Filmkritik — Apex

Man neh­me das „Hand­buch für Thril­ler“, kopie­re den Inhalt und ver­le­ge das Gan­ze in die Wild­nis. Gar­niert wird das Rezept mit einem geis­tes­kran­ken Psy­cho­pa­then, einer Pri­se Ver­fol­gung, dem obli­ga­to­ri­schen Über­le­bens­kampf und ein paar pho­bi­schen Sze­nen. Am Ende noch ein melan­cho­li­scher Sieg, zwei, drei bekann­te Gesich­ter vor die Kame­ra – fer­tig ist der Standard-Thriller.

Ich will nicht unfair sein: Apex, das neu­es­te Ding auf Net­flix, ist nicht unspan­nend. Lei­der ist er auch an vie­len Stel­len vorhersehbar. 

Im Zen­trum steht Sasha (Char­li­ze The­ron). Eine Berg­stei­ge­rin, die den Ruck­sack vol­ler emo­tio­na­lem Bal­last mit­bringt: Ihr Part­ner Tom­my (Eric Bana) hat sich Mona­te zuvor in Nor­we­gen bei einer Tour in den Tod ver­ab­schie­det. Um die Trau­er zu bewäl­ti­gen und die eige­nen Gren­zen zu che­cken, flüch­tet sie in den aus­tra­li­schen Watarrka-Nationalpark.
Doch die geplan­te Selbst­fin­dung wird zum Hor­ror­trip. Sasha lan­det als Beu­te auf dem Radar von Ben (Taron Eger­ton), einem sadis­ti­schen Seri­en­kil­ler, der im Out­back hob­by­mä­ßig Men­schen jagt.

Ben klaut ihr in einer Nacht-und-Nebel-Akti­on die Aus­rüs­tung und gibt sich am nächs­ten Tag als Men­schen­jä­ger zu erken­nen. Er hat aller­dings die Rech­nung ohne Sashas Klet­ter-Skills und ihren Über­le­bens­wil­len gemacht. Wer nor­we­gi­sche Fels­wän­de über­lebt, lässt sich eben nicht so leicht im aus­tra­li­schen Staub abschlachten.

Fazit:
Die Ver­fol­gungs­sze­nen und ins­be­son­de­re die Klet­ter­sze­nen las­sen bei jeman­dem, der bereits auf einer Lei­ter zu Höhe­angst neigt, Span­nung auf­kom­men. Wer auf auf soli­de Action und Char­li­ze The­ron steht, für den ist der Thril­ler soli­de Abend­un­ter­hal­tung. Net­flix lie­fert hier exakt das ab, was auf der Packung steht – nicht mehr, nicht weniger.

Serientipp – The Blacklist

Einer der meist­ge­such­ten Ver­bre­cher der Welt spa­ziert see­len­ru­hig in das FBI-Haupt­quar­tier, lässt sich wider­stands­los fest­neh­men und bie­tet dann eine Zusam­men­ar­beit an. Das ist das Fun­da­ment von The Black­list, einer Serie, die über zehn Staf­feln hin­weg ein eben­so kom­ple­xes wie teils absur­des Netz aus Intri­gen spinnt.

Ray­mond „Red“ Red­ding­ton (bril­lant und mit spür­ba­rer Spiel­freu­de ver­kör­pert von James Spa­der), ist ein kri­mi­nel­les Genie, und steht auf der Lis­te der 10 meist­ge­such­ten Ver­bre­cher des FBI auf Platz 4.
Red­ding­ton schrieb sich in die United Sta­tes Naval Aca­de­my ein und schloss im Alter von 24 Jah­ren sein Stu­di­um als Stu­di­en­bes­ter ab. Er war auf dem bes­ten Weg eine hoch­ran­gi­ge Mari­ne­kar­rie­re zu absol­vie­ren, bevor er 1990 auf einer Heim­rei­se zu Weih­nach­ten ver­schwand und als »Gen­tle­man des Ver­bre­chens« wie­der auftauchte. 

Ray­mond Red­ding­ton ist im Besitz einer Lis­te, der Black­list. Dar­auf ste­hen Kri­mi­nel­le, von deren Exis­tenz das FBI nicht ein­mal ahnt – Hacker, Atten­tä­ter, Spio­ne und Strip­pen­zie­her, die zu gefähr­lich oder zu geschickt für her­kömm­li­che Ermitt­lungs­me­tho­den sind.

