Reich durch Aktien?

Die Annah­me, Fried­rich Merz sei ein beson­ders zyni­scher Kapi­ta­list, muss ich revi­die­ren. Was er so von sich gibt, über das Geld ver­die­nen am Akti­en­markt, meint er offen­bar genau so.

Karl Marx sah im Kapi­tal etwas, das sich selbst ver­wer­tet und nur durch die Aus­beu­tung von Lohn­ar­beit wach­sen kann. Ich glau­be jedoch, dass man das heu­te dif­fe­ren­zier­ter betrach­ten muss. Für Kapi­ta­lis­ten wie Merz steht weni­ger die marx­sche Aus­beu­tungs­theo­rie im Fokus als viel­mehr der Kapi­tal­markt selbst. Geld ver­dient Geld – das ist die eigent­li­che Logik, wenn nicht sogar die Reli­gi­on der Rei­chen und Superreichen.

Wenn Elon Musk sein Ver­mö­gen schrump­fen sieht, fusio­niert er kur­zer­hand zwei sei­ner Unter­neh­men. In der Fol­ge steigt der Akti­en­kurs, und die Bilan­zen stim­men wieder.

Merz hat in sei­ner Zeit bei Black­Rock Ähn­li­ches gelernt. Ent­schei­dend für die Kapi­tal­ba­sis ist oft weni­ger das Pro­dukt als die Geschich­te, die dar­um erzählt wird. Akti­en gel­ten als der gro­ße Trend – hier am Akti­en­markt ent­steht Wohl­stand. Aller­dings auch nur für Leu­te, die bereits Geld haben. 

Für den glück­lo­sen ehe­ma­li­gen Finanz­mi­nis­ter Chris­ti­an Lind­ner war die Finan­zie­rung zukünf­ti­ger Ren­ten bei­spiels­wei­se vor allem des­halb ein Pro­blem, weil nicht stär­ker auf Akti­en gesetzt wird. Sei­ne Idee war, der Bund sol­le mit öffent­li­chen Mit­teln einen Kapi­tal­stock auf­bau­en, um aus den erwar­te­ten Erträ­gen ab Mit­te der 2030er Jah­re die Ren­ten­bei­trä­ge zu sta­bi­li­sie­ren. Im Kern bedeu­tet das: Der Staat wür­de Mil­li­ar­den­schul­den auf­neh­men, um das Geld an der Bör­se »für sich arbei­ten zu lassen«.

In einer Talk­run­de frag­te Merz eine Teil­neh­me­rin allen Erns­tes, wie vie­le ihrer vier Kin­der bereits ein Kapi­tal­kon­to hätten.

Den Kapi­ta­lis­ten um Merz, Lind­ner und Co. muss man aller­dings zuge­ste­hen, dass sie die Welt offen­bar mit einem gol­de­nen Löf­fel im Mund begrüßt hat. Denn um Geld für sich arbei­ten zu las­sen, braucht man vor allem eines: Geld. Wenn man reich wer­den will — viel Geld.

Durch Arbeit jeden­falls ist noch nie­mand reich geworden. 

Für Nor­mal­ver­die­ner ist die Aus­sicht, über den Akti­en­markt ein Ver­mö­gen zu machen dage­gen in der Regel wenig hilfreich. 

4 Gedanken zu „Reich durch Aktien?“

  1. Da weiß ich auch nicht, was ich glau­ben soll: ein Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler mein­te mal: Eine Aktie ver­kör­pert einen Wert- der durch eine Fir­ma kör­per­lich dar­ge­stellt wird. Wenn ich die Aktie für 1€ kau­fe und 3 Tage spä­ter für 11€ ver­kau­fe, ohne das sich der Akti­en­ge­ber wirt­schaft­lich ver­än­dert hat, dann schöp­fe ich 10€ aus dem nichts, ohne das ein Wert dahin­ter steht. Das führt dann zu einer Bla­se, die irgend­wann platzt und vie­le um ihr Geld bringt…
    Auf die­sem Sys­tem soll Ren­te auf­bau­en??? Hä? Was habe ich da falsch verstanden???

