Serientipp — Godless

Die sie­ben­tei­li­ge Net­flix-Mini­se­rie God­less ist ein düs­te­rer, visu­ell star­ker Spät-Wes­tern und lässt sich eigent­lich in einem Satz cha­rak­te­ri­sie­ren: Gro­ßes Kino!

Dabei weicht der Wes­tern eigent­lich gar nicht so viel von dem typi­schen Wes­tern­gen­re ab: Ein Held – eine stau­bi­ge Stadt – die ver­ruch­te Bar insi­de – Kon­flik­te, die mit dem Colt gelöst wer­den – ein­sa­me Wit­we – Schluss­akt: der Held rei­tet in den Sonnenuntergang. 

Dass man God­less trotz aller Kli­schees zu den her­aus­ra­gen­den Wes­tern zäh­len soll­te, liegt an dem Dreh­buch­au­tor, Scott Frank. Der Autor, Regis­seur und Film­pro­du­zent gehört seit den 1990er-Jah­ren zu den ver­sier­tes­ten und ange­se­hens­ten Dreh­buch­au­to­ren Hol­ly­woods. Vor allen die extrem prä­zi­sen Dia­lo­ge, die star­ken Cha­rak­ter­zeich­nung und straf­fe Span­nungs­bö­gen, die sich trotz minu­ten­lan­ger aus­ge­dehn­ter Sze­nen über die gan­ze Serie ziehen. 

Im Jahr 1884 zieht der gna­den­lo­se Ban­de-Anfüh­rer Frank Grif­fin (Jeff Dani­els) mit sei­nen Gefolgs­leu­ten eine blu­ti­ge Spur durch New Mexi­co. Er ist auf der Jagd nach sei­nem eins­ti­gen Zieh­sohn und Schütz­ling Roy Goo­de (Jack O’Connell). Roy hat sich nach einem bru­tal aus dem Ruder gelau­fe­nen Zug­über­fall gegen ihn gewandt, die Beu­te ein­ge­steckt und ist geflo­hen. Grif­fin schwört Rache und kün­digt an, jede Stadt dem Erd­bo­den gleich­zu­ma­chen, die Roy Zuflucht gewährt.

Der ver­letz­te Roy lan­det auf der ent­le­ge­nen Pfer­de­ranch der Wit­we Ali­ce Flet­cher (Michel­le Dockery). Ali­ce ist inner­halb der nahe­ge­le­ge­nen Minen­stadt La Bel­le eine Außenseiterin.

La Bel­le ist kein gewöhn­li­ches Nest. Nach einem ver­hee­ren­den Gru­ben­un­glück, bei dem fast alle Män­ner der Stadt auf einen Schlag ums Leben kamen, wird der Ort fast aus­schließ­lich von Frau­en regiert und zusammengehalten. 

Wäh­rend Roy auf der Ranch hilft und ver­sucht, sei­ne Ver­gan­gen­heit hin­ter sich zu las­sen, kommt ihm der pseu­do­re­li­giö­se Zieh­va­ter Frank Grif­fin immer näher. Als klar wird, dass ein Auf­ein­an­der­tref­fen unver­meid­bar ist, rüs­ten sich die Frau­en von La Bel­le für den ent­schei­den­den Showdown.
Auch wenn der Rah­men der für die­se Zeit aus der Not her­aus selbst­stän­di­gen Frau­en in La Bel­le des Spät­wes­tern nach einem bil­li­gen Hol­ly­wood-Kniff klingt, wirkt die Dyna­mik der Frau­en in La Bel­le erstaun­lich geer­det, rau und glaubwürdig.

Jeff Dani­els als Zieh­va­ter und selbst­er­nann­ter Pre­di­ger mit Hang zu kom­pro­miss­lo­ser Gewalt, gibt einen sehens­wer­ten, unbe­re­chen­ba­ren, pseu­do-reli­giö­sen Sozio­pa­then ab.

Die Serie war geplant als drei Stun­den Film, die teil­wei­se lang­an­hal­ten­den Sze­n­en­ein­stel­lun­gen tun dem Film kei­nen Abbruch, im Gegen­teil. Es ist eine abge­schlos­se­ne Mini­se­rie ohne unnö­ti­gen Bal­last – her­vor­ra­gend gefilmt, erzäh­le­risch ruhig auf­ge­baut, mün­det aber in ein ver­dammt packen­des Finale. 

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