Weihnachtsmann oder Christkind?

Als jemand, der in einem evan­ge­li­schen Haus­halt auf­ge­wach­sen ist, wur­de uns Kin­dern von den Eltern erzählt, der Weih­nachts­mann bräch­te die Geschen­ke. Bis in die Neu­zeit war das für mich auch als Agnos­ti­ker akzep­ta­bles Stim­mungs­bild zu Weih­nach­ten. Ins­be­son­de­re in der Erzäh­lung gegen­über den, sowohl im eige­nen als auch im erwei­ter­ten fami­liä­ren Umfeld, zu beschen­ken­den Netz­kin­dern. Jeden­falls so lan­ge wie sie noch jung waren. 

Regel­mä­ßig gab’s aller­dings einen Rüf­fel von Mrs. L, die dar­auf bestand, dass das Christ­kind in ihrer fami­liä­ren Tra­di­ti­on und im Kon­text mit Weih­nach­ten die Geschen­ke ablie­fert. Nun, für das jüngs­te Netz­kind, das sich der selbst im Über­gang zum Teen­ager befin­det, war die Dop­pel­be­set­zung nie ein Pro­blem, solan­ge die Geschen­ke am 24. Dezem­ber nur unter dem Baum lagen. Aller­dings beant­wor­tet der Satz: „Mir egal“ ja nicht direkt die Fra­ge nach der per­so­ni­fi­zier­ten Zustellung. 

Aber für was hat man denn die KI?

Für die Ant­wort auf die Fra­ge, wer jetzt für was an Weih­nach­ten zustän­dig ist, bräuch­te es kei­ne KI, behaup­tet Mrs. L, da mein Zustän­dig­keits­be­reich mit der Besor­gung des Weih­nachts­baums und anschlie­ßen­dem Ver­tei­len der Prä­sen­te unter dem Baum abschlie­ßend beschrei­ben wäre. Alles wei­te­re stün­de schließ­lich auf Mrs L’s To-Do-Lis­te, was eben­falls die Geschen­ke­fra­ge beant­wor­tet. Das ist zwar alles rich­tig und ich bin Mrs. L ja auch dank­bar für soviel Prag­ma­tis­mus, den­noch ließ es die eigent­li­che Fra­ge nach Weih­nachts­mann und Christ­kind unbeantwortet.

Die KI weiß zu berich­ten, dass in katho­li­schen Regio­nen das Christ­kind und in evan­ge­li­schen Regio­nen der Weih­nachts­mann die Geschen­ke bringt. Das läge in der Geschich­te der Refor­ma­ti­on im 16. Jahrhundert. 

Vor der Reformation brachte der heilige Nikolaus am 6. Dezember die Geschenke. Martin Luther, der Reformator, war gegen die Heiligenverehrung, daher schaffte er den Nikolaus als Gabenbringer ab und setzte stattdessen das "Christkind" als Geschenkebringer für den 25. Dezember ein.

Die Ver­wir­rung war kom­plett. Mein rudi­men­tä­res reli­giö­ses Wis­sen ver­or­te­te bis­her Mar­tin Luther als Refor­ma­tor der evan­ge­li­schen Kir­che, als müss­te doch von evan­ge­li­scher Sei­te die Erst­zu­stel­lung durch das Christ­kind erfolgen?!

Auch das wuss­te die KI zu beantworten:

Die heu­ti­ge Ver­tei­lung, wer für was zustän­dig ist, also Christ­kind in katho­li­schen Gegen­den und Weih­nachts­mann in evan­ge­li­schen, ist his­to­risch spä­ter gewach­sen und hat mit der luthe­ri­schen Prä­gung nichts mehr zu tun. Das Christ­kind beson­ders in katho­li­schen Regio­nen als Geschen­ke­brin­ger eta­bliert, obwohl der Ursprung die­ser Figur tat­säch­lich in der pro­tes­tan­ti­schen Refor­ma­ti­on liegt. In evan­ge­li­schen Regio­nen Deutsch­lands ent­wi­ckel­te sich im 19. und 20. Jahr­hun­dert künf­tig der Weih­nachts­mann, eine Figur, die ihre Wur­zeln wie­der­um im Hei­li­gen Niko­laus hat, aber unab­hän­gi­ger und weni­ger kirch­lich geprägt ist.

Oder wie das jüngs­te Netz­kind ver­mu­tet: „Der Weih­nachts­mann und das Christ­kind sind Kol­le­gen, die bei­den arbei­ten bei Amazon.“

3 Gedanken zu „Weihnachtsmann oder Christkind?“

  1. Sehr schön. Vor allem die Ver­mu­tung des jüngs­ten Netz­kin­des. Den Ein­druck kann man haben. Inter­es­sant, dass ich eben auch einen Bei­trag zu Weih­nach­ten geschrie­ben habe. Da gings mehr ums Bling Bling.

  2. Ich wür­de dem jüngs­ten Netz­kind eben­falls Recht geben — das ist halt Team­work. Ange­sichts der wach­sen­den Erd­be­völ­ke­rung doch eigent­lich nach­voll­zieh­bar, dass einer allei­ne das nicht mehr stem­men kann.

  3. Das jüngs­te Netz­kind (mei­ne Groß­nich­te) ist schon immer ein Filou. Ich erin­ne­re mich, dass sie vor ein paar Jah­ren im Vor­schul­al­ter, gera­de mal ihren Namen lesen kön­nend, ihr Namens­schild auf alle mög­li­chen Weih­nachts­pa­ke­te geklebt hat, nach­dem sie ihre Geschen­ke bereits aus­ge­packt hat­te. Das sorg­te natur­ge­mäß für Ver­wun­de­rung beim Aus­pa­cken und für Erstau­nen bei eini­gen Anwe­sen­den, die rät­sel­ten näm­lich, wer dem Kind wohl Rasier­was­ser zu Weih­nach­ten schenkt. 😂

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