Närrische Zeiten

Leo Putz — Kar­ne­val in Rio (1931)
Beim Ein­schal­ten des Radi­os heu­te Mor­gen wird schnell klar: Die Hoch­pha­se när­ri­schen Trei­bens hat begon­nen. Alt­wei­ber­fast­nacht – eine Tra­di­ti­on aus dem Mit­tel­al­ter, an dem die Frau­en sym­bo­lisch die Macht über­neh­men, wäh­rend die Män­ner den Haus­halt füh­ren. Also in etwa so wie ganz­jäh­rig im Sauerland.

Hier bei uns aller­dings beschränkt sich der Kar­ne­val auf eini­ge weni­ge Ver­an­stal­tun­gen. Büt­ten­red­ner rin­gen mit Rück­kopp­lun­gen – im Mikro­fon wie im Kor­tex – nicht sel­ten beför­dert durch alko­ho­li­sche Unter­stüt­zung. Mit Inbrunst wird das Sau­er­land besun­gen und am Rosen­mon­tag zie­hen alko­ho­li­sier­te Men­schen über Land, das war’s auch schon. Die Tra­di­ti­on mün­det im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes am Don­ners­tag vor Rosen­mon­tag im Absin­gen von Kar­ne­vals­lie­dern. Jeden­falls fol­gen die Kin­der im Anschluss dem Brauch­tum kilo­wei­se erbet­tel­te Süßig­kei­ten zu ver­schlin­gen, mit im Anschluss spä­tes­tens am Abend erheb­li­chem Unwohl­sein auf­grund hef­ti­ger Überzuckerung. 

Bemer­kens­wert ist zudem eine neue­re Ent­wick­lung: Erzie­hungs­be­rech­tig­te zie­hen als Begleit­per­so­nal von Haus­tür zu Haus­tür, um ihre Kin­der bei was auch immer zu unter­stüt­zen. Mit­sin­gen möch­ten die Beglei­ten­den — meist Müt­ter — jeden­falls nicht, den Ver­such habe ich an der Haus­tür bereits im letz­ten Jahr ergeb­nis­los diskutiert.

Auch dem Aus­schank von Schnaps ste­hen die Damen mit Blick auf ihre Spröss­lin­ge und ihrer Vor­bild­funk­ti­on gegen­über der sin­gen­den Brut skep­tisch gegenüber. 

Das jüngs­te Netz­kind ist dem Kar­ne­vals­sin­gen inzwi­schen entwachsen.

Wobei – ein paar Äpfel hät­te ich noch im Angebot.

3 Gedanken zu „Närrische Zeiten“

  1. Wir haben lan­ge mit­ge­macht – mit Begeis­te­rung. Heu­te ist es für mei­ne Frau und mich unvor­stell­bar. Aber wir wer­den gleich mit ein paar Freun­den etwas Essen gehen. Das hat seit unse­rer Fas­tel­ovend-Abs­ti­nenz Tra­di­ti­on. Übri­gens waren wir zwei­mal über Kar­ne­val im schö­nen Sau­er­land. Wir waren über­rascht, wie in Atten­dorn Kar­ne­val gefei­ert wur­de. Anders als in Köln, aber doch stär­ker, als wir ver­mu­tet hatten.

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    • @Horst: Ja — Der Sau­er­län­der kann über­ra­schen, nicht nur zu Karneval 😄

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