Wer schreibt hier und wenn ja, wie viele?

Stefan Pfeif­fer bringt es auf den Punkt: In einer Welt vol­ler glatt­ge­bü­gel­ter KI-Tex­te wird der unper­fek­te, eigen­wil­li­ge Ton zum Dif­fe­ren­zie­rungs­merk­mal. Wer kom­plett auf KI setzt, ver­liert die Wie­der­erkenn­bar­keit. Kann ich nur unterschreiben.

Ich habe das selbst durch­ex­er­ziert. ChatGPT, Clau­de, Per­ple­xi­ty, Gemi­ni – alle vier beka­men die Auf­ga­be, in mei­nem Stil zu schrei­ben. Das Ergeb­nis war jedes Mal ähn­lich: nah dran, aber fremd. Wie ein gut geschnei­der­ter Anzug, der hier und da nicht ganz passt. Irgend­wo steck­te immer ein Satz­bau drin, den ich so nie hin­ge­schrie­ben hät­te. Unheim­lich ist das rich­ti­ge Wort dafür – weil man sich dabei erwischt, sich selbst zu imi­tie­ren, ohne sich wiederzuerkennen.

Auch wenn KI an annä­hernd an mei­nen Stil kam, waren zumin­dest immer Frag­men­te, die ich so nie geschrie­ben hät­te. Der Wort­vo­gel hat aller­dings die Erfah­rung gemacht, dass eine Rezen­si­on, die er test­wei­se von einer KI machen ließ, tat­säch­lich erschre­ckend an sei­ne eige­nen Tex­te heran­lan­gen.

Nichts des­to trotz nut­ze ich KI – für Recher­che, fürs Pro­gram­mie­ren, gele­gent­lich als Lek­tor. Nütz­lich, ja. Geni­al? Nein. Die LLM’s sind und blei­ben ein Werk­zeug, ein Hilfsmittel. 

Judith Peters geht noch einen Schritt wei­ter und zeigt, wie man Clau­de direkt in die Word­Press-Ober­flä­che inte­griert und der KI kom­plett die Redak­ti­ons­pla­nung über­lässt. Für Unter­neh­mens­blogs, die mona­te­lang brach­lie­gen, weil nie­mand Zeit hat ist das ein inter­es­san­ter Ansatz. Für den pri­va­ten Blog eher nicht. Uns geht’s ja nicht ums Seitenfüllen.

Für die freie Mit­ar­bei­ter der Lokal­zei­tun­gen hin­ge­gen wird es unge­müt­lich in den (noch) vor­han­de­nen Redak­tio­nen der Regio­nal­zei­tun­gen. In mei­ner Zeit als frei­er Mit­ar­bei­ter hieß es kurz vor Redak­ti­ons­schluss oft­mals: »Noch 60 Zei­len und das Gan­ze in zehn Minu­ten abga­be­fer­tig.« Die Zei­ten sind mit dem Ein­satz von KI vor­bei. Da frei­en Mit­ar­bei­ter nach Zei­len bezahlt wer­den, dürf­te die Aus­beu­te am Ende des Monats mit Ein­satz von KI ziem­lich dürf­tig ausfallen. 

Bei all­zu viel Ein­satz von KI stellt sich ver­mut­lich irgend­wann die Fra­ge: Wer bin ich, wenn die KI mich bes­ser imi­tiert als ich mich selbst?

