Dabei weicht der Western eigentlich gar nicht so viel von dem typischen Westerngenre ab: Ein Held – eine staubige Stadt – die verruchte Bar inside – Konflikte, die mit dem Colt gelöst werden – einsame Witwe – Schlussakt: der Held reitet in den Sonnenuntergang.
Dass man Godless trotz aller Klischees zu den herausragenden Western zählen sollte, liegt an dem Drehbuchautor, Scott Frank. Der Autor, Regisseur und Filmproduzent gehört seit den 1990er-Jahren zu den versiertesten und angesehensten Drehbuchautoren Hollywoods. Vor allen die extrem präzisen Dialoge, die starken Charakterzeichnung und straffe Spannungsbögen, die sich trotz minutenlanger ausgedehnter Szenen über die ganze Serie ziehen.
Im Jahr 1884 zieht der gnadenlose Bande-Anführer Frank Griffin (Jeff Daniels) mit seinen Gefolgsleuten eine blutige Spur durch New Mexico. Er ist auf der Jagd nach seinem einstigen Ziehsohn und Schützling Roy Goode (Jack O’Connell). Roy hat sich nach einem brutal aus dem Ruder gelaufenen Zugüberfall gegen ihn gewandt, die Beute eingesteckt und ist geflohen. Griffin schwört Rache und kündigt an, jede Stadt dem Erdboden gleichzumachen, die Roy Zuflucht gewährt.
Der verletzte Roy landet auf der entlegenen Pferderanch der Witwe Alice Fletcher (Michelle Dockery). Alice ist innerhalb der nahegelegenen Minenstadt La Belle eine Außenseiterin.
La Belle ist kein gewöhnliches Nest. Nach einem verheerenden Grubenunglück, bei dem fast alle Männer der Stadt auf einen Schlag ums Leben kamen, wird der Ort fast ausschließlich von Frauen regiert und zusammengehalten.
Während Roy auf der Ranch hilft und versucht, seine Vergangenheit hinter sich zu lassen, kommt ihm der pseudoreligiöse Ziehvater Frank Griffin immer näher. Als klar wird, dass ein Aufeinandertreffen unvermeidbar ist, rüsten sich die Frauen von La Belle für den entscheidenden Showdown.
Auch wenn der Rahmen der für diese Zeit aus der Not heraus selbstständigen Frauen in La Belle des Spätwestern nach einem billigen Hollywood-Kniff klingt, wirkt die Dynamik der Frauen in La Belle erstaunlich geerdet, rau und glaubwürdig.
Jeff Daniels als Ziehvater und selbsternannter Prediger mit Hang zu kompromissloser Gewalt, gibt einen sehenswerten, unberechenbaren, pseudo-religiösen Soziopathen ab.
Die Serie war geplant als drei Stunden Film, die teilweise langanhaltenden Szeneneinstellungen tun dem Film keinen Abbruch, im Gegenteil. Es ist eine abgeschlossene Miniserie ohne unnötigen Ballast – hervorragend gefilmt, erzählerisch ruhig aufgebaut, mündet aber in ein verdammt packendes Finale.
