Quo Vadis SPD?

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Die jüngs­te Umfra­ge in der Sen­dung »Bericht aus Ber­lin [ab Min.18]« hat es schwarz auf weiß gezeigt: Für die Mehr­heit der Befrag­ten ist die SPD schlicht kei­ne Arbei­ter­par­tei mehr. Das war zwar vor­her­seh­bar, aber als poli­ti­sches Urteil hat es die Wucht eines Vor­schlag­ham­mers. Wer die Zei­chen der Zeit so kon­se­quent igno­riert, braucht sich nicht zu wun­dern, wenn die Quit­tung an der Wahl­ur­ne jedes Mal schmerz­haf­ter ausfällt. 

Die Wäh­ler erwar­ten eine Rück­be­sin­nung auf das, was die­se Par­tei ein­mal groß gemacht hat. Es ist Zeit, das Pro­fil als ech­te Arbei­ter­par­tei zu schär­fen – und zwar mit Inhal­ten, die bei denen ankom­men, die die Mie­te bezah­len müssen. 

Die Erwar­tungs­hal­tung der Basis ist ein­deu­tig: Wer den Laden mit sei­ner täg­li­chen Arbeit am Lau­fen hält, darf nicht län­ger die Melk­kuh der Nati­on sein. Es ist ein poli­ti­sches Armuts­zeug­nis, dass klei­ne und mitt­le­re Ein­kom­men über­pro­por­tio­nal belas­tet wer­den, wäh­rend die gro­ßen Ver­mö­gen oft unge­scho­ren davon­kom­men. Eine SPD, die sich wie­der als Arbei­ter­par­tei ver­steht, muss die Pro­gres­si­ons­kur­ve radi­kal zu Guns­ten klei­ner und mitt­le­rer Ein­kom­men ver­schie­ben. Spür­ba­re Ent­las­tung für die, die den All­tag stem­men und zwar nicht nur ein zwei Pro­zent­pünkt­chen, son­dern als ech­te spür­ba­re Entlastung.

Rente: Respekt vor der Lebensleistung

Wer 45 Jah­re lang ein­ge­zahlt hat, will kei­ne Vor­le­sung über demo­gra­fi­schen Wan­del hören, son­dern sein Recht auf eine abschlags­freie Ren­te wahr­neh­men. Das ist kei­ne Fra­ge von Gna­de, son­dern von Gerech­tig­keit. Wer die­ses Land über Jahr­zehn­te auf­ge­baut hat, ver­dient Sicher­heit ohne Wenn und Aber. Hier könn­te die SPD pro­fi­lie­ren, dass Lebens­leis­tung mehr zählt als jedes ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­sche Gutachten. 

Effizienz statt Kassen-Wildwuchs

Im Gesund­heits­we­sen leis­tet man sich den Luxus einer unüber­schau­ba­ren Viel­zahl an Kran­ken­kas­sen – ein büro­kra­ti­scher Was­ser­kopf, der Mil­li­ar­den ver­schlingt. Die Zusam­men­füh­rung zu weni­gen, leis­tungs­fä­hi­gen Ein­hei­ten wür­de nicht nur die Ver­wal­tung ver­schlan­ken, son­dern die Ver­sor­gung dort stär­ken, wo sie hin­ge­hört: zum Versicherten.

Moderne Fairness statt konservativer Privilegien

Das Ehe­gat­ten­split­ting ist ein Relikt aus einer Zeit, die wir längst hin­ter uns gelas­sen haben soll­ten. Es bremst die Gleich­be­rech­ti­gung und passt nicht mehr zur Rea­li­tät moder­ner Fami­li­en. Wer sich als moder­ne Arbei­ter­par­tei pro­fi­lie­ren will, muss hier ran und ech­te Fair­ness zwi­schen den Geschlech­tern schaffen. 