Red­ding­ton ist bereit, die­se Kri­mi­nel­len aus­zu­lie­fern, aller­dings unter zwei Bedingungen:

  1. Er erhält Immu­ni­tät für sei­ne eige­nen Taten.
  2. Er arbei­tet aus­schließ­lich mit der jun­gen Pro­fi­le­rin Eliza­beth Keen zusammen.

In der Regel folgt die Serie einem Mus­ter, bei dem pro Fol­ge ein neu­er Name von der Lis­te abge­ar­bei­tet wird. Die­se Ant­ago­nis­ten sind oft krea­tiv-grau­sa­me Verbrecher.

Die zen­tra­le Fra­ge aber, die sich wie ein roter Faden durch fast die gesam­te Lauf­zeit zieht, ist die Ver­bin­dung zwi­schen Red­ding­ton und Eliza­beth Keen. War­um sie? Ist er ihr Vater? Ein Beschüt­zer? Oder ver­folgt er ein weit­aus ego­is­ti­sche­res Ziel?

Wäh­rend die ers­ten Staf­feln noch stark von der Annä­he­rung zwi­schen Ray­mond Red­ding­ton (James Spa­der) und Eliza­beth Keen (Megan Boo­ne) lebt, ent­wi­ckelt sich die Serie spä­ter zu einem dich­ten Geflecht aus glo­ba­len Ver­schwö­run­gen. Red­ding­ton bleibt dabei stets der char­man­te und rede­ge­wand­te Mann im Maß­an­zug, der selbst in Todes­ge­fahr noch Zeit für eine aus­schwei­fen­de Anek­do­te über einen erst­klas­si­gen Wein fin­det. Eine Art James Bond auf der dunk­len Seite.

Für Freun­de des klas­si­schem Crime-Dra­ma, Polit-Thril­ler und einer ordent­li­chen Por­ti­on Exzen­trik hat, kommt an Red­ding­ton kaum vor­bei – auch wenn man zwi­schen­durch ein wenig Geduld für die immer ver­wor­re­ne­ren Geheim­nis­se mit­brin­gen muss. Die Serie läuft der­zeit auf Net­flix.

Interstellarer Kuscheltrip

Kinokritik: Der Astronaut- Project Hail Mary

Ryland Grace (Ryan Gosling) wacht ohne Gedächt­nis auf einem Raum­schiff auf – sei­ne Kol­le­gen sind bereits im Schlaf ver­schie­den. Er ist der letz­te Stroh­halm der Mensch­heit, um das Aus­lö­schen der Son­ne zu ver­hin­dern. Auf sei­ner Odys­see trifft er auf ein außer­ir­di­sches Stein­we­sen, das er auf den krea­ti­ven Namen »Rocky« tauft. Gemein­sam bas­teln, musi­zie­ren und phi­lo­so­phie­ren sich die bei­den durch die Gala­xie, um das Uni­ver­sum zu retten.

Man muss es so sagen: Der Film ist kein knall­har­tes Welt­raum-Dra­ma, son­dern eher eine Lie­bes­er­klä­rung an die Ära von E.T. Das Gan­ze ist ganz nied­lich gera­ten – ein Film, den man sich her­vor­ra­gend mit der Fami­lie anse­hen kann, ohne dass man danach drei Tage lang über die Abgrün­de der mensch­li­chen Exis­tenz grü­beln muss.

Ryan Gosling spielt die­sen Ryland Grace mit einer Spiel­freu­de, die anste­ckend wirkt. Er gibt den ver­träum­ten Sof­tie-Wis­sen­schaft­ler so über­zeu­gend, dass man ihm den inter­stel­la­ren Mac­Gy­ver sofort abnimmt und ihn eigent­lich stän­dig in den Arm neh­men möch­te. Wenn er mit sei­nem Ali­en-Kum­pel »Rocky« kom­mu­ni­ziert, fehlt eigent­lich nur noch der leuch­ten­de Zei­ge­fin­ger, um die Hom­mage an Spiel­berg per­fekt zu machen. »Rocky« ist dabei so rüh­rig gestal­tet, dass man fast ver­ges­sen könn­te, dass es sich um ein außer­ir­di­sches Gestein han­delt. Das Rocky zu allem Über­fluss nicht auch noch über­gro­ßen Baby­au­gen spen­diert bekom­men hat, nimmt der Zuschau­er dank­bar wahr.

