Sind alle Männer Monster?

In der Ber­li­ner Zei­tung pole­mi­siert die Jour­na­lis­tin Caro­la Tunk den Fall Chris­ti­an Ulmen – und ver­greift sich im Ton. 

[..|Als Frau emp­fin­det man ange­sichts sol­cher Berich­te Erschüt­te­rung und Resi­gna­ti­on, Wut und Trau­er, Ver­zweif­lung und Hoff­nungs­lo­sig­keit. Das Ver­trau­en in die Mann-Frau-Bezie­hung wur­de ent­täuscht, was schwe­rer wiegt als über­ge­ord­ne­te Zusam­men­hän­ge. Einen Kul­tur­be­trieb kann man viel­leicht refor­mie­ren. Aber ein gan­zes Geschlecht? Schwierig.

Aus­sicht­los ist die Lage trotz­dem nicht. Die bru­ta­le Wahr­heit ist aller­dings zunächst ein­mal: In jedem Mann schlum­mert ein Mons­ter. [..] Caro­la Tunk — berliner-zeitung.de

Generalverdacht als Ersatz für Argumente

Die Debat­te um den Fall Chris­ti­an Ulmen lie­fert ein­mal mehr das per­fek­te Bei­spiel dafür, wie schnell der Wunsch nach media­ler Auf­merk­sam­keit den gesun­den Men­schen­ver­stand frisst. Ihre The­se, in jedem Mann schlum­me­re ein poten­zi­el­les Mons­ter, mag zwar für klick­star­ke Schlag­zei­len sor­gen, ist aber genau­so ver­kehrt, wie die Aus­sa­ge, dass alle Blon­din­nen blöd sind. Es ist schon eine bemer­kens­wer­te intel­lek­tu­el­le ein­sei­ti­ge Abkür­zung, eine gesam­te Bevöl­ke­rungs­grup­pe unter Gene­ral­ver­dacht zu stel­len. Die­se Form der Ver­all­ge­mei­ne­rung ist in ihrem Kern selbst diskriminierend. 

Anstatt sich der Mühe einer aus­ge­wo­ge­nen Ana­ly­se zu unter­zie­hen, flüch­tet sich Caro­la Tunk in ein ver­ein­fa­chen­des, pola­ri­sie­ren­des Welt­bild. Neben­bei bemerkt: Im Fall Ulmen – wie in jedem ande­ren auch – ist die Unschulds­ver­mu­tung in Deutsch­land fun­da­men­ta­ler Aus­druck eines Rechtsstaats.

Eine vor­schnel­le Ver­ur­tei­lung scha­det nicht nur dem Ver­däch­ti­gen mas­siv, son­dern wider­spricht auch dem Prin­zip eines fai­ren Ver­fah­rens, das wir uns als zivi­li­sier­te Gesell­schaft eigent­lich müh­sam erkämpft haben. Gewalt ist ein viel­schich­ti­ges Phä­no­men. Die abs­trak­te Ver­ein­fa­chung der Debat­te, Mann = Mons­ter, führt letzt­lich dazu, dass die Ver­ant­wor­tung im kon­kre­ten Ein­zel­fall hin­ter hypo­the­ti­schen Theo­rien verschwindet.

Soll­ten sich die Vor­wür­fe gegen Ulmen bewahr­hei­ten, gehört er hart bestraft – kei­ne Fra­ge. Ein gan­zes Geschlecht des­we­gen zu dis­kre­di­tie­ren, gleicht einem intel­lek­tu­el­len Tief­flug und hat mit seriö­sem Jour­na­lis­mus, auch als Pole­mik, nichts zu tun. 

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