rung, als um Ver­ein­fa­chung der Erzeu­gung von Strom gehen. Wind­rä­der sind dabei begrenzt, allei­ne auf­grund der Flä­che. Poten­zi­al ist bei den Solar­an­la­gen zu sehen. Wenn alle Haus­dä­cher in Deutsch­land mit einer Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge aus­ge­stat­tet wür­den, wären nach Berech­nung theo­re­tisch eini­ge hun­dert Tera­watt­stun­den Solar­strom jähr­lich möglich.
Hier gilt es zu ver­ein­fa­chen. Ein­fa­che Anmel­dung auch gro­ßer Anla­gen mit einem Maus­klick und intel­li­gen­te Sys­te­me, die nach dem eige­nen Strom­ber­darf eines Haus­halts den über­schüs­si­gen Strom ein­spei­sen, wobei in dem Augen­blick der Strom­zäh­ler ein­fach rück­wärts läuft. Das Auto als Strom­spei­cher (Vehic­le-to-Grid) und eine mas­si­ve Zurück­füh­rung der bis­he­ri­gen Büro­kra­tie in dem Bereich.

Wenn wir es ernst mei­nen mit der Kli­ma­neu­tra­li­tät, aber eben nicht wirt­schaft­lich zurück­fal­len wol­len und zukünf­ti­ge tech­no­lo­gi­sche Ent­wick­lun­gen nicht ande­ren über­las­sen wol­len, wer­de wir wohl oder übel mas­siv inves­tie­ren müs­sen. D.h. neben dem Aus­bau rege­ne­ra­ti­ver Ener­gien eben­falls die Abde­ckung der Grund­last mit Gas­kraft­wer­ken. Der Strom jeden­falls muss viel preis­wer­ter wer­den, sonst wird das nichts mit der Klimawende.

Im Geld schwimmen

Als Kind ist die Auf­fas­sungs­ga­be von uner­mess­li­chem Reich­tum ja begrenzt, fas­zi­nie­rend fand ich als comic­ver­schlin­gen­der Puber­tie­ren­der aller­dings die Vor­stel­lung, im wahrs­ten Sin­ne im Geld zu schwim­men. Dafür, so lie­ßen uns die „lus­ti­gen Taschen­bü­cher“ von Walt Dis­ney wis­sen, braucht es soviel Taler­men­ge wie Dago­bert Duck besitzt. Wie­viel Geld wäre das wohl heu­te? Könn­te Elon Musk in Geld schwim­men? Fra­gen über Fra­gen, völ­lig unnütz und des­halb ein Fall für die KI. Also bitte:

Wei­ter­le­sen

Herbst

Nach einem schö­nen Spät­som­mer­wo­chen­en­de scheint sich das Wet­ter lang­sam umzu­stel­len. Dabei ist die War­stei­ner Mont­gol­fia­de ein untrüg­li­ches Zei­chen für den begin­nen­den Herbst. Das Bal­lon Fes­ti­val ist ein High­light im Sau­er­land und wir haben bei gutem Wind die Bal­lo­ne direkt vor der Tür. 

Das Gesetz der Kabelkisten


E gibt ein unge­schrie­be­nes Gesetz, das besagt, je vol­ler die Kabel­kis­te mit gesam­mel­ten Alt­las­ten an tech­ni­schen Ver­bin­dun­gen jed­we­der Art, des­to grö­ßer ist die Wahr­schein­lich­keit, dass die­se Kis­te gera­de im benö­tig­ten Augen­blick das benö­tig­te Kabel nicht beher­bergt. Das ist so unum­stöß­lich wie der Früh­ling nach dem Win­ter. Aber warum? 

Mei­ne Kabel­samm­lung bei­spiels­wei­se kann sich sehen las­sen. Ich behaup­te, ich kann einen völ­lig kabel­lo­sen PC von 1998 mit dem gesam­mel­ten Anschluss-Equip­ment aus­stat­ten, wel­ches bei uns in der berühm­ten Kabel­kis­te auf dem Dach­bo­den weilt. 

