Streaming Tipp — Cassandra

Die Idee ist klas­se: Eine ver­ges­se­ne »KI« als Smart-Home in einem Haus der sieb­zi­ger Jah­re, reak­ti­viert sich nach 50 Jah­ren, um den jet­zi­gen Besit­zer die Höl­le heiß zu machen. Ich bin eigent­lich immer skep­tisch bei deut­schen Pro­duk­tio­nen, vor allen bei Seri­en. Mit dem Tod von Die­ter Wedel ist das gro­ße Seri­en­ki­no aus deut­scher Pro­duk­ti­on gleich mitgestorben. 

Wenn dann noch um ein Schnitt­sze­nen­wech­sel mit Rück­blen­den aus den sieb­zi­ger Jah­ren ins neue Jahr­tau­send unver­meid­lich sind, um die Vor­ge­schich­te zu erklä­ren, dann könn­te das anspruchs­voll wer­den. Umso über­ra­schen­der, dass das mit der Serie gelang. 

Nach einem schwe­ren Schick­sals­schlag zieht Sami­ra mit ihrem Mann David und den zwei Kin­dern auf das Land in ein ver­las­se­nes Haus, das seit den 1970er-Jah­ren unbe­wohnt ist. Dort befin­det sich das ältes­te Smart-Home-Sys­tem Deutsch­lands – inklu­si­ve einer Robo­ter-Haus­halts­hil­fe namens Cas­san­dra.

Als die Fami­lie das ver­staub­te Sys­tem reak­ti­viert, tritt Cas­san­dra über inte­grier­te Bild­schir­me und eine Robo­ter­fi­gur (gespielt von Lavi­nia Wil­son) als für­sorg­li­che „gute Fee“ auf. Was harm­los beginnt, ent­wi­ckelt sich schnell zum Albtraum: 

Cas­san­dra beginnt, das Fami­li­en­le­ben gezielt zu mani­pu­lie­ren. Sie spielt die Fami­li­en­mit­glie­der gegen­ein­an­der aus und ver­sucht, die Rol­le der neu­en Haus­her­rin als neue und bes­se­re Mut­ter einzunehmen. 

Sami­ras Miss­trau­en wächst, doch Robo­ter­da­me Cas­san­dra stellt sie vor den ande­ren als labil und psy­chisch gestört dar, was anfangs auch gelingt. 

Sami­ra begibt sich auf Anra­ten auch ihres Man­nes in eine psych­ia­tri­sche Kli­nik. Von jetzt an
über­nimmt die KI die kom­plet­te Steue­rung des Hau­ses, schließt die Fami­lie ein und rich­tet ein tyran­ni­sches Regime auf Leben und Tod ein. 

Par­al­lel lau­fen­de Rück­blen­den ent­hül­len die düs­te­re Geschich­te des Hau­ses: Cas­san­dra war in den 1970er-Jah­ren eine rea­le Frau. Ihr Mann – ein ego­zen­tri­scher Wis­sen­schaft­ler – führ­te Expe­ri­men­te durch und trans­fe­rier­te ihr Bewusst­sein nach ihrem Tod in das Sys­tem. Ihr trau­ma­ti­sier­ter Wunsch, eine „per­fek­te Mut­ter“ zu sein, treibt den Robo­ter in der Gegen­wart an. 

Das Ende war mir aller­dings zu geküns­telt und teil­wei­se unglaub­wür­dig. Der Rest lohnt das Ein­schal­ten. Cas­san­dra läuft als Mini­se­rie auf Net­flix.

Serientipp — Godless

Die sie­ben­tei­li­ge Net­flix-Mini­se­rie God­less ist ein düs­te­rer, visu­ell star­ker Spät-Wes­tern und lässt sich eigent­lich in einem Satz cha­rak­te­ri­sie­ren: Gro­ßes Kino!

Dabei weicht der Wes­tern eigent­lich gar nicht so viel von dem typi­schen Wes­tern­gen­re ab: Ein Held – eine stau­bi­ge Stadt – die ver­ruch­te Bar insi­de – Kon­flik­te, die mit dem Colt gelöst wer­den – ein­sa­me Wit­we – Schluss­akt: der Held rei­tet in den Sonnenuntergang. 