Den stren­gen Kon­trast dazu setzt San­dra Hül­ler als Eva Stratt. Wäh­rend im All der Kuschel­kurs gefah­ren wird, agiert Hül­ler auf der Erde mit einer Küh­le, wie eine frisch polier­te Edel­stahl­ar­beits­plat­te in der Küche. Eva Stratt spielt unnah­bar und effi­zi­ent – eine ech­ter »Maît­re de Mis­si­on«. Die­ser Kon­trast zwi­schen Hül­lers eisi­ger Pro­fes­sio­na­li­tät und Goslings ver­träum­tem Ent­de­cker­geist lässt den Film letzt­end­lich nicht voll­ends als Schmon­zet­te abtun.

Fazit: Für Fans von E.T. und rüh­ri­gen Sci-Fi-Geschich­ten ist »Pro­ject Hail Mary« ein ech­tes Fest. Wer kein Pro­blem mit einer Por­ti­on Welt­raum-Zucker­wat­te hat und sich ger­ne von der Spiel­freu­de eines Ryan Gosling anste­cken lässt, wird hier bes­tens bedient.

Wer wegen der erhoff­ten schö­nen Welt­raum­bil­der ins Kino gekom­men war, wur­de ent­täuscht und soll­te sich viel­leicht lie­ber noch mal den Film »Gra­vi­ty« ansehen. 

Geschüttelt, nicht gerührt

Am Sams­tag habe ich mir den letz­ten Teil aus der lan­gen Rei­he der Bond-Fil­me noch ein­mal ange­se­hen. Der Film lief bereits 2021 im Kino, für mich war es also eine Wie­der­ho­lung. Eigent­lich hat­te ich gehofft, in die­sem Jahr wie­der ein­mal wegen Bond ins Kino zu gehen. Zu früh gefreut.

Ama­zon MGM Stu­di­os hat inzwi­schen die krea­ti­ve Kon­trol­le über die 007-Rei­he über­nom­men, das war’s dann aber auch schon. Weder gibt es ein Dreh­buch, noch eine erkenn­ba­re Idee – und von einem neu­en Bond-Dar­stel­ler ganz zu schweigen.

Auf mei­ner Wunsch­lis­te für einen neu­en Bond gehört ein Dar­stel­ler vom Typ Pier­ce Bros­nan in die Rol­le des MI6-Agen­ten. Dani­el Craig hat sei­ne Sache kei­nes­wegs schlecht gemacht, im Gegen­teil. Doch gera­de in den letz­ten Fil­men war mir zuviel Gefühls­du­se­lei im Spiel.

Ein Dop­pel-Null-Agent im Ein­satz rich­tet sich not­falls auch unter Was­ser erst ein­mal die Kra­wat­te – und macht dann wei­ter. Das hat­te Stil. Zu sehen ab der drit­ten Minute

So was erwar­tet man von einem bri­ti­schen Geheim­agen­ten. Die Buch­ma­cher­sei­ten lau­fen übri­gens schon heiß, wer wohl Nach­fol­ger von Bond wer­den soll. Hoch gehan­delt wer­den zwei Nach­fol­ger: Callum Tur­ner und Tay­lor-John­son gel­ten der­zeit als die hei­ße Anwär­ter, wenn man Spe­ku­la­tio­nen und Wett­quo­ten zusam­men betrachtet.

Ich hät­te mir Idris Elba eben­falls vor­stel­len kön­ne, schließ­lich hat der die not­wen­di­ge Bla­siert­heit für einen James Bond. Elba ist aller­dings auch schon 53 Jah­re alt. Nach eige­nen Anga­ben steht er nicht zur Ver­fü­gung, obwohl er offen­sicht­lich einen Spaß dar­an hat, die Dis­kus­sio­nen immer wie­der anzu­fa­chen.

Per­sön­lich fällt mir noch Tom Har­dy ein, der in Mob­Land bewie­sen hat, dass er mit aus­drucks­lo­ser Mie­ne die Lizenz zum Töten hat. 

