Alltag

Protestkleidung im Alter, oder – Männer haben’s auch nicht leicht

Es mag am Alter liegen, aber ich bin jemand, der konsequenter Weise auf Beerdigungen einen schwarzen Anzug trägt. Das scheint umso verwunderlicher, da heutzutage offensichtlich kaum noch jemand einen schwarzen Anzug zu Beerdigungen trägt. Ich meine, einen Anzug sollte man[n] spätestens ab dem dreißigsten Geburtstag im Schrank haben. Obschon ich mich darüber wundere, was Männer im fortgeschrittenen Alter anscheinend so alles im Kleiderschrank haben.

Gut, Männer haben offenbar ein anderes Verständnis für ihren Körper, dennoch – wer nicht gerade zwei Stunden täglich Sport treibt, wird feststellen, dass sich die Körperform im Alter nicht eben zum Positiven verändert. Das ist so unabdingbar wie Haare an Stellen im Alter, wo sie nicht gebraucht werden.

Protestkleidung im Alter a la zerrissene Jeans und hautenge Pullover jedenfalls zeugt von einer Geschmacksverirrung, die sich auch mit dem gefühlten jüngeren Ich nicht kompensieren lässt.

Ein mittelalter Mann mit Bauchansatz und Storchenbeinen in zerrissenen Skinny Jeans und hautengem Pullover sieht jedoch im besten Fall unvorteilhaft aus.

Das müsst ihr nicht tun, Männer. Dafür wurden Anzüge erfunden. Selbst der schwergewichtige verstorbene Bundeskanzler Kohl sah im Anzug noch halbwegs vorzeigbar aus.

Wenigstens die Beerdigung wäre eine gute Gelegenheit sich stilsicher zu kleiden.