Lifestyle-Teilzeit

Die Debat­te um einen Rechts­an­spruch auf Teil­zeit, die aktu­ell auf dem CDU-Par­tei­tag geführt wird, ist lan­ge schon von der Rea­li­tät ad absur­dum geführt. Zur Erin­ne­rung: Der CDU-Wirt­schafts­rat hat – mit Unter­stüt­zung eini­ger CDU/C­SU-Poli­ti­ker – das Recht auf Teil­zeit­ar­beit grund­sätz­lich infra­ge gestellt. Mit dem Begriff der »Lifestyle«-Teilzeit soll­ten dabei jene dis­kre­di­tiert wer­den, die sich bewusst für ein Teil­zeit­mo­dell ent­schie­den haben. Bun­des­kanz­ler Merz unter­stütz­te die­se Argu­men­ta­ti­on im Vor­feld mit dem Hin­weis, dass sich mit „Work-Life-Balan­ce und Vier-Tage-Woche“ der Wohl­stand in Deutsch­land nicht sichern lasse.

Gleich­zei­tig sol­len Mini­jobs nach dem Wil­len der CDU wei­ter­hin weit­ge­hend unan­ge­tas­tet blei­ben. Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se bis zu der­zeit 603 Euro, die in der Regel steu­er- und sozi­al­ab­ga­ben­frei sind, füh­ren jedoch, zumin­dest als allei­ni­ge Erwerbs­tä­tig­keit, direkt in die Alters­ar­mut. Die Pro­ble­ma­tik: Gera­de Teil­zeit­be­schäf­tig­te grei­fen häu­fig zusätz­lich auf Mini­jobs zurück, um ihr Net­to-Ein­kom­men auf­zu­bes­sern. Die Arbeit­ge­ber unter­stüt­zen das: In Klein­be­trie­ben wird laut einer Stu­die des Insti­tuts für Arbeits­markt- und Berufs­for­schung über­wie­gend auf Mini­jobs gesetzt – sie sind dort längst nicht mehr die Aus­nah­me, son­dern viel­fach die Regel. Sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Voll­zeit-Beschäf­ti­gung wird dadurch zuneh­mend ver­drängt. Das ist seit Jah­ren bekannt.

Auch der OECD-Wirt­schafts­be­richt Deutsch­land 2025 weist aus­drück­lich auf die­ses Pro­blem hin und emp­fiehlt eine deut­li­che Rück­füh­rung der Mini­jobs. Die OECD stellt fest, dass 6 Mil­lio­nen Mini­job­ber in Haupt- oder Neben­be­schäf­ti­gung beschäf­tigt sind, in denen kei­ne eige­nen Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge anfal­len. Mini­job­ber ver­fü­gen ent­spre­chend über eine schwa­che sozia­le Absi­che­rung sowie gerin­ge Wei­ter­bil­dungs- und Auf­stiegs­mög­lich­kei­ten. Die Emp­feh­lung ist klar: Mini­jobs soll­ten künf­tig auf Schü­le­rin­nen und Schü­ler sowie Stu­die­ren­de beschränkt werden.

Die­se For­de­rung fin­det sich im Übri­gen in ähn­li­cher Form in den Pro­gram­men fast aller Par­tei­en. Selbst der Arbeit­neh­mer­flü­gel der CDU, die CDA, spricht sich dafür aus, Mini­jobs deut­lich einzuschränken.

Bun­des­kanz­ler Merz lässt das jedoch offen­bar unbe­ein­druckt. Statt sich mit den struk­tu­rel­len Pro­ble­men des Arbeits­mark­tes aus­ein­an­der­zu­set­zen, rich­tet sich die Kri­tik wei­ter­hin gegen die Beschäf­tig­ten. Offen­sicht­lich ist es leich­ter Arbeit­neh­mer zu dif­fa­mie­ren, als Unter­neh­men in die Pflicht zu neh­men, die haupt­säch­lich auf Mini­jobs setzen.

2 Gedanken zu „Lifestyle-Teilzeit“

  1. “Das ist seit Jah­ren bekannt.” Teil­wei­se oder viel­leicht sogar haupt­säch­lich auf die hoch­ge­lob­te Agen­da 2010 Schrö­ders zurück­zu­füh­ren. Von Merz wer­den wir nicht erwar­ten dür­fen, dass er auf sol­che Din­ge wie Alters­ar­mut ach­tet. Er möch­te ja, dass man am bes­ten bis zum Umfal­len im Job bleibt. Das könn­te “denen” so passen. 

    Wenn man sich über­legt, was es für die Ein­nah­men des Staa­tes bedeu­tet, wenn immer mehr gut bezahl­te Jobs (Auto­in­dus­trie u.v.a.m.) flö­ten gehen, scheint die Regie­rung auch nicht im Blick zu haben. Jeden­falls deu­tet wenig bis nichts dar­auf hin, dass im Zusam­men­spiel von Mini­jobs und die­ser Ent­wick­lung klar ist, dass schlim­me Zei­ten auf uns zukommen.

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    • @Horst: Der Ehren­ret­tung hal­ber muss man aller­dings sagen, dass die SPD unter Schrö­der mit den Mini­jobs die Schwarz­ar­beit ein­däm­men woll­te. Dass das so gra­vie­ren­de Aus­ma­ße anneh­men wür­de, hat die Regie­rung aller­dings bes­ten­falls ignoriert.

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