Wenn ich nun die Wahr­schein­lich­keits­be­rech­nung bemü­he, müss­te doch eine Samm­lung in über 25 Jah­re alle Kabel beinhal­ten, die es über­haupt in die Welt der Anschüs­se geschafft haben. Min­des­tens aber doch ein USB-Kabel mit zwei glei­chen Anschlüs­sen. Weit gefehlt, nada, nichts, trotz Brille. 

Mrs. L wuss­te vom Gesetz der selek­ti­ven Wahr­neh­mung zu berich­ten: „Du siehst nur die Kabel, die du nicht brauchst, das rich­ti­ge ver­steckt sich, bis du es neu gekauft hat.“

Erfolgreiche Gehirnwäsche?

Ein Gespräch mit einem Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker ist in der Regel etwas uner­freu­li­ches, aller­dings lässt sich auch etwas über gelun­ge­ne Mani­pu­la­ti­on lernen. 

Der Bekann­te war außer sich. Was als harm­lo­ser Small­talk begann, ende­te mit einem auf­ge­brach­ten Men­schen, dem offen­sicht­lich der Hang zur Rea­li­tät abhan­den gekom­men war. 

Viel mehr als die kru­den Argu­men­ta­ti­ons­ket­ten, die Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker auf­bau­en, inter­es­sier­te mich die Fra­ge, was einen Men­schen dazu bewe­gen könn­te, Ver­schwö­rungs­theo­rien zu ver­fal­len und die­se mas­siv ver­su­chen zu verbreiten. 

Und sie­he da, auch dazu gibt es eine wis­sen­schaft­li­che Abhand­lung, “Ver­schwö­rungs­theo­rien und ihre Anhän­ger”, gefun­den über Goog­le Sho­lar. Prof. Dr. Jür­gen Kör­ner hat sich mit dem Phä­no­men Ver­schwö­rung beschäf­tigt und die Aus­lö­ser bzw. Mecha­nis­men dazu untersucht. 

Zunächst ist fest­zu­stel­len, dass eine Ver­schwö­rungs­theo­rie kom­ple­xe Zusam­men­hän­ge ver­ein­facht, somit ver­lie­ren Sach­ver­hal­te ihren Schre­cken und der Mensch gewinnt schein­bar die Kon­troll­fä­hig­keit über kom­pli­zier­te Sach­ver­hal­te zurück. 

Ver­schwö­rungs­er­zäh­lun­gen lie­fern eine kla­re Ursa­che, was emo­tio­nal ent­las­tend wirkt. Eine Rol­le spielt sicher­lich die Gemein­schaft, auch wenn sie oft­mals nur vir­tu­ell erlebt wird. In der Sze­ne fin­den sie plötz­lich Gleich­ge­sinn­te, die Bestä­ti­gung, Iden­ti­tät und ein „Wir gegen die“ anbieten. 

Oft­mals füh­len sich Men­schen, die ins Ver­schwö­rungs­mi­lieus abrut­schen, gesell­schaft­lich nicht geach­tet und fin­den in der „Ver­schwö­rungs­ge­mein­schaft“ Bestä­ti­gung ihrer Mei­nung und ihrer Person.

Dane­ben gibt es die­je­ni­gen, die nar­ziss­ti­sche Ten­den­zen auf­wei­sen und glau­ben, etwas ganz Beson­de­res zu wis­sen, was sonst kaum jemand weiß. Auch eine vor­he­ri­ge nega­ti­ve Erfah­rung mit Poli­ti­kern oder Auto­ri­tä­ten und sei es nur durch Intrans­pa­renz berei­tet oft den Boden für Verschwörungen. 

Durch Mani­pu­la­ti­on in den sozia­len Netz­wer­ken kommt es letzt­end­lich zu einer Bestä­ti­gung der eige­nen Ansich­ten; Fake News und gefälsch­te Bil­der und Fil­me wer­den unkri­tisch bewer­tet und ver­stär­ken oft­mals die eige­ne Welt­an­sicht. Ein Algo­rith­mus sorgt dafür, dass der User in sei­ner Ver­schwö­rungs­bla­se bleibt. 

Gefälsch­te Nach­rich­ten, Bil­der, vor allem Vide­os wer­den in die Time­line gespült und ver­stär­ken den kogni­ti­ven Gesamt­ein­druck. Seriö­se Medi­en sind dann die Fake News in Diens­ten der Herr­schen­den. An dem Punkt haben die Pro­fi­teu­re der Mani­pu­la­ti­on gewon­nen. Kri­ti­sche Selbst­re­fle­xi­on ist nicht mehr mög­lich. Mit Argu­men­ten las­sen sich Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker oft­mals auch nicht mehr überzeugen. 

