Schöner Leben mit Bürgergeld?

Immer und immer wie­der hört und liest sich die Debat­te um das Bür­ger­geld als eine als eine not­wen­di­ge Dis­kus­si­on einer ver­meint­li­chen Fehl­ent­wick­lung im deut­schen Sozi­al­recht mit der Not­wen­dig­keit schnells­ter Reformierung.

Ist das nun eine Som­mer­loch­pos­til­le, oder ist das Bür­ger­geld wirk­lich ein bedin­gungs­lo­ses Grund­ein­kom­men, mit dem man unter Addi­ti­on von Mie­te und Neben­kos­ten, eben­falls auf Staats­kos­ten, ein stress­frei­es und ange­neh­mes Leben füh­ren kann? Der Minis­ter­prä­si­dent und Influen­cer Mar­kus Söder hat in den letz­ten Tagen ein­mal mehr die Kam­pa­gne los­ge­tre­ten, indem er for­der­te, hier leben­den Ukrai­nern das Bür­ger­geld zu streichen.

Es mag sicher Miss­bräu­che beim Bezug von Bür­ger­geld geben, ich bin aber davon über­zeugt, dass es sich bei den Emp­fän­ger von Bür­ger­geld um Men­schen han­delt, die sich­re nicht frei­wil­lig am Exis­tenz­mi­ni­mum leben. Der Regel­be­darf für das Bür­ger­geld beträgt 563 Euro, dazu kommt die Über­nah­me von Mie­te und Hei­zung, bzw. Neben­kos­ten, aller­dings nur für einen ange­mes­se­nen Aufwand.

Die­sen „ange­mes­se­nen Auf­wand“ legen die Län­der fest. In der Regel heißt das aber: Woh­nung und Neben­kos­ten wer­den im unte­ren Bereich des jewei­li­gen Miet­spie­gels über­nom­men. Jeder Euro dar­über muss von den 563 Euro abge­führt wer­den. Für die Haus­halts­kos­ten steht oft­mals nur gut die Hälf­te des Regel­sat­zes zur Ver­fü­gung. Für Essen dürf­ten nicht sel­ten nur ein paar Euro täg­lich zur Ver­fü­gung ste­hen, Man­gel­er­näh­rung somit unum­gäng­lich. Gerüch­ten zufol­ge sol­len Rat­schlä­ge zur Nut­zung der Sozi­al­kü­chen und Tafeln die pre­kä­re Situa­ti­on etwas ent­span­nen. Mal abge­se­hen davon, dass es in einem der reichs­ten Län­der der Welt eigent­lich kei­ne Tafeln geben soll­te, sind die­se im Gegen­teil bereits über­lau­fen und sehen sich in der Zwangs­la­ge eines Aufnahmestopps.

Selbst­re­dend muss die Ver­wen­dung staat­li­cher Leis­tun­gen, d.h. Hil­fen für Bedürf­ti­ge, finan­ziert durch die Gemein­schaft aus Steu­er­mit­teln, über­wacht und kon­trol­liert wer­den, Miss­brauch ver­folgt und abge­stellt werden.

Wer als Poli­ti­ker mit einem Jah­res­ge­halt der ein­kom­mens­stärks­ten Bevöl­ke­rung, eben­falls ali­men­tiert durch die Gemein­schaft aus Steu­er­mit­teln, pau­scha­le Kür­zun­gen oder gar Abschaf­fun­gen bei denen for­dert, die in Armut leben oder von Armut bedroht sind, han­delt jeden­falls zutiefst unanständig.

4 Gedanken zu „Schöner Leben mit Bürgergeld?“

  1. Hal­lo Peter,
    die­se gan­ze Dis­kus­si­on ist sowas von Donald Trump — da könn­te ich strahlkotzen!
    Ich war sel­ber bereits 2 mal in mei­nem Leben Hartz IV Emp­fän­ger — da bis­te als Ü50 Jah­re alter ITler schnel­ler wie Du gucken kannst. Ich weiß nicht, wie man­che Men­schen dar­auf kom­men, dass man da in einer sozia­len Hän­ge­mat­te ist. Aber wer sowas nie mit­ge­macht hat, der kann ja schlau kacken, vor allem wenn in den Medi­en schon alles schön vor­ge­kaut wird. Sel­ber den­ken ist ja sowas von 1980.. Wie in den USA wird dann imer schnell die Schuld auf die “Sozi­al­schma­rot­zer” gescho­ben, die den armen weni­gen berufs­tä­ti­gen Men­schen das Steu­er­geld klau­en. Nichts davon ist wahr! Ja, es gibt Clans, die Sozi­al­be­trug berufs­tä­tig betrei­ben. Was wird dage­gen getan? Nix. Heißt immer: kein Geld für da. Wür­de man dort anset­zen und die­sen Betrug stop­pen, dann wären die dafür benö­tig­ten Beam­ten auf Lebens­zeit und 3 Gene­ra­tio­nen Kin­der und Kin­des­kin­der finan­ziert. Will aber kei­ner! Weil die­se Beam­ten dann viel­leicht auch mal die Steu­er­sün­der, die ganz weit oben sit­zen und mehr Koh­le am Fis­kus vor­bei­schleu­sen, als es der böse Bür­ger­geld­emp­fän­ger jemals könn­te, genau­er unter die Lupe neh­men. Wes­halb wer­den denn enga­gier­te Staaats­an­wäl­te und Rich­te­rin­nen abge­sägt oder denun­ziert? Damit das ver­dor­be­ne Pack, das ganz oben sitzt wei­ter sei­ne Mil­lio­nen und Aber­mil­lio­nen an der Steu­er­be­hör­de vor­bei schleu­sen kann. Das Land hier ist USA 2.0 — soll­ten wir lang­sam realisieren..

