Vom Hinrichtungswerkzeug zum Schmuck

Das Kreuz ist in sei­ner Sym­bo­lik und Erken­nungs­zei­chen der Chris­ten ist heu­te über­all: Es bau­melt an gol­de­nen Kett­chen, ver­staubt in Herr­gotts­win­keln, klebt als Bekennt­nis auf Stoß­stan­gen oder dient als modi­sches State­ment auf täto­wier­ter Haut. Natür­lich ziert es auch die Kir­chen, wo die dazu­ge­hö­ri­ge Mytho­lo­gie als bekannt vor­aus­ge­setzt wer­den darf.

Jesus von Naza­reth wur­de sei­ner­zeit wegen angeb­li­cher Schar­la­ta­ne­rie, Kri­tik am Estab­lish­ment der Pha­ri­sä­er und dem Vor­wurf der Mes­si­as-Anma­ßung von Pon­ti­us Pila­tus ver­ur­teilt. Die Römer erle­dig­ten den Rest und nagel­ten ihn ans Kreuz. Was heu­te oft als deko­ra­ti­ves Ele­ment in Gebrauch ist, war jedoch ein hoch­ef­fi­zi­en­tes Instru­ment der Qual, das bis zum Tod – und in der Mytho­lo­gie der Chris­ten, der dar­auf­fol­gen­den Oster-Legen­de, zu der Auf­er­ste­hung von den Toten führte.

Die medi­zi­ni­sche Rea­li­tät einer Kreu­zi­gung ist dabei wenig ästhetisch:
Der Pro­zess beginnt mit extre­men Schmer­zen durch mas­si­ve Ner­ven­ver­let­zun­gen. Es folgt eine fort­schrei­ten­de Erschöp­fung des Körpers
Der Kör­per hing mit aus­get­reck­ten Armen, so dass der Brust­korb in einer Posi­ti­on fixiert wur­de, die das Atmen erschwer­te. Ist der Delin­quent anfangs viel­leicht noch in der Lage, sich unter extre­men Schmer­zen mit den Bei­nen nach oben zu drü­cken, ist das nach eini­ger Zeit auf­grund zuneh­men­der Erschöp­fung nicht mehr mög­lich. Der Mensch erstickt.

Um die­sen Pro­zess zu beschleu­ni­gen, war es in der Zeit üblich, dem Ver­ur­teil­ten die Bei­ne zu bre­chen, damit das »Hoch­drü­cken« aus der Posi­ti­on nicht mehr mög­lich war. So grau­sam das klingt, es half den Ster­be­pro­zess erheb­lich zu beschleu­ni­gen. Aus qual­vol­len Stun­den oder gar Tagen wur­den so oft nur noch weni­ge Minuten.Das was oft­mals deko­ra­tiv um den Hals bau­melt, ist also neben der reli­giö­sen Sym­bo­lik schlicht und ein­fach ein Hinrichtungswerkzeug. 🐣

3 Gedanken zu „Vom Hinrichtungswerkzeug zum Schmuck“

  1. Sehr anschau­lich. Dei­ne detail­ier­te Schil­de­rung bringt mich zu der uner­war­te­ten Schluss­fol­ge­rung, dass frü­her ™ vie­les eben doch nicht bes­ser war.

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      • Das Leben des Bri­an — immer wie­der genial!
        Auch wenn ich den Film schon bestimmt ein Dut­zend Mal gese­hen habe, lache ich mich immer noch schim­me­lig, wenn ich den seh: man fin­det doch in den ein­zel­nen Sze­nen immer noch das eine oder ande­re, was einem beim betrach­ten des gan­zen Films am Stück ent­gan­gen ist.
        Es gibt übri­gens ein Gerücht, dass bei der Pres­se­spre­che­rin von Donald Trump, das um den Hals gehäng­te Kreuz von mal zu mal grö­ßer wird — qua­si als Sün­den-Aus­gleich für die gan­zen Lügen, die sie über ihren gelieb­ten Prä­si­den­ten in Rich­tung der Repor­ter rotzt.
        Bei dem Tem­po könn­te es sein, dass sie am Ende von Mr. Trumps Amts­zeit ein ähn­lich gro­ßes Kreuz trägt wie wei­land Jesus von Naza­reth auf sei­nem Weg zur Kreuzigung.
        Dazu ein Zitat aus ‘Leben des Bri­an’: “zur Kreu­zi­gung?”, “jaaa”, “zur Tür hin­aus, lin­ke Rei­he anstel­len, jeder nur ein Kreuz!..”

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