Locker flockig aus der Staatskasse

Zu den aktu­el­len Spar­vor­schlä­gen der Regie­rung wird sich der Nor­mal­ver­die­ner wohl auf eini­ges ein­stel­len müs­sen. Innen­mis­ter Dobrinth ent­blö­de­te sich nicht, gar zu behaup­ten, das Exis­tenz­mi­ni­mum von 563 Euro im Monat zu hoch ange­setzt. Dass nun aus­ge­rech­net dort gespart wer­den soll, wo ohne­hin wenig vor­han­den ist, über­rascht dabei kaum. Der Rot­stift lässt sich bekannt­lich am ein­fachs­ten dort anset­zen, wo bei der brei­ten Mas­se etwas zu holen ist – und wo zugleich der gerings­te Wider­stand zu erwar­ten ist. Oft fehlt schlicht die Lob­by. „Die da oben machen sowie­so, was sie wol­len“, lau­tet die ver­brei­te­te Ein­schät­zung. Und tat­säch­lich drängt sich beim Blick auf manch‘ staat­li­che Aus­ga­be der Ein­druck auf, als sei die Steu­er­kas­se für eini­ge Poli­ti­ker ein pri­va­tes Füll­horn, das sich unab­läs­sig aus Steu­er­mit­teln speist.

Gegen die ordent­li­che Ver­gü­tung von Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten ist grund­sätz­lich nichts ein­zu­wen­den. Auch die damit ver­bun­de­nen Leis­tun­gen sind legi­tim. Schließ­lich wol­len wir Ent­schei­dungs­trä­ger, die nicht anfäl­lig für Kor­rup­ti­on sind und sich mög­lichst unab­hän­gig von Lob­by­in­ter­es­sen bewe­gen kön­nen. Wobei sich die Fra­ge stellt, war­um eini­ge Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te zusätz­lich zu ihrem Man­dat einer Neben­tä­tig­keit nach­ge­hen müs­sen. Wie vie­le Mit­glie­der der Bun­des­re­gie­rung eine zwei­te Geld­quel­le haben, ist öffent­lich zwar nicht ein­heit­lich aus­ge­wie­sen; bei den Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten haben jedoch 337 von 733 min­des­tens eine Neben­ein­nah­me gemeldet.

Pro­ble­ma­tisch wird es jedoch, wenn gleich­zei­tig Sozi­al­kür­zun­gen dis­ku­tiert wer­den, die genau die­je­ni­gen tref­fen, die ohne­hin jeden Euro umdre­hen müs­sen. Von struk­tu­rel­len Refor­men an ande­rer Stel­le hört man hin­ge­gen wenig: etwa bei der Kapi­tal­ertrag­steu­er, bei einer mög­li­chen Besteue­rung von Flug­zeug­ben­zin oder bei einer kon­se­quen­te­ren Erb­schafts­be­steue­rung ab grö­ße­ren Ver­mö­gen. Ein ent­spre­chen­der Vor­stoß aus der SPD wur­de jeden­falls rasch von CDU/CSU und Arbeit­ge­ber­ver­tre­tern kassiert.

Ich schwei­fe ab. Fest­zu­stel­len bleibt jeden­falls: Wäh­rend von der Bevöl­ke­rung Spar­sam­keit ein­ge­for­dert wird, greift man auf poli­ti­scher Ebe­ne wei­ter­hin recht selbst­ver­ständ­lich in die Staats­kas­se, obschon mal eigent­lich erwar­ten könn­te, dass bei einer monat­li­chen Abge­ord­ne­ten­ent­schä­di­gung von 11.833,47 Euro und einer steu­er­frei­en Zula­ge von 5.467,27 Euro im Monat der Fri­sör­ter­min mit drin ist. 

