Wer im Glashaus sitzt
“Als jemand, der selbst vor 31 Jahren promoviert hat und in seinem Berufsleben viele Doktoranden begleiten durfte, schäme ich mich nicht nur heimlich.”
“Ich habe ganz klar von wissenschaftlicher Integrität als einem hohen Gut gesprochen und davon, dass die Aberkennung des Titels richtig ist. Da kann niemand auf die Idee kommen, dass ich den Vorgang für eine Lappalie halte.”
Quelle:SZ
Frau Schavan zur Plagiatsaffäre des Karl-Theodor zu Guttenberg in der Süddeutschen im März 2011.
Der Greis ist heiß
“Alte Männer setzen alles auf die letzte große kleine Karte,
hauen so richtig auf die Sahne […]Trinken das Bier aus der Schnabeltasse und geht dann wieder richtig los.
Sagen nur, B‑b-baby, Baby gewähr mir doch den Gnadenstoss.” [Udo Lindenberg]
Interessanterweise hat die Berichterstattung über den “wandelnden Herrenwitz Brüderele” eine breite Diskussion durch alle Lager losgetreten. Auf Twitter diskutierten unter dem Hashtag #Aufschrei Tausende über das Thema Sexismus im Alltag. Auch die Onlineausgaben aller führenden Zeitschriften nahmen sich des Themas an. Klar, die Männerbünde um Brüderle hielten in Treue fest zu ihm und Wolfgang Kubicki entlödete sich tatsächlich nicht, Brüderle mit dem Hinweis eines harmlosen Flirts zur Seite zu stehen. Bei der ganzen Debatte ist viel dummes Zeug gesagt und geschrieben worden; insbesondere die Fraktion der Männer, die vermeintlich um harmlose Rituale traueren, die der angeblich immer mehr um sich greifenden politischen Korrektheit zum Opfer fällt, möchte man fragen: Was würden Sie empfinden, wenn ein weinseliger, alter, notgeiler Mann ihre Tochter anzüglich anbaggert?
Das klügste was zu sagen war, hat Stern-Chefredakteur Thomas Osterkorn dazu gesagt: “Wir Männer sollten uns so verhalten, wie wir uns wünschen, dass man unseren Frauen und Töchtern begegnet.”
Was auch immer passiert, Brüderle ist schwer beschädigt und die FDP wird sich überlegen müssen, mit dem angeschlagenen Schlachtross in den Wahlkampf zu ziehen. Vielleicht täte der Fraktionsvorsitzende der FDP gut daran, sich zu entschuldigen.
Alle Jahre wieder
Weihnachten ist Weihnachten und gut ist’s. Danach muss der Baum raus. Möglichst direkt am Neujahrstag. Gibt regelmäßig Missstimmung. Auch mit der Katze. Versuche, der Katze beizubringen an den Weihnachtsbaum zu pinkeln, um den Verderb desselben zu fördern, scheitern regelmäßig – an der Katze.
Zweiter Versuch: Nadeln mit der Pinzette rausziehen, um den natürlichen Vergang des Baums zu simulieren. Wird natürlich von der besseren Hälfte durchschaut, hatte das Lametta vergessen wieder aufzuhängen, das mit runterkam. Bestechende Logik der besseren Hälfte:„ Lametta fällt nicht alleine vom Baum.“
Vorgestern dann endlich: Zweige biegen sich unter der Last des Schmucks und ob der Trockenheit des Baums.
Plötzlich das erlösende Kommando: „Der Baum muss raus.“ Endlich, das neue Jahr kann beginnen.
Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Jonas Jonason erzählt die Geschichte von Allan Karlsson, der als Experte für Sprengstoff und Schnaps aus Ziegenmilch, aus Rache an einem Fuchs, der seinen Kater getötet hat, eigentlich aber nur die Hühner fressen wollte, sich selbst, den Fuchs und sein gesamtes Hab und Gut mittels einer unterschätzten Menge Sprengstoff, vielmehr den Lagerort von noch mehr Sprengstoff aufgrund seines Alters von fast hundert Jahren, in die Luft sprengte – und nur knapp überlebte, um an seinem hundertsten Geburtstag aus dem Fenster im Altenheim zu klettern, in dem er seit Verlust seines Hauses wohnte – und verschwand.
Kompliziert? Nicht doch, das ist das einfache Ende der Geschichte.
Wenn der Autor erst einmal parallel zu den Ereignissen, vom 02. Mai 2005, exakt dem hundertsten Geburtstag Allan Karlssons, erzählt, wird’s richtig interessant. Der Hundertjährige kann schließlich alle Größen dieser Welt, von Stalin über Mao und sonstigen Amt und Würdenträgern, zu seinen Freunden oder zumindest Trinkkumpanen zählen.
Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand ist ein Roman, geschrieben aus Spaß am Erzählen, der Spaß am Lesen macht.
Zitate 2012
Zum Jahresende die Zitate, die in bemerkenswerter Weise in diesem Jahr hängengeblieben sind.
„H. ist angeblich komplett verschleiert gesehen worden, da würde selbst die Mutter sie nicht erkennen.“
— Der Express zum Fall einer verschwundenen Türkin —
„ Das Zellengitter war durchgesägt, es muss davon ausgegangen werden, dass der Gefangene das Gelände der Justizvollzugsanstalt verlassen konnte.“
— Das Justizministerium NRW in einer Stellungnahme zu einem Ausbruch —
„ Deutschland ist eindeutig ein Gewinner des Euro. Die Griechenland Rettung kostet auch nicht unbedingt mehr Geld. Es gibt lediglich einen höheren Finanzbedarf auf der Zeitachse.“
— Finanzminister Schäuble —
“Nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die Kanzlerin.”
— Peer Steinbrück —

