Was ist bloß mit Sahra los?

Vor eini­gen Jah­ren hat­te ich E‑Mail-Kon­takt mit Horst Mahler, RAF-Mit­grün­der und spä­te­rem Neo­na­zi. Im Rah­men einer Arbeit über neu­en Rechts­extre­mis­mus woll­te ich wis­sen, wie jemand poli­tisch von ganz links nach ganz rechts wan­dert. Mahler ant­wor­te­te, ver­stan­den hat­te ich wenig – dafür erreich­ten mich anschlie­ßend Droh­mails aus dem rechts­extre­men Umfeld, weil mei­ne Recher­che angeb­lich zu weit ging.

Geblie­ben ist mir der Ein­druck: Ein Intel­lek­tu­el­ler wie Mahler sah sich und sei­ne Bewe­gung als eli­tä­ren Zir­kel, des­sen ver­meint­li­che Über­le­gen­heit in All­machts­phan­ta­sien kipp­te. Gilt das auch für Par­tei­en die weit links stehen?

Die Huf­ei­sen­theo­rie – wonach sich poli­ti­sche Extre­me in ihren Posi­tio­nen annä­hern – gilt als wider­legt. Struk­tu­rel­le Par­al­le­len gibt es trotz­dem: Freund-Feind-Den­ken, Ver­ach­tung für plu­ra­lis­ti­sche Insti­tu­tio­nen, Nei­gung zu auto­ri­tä­ren Lösun­gen fin­den sich an bei­den Rändern.

Erklärt das, war­um Sahra Wagen­knecht in Sach­sen-Anhalt eine Zusam­men­ar­beit mit der AfD nicht aus­schließt – einer Par­tei, die der Ver­fas­sungs­schutz dort als gesi­chert rechts­extrem ein­stuft? Nach der Land­tags­wahl vom Sep­tem­ber 2026 scheint der Befund dif­fe­ren­zier­ter: Wagen­knecht lehnt die „Brand­mau­er” als star­ren Auto­ma­tis­mus ab und will mit allen Par­tei­en in der Sache spre­chen. Eine Koali­ti­on und die Wahl des AfD-Kan­di­da­ten zum Minis­ter­prä­si­den­ten schließt sie dage­gen bis­her zumin­dest aus­drück­lich aus, Koope­ra­tio­nen mit der AFD »für Ver­än­de­run­gen im Land, die sich die Bür­ger wün­schen«, jedoch nicht.

Blei­ben zwei Ansät­ze die sich nicht gegen­sei­tig aus­schlie­ßen: Ers­tens: rei­nes Kal­kül – dem stärks­ten Geg­ner der Alt­par­tei­en den Steig­bü­gel hal­ten, um im Wind­schat­ten dau­er­haft Stim­men zu bin­den und zwar bei denen, die den Posi­tio­nen der AFD nahe ste­hen die aber die AFD nicht unter­stüt­zen wollen. 

Oder Zwei­tens, dass die inhalt­li­chen Schnitt­men­gen zum Rechts­extre­mis­mus grö­ßer sind, als das BSW, bzw. ihre Grün­de­rin, zuge­ben will. 

Ich weiß nicht was schlim­mer wäre. 

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