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    • @Wolf: Ich will ja nicht abstrei­ten, dass bei ETF, also “Streu­fonds” eine gewis­se Divi­den­de mög­lich ist und die­se auch höher ist als auf dem Spar­buch. Was mich stört ist das reli­giö­se Man­tra, die All­heil­wir­kung von Akti­en. Im Grun­de sind Akti­en eine Wet­te auf die Zukunft und ja, der ein oder ande­re wird auch reich dabei, aber nur dann, wenn ich bereit bin, auch mal hun­dert­tau­send Euro zu ver­lie­ren. Das erzähl mal dem Malo­cher im Stahl­werk oder dem Hand­wer­ker, der am Ende sei­ne Aus­ga­ben nur mit Schwarz­ar­beit gedeckt kriegt.

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  2. Hal­lo Peter,
    ja, das The­ma ETFs ist ja auf Tik­Tok Omni­prä­sent. Da geben “Money­coa­ches” mit ihren dicken Autos an, vor denen sie ste­hen — haben aber dabei ein Busi­ness­hemd an mit dem DB-Logo am Revers. Ich glau­be das Wort seriö­ser Anla­ge­be­ra­ter trifft da nur bedingt zu — vor allem weil jeder, der Zwei­fel anmel­det als “Ungläu­bi­ger” ange­se­hen wird.
    Dass man durch Akti­en reich wer­den kann ist nicht neu. Es gibt nur ein Pro­blem: man muss wis­sen wel­che Aktie die rich­ti­ge ist. Das wis­sen meis­tens nur Leu­te, die sich seit Jah­ren mit Akti­en aus einem bestimm­ten Seg­ment beschäftigen.
    Das lang­fris­ti­ge ver­trag­li­che ein­zah­len in Fonds mache ich nie­mals. Da kann aus einem klei­nen Ver­mö­gen auch mal ein klei­nes Nichts ent­ste­hen — denn Akti­en haben kei­nen Wert son­dern sind nur bedruck­tes Papier. Wert bekom­men sie wenn sie begehrt sind und es mehr Käu­fer gibt als Akti­en (und wenn Gewin­ne erwirt­schaf­tet wer­den). Im schlimms­ten Fall geht es einem Aktio­när wie es bei VARTA war. Fir­ma insol­vent — Akti­en wur­den von der Bör­se genom­men — Geld futsch. Bei ETFs wird das Geld der Anle­ger zwar auf vie­le Akti­en ver­teilt und damit das Risi­ko gestreut — der Ver­lust von einer Aktie wird durch den Gewinn einer ande­ren auf­ge­fan­gen, aber es gibt kei­ne Garan­tie auf einen fes­ten Gewinn.
    Akti­en­spe­ku­la­tio­nen ist was für Spie­ler, die in Spiel­ca­si­nos nicht an die Rou­lette-Tische dür­fen aber trotz­dem zocken wol­len: man muss die Koh­le dafür übrig haben und wenn man ver­liert, darf es nicht so weh tun, dass man aus Ver­zweif­lung wei­ter­spielt um wenigs­tens die ver­zock­te Mie­te zurück zu gewinnen.
    Und es ist immer gut, wenn man den Crou­pier kennt und bei wel­cher Zahl er die gehei­me Brem­se betä­tigt. Rich­tig reich wirst Du nur durch Insi­der­ge­schäf­te. Frag mal den Merz, der kennt sich ja aus. Oder den Schol­zi — aber der hat ja lei­der immer so Gedächtnislücken,

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  3. @Peter: Mit Akti­en ist das wie im wah­ren Leben, es wird immer auf den gro­ßen Hau­fen geschis­sen. Mei­ner Mei­nung nach hat das mit seriö­ser Alters­vor­sor­ge nichts zu tun. Ich den­ke, Ren­ten­zah­lun­gen gehö­ren eben­so wie Gesund­heit und Grund­ver­sor­gung in staat­li­che Hän­de und nicht in die win­di­ger Bör­sen- oder Ver­si­che­rungs­mak­ler. Kannst Du dich noch an die Anfän­ge der Ries­ter Ren­te erin­nern. Ver­dient hat nur die Ver­si­che­rungs­bran­che. Maschmey­er sprach damals vom größ­ten Deal aller Zei­ten für sei­ne Bran­che. Aus lau­ter Dank­bar­keit hat er sei­ner­zeit Bun­des­kanz­ler a.D. Schrö­der 2 Mio. Euro überwiesen.

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