Dass man God­less trotz aller Kli­schees zu den her­aus­ra­gen­den Wes­tern zäh­len soll­te, liegt an dem Dreh­buch­au­tor, Scott Frank. Der Autor, Regis­seur und Film­pro­du­zent gehört seit den 1990er-Jah­ren zu den ver­sier­tes­ten und ange­se­hens­ten Dreh­buch­au­to­ren Hol­ly­woods. Vor allen die extrem prä­zi­sen Dia­lo­ge, die star­ken Cha­rak­ter­zeich­nung und straf­fe Span­nungs­bö­gen, die sich trotz minu­ten­lan­ger aus­ge­dehn­ter Sze­nen über die gan­ze Serie ziehen. 

Im Jahr 1884 zieht der gna­den­lo­se Ban­de-Anfüh­rer Frank Grif­fin (Jeff Dani­els) mit sei­nen Gefolgs­leu­ten eine blu­ti­ge Spur durch New Mexi­co. Er ist auf der Jagd nach sei­nem eins­ti­gen Zieh­sohn und Schütz­ling Roy Goo­de (Jack O’Connell). Roy hat sich nach einem bru­tal aus dem Ruder gelau­fe­nen Zug­über­fall gegen ihn gewandt, die Beu­te ein­ge­steckt und ist geflo­hen. Grif­fin schwört Rache und kün­digt an, jede Stadt dem Erd­bo­den gleich­zu­ma­chen, die Roy Zuflucht gewährt.

Der ver­letz­te Roy lan­det auf der ent­le­ge­nen Pfer­de­ranch der Wit­we Ali­ce Flet­cher (Michel­le Dockery). Ali­ce ist inner­halb der nahe­ge­le­ge­nen Minen­stadt La Bel­le eine Außenseiterin.

La Bel­le ist kein gewöhn­li­ches Nest. Nach einem ver­hee­ren­den Gru­ben­un­glück, bei dem fast alle Män­ner der Stadt auf einen Schlag ums Leben kamen, wird der Ort fast aus­schließ­lich von Frau­en regiert und zusammengehalten. 

Wäh­rend Roy auf der Ranch hilft und ver­sucht, sei­ne Ver­gan­gen­heit hin­ter sich zu las­sen, kommt ihm der pseu­do­re­li­giö­se Zieh­va­ter Frank Grif­fin immer näher. Als klar wird, dass ein Auf­ein­an­der­tref­fen unver­meid­bar ist, rüs­ten sich die Frau­en von La Bel­le für den ent­schei­den­den Showdown.
Auch wenn der Rah­men der für die­se Zeit aus der Not her­aus selbst­stän­di­gen Frau­en in La Bel­le des Spät­wes­tern nach einem bil­li­gen Hol­ly­wood-Kniff klingt, wirkt die Dyna­mik der Frau­en in La Bel­le erstaun­lich geer­det, rau und glaubwürdig.

Jeff Dani­els als Zieh­va­ter und selbst­er­nann­ter Pre­di­ger mit Hang zu kom­pro­miss­lo­ser Gewalt, gibt einen sehens­wer­ten, unbe­re­chen­ba­ren, pseu­do-reli­giö­sen Sozio­pa­then ab.

Die Serie war geplant als drei Stun­den Film, die teil­wei­se lang­an­hal­ten­den Sze­n­en­ein­stel­lun­gen tun dem Film kei­nen Abbruch, im Gegen­teil. Es ist eine abge­schlos­se­ne Mini­se­rie ohne unnö­ti­gen Bal­last – her­vor­ra­gend gefilmt, erzäh­le­risch ruhig auf­ge­baut, mün­det aber in ein ver­dammt packen­des Finale. 

Serientipp — Homeland

Wenn die Amis eins kön­nen, dann ist das Seri­en pro­du­zie­ren. Wenn ich heu­te eine ver­läss­li­che Ein­schlaf­hil­fe brau­che, schal­te ich ein­fach das klas­si­sche Fern­se­hen ein. Das linea­re TV-Pro­gramm, vor allem die Abend­un­ter­hal­tung und da ins­be­son­de­re die ewi­gen deut­schen Kri­mis, ist in etwa so span­nend wie einer Schild­krö­te beim Fres­sen zuzu­schau­en. Außer für die Nach­rich­ten und die eine oder ande­re Doku auf den Drit­ten habe ich es bereits vor zwei Jah­ren auf­ge­ge­ben, mich mit dem Mist berie­seln zu lassen.

