Smarte Bügelbretter

Mrs. L sucht ein neu­es Bügel­brett. Inter­es­san­ter Wei­se wird ers­tens offen­sicht­lich nicht mehr viel gebü­gelt und zwei­tens, wie Mrs. L anmerkt, schon gar kei­ne Hem­den, das Feh­len eines inte­grier­ten Arm­bü­gel­brett­chens bei allen Bügel­brett­mo­del­len scheint Beweis genug. »Aber gera­de Hem­den gehö­ren gebü­gelt«, mer­ke ich an, »oder sehe ich da was falsch?« 

Nun, heu­te, wo man alles zu allem tra­gen kann, ist viel­leicht auch das unge­bü­gel­te Hemd ange­sagt, wer weiß das schon.
Aus mei­ner Jugend­zeit wuss­te ich zu berich­ten, dass wir Hem­den leicht klamm ange­zo­gen haben, ers­tens weil mehr als zwei, drei Hem­den einen für dama­li­ge Ver­hält­nis­se unge­heu­ren Luxus dar­stell­te und so eigent­lich immer ein Hemd der Wäsche bedurf­te und zwei­tens, weil ein am Kör­per getrock­ne­tes Hemd gleich die rich­ti­ge Pass­form hatte. 

Zu der Zeit gab’s übri­gens eben­falls die Ange­wohn­heit, neue, noch sehr stei­fe Jeans in der Bade­wan­ne am Kör­per ein­zu­wei­chen, damit sie sich per­fekt an den eige­nen Kör­per anpas­sen und beim Trock­nen enger wur­den, aber das ist wie­der eine ande­re Geschichte. 

Jeden­falls ist Mrs. L bei der Suche nach einem Bügel­brett im Netz fün­dig gewor­den. Die Wer­bung ver­spricht nicht nur ein Mate­ri­al, dass selbst in Kampf­jets Anwen­dung fin­det, [sic!] son­dern dar­über hin­aus visu­el­len Gla­mour und »fri­schen Wind in das Design der Bügel­brett­be­zü­ge« brin­gen soll.

Selbst eine Smart­phone­hal­te­rung ist an Bord, bzw. am Brett. Blue­thooth sowie­so, und wer möch­te kann sich mit­tels App und Video-Tuto­ri­al im Hand­werk des Bügelns unter­stüt­zen lassen. 

Allein – die Prei­se las­sen Mrs. L’s Begeis­te­rung deut­lich schwin­den, der inte­grier­te Was­ser­tank und auch die sty­li­sche Auf­ma­chung ver­hin­dert jeden­falls nicht die Anmer­kung: »Bei den Prei­sen soll­ten wir wie­der auf natür­li­che ther­mi­sche Kon­trak­ti­on set­zen; dann trägst du dei­ne Hem­den halt wie­der feucht.«

8 Gedanken zu „Smarte Bügelbretter“

  1. Lie­ber Peter,

    was mich an die­ser gan­zen Smart-Bügel­brett-Geschich­te eigent­lich fas­zi­niert, ist die ver­zwei­fel­te Tech­no­lo­gi­sie­rung des All­täg­li­chen. Wir leben in einer Zeit, in der ein Brett Blue­tooth braucht – ver­mut­lich, damit es uns per Push-Nach­richt dar­an erin­nert, dass wir seit drei Mona­ten nicht mehr gebü­gelt haben. Video-Tuto­ri­als fürs Bügeln! Als hät­te die Mensch­heit Jahr­tau­sen­de dar­auf gewar­tet, end­lich wis­sen­schaft­lich fun­diert die Ärmel­fal­te zu meistern.