Gleich­zei­tig muss Schluss sein mit dem Wild­wuchs der pre­kä­ren Beschäf­ti­gung. Befris­tun­gen ohne Sach­grund und Lohn­dum­ping unter­gra­ben das Ver­trau­en in den Rechts­staat und die eige­ne Zukunft. Die kon­se­quen­te Abschaf­fung die­ser Unsi­cher­hei­ten wäre das deut­lichs­te Signal an die abhän­gi­gen Beschäf­tig­ten, dass ihre Inter­es­sen wie­der obers­te Prio­ri­tät haben. 

Rückgrat beweisen

Der Mit­tel­stand, die Fach­kräf­te und die mitt­le­ren Ange­stell­ten sind das eigent­li­che Rück­grat die­ses Lan­des. Wenn die SPD hier nicht schleu­nigst wie­der andockt, wird sie in der Bedeu­tungs­lo­sig­keit ver­schwin­den. Fort­schritt darf nie­mals auf Kos­ten der sozia­len Sicher­heit gehen. Es geht nicht um den Rück­bau des Sozi­al­staats, son­dern um sei­ne muti­ge Wei­ter­ent­wick­lung. Wer jetzt kei­ne kla­re Kan­te zeigt, braucht sich über den wei­te­ren Absturz nicht zu wundern. 

Ja, eini­ge Vor­schlä­ge hat Lars Klin­gen­beil vor­ge­tra­gen, aller­dings nicht im sprach­li­chen Duk­tus eines Sozi­al­de­mo­kra­ten, son­dern als jemand, der mög­lichst nicht anecken will. Das funk­tio­niert nicht. 

Eine not­wen­di­ge radi­ka­le Neu­aus­rich­tung der Sozi­als­de­mo­kra­ten lässt sich nicht mit einer weich­ge­spül­ten Füh­rung bewerk­stel­li­gen, die lie­ber im Ber­li­ner Polit-Main­stream mit­schwimmt, statt unbe­que­me Kan­te zu zeigen. 

Wer die Arbei­ter­klas­se zurück­ge­win­nen will, braucht Köp­fe mit Rück­grat, Ecken und Kan­ten und kei­ne Phra­sen­dre­scher im Karrieremodus.

2 Gedanken zu „Quo Vadis SPD?“

  1. Da hast Du so recht… An die SPD hat­te ich im Land Bran­den­burg schon gar­nicht mehr geglaubt- und tue es auch jetzt nicht. “Damals” habe ich BSW gewählt, weil ich glaub­te, das dort intel­li­gen­te Men­schen mit Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein sit­zen. ICH HABE MICH GETÄUSCHT. Die “gute alte Tan­te SPD” müss­te ja sämt­li­che Gro­Kos auf­kün­di­gen und wie­der für die Arbei­ter kämp­fen. Macht sie aber nicht- denn die, die das Ruder in der Hand hal­ten, wol­len Macht und Reichtum.
    Was mich so wun­dert- nach jeder Gro­Ko wur­den die Wahl­er­geb­nis­se schlech­ter- aber trotz­dem hören sie nicht auf damit.
    Sie haben lei­der kein Pro­fil (mehr)… Stell Dir mal vor, die SPD wür­de die Gro­Ko auf­kün­di­gen oder/und Gas- Kathi angrei­fen und laut sagen was die “gute” Frau da macht- oder mal den Leu­ten sagen, was es bedeu­tet, wenn 65 Pro­zent des Gases aus erneu­er­ba­ren Ener­gien kom­men. (das es dann bil­li­ger ist mit Strom zu hei­zen) Was pas­siert, wenn die Fami­li­en­ver­si­che­rung weg­bricht. (Stei­gen der Pfle­ge­ver­si­che­rung, Eltern die wie­der mehr für Ihre Kin­der in der Aus­bil­dung berap­pen müs­sen) Es gäbe sooo viel zu tun.

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  2. @Wolf: Lei­der sehe ich im Moment nie­man­den, der die SPD wie­der auf Kurs brin­gen könn­te. Kevin Küh­nert wäre so jemand gewe­sen, aller­dings hat der sich ja von der Poli­tik weit­ge­hend verabschiedet.

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