Das Strea­ming hat ja nicht nur den Vor­teil der maß­ge­schnei­der­ten Unter­hal­tung, son­dern glänzt vor allem mit der Frei­heit, jeder­zeit per Pau­sen­tas­te aus – und wie­der ein­zu­stei­gen. Seit eini­ger Zeit bin ich jeden­falls beken­nen­der Fan US-ame­ri­ka­ni­scher Serien.

Der­zeit steht eine ganz oben auf mei­ner Lis­te: Homeland.

Zuge­ge­ben, die Serie läuft etwas lang­sam an. Die Cha­rak­te­re wer­den inten­siv, fast schon sper­rig ein­ge­führt, und in der ers­ten Staf­fel lässt sich der lei­se Ver­dacht der Vor­her­seh­bar­keit nicht gänz­lich ver­mei­den. Aber dann packt es dich.

Wer nach den Anschlä­gen vom 11. Sep­tem­ber das kol­lek­ti­ve See­len­le­ben der US-Gesell­schaft ver­ste­hen will, kommt an die­ser Serie eigent­lich nicht vor­bei. Zwi­schen 2011 und 2020 lief der Polit- und Agen­ten­thril­ler über die Bild­schir­me – und das ziem­lich erfolg­reich über stol­ze acht Staf­feln mit ins­ge­samt 96 Epi­so­den. Die krea­ti­ven Köp­fe dahin­ter, Howard Gor­don und Alex Gan­sa, hat­ten zuvor schon in ande­ren Seri­en bewie­sen, dass sie wis­sen, wie man Span­nungs­bö­gen bis zum Äußers­ten dehnt. Für Home­land bedien­ten sie sich bei der israe­li­schen Vor­la­ge »Hatuf­im – In der Hand des Fein­des« und strick­ten dar­aus ein psy­cho­lo­gi­sches Kam­mer­spiel im ganz gro­ßen Stil. Schon der Titel ist eine unmiss­ver­ständ­li­che Anspie­lung auf das nach 2001 geschaf­fe­ne US-Hei­mat­schutz­mi­nis­te­ri­um (Depart­ment of Home­land Security).

Carrie Mathison: Genialität trifft Manie

Im Zen­trum des Gan­zen steht die CIA-Agen­tin Car­rie Math­ison, die an einer bipo­la­ren Stö­rung lei­det. Das wäre als blo­ßes Dreh­buch-Detail viel­leicht kaum der Rede wert, wenn die­se Erkran­kung ers­tens von Clai­re Danes nicht so ver­dammt her­vor­ra­gend inter­pre­tiert wür­de – und wenn zwei­tens nicht die gesam­te, oft ver­stö­ren­de Vor­ge­hens­wei­se der Haupt­fi­gur fest in die­ser mani­schen Ach­ter­bahn­fahrt ver­an­kert wäre.

Car­rie kämpft hier nicht nur gegen den glo­ba­len Ter­ro­ris­mus, son­dern per­ma­nent gegen sich selbst. Die Serie fackelt dabei das kom­plet­te Reper­toire moder­ner Kriegs­füh­rung und Spio­na­ge ab: Isla­mis­mus, Schlä­fer­zel­len, Droh­nen­an­grif­fe und die All­macht digi­ta­ler Infor­ma­ti­ons­krie­ge. Für Kri­ti­ker war Car­ri­es mani­scher, oft selbst­zer­stö­re­ri­scher Kampf gegen die Bedro­hung von außen immer auch ein ziem­lich tref­fen­des Gleich­nis für die para­no­ide Ver­fas­sung der Pos­t‑9/11-USA.

Keine Helden, kein Pathos, kein einfaches Gut und Böse

Das wirk­lich Schö­ne an Home­land ist das Feh­len jenes unan­ge­neh­men Pathos der Hel­den­ver­eh­rung, den man aus Hol­ly­wood-Pro­duk­tio­nen sonst so oft ser­viert bekommt. Über­haupt Hel­den – es gibt hier schlicht­weg kei­ne. Die CIA und ihre Agen­ten ver­su­chen sich an der Erklä­rung des Bösen in der Welt, um vor allem vor sich selbst eine Recht­fer­ti­gung für ihre teil­wei­se bru­ta­le Vor­ge­hens­wei­se zu finden.

