Plaudern aus dem Nähkästchen

Wenn der Frust in den poli­ti­schen Rei­hen das erträg­li­che Maß über­steigt, grei­fen Man­dats­trä­ger ger­ne zum bewähr­ten Instru­ment der anony­men Medi­en-Durch­ste­che­rei. Vor­zugs­wei­se geschieht dies bei geplan­ten Geset­zen, um Vor­ha­ben ent­we­der kom­plett zu tor­pe­die­ren oder schlicht das gesell­schaft­li­che Echo zu testen. 

Wenn sich Mit­glie­der einer Regie­rungs­par­tei dann noch an den SPIEGEL wen­den, um deut­li­che Kri­tik am Bun­des­kanz­ler durch­zu­ste­chen, dann muss schon mäch­tig was im Argen sein. 

Laut aktu­el­len Insi­der­be­rich­ten gehen die eige­nen Leu­te inzwi­schen so weit, den Kanz­ler bei essen­zi­el­len Ent­schei­dun­gen schlicht­weg zu umge­hen. Die Auto­ri­tät von Merz ist ange­kratzt, kei­ne Fra­ge. Zu oft ist er mit lee­ren Ver­spre­chen laut­hals vor­ge­prescht, um dann klein­laut zurück zu rudern. 

Dahin­ter steckt ein klas­si­sches Phä­no­men der poli­ti­schen Eli­te – der schlei­chen­de Ver­lust der Boden­haf­tung durch chro­ni­sche Selbst­über­schät­zung. Wer sich dau­er­haft auf Augen­hö­he mit den Mäch­ti­gen die­ser Welt wähnt, ver­wech­selt Füh­rung schnell mit abso­lu­tem Gehor­sam. Insi­dern zufol­ge agiert Merz wie ein auto­ri­tä­rer CEO, der sei­ne Gefolg­schaft stramm­ste­hen lässt. Das sorgt vor allem bei den Minis­ter­prä­si­den­ten für erheb­li­chen Unmut: Die mäch­ti­gen Län­der­chefs zei­gen sich zuneh­mend genervt davon, von ihm wie »Fili­al­lei­ter aus der Pro­vinz« im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes, abge­kan­zelt zu werden.

Dass Merz zudem mit einer aus­ge­präg­ten Dünn­häu­tig­keit behaf­tet ist, durf­te die Öffent­lich­keit bereits bei diver­sen Talk­show-Auf­trit­ten vor sei­nem Amts­an­tritt bewundern. 

Inzwi­schen regt sich der Unmut jedoch spür­bar in den eige­nen Rei­hen. Die Kri­tik der Par­tei­kol­le­gen erschöpft sich längst nicht mehr nur in sei­nem pol­tern­den Auf­tre­ten. Aus den Krei­sen ein­fluss­rei­cher CDU-Strip­pen­zie­her heißt es unge­schminkt, der Chef glän­ze des Öfte­ren durch man­gel­haf­te Vor­be­rei­tung, stra­pa­zie­re die Ner­ven der Anwe­sen­den mit lang­at­mi­gen außen­po­li­ti­schen Vor­trä­gen und nei­ge dazu, struk­tu­rier­te Pro­zes­se im Cha­os ver­sin­ken zu las­sen. Die­se inter­nen Que­re­len blei­ben nicht ohne Fol­gen für das par­tei­in­ter­ne Gefü­ge. Die Macht­ba­sis des Vor­sit­zen­den brö­ckelt merk­lich, wäh­rend sich das poli­ti­sche Gewicht immer wei­ter in Rich­tung der Bun­des­tags­frak­ti­on verschiebt. 

Ein Umstand, der dem Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den durch­aus recht sein kann, spä­tes­tens seit der ver­pat­zen 1000 Euro Prä­mie im Mai platzt Spahn nach Infor­ma­tio­nen eini­ger Insi­der fast vor Selbstbewusstsein. 

Letzt­end­lich hat Frak­ti­ons­chef Jens Spahn aus sei­nen eige­nen Ambi­tio­nen auf das Kanz­ler­amt noch nie einen Hehl gemacht.

SPIEGEL 29/2026: € Fried­rich Merz. Der abge­mel­de­te Kanzler

5 Kommentare zu „Plaudern aus dem Nähkästchen“

  1. OH GOTT! DER SPAHN ALS KANZLER??!! NEIN!!! BITTEEEEE NICHT!!!!!!!
    Ich glau­be wir sind in einer End­los­spi­ra­le in Rich­tung poli­ti­scher Höl­le! Es kann doch nicht sein, dass jeder Kanz­ler­amts­an­wär­ter noch weni­ger Cha­rak­ter und Kom­pe­tenz für das Amt hat, als der Vor­gän­ger. Dazu hat Mas­ken-Jen­si und sei­ne Kum­pa­ne noch mehr Dreck am Ste­cken, den man mit dem Kip­pen des Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz schön unter den Tep­pich keh­ren will. Dass Merz der Mini-Me von Donald Trump sein könn­te (empa­thie­los, reich, ego­is­tisch, sei­ne eige­nen Bür­ger has­send, dabei die Kli­en­tel der Rei­chen und Super­rei­chen mit Geld­ge­schen­ken über­schüt­tend) ist ja nicht neu. Jens Spahn ist kei­nen Deut bes­ser — im Gegen­teil. Ich hof­fe das ist alles nur ein böser Traum aus dem ich bald aufwache..

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    • @Dr. Nerd: Wer als Poli­ti­ker Kor­rup­ti­on, Betrü­ge­rei­en, Bestechun­gen, straf­ba­re Hand­lun­gen mit einem Gesamt­scha­den in Mil­li­ar­den­hö­he ein­fach weg­lä­cheln kann und sich weder vor Gericht noch vor sonst wem ver­ant­wor­ten muss, der hat die Chan­ce auf das Kanz­ler­amt red­lich ver­dient, oder? 😁

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      • Und als wenn Gott*in mich erhört hät­te: Jen­si S. ist seit heu­te Mit­tag Geschich­te. Jeden­falls tritt er von sei­nem Pos­ten als Par­tei­vor­sit­zen­der zurück. Ob es an sei­ner Leih­mut­ter-Num­mer lag, oder Frit­ze einen gefähr­li­chen Aspi­ran­ten auf sei­nen Job weg gebis­sen hat — wen stört’s..
        Hof­fen wir, dass er poli­tisch so weit durch­ge­reicht wird, dass man ihn irgend­wann in Regress nimmt, für den gan­zen Mist den er ver­an­stal­tet hat. Und Amt­hor gleich mit..

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        • @Dr. Nerd: Viel­leicht nimmt er jetzt Erzie­hungs­ur­laub und wenn er schon dabei ist, könn­te er den klei­nen Phil­ipp mit adoptieren. 😄

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