Präsident Midas

Der Legen­de nach soll der Herr­scher von Phry­gien (heu­ti­ge Tür­kei), des­sen haupt­säch­li­che Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten Gier und Dumm­heit waren, die Fähig­keit beses­sen haben, dass sich alles, was er anfasst, in Gold verwandelt.

König Midas soll damit sei­ne eige­ne Toch­ter ver­se­hent­lich in Gold ver­wan­delt haben. Um nicht zu ver­hun­gern und zu ver­durs­ten, da sich alles Ess- und Trink­ba­re in sei­nen Hän­den eben­falls zu Gold ver­wan­del­te, bat Midas den Wein­gott Dio­ny­sos, ihn von die­sem Fluch zu befrei­en, was die­ser letzt­end­lich auch tat. 

Nun, einen ähn­li­chen Midas nennt die USA ihren Prä­si­den­ten, auch er ver­mag alle mög­li­chen Din­ge in Gold zu ver­wan­deln, wenn auch nicht mit Hand­auf­le­gen, son­dern mit Interessenkonflikten.

Neu­es­tes Gau­ner­stück: Trump möch­te zah­lungs­wil­li­gen Lesern sei­ne Social Media Posts exklu­siv ver­kau­fen. Nun könn­te man ja geneigt sein zu glau­ben, dass das Geschreib­sel eines US- Prä­si­den­ten auf sei­ner eige­nen Social Media Platt­form Truth Social nicht wirk­lich inter­es­sant ist. Das mag stim­men, aller­dings hat der mäch­tigs­te Mann der Welt lei­der auch die Macht, Din­ge zu tun, die sich kurz­fris­tig in den Akti­en­kur­sen an der Bör­se niederschlagen. 

Bei­spie­le gefällig?

  1. 2. April 2025: Trump ver­hängt umfas­sen­de Zöl­le, Märk­te bre­chen ein.
  2. 8. April 2025: Trump kauft 327 Ein­zel­ak­ti­en (u.a. Apple, Micro­soft, Nvi­dia, Ama­zon, Alpha­bet) im Wert von bis zu 12,8 Mio. Dollar.
  3. 9. April 2025, 9:37 Uhr: Truth-Social-Post “THIS IS A GREAT TIME TO BUY!!!”
  4. Vier Stun­den spä­ter: 90-Tage-Zoll­pau­se verkündet.
  5. Ergeb­nis: S&P 500 +9,52 %, Dow +7,87 %, Nasdaq +12,16 % – einer der größ­ten Tages­ge­win­ne seit dem Zwei­ten Weltkrieg.

(Quel­le: Zusam­men­stel­lung durch KI)

Die­se Abfol­ge lässt sich inzwi­schen bele­gen: Sie stammt aus der 2026 ver­öf­fent­lich­ten Ver­mö­gens­of­fen­le­gung des Prä­si­den­ten, aus­ge­wer­tet von CNBC. Bemer­kens­wert am Ran­de: Die Trades wur­den erst mehr als ein Jahr nach der gesetz­lich vor­ge­schrie­be­nen 45-Tage-Frist offengelegt.

Der Coup des US-Prä­si­den­ten: Sei­ne Medi­en­fir­ma ver­kauft jetzt beschleu­nig­ten, kos­ten­pflich­ti­gen Zugang zu genau sol­chen Truth-Social-Posts. Auch Start ist für den 1. August 2026 ange­kün­digt, laut Berich­ten soll der Zugang bis zu 100.000 Dol­lar im Monat kos­ten. Ver­kauft wird nicht exklu­si­ver Inhalt, son­dern zeit­li­cher Vor­sprung – Mil­li­se­kun­den frü­he­rer Zugriff auf markt­be­we­gen­de Posts, offi­zi­ell nicht nament­lich auf Trumps eige­nes Kon­to beschränkt, aber nahe­lie­gend gemeint.

Für Bro­ker ist so ein »Exklu­siv­recht« zu den Aus­sa­gen von Trump also bares Geld wert, auch wenn erst ein­mal der Prä­si­dent dar­an ver­dient. Es darf aber bezwei­felt wer­den, dass es auf die­sem bezahl­ten Kanal ein­zig um bör­sen­re­le­van­te Infor­ma­tio­nen geht. 

Ver­mut­lich wird Eigen­lob in den Tex­ten des »bes­ten Prä­si­den­ten, den die USA je hat­te«, einen nicht uner­heb­li­chen Anteil haben. 

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