Gut und Böse wer­den hier eben gera­de nicht sau­ber aus­ein­an­der­di­vi­diert. Am Ende ent­schei­det der Zuschau­er selbst, wo die Gren­ze ver­läuft. Die zahl­lo­sen Irrun­gen, Wir­run­gen und Neben­ge­schich­ten – die wohl­tu­end nie zu lang­at­mig gestrickt sind – machen Home­land zu einem ver­dammt dich­ten, abso­lut sehens­wer­ten Stück Seriengeschichte.
Home­land läuft der­zeit auf Net­flix und Dis­ney plus

Filmkritik — Apex

Man neh­me das „Hand­buch für Thril­ler“, kopie­re den Inhalt und ver­le­ge das Gan­ze in die Wild­nis. Gar­niert wird das Rezept mit einem geis­tes­kran­ken Psy­cho­pa­then, einer Pri­se Ver­fol­gung, dem obli­ga­to­ri­schen Über­le­bens­kampf und ein paar pho­bi­schen Sze­nen. Am Ende noch ein melan­cho­li­scher Sieg, zwei, drei bekann­te Gesich­ter vor die Kame­ra – fer­tig ist der Standard-Thriller.

Ich will nicht unfair sein: Apex, das neu­es­te Ding auf Net­flix, ist nicht unspan­nend. Lei­der ist er auch an vie­len Stel­len vorhersehbar. 

Im Zen­trum steht Sasha (Char­li­ze The­ron). Eine Berg­stei­ge­rin, die den Ruck­sack vol­ler emo­tio­na­lem Bal­last mit­bringt: Ihr Part­ner Tom­my (Eric Bana) hat sich Mona­te zuvor in Nor­we­gen bei einer Tour in den Tod ver­ab­schie­det. Um die Trau­er zu bewäl­ti­gen und die eige­nen Gren­zen zu che­cken, flüch­tet sie in den aus­tra­li­schen Watarrka-Nationalpark.
Doch die geplan­te Selbst­fin­dung wird zum Hor­ror­trip. Sasha lan­det als Beu­te auf dem Radar von Ben (Taron Eger­ton), einem sadis­ti­schen Seri­en­kil­ler, der im Out­back hob­by­mä­ßig Men­schen jagt.

Ben klaut ihr in einer Nacht-und-Nebel-Akti­on die Aus­rüs­tung und gibt sich am nächs­ten Tag als Men­schen­jä­ger zu erken­nen. Er hat aller­dings die Rech­nung ohne Sashas Klet­ter-Skills und ihren Über­le­bens­wil­len gemacht. Wer nor­we­gi­sche Fels­wän­de über­lebt, lässt sich eben nicht so leicht im aus­tra­li­schen Staub abschlachten.

Fazit:
Die Ver­fol­gungs­sze­nen und ins­be­son­de­re die Klet­ter­sze­nen las­sen bei jeman­dem, der bereits auf einer Lei­ter zu Höhe­angst neigt, Span­nung auf­kom­men. Wer auf auf soli­de Action und Char­li­ze The­ron steht, für den ist der Thril­ler soli­de Abend­un­ter­hal­tung. Net­flix lie­fert hier exakt das ab, was auf der Packung steht – nicht mehr, nicht weniger.

Serientipp – The Blacklist

Einer der meist­ge­such­ten Ver­bre­cher der Welt spa­ziert see­len­ru­hig in das FBI-Haupt­quar­tier, lässt sich wider­stands­los fest­neh­men und bie­tet dann eine Zusam­men­ar­beit an. Das ist das Fun­da­ment von The Black­list, einer Serie, die über zehn Staf­feln hin­weg ein eben­so kom­ple­xes wie teils absur­des Netz aus Intri­gen spinnt.

