Alltag

Drei Wochen ohne Netz

Eine Zeit ohne Internet bedeutet: Eine Zeit lang Dinge umständlich klären, für die ein Klick ins Netz gereicht hätte. Und das ständig. Natürlich kann man sich den verstaubten Brockhaus aus dem Regal zerren, um nachzuschauen, ob Polynesien im Pazifik liegt, oder Wallace Hume Carothers tatsächlich der Entdecker der Nylonstrümpfe ist.

All das ist offline möglich; es dauert nur entsprechend lange. Und ob die Aufmerksamkeit reicht, stundenlang eine doch eher belanglose Frage beantwortet zu wissen, ist doch eher zweifelhaft. Bei mir zumindest. Ich will manchmal Dinge wissen, die eigentlich so banal sind, dass ich eine stundenlange Offline Suche von vorneherein ausschließen kann. Gut, es sind nicht nur diese Dinge, an denen ich in den letzten Wochen festgemacht habe, dass ein Leben ohne Internet für mich nicht mehr in Frage kommt: Preisvergleiche, Bestellungen, die die das Bestellte innerhalb eines Tages ins Haus liefern lassen, Tests, Kunden-Rezessionen, Warum die Katze nach Genuss von Hustenbonbons schielt, usw. usf.

Alles Dinge, die ohne Internet nicht oder kaum möglich sind. In der letzten Woche wurde in den Nachrichten vor geriebenem Käse gewarnt, der mit Listerien verunreinigt war. Nicht nur, dass ich gerne gegoogelt hätte, was Listerien überhaupt sind und welche Gefahren zu erwarten gewesen wäre; für weitere Informationen verwies der Moderator auf die Internetseite der Redaktion, um die verunreinigten Chargen der Verpackungen zu bestimmen. All das konnte ich nicht nachlesen, da ich zu dieser Zeit renovierungsbedingt kein Netz hatte.

Natürlich habe ich in Ermangelung der Informationen, welche Chargen die Warnung betraf, sämtlichen Reibekäse weggeworfen. Immerhin sechs Packungen. Und so halte ich es in Abwandlung an das Loriotsche Zitat: Ein Leben ohne Internet ist möglich, aber sinnlos und auch gesundheitsgefährlicher – zumindest wenn man geriebenen Käse mag.