Im Gegen­teilt – jeder Ver­such wird sofort als Beleg für das die Rich­tig­keit der eige­nen Argu­men­te gewertet.

Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker sind nicht ein­fach „gehirn­ge­wa­schen“, son­dern gera­ten in eine Mischung aus Kri­se, kogni­ti­ven Mus­tern, sozia­ler Bestä­ti­gung und digi­ta­ler Ver­stär­kung. Die­se Kom­bi­na­ti­on kann sehr mäch­tig sein – und das macht Ver­schwö­rungs­theo­rien so anziehend.
Wie gut inzwi­schen dabei unter­stüt­zen­de Fake-Vide­os sind, lässt sich an dem nach­fol­gen­den wit­zig gemach­ten Video zeigen. 

Operationsplan D

Noch bis vor einem hal­ben Jahr hät­te ich die Annah­me des Mili­tärs zur Sicher­heits­la­ge in Deutsch­land ver­neint. War­um soll­te Putin in zwei, drei Jah­ren eine „bedeu­ten­de mili­tä­ri­sche Her­aus­for­de­rung“ für die NATO sein? Was soll­te Russ­lands Prä­si­den­ten dazu bewe­gen, die NATO anzu­grei­fen? Ein Angriff auf ein NATO Gebiet ver­wei­ger­te sich jed­we­der Logik, so mei­ne Vermutung.

Aller­dings ent­zie­hen sich zuwei­len Macht­an­sprü­che einer Ver­nunft­s­be­trach­tung, erkenn­bar ist das immer dann, wenn ein Land die gül­ti­ge regel­ba­sie­ren­den Ord­nung nicht mehr aner­kennt. Dann näm­lich gilt wie­der das Recht des Stärkeren.

Natür­lich kann nie­mand in Putins Kopf gucken, aber die Vor­zei­chen sind der­zeit groß, dass der rus­si­sche Staats­chef sei­ne ter­ri­to­ria­len Ein­fluss und sei­ne Macht­struk­tu­ren erwei­tert. Vor allem auch des­halb, weil sich Euro­pa nicht sicher sein kann, ob das sicher­heits­po­li­ti­sche Kon­zept der NATO für die USA noch bin­dend ist.

Das Schre­ckens­sze­na­rio auf das sich Deutsch­land vor­be­rei­ten soll ist der Ein­marsch rus­si­scher Trup­pen an der Ost­flan­ke der NATO. Bei einem Über­ra­schungs­an­griff stün­de nach heu­ti­gem Stand, eine in der Mann­stär­ke deut­li­che Über­le­gen­heit der rus­si­schen Streit­kräf­te vor den Gren­zen Europas.

Die­ser Ver­tei­di­gungs­fall wird in Deutsch­land sehr ernst genom­men und unter dem Schlag­wort Ope­ra­ti­ons­plan D vor­be­rei­tet und durch­ge­spielt. Dabei geht es um eine Zusam­men­ar­beit von Mili­tär, Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen und Zivil­be­völ­ke­rung für einen mög­li­chen Ver­tei­di­gungs­fall. Dass es dabei von Sei­ten Russ­lands bereits ers­te Vor­be­rei­tun­gen zu einer Ter­ri­to­re­al­ver­let­zung gibt, das steht für die geheim­dienst­li­chen Orga­ne in Deutsch­land außer Frage.

In Arns­berg refe­rier­te ges­tern dazu der Kom­man­deur des Lan­des­kom­man­dos NRW, Gene­ral Mül­ler, bei der IHK Arns­berg vor Unter­neh­mern und komm­mu­na­len Verantwortlichen.

Das, was der Gene­ral unter Beach­tung der Geheim­hal­tung der Ein­zel­hei­ten zu sagen hat­te, ließ — zumin­dest bei mir und den Anwe­sen­de – den Schluss zu, dass tat­säch­lich sein kann, was nicht sein darf.