Ray­mond „Red“ Red­ding­ton (bril­lant und mit spür­ba­rer Spiel­freu­de ver­kör­pert von James Spa­der), ist ein kri­mi­nel­les Genie, und steht auf der Lis­te der 10 meist­ge­such­ten Ver­bre­cher des FBI auf Platz 4.
Red­ding­ton schrieb sich in die United Sta­tes Naval Aca­de­my ein und schloss im Alter von 24 Jah­ren sein Stu­di­um als Stu­di­en­bes­ter ab. Er war auf dem bes­ten Weg eine hoch­ran­gi­ge Mari­ne­kar­rie­re zu absol­vie­ren, bevor er 1990 auf einer Heim­rei­se zu Weih­nach­ten ver­schwand und als »Gen­tle­man des Ver­bre­chens« wie­der auftauchte. 

Ray­mond Red­ding­ton ist im Besitz einer Lis­te, der Black­list. Dar­auf ste­hen Kri­mi­nel­le, von deren Exis­tenz das FBI nicht ein­mal ahnt – Hacker, Atten­tä­ter, Spio­ne und Strip­pen­zie­her, die zu gefähr­lich oder zu geschickt für her­kömm­li­che Ermitt­lungs­me­tho­den sind.

Red­ding­ton ist bereit, die­se Kri­mi­nel­len aus­zu­lie­fern, aller­dings unter zwei Bedingungen:

  1. Er erhält Immu­ni­tät für sei­ne eige­nen Taten.
  2. Er arbei­tet aus­schließ­lich mit der jun­gen Pro­fi­le­rin Eliza­beth Keen zusammen.

In der Regel folgt die Serie einem Mus­ter, bei dem pro Fol­ge ein neu­er Name von der Lis­te abge­ar­bei­tet wird. Die­se Ant­ago­nis­ten sind oft krea­tiv-grau­sa­me Verbrecher.

Die zen­tra­le Fra­ge aber, die sich wie ein roter Faden durch fast die gesam­te Lauf­zeit zieht, ist die Ver­bin­dung zwi­schen Red­ding­ton und Eliza­beth Keen. War­um sie? Ist er ihr Vater? Ein Beschüt­zer? Oder ver­folgt er ein weit­aus ego­is­ti­sche­res Ziel?

Wäh­rend die ers­ten Staf­feln noch stark von der Annä­he­rung zwi­schen Ray­mond Red­ding­ton (James Spa­der) und Eliza­beth Keen (Megan Boo­ne) lebt, ent­wi­ckelt sich die Serie spä­ter zu einem dich­ten Geflecht aus glo­ba­len Ver­schwö­run­gen. Red­ding­ton bleibt dabei stets der char­man­te und rede­ge­wand­te Mann im Maß­an­zug, der selbst in Todes­ge­fahr noch Zeit für eine aus­schwei­fen­de Anek­do­te über einen erst­klas­si­gen Wein fin­det. Eine Art James Bond auf der dunk­len Seite.

Für Freun­de des klas­si­schem Crime-Dra­ma, Polit-Thril­ler und einer ordent­li­chen Por­ti­on Exzen­trik hat, kommt an Red­ding­ton kaum vor­bei – auch wenn man zwi­schen­durch ein wenig Geduld für die immer ver­wor­re­ne­ren Geheim­nis­se mit­brin­gen muss. Die Serie läuft der­zeit auf Net­flix.

Interstellarer Kuscheltrip

Kinokritik: Der Astronaut- Project Hail Mary

Ryland Grace (Ryan Gosling) wacht ohne Gedächt­nis auf einem Raum­schiff auf – sei­ne Kol­le­gen sind bereits im Schlaf ver­schie­den. Er ist der letz­te Stroh­halm der Mensch­heit, um das Aus­lö­schen der Son­ne zu ver­hin­dern. Auf sei­ner Odys­see trifft er auf ein außer­ir­di­sches Stein­we­sen, das er auf den krea­ti­ven Namen »Rocky« tauft. Gemein­sam bas­teln, musi­zie­ren und phi­lo­so­phie­ren sich die bei­den durch die Gala­xie, um das Uni­ver­sum zu retten.

Man muss es so sagen: Der Film ist kein knall­har­tes Welt­raum-Dra­ma, son­dern eher eine Lie­bes­er­klä­rung an die Ära von E.T. Das Gan­ze ist ganz nied­lich gera­ten – ein Film, den man sich her­vor­ra­gend mit der Fami­lie anse­hen kann, ohne dass man danach drei Tage lang über die Abgrün­de der mensch­li­chen Exis­tenz grü­beln muss.