Wie auch immer, es ist wohl so, dass vor 2028 nichts viel pas­siert. Geplant ist der­zeit kon­kret noch nichts. Also heißt es war­ten und viel­leicht den ein oder ande­ren Bond-Film von ins­ge­samt 25 Fil­me noch mal gucken:

Wei­ter­le­sen

Tipp: Star Trek — Starfleet Academy

Warp­kern­bruch steht unmit­tel­bar bevor. Die unmiss­ver­ständ­li­che Ansa­ge des Bord­com­pu­ters vor einer bevor­ste­hen­den Kata­stro­phe, darf natür­lich nicht feh­len. In der Pilot­fol­ge zur neu­en Serie Star Trek: Star­fleet Aca­de­my ist das aber nur eine holo­gra­phi­sche Fin­te, um den Ober­schur­ken Nus Bra­ka (Paul Gia­mat­ti) vom Schiff zu vertreiben.

Der Pilot­film lief (läuft?) auf kos­ten­los aus You­tube, die Serie wird von Para­mount+ aus­ge­strahlt. (den ich auf­grund grot­ti­ger Soft­ware gekün­digt habe 🙄)

Vor­weg: Ent­ge­gen den vie­len Ver­ris­sen der Star-Trek Fan­ge­mein­de: Ich fand den Pilot­film rich­tig gut. Man merk­te ins­be­son­de­re den Haupt­fi­gu­ren die Spiel­freu­de an. Kanz­le­rin und Cap­tain Nahla Ake (Hol­ly Hun­ter) Halb-Lan­tha­ni­tin und immer­hin über 400 Jah­re alt, nimmt sich einer Hor­de von jun­gen Kadet­ten an. Ver­schie­den Spe­zi­es, ver­schie­de­ne Cha­rak­te­re, arro­gan­te Schnö­sel aus denen ein­mal gute Offi­zie­re wer­den sol­len. Das ist im Grun­de das Gemenge­la­ge, aus dem sich eine neue Serie im Star-Trek Uni­ver­sum erge­ben soll. 

Die Hand­lung ist schnell erzählt:
Eine Grup­pe jun­ger Men­schen, die sich als Ster­nen­flot­ten-Offi­zie­re aus­bil­den las­sen, um die Föde­ra­ti­on nach einer inter­stel­la­ren Kata­stro­phe wie­der auf­zu­bau­en, begibt sich im Raum­schiff (lei­der nicht die Enter­pri­se) unter der Lei­tung von Cap­tain Nahla Aken zur neu gegrün­de­ten Ster­nen­flot­ten­aka­de­mie in San Francisco. 

Auf dem Weg meis­tern die Kadet­ten eini­ge Her­aus­for­de­run­gen, knüp­fen Freund­schaf­ten und stel­len sich einem neu­en Feind, dem Welt­raum­pi­ra­ten Nus Bra­ka. Der Pilot­film läuft (legal) auf You­tube, ist span­nend und wit­zig und ver­spricht eine inter­es­san­te Serie zu wer­den. Die Trek­kie-Gemein­de sieht das zwar anders, vie­le Fans kri­ti­sie­ren Kli­schees, zu sei­fen­haf­te Jugend­dra­ma-Ele­men­te und feh­len­de Logik­lü­cken, hol­ly­wood­rei­fes Tem­po und Vorhersehbarkeit. 

Aber, hey die Serie ver­folgt kei­ne wis­sen­schaft­li­chen Ansprü­che, sie soll nur unterhalten. 

Dark Matter — Der Zeitenläufer

Jason Des­sen, Phy­sik­pro­fes­sor in Chi­ca­go, lebt ein ruhi­ges Fami­li­en­le­ben mit sei­ner Frau Danie­la und Sohn Char­lie. Auf dem Heim­weg von einer abend­li­chen Fei­er wird er von einem mas­kier­ten Mann ent­führt, betäubt und in ein Labor gebracht.

Dort erwacht er in einer ande­ren Rea­li­tät: Er ist kein Leh­rer, son­dern ein gefei­er­ter Wis­sen­schaft­ler, der eine revo­lu­tio­nä­re Tech­no­lo­gie ent­wi­ckelt hat – die „Box“, ein Gerät, mit dem man in Par­al­lel­wel­ten rei­sen kann. Jason hin­ge­gen schlägt sich von nun an durch alter­na­ti­ve Rea­li­tä­ten sei­ner eige­nen Exis­tenz im Mul­ti­ver­sum, um zurück zu sei­ner Fami­lie zu gelan­gen. Die Psy­cho­lo­gin Aman­da (Ali­ce Bra­ga) beglei­tet ihn auf sei­ner gefähr­li­chen Reise.

