
Karl Marx sah im Kapital etwas, das sich selbst verwertet und nur durch die Ausbeutung von Lohnarbeit wachsen kann. Ich glaube jedoch, dass man das heute differenzierter betrachten muss. Für Kapitalisten wie Merz steht weniger die marxsche Ausbeutungstheorie im Fokus als vielmehr der Kapitalmarkt selbst. Geld verdient Geld – das ist die eigentliche Logik, wenn nicht sogar die Religion der Reichen und Superreichen.
Wenn Elon Musk sein Vermögen schrumpfen sieht, fusioniert er kurzerhand zwei seiner Unternehmen. In der Folge steigt der Aktienkurs, und die Bilanzen stimmen wieder.
Merz hat in seiner Zeit bei BlackRock Ähnliches gelernt. Entscheidend für die Kapitalbasis ist oft weniger das Produkt als die Geschichte, die darum erzählt wird. Aktien gelten als der große Trend – hier am Aktienmarkt entsteht Wohlstand. Allerdings auch nur für Leute, die bereits Geld haben.
Für den glücklosen ehemaligen Finanzminister Christian Lindner war die Finanzierung zukünftiger Renten beispielsweise vor allem deshalb ein Problem, weil nicht stärker auf Aktien gesetzt wird. Seine Idee war, der Bund solle mit öffentlichen Mitteln einen Kapitalstock aufbauen, um aus den erwarteten Erträgen ab Mitte der 2030er Jahre die Rentenbeiträge zu stabilisieren. Im Kern bedeutet das: Der Staat würde Milliardenschulden aufnehmen, um das Geld an der Börse »für sich arbeiten zu lassen«.
In einer Talkrunde fragte Merz eine Teilnehmerin allen Ernstes, wie viele ihrer vier Kinder bereits ein Kapitalkonto hätten.
Den Kapitalisten um Merz, Lindner und Co. muss man allerdings zugestehen, dass sie die Welt offenbar mit einem goldenen Löffel im Mund begrüßt hat. Denn um Geld für sich arbeiten zu lassen, braucht man vor allem eines: Geld. Wenn man reich werden will — viel Geld.
Durch Arbeit jedenfalls ist noch niemand reich geworden.
Für Normalverdiener ist die Aussicht, über den Aktienmarkt ein Vermögen zu machen dagegen in der Regel wenig hilfreich.
Da weiß ich auch nicht, was ich glauben soll: ein Wirtschaftswissenschaftler meinte mal: Eine Aktie verkörpert einen Wert- der durch eine Firma körperlich dargestellt wird. Wenn ich die Aktie für 1€ kaufe und 3 Tage später für 11€ verkaufe, ohne das sich der Aktiengeber wirtschaftlich verändert hat, dann schöpfe ich 10€ aus dem nichts, ohne das ein Wert dahinter steht. Das führt dann zu einer Blase, die irgendwann platzt und viele um ihr Geld bringt…
Auf diesem System soll Rente aufbauen??? Hä? Was habe ich da falsch verstanden???
@Wolf: Ich will ja nicht abstreiten, dass bei ETF, also “Streufonds” eine gewisse Dividende möglich ist und diese auch höher ist als auf dem Sparbuch. Was mich stört ist das religiöse Mantra, die Allheilwirkung von Aktien. Im Grunde sind Aktien eine Wette auf die Zukunft und ja, der ein oder andere wird auch reich dabei, aber nur dann, wenn ich bereit bin, auch mal hunderttausend Euro zu verlieren. Das erzähl mal dem Malocher im Stahlwerk oder dem Handwerker, der am Ende seine Ausgaben nur mit Schwarzarbeit gedeckt kriegt.
Hallo Peter,
ja, das Thema ETFs ist ja auf TikTok Omnipräsent. Da geben “Moneycoaches” mit ihren dicken Autos an, vor denen sie stehen — haben aber dabei ein Businesshemd an mit dem DB-Logo am Revers. Ich glaube das Wort seriöser Anlageberater trifft da nur bedingt zu — vor allem weil jeder, der Zweifel anmeldet als “Ungläubiger” angesehen wird.
Dass man durch Aktien reich werden kann ist nicht neu. Es gibt nur ein Problem: man muss wissen welche Aktie die richtige ist. Das wissen meistens nur Leute, die sich seit Jahren mit Aktien aus einem bestimmten Segment beschäftigen.
Das langfristige vertragliche einzahlen in Fonds mache ich niemals. Da kann aus einem kleinen Vermögen auch mal ein kleines Nichts entstehen — denn Aktien haben keinen Wert sondern sind nur bedrucktes Papier. Wert bekommen sie wenn sie begehrt sind und es mehr Käufer gibt als Aktien (und wenn Gewinne erwirtschaftet werden). Im schlimmsten Fall geht es einem Aktionär wie es bei VARTA war. Firma insolvent — Aktien wurden von der Börse genommen — Geld futsch. Bei ETFs wird das Geld der Anleger zwar auf viele Aktien verteilt und damit das Risiko gestreut — der Verlust von einer Aktie wird durch den Gewinn einer anderen aufgefangen, aber es gibt keine Garantie auf einen festen Gewinn.
Aktienspekulationen ist was für Spieler, die in Spielcasinos nicht an die Roulette-Tische dürfen aber trotzdem zocken wollen: man muss die Kohle dafür übrig haben und wenn man verliert, darf es nicht so weh tun, dass man aus Verzweiflung weiterspielt um wenigstens die verzockte Miete zurück zu gewinnen.
Und es ist immer gut, wenn man den Croupier kennt und bei welcher Zahl er die geheime Bremse betätigt. Richtig reich wirst Du nur durch Insidergeschäfte. Frag mal den Merz, der kennt sich ja aus. Oder den Scholzi — aber der hat ja leider immer so Gedächtnislücken,
@Peter: Mit Aktien ist das wie im wahren Leben, es wird immer auf den großen Haufen geschissen. Meiner Meinung nach hat das mit seriöser Altersvorsorge nichts zu tun. Ich denke, Rentenzahlungen gehören ebenso wie Gesundheit und Grundversorgung in staatliche Hände und nicht in die windiger Börsen- oder Versicherungsmakler. Kannst Du dich noch an die Anfänge der Riester Rente erinnern. Verdient hat nur die Versicherungsbranche. Maschmeyer sprach damals vom größten Deal aller Zeiten für seine Branche. Aus lauter Dankbarkeit hat er seinerzeit Bundeskanzler a.D. Schröder 2 Mio. Euro überwiesen.