Ryan Gosling spielt die­sen Ryland Grace mit einer Spiel­freu­de, die anste­ckend wirkt. Er gibt den ver­träum­ten Sof­tie-Wis­sen­schaft­ler so über­zeu­gend, dass man ihm den inter­stel­la­ren Mac­Gy­ver sofort abnimmt und ihn eigent­lich stän­dig in den Arm neh­men möch­te. Wenn er mit sei­nem Ali­en-Kum­pel »Rocky« kom­mu­ni­ziert, fehlt eigent­lich nur noch der leuch­ten­de Zei­ge­fin­ger, um die Hom­mage an Spiel­berg per­fekt zu machen. »Rocky« ist dabei so rüh­rig gestal­tet, dass man fast ver­ges­sen könn­te, dass es sich um ein außer­ir­di­sches Gestein han­delt. Das Rocky zu allem Über­fluss nicht auch noch über­gro­ßen Baby­au­gen spen­diert bekom­men hat, nimmt der Zuschau­er dank­bar wahr.

Den stren­gen Kon­trast dazu setzt San­dra Hül­ler als Eva Stratt. Wäh­rend im All der Kuschel­kurs gefah­ren wird, agiert Hül­ler auf der Erde mit einer Küh­le, wie eine frisch polier­te Edel­stahl­ar­beits­plat­te in der Küche. Eva Stratt spielt unnah­bar und effi­zi­ent – eine ech­ter »Maît­re de Mis­si­on«. Die­ser Kon­trast zwi­schen Hül­lers eisi­ger Pro­fes­sio­na­li­tät und Goslings ver­träum­tem Ent­de­cker­geist lässt den Film letzt­end­lich nicht voll­ends als Schmon­zet­te abtun.

Fazit: Für Fans von E.T. und rüh­ri­gen Sci-Fi-Geschich­ten ist »Pro­ject Hail Mary« ein ech­tes Fest. Wer kein Pro­blem mit einer Por­ti­on Welt­raum-Zucker­wat­te hat und sich ger­ne von der Spiel­freu­de eines Ryan Gosling anste­cken lässt, wird hier bes­tens bedient.

Wer wegen der erhoff­ten schö­nen Welt­raum­bil­der ins Kino gekom­men war, wur­de ent­täuscht und soll­te sich viel­leicht lie­ber noch mal den Film »Gra­vi­ty« ansehen. 

Geschüttelt, nicht gerührt

Am Sams­tag habe ich mir den letz­ten Teil aus der lan­gen Rei­he der Bond-Fil­me noch ein­mal ange­se­hen. Der Film lief bereits 2021 im Kino, für mich war es also eine Wie­der­ho­lung. Eigent­lich hat­te ich gehofft, in die­sem Jahr wie­der ein­mal wegen Bond ins Kino zu gehen. Zu früh gefreut.

Ama­zon MGM Stu­di­os hat inzwi­schen die krea­ti­ve Kon­trol­le über die 007-Rei­he über­nom­men, das war’s dann aber auch schon. Weder gibt es ein Dreh­buch, noch eine erkenn­ba­re Idee – und von einem neu­en Bond-Dar­stel­ler ganz zu schweigen.

Auf mei­ner Wunsch­lis­te für einen neu­en Bond gehört ein Dar­stel­ler vom Typ Pier­ce Bros­nan in die Rol­le des MI6-Agen­ten. Dani­el Craig hat sei­ne Sache kei­nes­wegs schlecht gemacht, im Gegen­teil. Doch gera­de in den letz­ten Fil­men war mir zuviel Gefühls­du­se­lei im Spiel.

Ein Dop­pel-Null-Agent im Ein­satz rich­tet sich not­falls auch unter Was­ser erst ein­mal die Kra­wat­te – und macht dann wei­ter. Das hat­te Stil. Zu sehen ab der drit­ten Minute

So was erwar­tet man von einem bri­ti­schen Geheim­agen­ten. Die Buch­ma­cher­sei­ten lau­fen übri­gens schon heiß, wer wohl Nach­fol­ger von Bond wer­den soll. Hoch gehan­delt wer­den zwei Nach­fol­ger: Callum Tur­ner und Tay­lor-John­son gel­ten der­zeit als die hei­ße Anwär­ter, wenn man Spe­ku­la­tio­nen und Wett­quo­ten zusam­men betrachtet.