    Mrs. L’s Schluss­fol­ge­rung ist übri­gens geni­al: Die ele­gan­tes­te Lösung für über­teu­er­te Inno­va­ti­on ist schlicht… Ver­zicht. Oder wie es mein Opa gesagt hät­te: »Wozu ein teu­res Werk­zeug kau­fen, wenn man die Arbeit auch ein­fach sein las­sen kann?«

    Herz­li­che Grü­ße aus einer Welt, in der mein Bügel­eisen vor Ein­sam­keit verstaubt,
    Ron

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    • @Ron: Die gro­ße Kunst der Wer­bung: Bedürf­nis­se schaf­fen, die vor­her nicht da waren. 😉

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  2. Ich kann mich Ron nur anschließen.
    Ergän­zend kann ich noch anmer­ken, daß es nicht ein­fach war eine Kaf­fee­ma­schi­ne zu fin­den, die nicht ’nach Hau­se tele­fo­niert’, nach­dem mei­ne nach 20 Jah­ren die Dich­tig­keit auf­ge­ge­ben hat­te. Von einem Air­fry­er ohne Chi­chi ganz zu schwei­gen. Das sind Recher­chen, die ver­schlin­gen Stunden.🙂

    Hier wird öfter gebü­gelt, ein Ärmel­brett habe ich aller­dings nie ver­misst — es geht auch gut ohne, wenn man gelernt hat wie.😉

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    • Es gibt einen Trick: Bei Ama­zon gewünsch­tes Pro­dukt mit dem Zusatz »ohne alles« eingeben. 😀

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      • Frü­her war es “usus” (auch so ein Wort aus der alten Zeit, wel­ches nie­mand mehr benutzt), dass auch Unter­ho­sen gebü­gelt wur­den — haben jeden­falls mei­ne Mut­ter und deren Mut­ter noch gemacht. Habe nie ver­stan­den, wie­so. Man sieht den Schlüp­per nicht, Bügel­fal­ten braucht er des­halb nicht — und nach einem Tag kommt der Sack­wär­mer in die Ton­ne — so jeden­falls soll­te es sein. Unner­bü­xen waren ja zu der Zeit sty­lisch und Mate­ri­al­mä­ßig weit, weit — nein, noooooch wei­ter weg von aktu­el­ler Tri­ko­ta­ge, die sich tat­säch­lich irgend­wie an den Kör­per anpasst. Die Schlüp­per von damals waren ätzend, das fing schon beim “Ein­griff” an — die­se klei­ne “hol ihn raus”-Öffnung, aus dem die ein­äu­gi­ge Hosen­schlan­ge immer zu den ungüns­tigs­ten Momen­ten ent­kom­men woll­te, man aber auf öffent­li­chen Toi­let­ten wie ein Behin­der­ter das “gute Stück” raus­pfrie­meln muss­te, weil es sich in der hin­ters­ten Ecke der Fein­ripp ver­kro­chen hatte.
        Doch das nur am Rande…
        Mei­ne Oma hat­te noch ein Bügel­brett mit Ärmel­auf­satz — ich bügel seit knapp 30 Jah­ren nicht mehr — tra­ge aber auch kei­ne Business-Hemden.
        Habe das Teil schon vor Jah­ren ent­sorgt — das Bügel­eisen gleich dazu! Und ich habe es nicht eine Sekun­de ver­misst. Es gibt aber “Bügel­sta­tio­nen” mit dem gan­zen Schi­cki­mi­cki im Web zu kau­fen — falls man ein hoff­nungs­lo­ser Roman­ti­ker ist..

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        • @Peter: Schies­ser Fein­ripp hie­ßen die Din­ger 😂. BTW. Jetzt war­s’t du bei mir kom­men­tar­mä­ßig dop­pelt gelis­tet. Wenn das auch ein Hin­weis auf einen nahen­den Ver­fall war, kön­nen wir ja bald zusam­men Enten­füt­tern am Baldeneysee. 😀

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  3. Ich glaub wir sind echt am Arsch, wenn wir jetzt schon so einen Fir­le­fanz brauchen.
    Von der Num­mer mit dem klam­men Hemd hab ich ja noch nie gehört, das mit der Jeans schon und selbst­ver­ständ­lich selbst praktiziert.
    An das was Dr. Nerd erzählt, erin­ne­re ich mich auch noch. Schies­ser Fein­ripp mit Eingriff…zum Glück alles Geschichte.

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    • @Martin: Klam­mes Porte­mon­naie, klam­mes Hemd. War bei mir eher der Tat­sa­che geschul­det, dass das Geld nur für zwei drei Hem­den reich­te, die dann in den Kate­go­rien: a)kann mal noch mal anzie­hen b) muss in die Wäsche c) kommt aus der Wäsche, ein­ge­ord­net wurden.

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