Nicht nur die der­zei­ti­gen Umtrie­be Russ­lands in Form von Des­in­for­ma­ti­on, Sabo­ta­ge, Spio­na­ge und Hacker­ang­tif­fen auf die kri­ti­sche Infra­struk­tur neh­men rasant zu.

Auch die Umstel­lung der rus­si­schen Wirt­schaft auf eine Kriegs­wirt­schaft deu­ten auf eine Vor­be­rei­tung grö­ße­rer Aktio­nen hin. Als Zah­len­werk zur Ver­deut­li­chung nann­te Gene­ral Mül­ler die Jah­res­pro­duk­ti­on von 1500 rus­si­schen Pan­zern. Man muss nicht mathe­ma­tisch begabt sein, um fest­zu­stel­len, über wel­ches Kriegs­ge­rät Russ­land in zwei, drei Jah­ren ver­fü­gen könnte.

Im Ver­tei­di­gungs­fall ist Deutsch­land Dreh­schei­be für die Ver­le­gung von NATO-Trup­pen an die Ost­flan­ke. Infra­struk­tur, Ver­pfle­gung, Betan­kung und Mit­hil­fe von Blau­licht­or­ga­ni­sa­tio­nen und Zivil­be­völ­ke­rung müs­sen sicher­ge­stellt sein.

Allein die Bewäl­ti­gung eines sol­chen Orga­ni­sa­ti­ons­auf­wands, eine Kern­kom­pe­tenz Deutsch­lands, könn­te einen mög­li­chen Aggres­sor abschre­cken. Soll­te sich Russ­lands Trup­pen an der Ost­flan­ke eine rie­si­ge „euro­päi­sche Armee“ ent­ge­gen stel­len, könn­te das bereits für maxi­ma­le Abschre­ckung sorgen.

Gene­ral Mül­ler erklär­te den Anwe­sen­den, dass es nicht das Zeil sei, Angst zu ver­brei­ten. Aller­dings soll auch nicht ver­ges­sen wer­den, was der rus­si­sche Staats­chef am 20. Juni 2025 beim Wirt­schafts­fo­rum in St. Peters­burg sag­te: „Es ist eine alte Regel: „Wo der Fuß eines rus­si­schen Sol­da­ten hin­tritt, das gehört uns.“

Die Rente wäre sicher

Mich hat ja schon immer geär­gert, was Poli­tik und Wirt­schaft als Argu­men­ta­ti­on raus­hau­en, um letzt­end­lich die Ren­ten ein wei­te­res Mal zu kür­zen. Mir ist immer noch unbe­greif­lich, wie man einem arbei­ten­den Men­schen nach 45! Erwerbs­jah­ren eine Ren­te zahlt, die 48 Pro­zent vom durch­schnitt­li­chen Gehalt beträgt und damit vie­le Erwerbs­tä­ti­ge in die Alters­ar­mut schickt.

In den nächs­ten Tagen beginnt die Dis­kus­si­on im Bun­des­tag um Ren­ten und Sozi­al­etas und ich wür­de wet­ten wol­len, dass den Poli­ti­kern wie­der nichts ande­res ein­fällt, als die Ren­ten ein­mal mehr „anzu­pas­sen“, de fac­to also wei­ter zu kür­zen. Nichts ande­res ist die viel­fach geführ­te Dis­kus­si­on um ein höhe­res Ren­ten­ein­tritts­al­ter näm­lich. Und noch­mal: es geht nicht dar­um, die nächs­te Gene­ra­ti­on über Maßen zu belas­ten, oder gar ihnen kei­ne Ren­te mehr zu gewähren.

Es geht dar­um, dass Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mer, die 45 Jah­re lang, also fast über zwei Gene­ra­tio­nen hin­weg, jeden Tag ihrer Ver­pflich­tung nach­ge­kom­men sind, den unge­kürz­ten Ren­ten­zu­gang zu ermög­li­chen, der mei­ner Mei­nung nach, bei mind. 60 Pro­zent des aktu­el­len Durch­schnitts­ver­dienst lie­gen sollte.