Ich hät­te mir Idris Elba eben­falls vor­stel­len kön­ne, schließ­lich hat der die not­wen­di­ge Bla­siert­heit für einen James Bond. Elba ist aller­dings auch schon 53 Jah­re alt. Nach eige­nen Anga­ben steht er nicht zur Ver­fü­gung, obwohl er offen­sicht­lich einen Spaß dar­an hat, die Dis­kus­sio­nen immer wie­der anzu­fa­chen.

Per­sön­lich fällt mir noch Tom Har­dy ein, der in Mob­Land bewie­sen hat, dass er mit aus­drucks­lo­ser Mie­ne die Lizenz zum Töten hat. 

Wie auch immer, es ist wohl so, dass vor 2028 nichts viel pas­siert. Geplant ist der­zeit kon­kret noch nichts. Also heißt es war­ten und viel­leicht den ein oder ande­ren Bond-Film von ins­ge­samt 25 Fil­me noch mal gucken:

Wei­ter­le­sen

Tipp: Star Trek — Starfleet Academy

Warp­kern­bruch steht unmit­tel­bar bevor. Die unmiss­ver­ständ­li­che Ansa­ge des Bord­com­pu­ters vor einer bevor­ste­hen­den Kata­stro­phe, darf natür­lich nicht feh­len. In der Pilot­fol­ge zur neu­en Serie Star Trek: Star­fleet Aca­de­my ist das aber nur eine holo­gra­phi­sche Fin­te, um den Ober­schur­ken Nus Bra­ka (Paul Gia­mat­ti) vom Schiff zu vertreiben.

Der Pilot­film lief (läuft?) auf kos­ten­los aus You­tube, die Serie wird von Para­mount+ aus­ge­strahlt. (den ich auf­grund grot­ti­ger Soft­ware gekün­digt habe 🙄)

Vor­weg: Ent­ge­gen den vie­len Ver­ris­sen der Star-Trek Fan­ge­mein­de: Ich fand den Pilot­film rich­tig gut. Man merk­te ins­be­son­de­re den Haupt­fi­gu­ren die Spiel­freu­de an. Kanz­le­rin und Cap­tain Nahla Ake (Hol­ly Hun­ter) Halb-Lan­tha­ni­tin und immer­hin über 400 Jah­re alt, nimmt sich einer Hor­de von jun­gen Kadet­ten an. Ver­schie­den Spe­zi­es, ver­schie­de­ne Cha­rak­te­re, arro­gan­te Schnö­sel aus denen ein­mal gute Offi­zie­re wer­den sol­len. Das ist im Grun­de das Gemenge­la­ge, aus dem sich eine neue Serie im Star-Trek Uni­ver­sum erge­ben soll. 

Die Hand­lung ist schnell erzählt:
Eine Grup­pe jun­ger Men­schen, die sich als Ster­nen­flot­ten-Offi­zie­re aus­bil­den las­sen, um die Föde­ra­ti­on nach einer inter­stel­la­ren Kata­stro­phe wie­der auf­zu­bau­en, begibt sich im Raum­schiff (lei­der nicht die Enter­pri­se) unter der Lei­tung von Cap­tain Nahla Aken zur neu gegrün­de­ten Ster­nen­flot­ten­aka­de­mie in San Francisco. 

Auf dem Weg meis­tern die Kadet­ten eini­ge Her­aus­for­de­run­gen, knüp­fen Freund­schaf­ten und stel­len sich einem neu­en Feind, dem Welt­raum­pi­ra­ten Nus Bra­ka. Der Pilot­film läuft (legal) auf You­tube, ist span­nend und wit­zig und ver­spricht eine inter­es­san­te Serie zu wer­den. Die Trek­kie-Gemein­de sieht das zwar anders, vie­le Fans kri­ti­sie­ren Kli­schees, zu sei­fen­haf­te Jugend­dra­ma-Ele­men­te und feh­len­de Logik­lü­cken, hol­ly­wood­rei­fes Tem­po und Vorhersehbarkeit. 

Aber, hey die Serie ver­folgt kei­ne wis­sen­schaft­li­chen Ansprü­che, sie soll nur unterhalten.