Saisonwechsel

Eigent­lich ist mir eine gewis­se Eitel­keit nicht fremd. Nicht in der Schnee­witt­chen­ver­si­on, son­dern eher in Form gepfleg­ter Klei­dung. Unei­gent­lich und in der Pra­xis weicht der Wunsch­ge­dan­ke z.B. einen Maß­an­zug zu tra­gen, man­geln­der Offer­te im Klei­der­schrank und stan­des­ge­mä­ßen Gelegenheiten. 

Will sagen: In der Pra­xis hole ich mei­ne inzwi­schen bestimmt zwan­zig Jah­re alte Jeans­ja­cke im Mai aus dem Schrank, schnei­de mit der Sche­re ers­te Auf­lö­sungs­er­schei­nun­gen am Kra­gen ein­fach ab und nut­ze die­se tag­täg­lich und zwar so lan­ge, bis Mrs. L fest­stellt, dass eine Wäsche einer all­ge­mei­nen Sozi­al­ver­träg­lich­keit durch­aus ent­ge­gen­kom­men würde.

Na jeden­falls las­sen die Tem­pe­ra­tu­ren im Sau­er­land inzwi­schen den stra­te­gi­schen Aus­tausch von Win­ter- gegen Som­mer­gar­de­ro­be zu. Dach­te ich. Denn besag­te Jacke glänz­te im Dach­bo­den-Exil durch Abwesenheit.
Die Jacke für den Som­mer, eben­die­se Jeans­ja­cke, befand sich nicht mehr im Win­ter­quar­tier, son­dern war schlicht­weg unauf­find­bar. Da Mr. L am Tag des ver­such­ten Sai­son­be­klei­dungs­wech­sels nicht zuge­gen war, konn­te ich natür­lich auch nicht fra­gen, was ich durch exzes­si­ves Flu­chen kompensierte.

Gleich­wohl war nicht nur die Jacke, son­dern die gesam­te Som­mer­kol­lek­ti­on, die in mei­nem Fall ohne­hin eher an einen über­schau­ba­ren tex­ti­len Schluss­ver­kauf in Form einer wei­te­ren Jacke erin­nert, spur­los ver­schwun­den. Mei­ne Ver­mu­tung: Mrs. L hat­te das Prin­zip der sai­so­na­len Ein­la­ge­rung kur­zer­hand durch kon­se­quen­te Ent­sor­gung ersetzt und die Jacke dem Rest­müll überordert. 

Ent­spre­chend war mei­ne Lau­ne nach einem halb­stün­di­gen Such­gang. Eine KI hät­te nicht mehr Schimpf­wör­ter und Flü­che erfin­den können. 

Offen­sicht­lich war nicht nur die­se Jacke, son­dern mein gesam­tes Ord­nungs­sys­tem in Fra­ge gestellt worden. 

War­um mein gesam­ter Som­mer­ja­cken­be­stand dann einen Tag spä­ter an ande­rer Stel­le wie­der auf­tauch­te, ent­zieht sich mei­ner Erkennt­nis, nicht aber der Erin­ne­rung von Mrs. L: »Du hast die Jacken dort sel­ber hin­ge­legt, um Platz für die Herbst­sa­chen zu schaf­fen«, bemerk­te sie süffisant.

2 Kommentare zu „Saisonwechsel“

  1. Okay, damit ist klar: ich bin nicht der ein­zi­ge, der so lang­sam anfängt Gedächt­nis­lü­cken in der Grö­ße einer Kalen­der­wo­che zu haben. Will­kom­men im Club, Oppa.. 😉

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