Die neun­tei­li­ge Serie hat als Grund­la­ge die Theo­rie der Par­al­lel­uni­ver­sen und baut dar­auf eine span­nen­de Geschich­te rund um den Haupt­prot­ago­nis­ten Jason Des­son. Im Grun­de ist Dark Mat­ter ein Gedan­ken­ex­pe­ri­ment. Was wür­de pas­sie­ren, wenn wir in eine Par­al­lel­rea­li­tät gelangen? 

Die Serie braucht etwas, um in Schwung zu kom­men. Man muss sich ein wenig auf die Theo­rie von Par­al­lel­wel­ten ein­las­sen. Ab wann ent­schei­det sich die Rea­li­tät für den Zustand? Etwa ab der drit­ten Fol­ge wird klar wor­um es geht und die Serie nimmt Fahrt auf. 

Eini­ge Logik­feh­ler sei­en ver­zie­hen, bei­spiels­wei­se taucht die „Box“ in jeder besuch­ten Rea­li­tät auf, auch in der Par­al­lel­welt, in denen Des­sen sie nie erfun­den hat. 

Sei‘s drum, die Serie ist span­nend gemacht und wer sich die Quan­ten­phy­sik anhand des Denk­mo­dells von Schrö­din­gers Kat­ze noch ein­mal ange­tan hat, hat sich ent­we­der die Theo­rie des Mul­ti­ver­sums ver­ständ­lich gemacht, oder muss die Kno­ten im Hirn müh­sam ent­flech­ten – ganz nach Realität. 

Dark Mat­ter läuft auf Apple TV+.

Streaming Tipp — The Walking Dead

Wie ver­hal­ten sich eigent­lich Men­schen in extre­men Situa­tio­nen? Was wür­de pas­sie­ren, wenn Men­schen in klei­ne­ren Grup­pen eine welt­wei­te Apo­ka­lyp­se über­le­ben wür­den, aber wei­ter­hin stän­dig töd­li­chen Gefah­ren aus­ge­setzt sind? 

Was ich nicht ver­mu­tet hät­te: Die­se Fra­gen sind erstaun­lich gut wis­sen­schaft­lich bear­bei­tet und doku­men­tiert. Eigent­lich kein Fan von Splat­ter Ele­men­ten in Fil­men, hat­te ich die Serie „The Dead Wal­king“ auf mei­ne Lis­te gesetzt. Die Serie han­delt von einer fik­ti­ven Apo­ka­lyp­se, aus­ge­löst durch einen Virus, der alle Men­schen nach ihrem Able­ben zu Zom­bie­we­sen mutie­ren lässt. 

Zom­bie­fil­me zeich­nen sich ja vor­nehm­lich durch den Ein­satz von viel Kunst­blut und Gewalt­dar­stel­lung aus. Natür­lich ist auch „The Wal­king Dead“ nicht frei davon und wer die Unter­schei­dung zwi­schen fil­mi­scher Kunst und Rea­li­tät nicht so ganz hin­be­kommt, soll­te sich die Serie bes­ser nicht anschauen.

Was die Serie aber von bil­li­gen Zom­bie­fil­men unter­schei­det und enorm span­nend macht, ist die rea­lis­ti­sche Dar­stel­lung von Grup­pen — und Cha­rak­ter­bil­dung unter Lebens­ge­fahr. Wie ent­wi­ckeln sich die ein­zel­nen Cha­rak­te­re? Wie schnell fin­den wild­frem­de Men­schen zu Grup­pen zusam­men? Bil­den sich unter Lebens­ge­fahr eher tem­po­rä­re, fle­xi­ble Alli­an­zen? Fin­det beim Indi­vi­du­um eine psy­chi­sche Anpas­sung statt, oder lässt die stän­di­ge Gefahr den Ein­zel­nen schlicht­weg wahn­sin­nig wer­den? Wer­den Moral und Wer­te sich zu Guns­ten des Rechts des Stär­ke­ren auf­lö­sen? Wie sta­bil sind sol­che Grup­pen auf Dauer?

Die­se Fra­ge setzt die Serie von Frank Darabont auf erschre­ckend rea­lis­ti­sche Art um.

