Wurde das Sondervermögen verplempert?

»Wha­te­ver it takes«, ließ Bun­des­kanz­ler Merz im ver­gan­ge­nen Jahr den Steu­er­zah­ler wis­sen, als es dar­um ging hun­der­te von Mil­li­ar­den Euro Ver­tei­di­gung und Infra­struk­tur zu investieren. 

Große Worte, viel Pathos, wenig Wirkung

Als die Bun­des­re­gie­rung das Son­der­ver­mö­gen auf­leg­te, klang das nach Auf­bruch: raus aus dem Inves­ti­ti­ons­stau, rein in die Zukunft. Digi­ta­li­sie­rung, Infra­struk­tur, Sicher­heit – end­lich soll­te Geld kein Pro­blem mehr sein. Die Rea­li­tät? Ernüch­ternd. Und zwar gründ­lich. Denn was poli­tisch als »his­to­ri­scher Schritt« ver­kauft wur­de, ent­puppt sich bei nähe­rem Hin­se­hen als klas­si­scher Fall von: viel ver­spro­chen, wenig gehalten. 

Ein erheb­li­cher Teil der Mit­tel floss nicht in neue Pro­jek­te, son­dern in bereits geplan­te Vor­ha­ben. Haus­halts­lö­cher wur­den gestopft, Aus­ga­ben ver­scho­ben, Bud­gets neu sor­tiert. Statt zu inves­tie­ren, wur­de umeti­ket­tiert. Das ist kein Inves­ti­ti­ons­schub, das ist Bilanzoptimierung.Genau das kri­ti­siert der Bun­des­rech­nungs­hof: Gel­der droh­ten nicht »zusätz­lich« zu wir­ken, son­dern bestehen­de Struk­tu­ren zu ersetzen. 

Die ZEIT schrieb bereits im let­zen Jahr, dass Mit­tel nicht zwin­gend zu mehr Inves­ti­tio­nen füh­ren und so ein rie­si­ges Ver­mö­gen ver­si­ckert, weil der »Bund auf wesent­li­che Stell­schrau­ben für den Erfolg des Geset­zes ver­zich­tet habe.« Geld sinn­voll aus­ge­ben will gekonnt sein. Zwi­schen Ankün­di­gung und Umset­zung lie­gen oft Jah­re. För­der­pro­gram­me ver­san­den in Antrags­ver­fah­ren, Zustän­dig­kei­ten sind zersplittert.

Der Rech­nungs­hof äußert sich kri­tisch: Mehr Geld allein löst die Pro­ble­me nicht – es fehlt an kla­ren Vor­ga­ben und Prioritäten. 

Milliarden gebunden, Wirkung unklar

Ein wei­te­rer blin­der Fleck: die Erfolgs­kon­trol­le. Wo aller­dings Kenn­zah­len, Trans­pa­renz und über­prüf­ba­ren Zie­le feh­len, ent­zieht sich die par­la­men­ta­ri­sche Kon­trol­le. Ohne mess­ba­re Zie­le wird Geld somit zum Selbst­zweck. Die Mil­li­ar­den­schul­den zur Ankur­be­lung ist kein Aus­rut­scher, son­dern Sym­ptom. Ein Sys­tem, das Schul­den in Neben­haus­hal­te aus­la­gert, erzeugt ein »geschön­tes Bild« der tat­säch­li­chen Finanzlage. 

Das Gegen­teil von gut ist gut gemeint. 

Update: Horst Schul­te ergän­zend zum sel­ben Thema.