    • Hal­lo Peter, 

      Der Begriff Bür­ger­geld ist mei­nes Erach­tens bereits irre­füh­rend und falsch gewählt, das hat sowas von finan­zi­el­lem Wohl­ge­fühl. Man soll­te es als das benen­nen, was es ist: Existenzminimum. 

      Gruß aus dem Sauerland

  2. Ich war auch zwei­mal in mei­nem Leben über eini­ge Mona­te arbeits­los. Ich habe eine Idee, wie man sich fühlt – auch die Angst davor, Hartz IV-Emp­fän­ger zu wer­den, ist mir des­halb nicht ganz fremd. Trotz­dem fin­de ich die Art, wie mit unse­rem Steu­er­geld umge­gan­gen wird, nicht in Ord­nung. Deutsch­land mag ein ver­mö­gen­des Land sein, sei­ne Bewoh­ner sind es lei­der nicht. Kürz­lich wur­de eine Stu­die ver­öf­fent­licht, nach der die Hälf­te unse­rer Bevöl­ke­rung unter 2000 EUR als Not­gro­schen zur Ver­fü­gung hat. Das ist eine erschre­cken­de Zahl, und sie hat im Ver­gleich zu ande­ren Län­dern auch die Ursa­che, dass das Immo­bi­li­en­ver­mö­gen hier so ver­gleichs­wei­se gering ist.

    Ich fürch­te, dass wir die­se Art von “Groß­zü­gig­keit”, die von links als gott­ge­ge­ben betrach­tet wird, gegen­über all denen, die nie irgend­was in unse­re Sozi­al­sys­te­me ein­ge­zahlt haben, nicht mehr lan­ge auf­recht­erhal­ten kön­nen. Wir sind im Arsch. Bedau­er­li­cher­wei­se spre­chen alle mög­li­chen Indi­ka­to­ren in die­ser Hin­sicht eine deut­li­che Spra­che. Dar­an hat sich unter der neu­en Regie­rung nichts geän­dert. Aber die Klar­heit hat sich verstärkt.

    • Hal­lo Horst,

      klar muss der Miss­brauch staat­li­cher Leis­tun­gen ver­folgt wer­den, Ich weh­re mich nur dage­gen, Bezie­her des Exis­tenz­mi­ni­mums zu stig­ma­ti­sie­ren. Es mag die unter­schied­lichs­ten Grün­de geben, war­um jemand nicht arbei­ten kann, ich den­ke aber, dass wir eine Ver­pflich­tung haben, allen Bür­ge­rin­nen und Bür­gern eine Lebens­grund­la­ge zu ermög­li­chen. Ich war letz­tes Jahr im ehe­ma­li­gen Kriegs­ge­biet im Koso­vo, dort gibt es nach Zusam­men­bruch Jugo­sla­wi­ens über­haupt kei­ne staat­li­chen Leis­tun­gen mehr. Was ich dort gese­hen habe, hat mich geer­det. Fami­li­en hau­sen in abbruch­rei­fen Häu­sern ohne Türen und Fens­ter und ernäh­ren sich von Essen­res­ten, die Kin­der gehen bet­teln. Ich kann ver­ste­hen, dass wenn jemand hart arbei­tet und so gera­de klar kommt, sau­er ist. Das liegt aber nicht an den Sozi­al­hil­fe­emp­fän­gern, son­dern meist an feh­len­der Tarif­bin­dung und in Fol­ge nied­ri­ger Löh­ne. Wenn ich mir den jähr­li­chen Bericht vom Bund der Steu­er­zah­ler anse­he, dann gibt es sicher­lich noch genug Ein­spar­mög­lich­kei­ten, ohne dass wir dafür das Exis­tenz­mi­ni­mum zur Dis­kus­si­on stel­len müssen.

      Gruß aus dem Sauerland

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