„The Wal­king Dead“ schafft es dabei, aus­ge­dehn­te Hand­lungs­strän­ge immer wie­der in span­nen­de Epi­so­den zu set­zen. Auf­grund der Not­wen­dig­keit neu­er Alli­an­zen erge­ben sich immer wie­der psy­cho­lo­gi­sche Untie­fen, die es gilt, des Über­le­bens wil­len zu lösen. Die Serie sei kein hirn­lo­ser Zom­bie­mist, son­dern eine gran­dio­se Serie, schrieb Tho­mas Badt­ke in sei­ner Kritik. 

Enorm span­nend dazu, möch­te man ergänzen. 

Serientipp — Chernobyl

Als am 26. April 1986 Block 4 des ukrai­ni­schen Kern­kraft­werks Tscher­no­byl in die Luft fliegt, ist Euro­pa nur ganz knapp einer Kata­stro­phe ent­kom­men. Nach der Explo­si­on des Reak­tors war der Kern teil­wei­se geschmol­zen. Die­ser extrem hei­ße, geschmol­ze­ne Kern­brenn­stoff droh­te sich durch den Reak­tor­bo­den nach unten zu fres­sen. Direkt unter dem Reak­tor befand sich das Dampf­kon­den­sa­ti­ons­be­cken, das mit Tau­sen­den Litern Was­ser gefüllt war. Hät­te der geschmol­ze­ne Kern­brenn­stoff das Was­ser erreicht, wäre es durch den enor­men Über­druck und teil­wei­se Bil­dung von Was­ser­stoff zu einer wei­te­ren Explo­si­on gekom­men. Die­se wäre um ein Viel­fa­ches hef­ti­ger als die Explo­si­on von Block 4 des Kern­kraft­werks gewesen.

Nach Ein­schät­zung sowje­ti­scher Wis­sen­schaft­ler und spä­ter auch inter­na­tio­na­ler Exper­ten wäre nach die­ser Explo­si­on halb Euro­pa dau­er­haft ver­strahlt wor­den. Gro­ße Tei­le Deutsch­lands wären durch Cäsi­um-137 und ande­re lang­le­bi­ge Nukli­de so stark belas­tet wor­den, dass Land­wirt­schaft dau­er­haft unmög­lich gewe­sen wäre.

Regio­nen wie Bay­ern, Thü­rin­gen, Sach­sen und Tei­le Baden-Würt­tem­bergs wären even­tu­ell eva­ku­iert wor­den – je nach Wind­rich­tung. Groß­städ­te wie Mün­chen, Leip­zig oder Nürn­berg hät­ten eva­ku­iert wer­den müs­sen – in einem bis­her unvor­stell­ba­ren Maß­stab. Nach Ansicht des Wis­sen­schaft­lers Vale­ri Legas­sow, hät­te eine zwei­te Explo­si­on halb Euro­pa dau­er­haft unbe­wohn­bar gemacht. 

Nur durch den Ein­satz von drei todes­mu­ti­gen Tau­chern, die durch den Kel­ler des Reak­tors tauch­ten und ein Ven­til zu öff­nen und das Was­ser ablie­ßen, ist uns die­se Kata­stro­phe erspart geblie­ben. Die Fol­gen für die Bevöl­ke­rung in und rund um Tscher­no­byl waren aller­dings auch so kata­stro­phal. Die Gegend rund um den Reak­tor ist wohl noch eini­ge zehn­tau­send Jah­re unbewohnbar. 

Die Mini­se­rie „Cher­no­byl“ zeich­net die Gescheh­nis­se vom Tag der Explo­si­on, den Kurz­zeit­fol­gen, der teil­wei­se dra­ma­ti­schen Maß­nah­men und der Auf­ar­bei­tung nach rea­len Bege­ben­hei­ten nach.

Die Serie ist ein abso­lu­tes Glanz­stück fil­mi­scher Dar­stel­lung und ein Muss für jeden, der sich auch nur im Ent­fern­tes­ten mit dem The­ma Kern­ener­gie beschäf­tigt. Zudem ist sie ein schö­nes Bei­spiel für die Pro­pa­gan­da der Sowjets und die Arbeits­wei­se des KGB in den 80er Jah­ren. Cher­no­byl lief bereits vor vier Jah­ren im TV und ist der­zeit bei Ama­zon Prime zu sehen.