Wie das funk­tio­niert? Viel­leicht soll­ten wir statt auf die Lob­by­is­ten zu hören, wie­der Fach­leu­te zu Wort las­sen: Der Öko­nom Hei­ner Flass­beck schreibt dazu:

Die Ren­te wäre sicher – wenn die Poli­tik den libe­ra­len Ideo­lo­gen weni­ger leicht auf den Leim gin­ge und wir mehr über Wirt­schaft wüssten

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Neuer Wein in alten Schläuchen

Der Arbeit­ge­ber­ver­band beklagt die Sozi­al­ver­si­che­rungs­kos­ten und möch­te eine Wider­ein­füh­rung der im Jah­re 2013 abge­schaff­te Pra­xis­ge­bühr. Im Jahr 2004 führ­te die Bun­des­re­gie­rung die­se Gebühr von 10 Euro ein, die ein­ma­lig Quar­tal beim Arzt­be­such fäl­lig wur­de. 2013 wur­de die Pra­xis­ge­bühr auf­grund des enor­men büro­kra­ti­schen Auf­ands wie­der abgeschafft. 

Zudem ver­fehl­te die Gebühr eine spür­ba­re Steue­rungs­wir­kung, d.h. Das ursprüng­li­che Ziel von “unnö­ti­gen” Arzt­be­su­chen wur­de verfehlt. 

Stu­di­en und Aus­wer­tun­gen zeig­ten, dass die Gebühr kaum Ein­fluss auf das Arzt­ver­hal­ten hat­te: Men­schen mit chro­ni­schen Erkran­kun­gen muss­ten trotz­dem regel­mä­ßig zum Arzt, wäh­rend ande­re den Besuch oft nur hin­aus­zö­ger­ten – was medi­zi­nisch eher nach­tei­lig war.

Arzt­pra­xen und Kran­ken­kas­sen muss­ten viel Zeit und Per­so­nal auf­brin­gen, um die Gebühr ein­zu­zie­hen und zu ver­bu­chen. Die­ser büro­kra­ti­sche Auf­wand stand in kei­nem Ver­hält­nis zu den Einnahmen.

Für Men­schen mit wenig Geld war die Gebühr spür­bar belas­tend und führ­te teil­wei­se dazu, dass not­wen­di­ge Arzt­be­su­che ver­mie­den oder ver­zö­gert wur­den. Vor­sor­ge­un­ter­such­tun­gen wur­den vernachlässigt. 

Als Alter­na­ti­ve könn­te das “Haus­arzt­mo­dell” wie­der ein­ge­führt wer­den, dass den Pati­en­ten ver­pf­li­chet, erst immer den Haus­arzt auf­zu­su­chen, der dann bei Bedarf die Über­wei­sung zu den Fach­ärz­ten übernimmt. 

Ein kon­se­quen­ter Aus­bau der Digi­ta­li­sie­rung für die Ter­min­ver­ga­be, der Ein­satz von KI-Sprach­mo­du­len für eine ers­te Ein­schät­zung, Ein­füh­rung von Video­sprech­stun­den und die Wei­ter­füh­rung von tele­fo­ni­scher Krank­schrei­bung wür­de die Arzt­pra­xen entlasten. 

Zudem könn­ten die Kran­ken­kas­sen gesun­de Lebens­ge­wohn­hei­ten mit einer Kos­ten­ent­las­tung beloh­nen, eini­ge Kran­ken­kas­sen för­dern bereits die Teil­nah­me im Fit­ness­stu­dio. Gesund­heits­be­ra­tun­gen durch die Kran­ken­kas­sen run­det die Ver­sor­gung ab. 

Zuletzt kön­nen die Arbeit­ge­ber sel­ber dazu bei­tra­gen, unnö­ti­ge Arzt­be­su­che zu ver­mei­den, indem sie bei­spiels­wei­se ihren Mit­ar­bei­tern Zeit geben, leich­te Erkran­kun­gen auch ohne Arzt­be­such und Arbeits­un­fä­hig­keits­be­schei­ni­gung unter Lohn­fort­zah­lung zu Haue auszukurieren.

Vie­le Arbeit­ge­ber machen das bereits, bei­spiels­wei­se dadurch, Krank­schrei­bun­gen erst ab dem vier­ten Tag zu ver­lan­gen. Auch Gesund­heits­zu­satz­leis­tun­gen, die in die Rich­tung Vor­beu­gung und Prä­ven­ti­on gehen, könn­ten hel­fen, Krank­heits­kos­ten zu senken.