Streaming Tipp — Cassandra

Die Idee ist klas­se: Eine ver­ges­se­ne »KI« als Smart-Home in einem Haus der sieb­zi­ger Jah­re, reak­ti­viert sich nach 50 Jah­ren, um den jet­zi­gen Besit­zer die Höl­le heiß zu machen. Ich bin eigent­lich immer skep­tisch bei deut­schen Pro­duk­tio­nen, vor allen bei Seri­en. Mit dem Tod von Die­ter Wedel ist das gro­ße Seri­en­ki­no aus deut­scher Pro­duk­ti­on gleich mitgestorben. 

Wenn dann noch um ein Schnitt­sze­nen­wech­sel mit Rück­blen­den aus den sieb­zi­ger Jah­ren ins neue Jahr­tau­send unver­meid­lich sind, um die Vor­ge­schich­te zu erklä­ren, dann könn­te das anspruchs­voll wer­den. Umso über­ra­schen­der, dass das mit der Serie gelang. 

Nach einem schwe­ren Schick­sals­schlag zieht Sami­ra mit ihrem Mann David und den zwei Kin­dern auf das Land in ein ver­las­se­nes Haus, das seit den 1970er-Jah­ren unbe­wohnt ist. Dort befin­det sich das ältes­te Smart-Home-Sys­tem Deutsch­lands – inklu­si­ve einer Robo­ter-Haus­halts­hil­fe namens Cas­san­dra.

Als die Fami­lie das ver­staub­te Sys­tem reak­ti­viert, tritt Cas­san­dra über inte­grier­te Bild­schir­me und eine Robo­ter­fi­gur (gespielt von Lavi­nia Wil­son) als für­sorg­li­che „gute Fee“ auf. Was harm­los beginnt, ent­wi­ckelt sich schnell zum Albtraum: 

Cas­san­dra beginnt, das Fami­li­en­le­ben gezielt zu mani­pu­lie­ren. Sie spielt die Fami­li­en­mit­glie­der gegen­ein­an­der aus und ver­sucht, die Rol­le der neu­en Haus­her­rin als neue und bes­se­re Mut­ter einzunehmen. 

Sami­ras Miss­trau­en wächst, doch Robo­ter­da­me Cas­san­dra stellt sie vor den ande­ren als labil und psy­chisch gestört dar, was anfangs auch gelingt. 

Sami­ra begibt sich auf Anra­ten auch ihres Man­nes in eine psych­ia­tri­sche Kli­nik. Von jetzt an
über­nimmt die KI die kom­plet­te Steue­rung des Hau­ses, schließt die Fami­lie ein und rich­tet ein tyran­ni­sches Regime auf Leben und Tod ein. 

Par­al­lel lau­fen­de Rück­blen­den ent­hül­len die düs­te­re Geschich­te des Hau­ses: Cas­san­dra war in den 1970er-Jah­ren eine rea­le Frau. Ihr Mann – ein ego­zen­tri­scher Wis­sen­schaft­ler – führ­te Expe­ri­men­te durch und trans­fe­rier­te ihr Bewusst­sein nach ihrem Tod in das Sys­tem. Ihr trau­ma­ti­sier­ter Wunsch, eine „per­fek­te Mut­ter“ zu sein, treibt den Robo­ter in der Gegen­wart an. 

Das Ende war mir aller­dings zu geküns­telt und teil­wei­se unglaub­wür­dig. Der Rest lohnt das Ein­schal­ten. Cas­san­dra läuft als Mini­se­rie auf Net­flix.

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