
Die Wähler erwarten eine Rückbesinnung auf das, was diese Partei einmal groß gemacht hat. Es ist Zeit, das Profil als echte Arbeiterpartei zu schärfen – und zwar mit Inhalten, die bei denen ankommen, die die Miete bezahlen müssen.
Die Erwartungshaltung der Basis ist eindeutig: Wer den Laden mit seiner täglichen Arbeit am Laufen hält, darf nicht länger die Melkkuh der Nation sein. Es ist ein politisches Armutszeugnis, dass kleine und mittlere Einkommen überproportional belastet werden, während die großen Vermögen oft ungeschoren davonkommen. Eine SPD, die sich wieder als Arbeiterpartei versteht, muss die Progressionskurve radikal zu Gunsten kleiner und mittlerer Einkommen verschieben. Spürbare Entlastung für die, die den Alltag stemmen und zwar nicht nur ein zwei Prozentpünktchen, sondern als echte spürbare Entlastung.
Rente: Respekt vor der Lebensleistung
Wer 45 Jahre lang eingezahlt hat, will keine Vorlesung über demografischen Wandel hören, sondern sein Recht auf eine abschlagsfreie Rente wahrnehmen. Das ist keine Frage von Gnade, sondern von Gerechtigkeit. Wer dieses Land über Jahrzehnte aufgebaut hat, verdient Sicherheit ohne Wenn und Aber. Hier könnte die SPD profilieren, dass Lebensleistung mehr zählt als jedes versicherungsmathematische Gutachten.
Effizienz statt Kassen-Wildwuchs
Im Gesundheitswesen leistet man sich den Luxus einer unüberschaubaren Vielzahl an Krankenkassen – ein bürokratischer Wasserkopf, der Milliarden verschlingt. Die Zusammenführung zu wenigen, leistungsfähigen Einheiten würde nicht nur die Verwaltung verschlanken, sondern die Versorgung dort stärken, wo sie hingehört: zum Versicherten.
Moderne Fairness statt konservativer Privilegien
Das Ehegattensplitting ist ein Relikt aus einer Zeit, die wir längst hinter uns gelassen haben sollten. Es bremst die Gleichberechtigung und passt nicht mehr zur Realität moderner Familien. Wer sich als moderne Arbeiterpartei profilieren will, muss hier ran und echte Fairness zwischen den Geschlechtern schaffen.
Gleichzeitig muss Schluss sein mit dem Wildwuchs der prekären Beschäftigung. Befristungen ohne Sachgrund und Lohndumping untergraben das Vertrauen in den Rechtsstaat und die eigene Zukunft. Die konsequente Abschaffung dieser Unsicherheiten wäre das deutlichste Signal an die abhängigen Beschäftigten, dass ihre Interessen wieder oberste Priorität haben.
Rückgrat beweisen
Der Mittelstand, die Fachkräfte und die mittleren Angestellten sind das eigentliche Rückgrat dieses Landes. Wenn die SPD hier nicht schleunigst wieder andockt, wird sie in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Fortschritt darf niemals auf Kosten der sozialen Sicherheit gehen. Es geht nicht um den Rückbau des Sozialstaats, sondern um seine mutige Weiterentwicklung. Wer jetzt keine klare Kante zeigt, braucht sich über den weiteren Absturz nicht zu wundern.
Ja, einige Vorschläge hat Lars Klingenbeil vorgetragen, allerdings nicht im sprachlichen Duktus eines Sozialdemokraten, sondern als jemand, der möglichst nicht anecken will. Das funktioniert nicht.
Eine notwendige radikale Neuausrichtung der Sozialsdemokraten lässt sich nicht mit einer weichgespülten Führung bewerkstelligen, die lieber im Berliner Polit-Mainstream mitschwimmt, statt unbequeme Kante zu zeigen.
Wer die Arbeiterklasse zurückgewinnen will, braucht Köpfe mit Rückgrat, Ecken und Kanten und keine Phrasendrescher im Karrieremodus.