4 Gedanken zu „Wer schreibt hier und wenn ja, wie viele?“

  1. Hi Peter,
    das “nach­ah­men” von einer bestimm­ten Per­son bekann­ten Aus­drucks­form führt bei mir immer zum Strin­run­zeln. Sach­lich vor­ge­tra­ge­ne Nach­rich­ten-Tex­te mögen durch KI sowohl text­lich — aber auch durch Ava­tare und Stim­men­syn­the­se (fragst Du dich nicht auch wie lan­ge es noch “ech­te” Anchor­men in der Tages­schau geben wird — oder ob das vor­le­sen der Lot­to­zah­len nicht auch eine hübsch design­te KI über­neh­men könn­te?) ersetzt wer­den. Hier kommt es mehr auf die Ver­ar­bei­tung und Auf­zäh­lung von Fak­ten an. Dar­in ist sie sehr gut und schnell. Bei dem The­ma Krea­ti­vi­tät sehe ich die KI — noch — nicht. Dazu gehört eben die Krea­ti­vi­tät: Aus einem Nichts etwas neu­es schaf­fen. Das kann die KI nicht, denn ihr fehlt die Phan­ta­sie und Intui­ti­on. Sie lernt aus vor­han­de­nen Inhal­ten und gene­riert dar­aus etwas ähn­li­ches — kann aber nicht aktiv neu­es schaf­fen (hof­fe ich) — denn dann wür­den selbst Come­dy-Stars wie Tors­ten Strä­ter bald arbeitslos.
    Trotz­dem ist die KI eine gro­ße Gefahr, weil sie all­ge­gen­wär­tig ist und sie kei­ne Hem­mun­gen kennt oder mora­li­sche Beden­ken — denn die wer­den von den Pro­gram­mie­rern vor­ge­ge­ben. Es gab ja schon den Fall, dass eine KI heim­lich Bit­co­ins gesurft hat.
    Ich habe letz­tens ein sehr inter­es­san­tes Video von Ber­nie San­ders gese­hen. Es ist auf sei­nem You­tube-Kanal also ist es authen­tisch: er unter­hält sich mit der KI ‘Clau­de’ und fragt Sie wo sie die Gefahr der KI sieht. Das Video ist fast unheim­lich. Ich hat­te den Ver­gleich von Stan­ley Kubricks “2001: Odys­see im Welt­raum” vor Augen als HAL dem letz­ten Über­le­ben­den der Besat­zung Bow­man erklärt war­um er ihn töten muss. Dabei ist nicht die Ki das Böse, son­dern sie ist Böse gemacht vom Mensch, der ein­zig und allein aus Pro­fit­gier jeden leben­den Men­schen all­ge­gen­wär­tig über­wacht, mit aus­ge­such­ten Mel­dun­gen mani­pu­liert und sei­ne Gedan­ken und Vor­ge­hens­wei­sen qua­si fernsteuert.
    Wie weit die KI mitt­ler­wei­se ist, hat ein Video auf You­Tube gezeigt. Ein Mensch mit Daten­punk­ten im Gesicht (um die Gesichts­be­we­gun­gen eines Video-Ava­tars zu simu­lie­ren) erklär­te, dass eine KI nur ein vier Sekun­den Audio­schnip­sel einer ech­ten Stim­me benö­tigt, um die danach kom­plett zu sysn­the­tie­sie­ren. Dabei wur­den im Video KI Gesich­ter ein­ge­blen­det, die den Text spra­chen. Sind dir nicht auch schon auf You­Tube die Vide­os mit den Stim­men von Fried­rich Merz und Ali­ce Wei­del auf­ge­fal­len, die dich finan­zi­ell bera­ten wol­len. Mal abge­se­hen davon, dass das so ziem­lich die letz­ten bei­den Per­so­nen (gut, neh­men wir den Spahn noch dazu!) wären, von denen ich mich in was auch immer bera­ten las­sen wür­de — ist das alles ande­re als seriös.
    Aus dem Grund habe ich KI kom­plett von mei­nem Blog ver­bannt. Ich nut­ze nicht mal eine Recht­schreib­prü­fung — obwohl das manch­mal bäs­ser were ;-).
    Eine KI-frei­en Start in die Woche wünsch ich!
    CU
    P.

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    • @Peter: Ich habe neu­lich ein Inter­view mit der Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­rin Kathe­ri­na Rei­che gese­hen. Sie ist ein Android, ich schwöre! 😅

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  2. Ich schrei­be viel zu ger­ne und käme nie auf die Idee, das durch eine Maschi­ne bzw. Soft­ware machen zu lassen 🙂

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