Ein Blick auf kon­kre­te Aus­ga­ben illus­triert das ganz gut. Für Sty­ling und Fri­seur­leis­tun­gen gab die dama­li­ge Außen­mi­nis­te­rin, Anna­le­na Baer­bock, im Jahr 2022 rund 137.000 Euro aus – ein Spit­zen­wert, der wohl so schnell nicht über­trof­fen wird. Wer nun erwar­tet hät­te, dass dies zumin­dest als mah­nen­des Bei­spiel dient, sieht sich getäuscht.

Beson­ders auf­fäl­lig sind die Aus­ga­ben im Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um: Kathe­ri­na Rei­che ver­ur­sach­te in den ers­ten drei Mona­ten (Mai bis August 2025) Kos­ten von 19.264,76 Euro. Dar­in ent­hal­ten sind allein über 8.300 Euro Rei­se­kos­ten – unter ande­rem für die Mit­nah­me ihrer Visa­gis­tin per Lini­en­flug zu einem Washington-Besuch.

Doch damit nicht genug: Um das ange­schla­ge­ne Image auf­zu­po­lie­ren, wur­de zusätz­lich exter­ne Bera­tung ein­ge­kauft. Der Bera­ter Koschni­cke soll gemein­sam mit der Agen­tur FGS Glo­bal tätig wer­den. Laut Medi­en­be­rich­ten lie­gen die Stun­den­sät­ze dort bei rund 1.000 Euro; ins­ge­samt sol­len bis zu 2,2 Mil­lio­nen Euro für ent­spre­chen­de Leis­tun­gen vor­ge­se­hen sein. Ergänzt wird dies durch rund 150.000 Euro für Reden­schrei­ber. Klein­vieh macht bekannt­lich auch Mist.

Im Ver­gleich dazu wir­ken die Aus­ga­ben des Bun­des­kanz­lers fast schon zurück­hal­tend: Für das Kanz­ler­amt wur­den seit sei­nem Amts­an­tritt eben­falls rund 12.500 Euro für ent­spre­chen­de Dienst­leis­tun­gen abgerechnet.

Der Steu­er­zah­ler kann sich also bei­na­he glück­lich schät­zen, dass Fried­rich Merz mit zuneh­men­dem Alter zumin­dest beim Fri­seur kein all­zu gro­ßer Kos­ten­fak­tor mehr ist.

11 Kommentare zu „Locker flockig aus der Staatskasse“

  1. Gute Güte! Und dabei soll man als (armer) Bür­ger nicht in den Tisch bei­ßen?!? Ich krie­ge wirk­lich inzwi­schen Gewalt­phan­ta­sien, wenn ich Herrn Dobrinth oder Frau Rei­che nur sehe.
    Die Diä­ten­er­hö­hun­gen lau­fen inzwi­schen auto­ma­tisch … was soll man da noch sagen.

    Antworten
    • Aus mei­ner Sicht sind die Auf­wands­ent­schä­di­gun­gen nicht das Pro­blem. Ich fin­de aber, dass der selbst­ver­ständ­li­che Griff in die Staats­kas­se für die Kos­ten des täg­li­chen Lebens eine Unver­schämt­heit ist. Auch wenn die zusätz­li­chen Steu­er­gel­der neben den Diä­ten wahr­schein­lich gut begrün­det sind, könn­te man erwar­ten, dass Poli­ti­ker min­des­tens Fri­sör und Kos­me­tik vom eige­nen Geld bezah­len. Ob bei der Höhe des »Gehalts« ist ein Zweit­job not­wen­dig ist, wage ich auch mal zu bezwei­feln. Viel wich­ti­ger aber — wann wird der Neben­tä­tig­keit eigent­lich nach­ge­gan­gen? Ich will nicht alle Poli­ti­ker über einen Kamm sche­ren, aber eine Frau Bar­bock, ein Herr Spahn (Stich­wort: 4. Mio. Vil­la), oder auch eine Frau Rei­che sor­gen dafür, dass das Bild der Poli­ti­ker in der Öffent­lich­keit nicht das bes­te ist. 

