Sanierungsfall SPD

Man könn­te fast Mit­leid haben, wäre die aktu­el­le Mise­re der SPD nicht das Ergeb­nis einer jahr­zehn­te­lan­gen, kon­se­quen­ten Selbst­ver­leug­nung. Nach dem his­to­ri­schen Tief­schlag in Baden-Würt­tem­berg folgt nun in Rhein­land-Pfalz die nächs­te Quit­tung des Sou­ve­räns – eine Wahl­klat­sche mit Ansa­ge, die deut­lich macht: Die eins­ti­ge Volks­par­tei ist nicht mehr nur im Umfra­ge­tief, sie ist ein poli­ti­scher Sanierungsfall.

Vie­le die­ser ver­lo­re­nen Stim­men dürf­ten zur AfD abge­wan­dert sein. Das ist kein Zufall, son­dern das Ergeb­nis eines jahr­zehn­te­lan­gen Ver­rats an den eige­nen Wäh­lern. Das macht es nicht bes­ser oder ent­schuld­bar – ganz im Gegen­teil. Die SPD war immer eine Arbei­ter­par­tei, sie war es, die neben den Gewerk­schaf­ten, die Inter­es­sen der abhän­gig Beschäf­tig­ten gegen das Kapi­tal vertrat. 

Gerhard Schröder – Totengräber der SPD?

Seit im Jah­re 1998 der Sozi­al­de­mo­krat, Ger­hard Schrö­der als »Genos­se der Bos­se« im teu­ren Brio­ni Anzug das Ruder über­nahm und sei­ne Visi­on eines Sozi­al­staats in einer Agen­da 2010 vor­stell­te, ist das vor­bei. Wir erin­nern uns: Unter Schrö­der Füh­rung wur­de Hartz IV gebo­ren, fak­tisch eine Zusam­men­le­gung von Arbeits­lo­sen­hil­fe & Sozi­al­hil­fe. Die Bezugs­dau­er von Arbeits­lo­sen­geld wur­de ver­kürzt und der Auf­bau pre­kä­rer Jobs geför­dert. Schrö­der initi­ier­te einen kom­plet­ten Umbau des Sozi­al­staats, wie in noch nicht ein­mal die CDU gewagt hät­te und senk­te gleich­zei­tig die Steu­ern für Unter­neh­men. Das Ergeb­nis ist bekannt: Der Nied­rig­lohn­sek­tor ist extrem gewach­sen, zudem hat die Armut und Ver­un­si­che­rung in der Bevöl­ke­rung zugenommen. 

Arbei­ter und Ange­stell­te fühl­ten sich zu Recht von »ihrer« SPD ver­ra­ten und quit­tier­ten die Bun­des­tags­wahl 2009 mit dem his­to­ri­schen schlech­ten Ergeb­nis der SPD von 23 Pro­zent, was einer Hal­bie­rung der Ergeb­nis­se zu allen Wah­len vor Schrö­der gleichkam.

Bis heu­te haben sich die Sozi­al­de­mo­kra­ten davon nicht erholt, waren aber auf­grund des Auf­kom­mens klei­ne­rer Par­tei­en und der Zer­split­te­rung des Par­tei­en­sys­tems trotz­dem in den letz­ten Jah­ren, 2009 – 2013, in Regierungsverantwortung. 

Bei der Bun­des­tags­wahl 2025 hol­te die SPD mit 16,4 Pro­zent ihr his­to­risch schlech­tes­tes Ergebnis.
Seit­dem geht’s für die Sozi­al­de­mo­kra­ten bestän­dig bergab. 

Ist die SPD ein Sanierungsfall?

Die bei­den letz­ten Ergeb­nis­se las­sen nur einen Schluss zu: Die SPD ist ein Sanie­rungs­fall und muss sich umfang­reich neu auf­stel­len. Auch auf die Gefahr hin die Koali­ti­on zu spren­gen, ist die Rück­be­sin­nung auf eine Par­tei der Arbei­ter und mitt­le­ren Ange­stell­ten die ein­zi­ge Mög­lich­keit der SPD, so sie nicht in der Ver­sen­kung ver­schwin­den möch­te. Wo bleibt der Auf­schrei, als Merz den Deut­schen vor­warf, zu wenig zu arbei­ten und das Arbeits­zeit­ge­setz zu »refor­mie­ren« ver­spricht? Wo bleibt der Pro­test zu Ren­ten­kür­zun­gen? Fast unwi­der­spro­chen auch die Vor­schlä­ge des CDU-Wirt­schafts­rats. Es ist gera­de­zu ein Trep­pen­witz der Geschich­te, wenn ein CDU-Mann wie Karl-Josef Lau­mann auf dem eige­nen Par­tei­tag lei­den­schaft­li­cher gegen Sozi­al­ab­bau wet­tert als die gesam­te SPD-Füh­rung zusam­men. Wenn die Oppo­si­ti­on den Sozi­al­staat ver­tei­di­gen muss, weil die Regie­rungs­par­tei mit sich selbst beschäf­tigt ist, weiß man: Hier stimmt etwas im Fun­da­ment nicht. 

Die Zeit der kos­me­ti­schen Kor­rek­tu­ren ist vor­bei. Wenn die SPD nicht als his­to­ri­sche Fuß­no­te enden will, muss sie end­lich wie­der ler­nen, ech­te Empö­rung zu zei­gen – und zwar dort, wo ihren Wäh­lern wirk­lich Sor­gen haben. Die Sozi­al­de­mo­kra­ten wären gut bera­ten, ihr Füh­rungs­per­so­nal aus­zu­tau­schen und sich vehe­ment auf ihre alten Wer­te zu besin­nen. Es steht näm­lich zu befürch­ten, dass sich ansons­ten aus­ge­rech­net die rechts­extre­me AFD als neue »Arbei­ter­par­tei« aus­ru­fen lässt, die bei den bei­den Land­tags­wah­len ca. ein Fünf­tel der Stim­men auf sich ver­ei­nen konnte.

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