      Antworten
  2. Dazu kommt: Soll irgend­wo gespart wer­den, trifft es immer, immer, immer, die wirt­schaft­lich Kleins­ten und Schwächs­ten, wie du schon ange­merkt hat­test. DAS regt mich rich­tig auf, genau so wie ein Waren­korb, der hin­ten und vor­ne falsch gewich­tet ist. Ger­ne wür­de ich alle, die den Sozi­al­staat gera­de kahl­schla­gen wol­len, zwin­gen mal ein hal­bes Jahr vom Regel­satz zu leben … Ich hal­te jede Wet­te: Dann wären die­se Über­le­gun­gen nicht nur vom Tisch, son­dern die Sät­ze wür­den deut­lich nach oben angepasst.

    Antworten
  3. Ach ja: Und über die Ver­fas­sungs­kon­for­mi­ät die­ser Plä­ne muß man gar nicht erst nach­den­ken. So ist es ein­fach nur wie­der hei­ße Luft, in die­sem Fal­le gottseidank.

    Antworten
  4. Beson­ders auf­fäl­lig sind die Aus­ga­ben im Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um: Kathe­ri­na Rei­che ver­ur­sach­te in den ers­ten drei Mona­ten (Mai bis August 2025) Kos­ten von 19.264,76 Euro. Dar­in ent­hal­ten sind allein über 8.300 Euro Rei­se­kos­ten – unter ande­rem für die Mit­nah­me ihrer Visa­gis­tin per Lini­en­flug zu einem Washington-Besuch.

    Das war aber preis­wert. Ana­le­na hat da ganz mehr Kos­ten ver­ur­sacht. Und die Repu­blik hat sich wahn­sin­nig dar­über auf­ge­regt. Nun, jeden­falls der rech­te Teil.

    Antworten
    • Auch auf die Gefahr hin, als Sexist ver­schrei­en zu wer­den: Frau Baer­bock sieht auch bes­ser aus als Frau Reiche.

      Antworten
  5. Die Selbst­be­die­nungs­men­ta­li­tät auf der einen Sei­te, gepaart mit dem unver­hoh­le­nem Zynis­mus den ärms­ten der Armen selbst das nötigs­te nicht zu gön­nen: Das schürt nicht mehr “Poli­tik-Ver­dros­sen­heit” — es erzeugt “Politik(er)-Hass”. Kein Wun­der, dass die AfD immer stär­ker wird, die brau­chen sich nur zurück­leh­nen und abwar­ten, weil CDU und SPD den Kar­ren an allen Fron­ten aber mal so rich­tig in den Dreck fah­ren: Ener­gie, Sozia­les… ein­zig die 2 zusätz­li­chen Pro­zent­punk­te in die Kapi­tal­ren­te war rich­tig — aber kommt knapp 20 Jah­re zu spät.
    Was die Neben­ein­künf­te angeht: Ich habe da ja gar nicht gegen. Es soll­te dann offen gelegt wer­den und der zusätz­li­che Ver­dienst soll­te dann mit den Diä­ten ver­rech­net wer­den. Wer 200.000 € Neben­ver­dienst im Jahr hat, der kann sicher auf die Diä­ten ver­zich­ten und das Geld denen zur Ver­fü­gung stel­len, die es drin­gen­der brau­chen. Jedem Hartz IV Emp­fän­ger wer­den ja auch die Leis­tun­gen ent­spre­chend gekürzt, wenn jemand neben­her Geld ver­dient. Das ist für mich ein Sozi­al­staat, wie ich ihn mir wün­schen würde. 😉

    Antworten
    • Wobei sich mir die Fra­ge stellt, wann Poli­ti­ker Zeit haben für einen Neben­job, wenn sie doch »ihre gan­ze Kraft dem Woh­le des deut­schen Vol­kes widmen?«

      Antworten

Schreibe einen Kommentar