Die eine KI punktet mit pedantischer Überkorrektheit, die nächste schmiert einem ununterbrochen Honig ums Maul, und wieder andere klingen wie ein überdrehter Praktikant, flapsig und ungefragt kumpelhaft. Was im echten Arbeitsleben anstrengend ist, brauche ich von einer Software erst recht nicht. Ich will kein digitales Werkzeug, das zu allem brav Ja nickt, sondern eine Arbeitsgrundlage,
Diesen Gedanken hatte offenbar auch Webworker und WordPress-Spezialist Vladimir Simović (auf vladimir-simovic.de besser bekannt als Perun). Er hat speziell zugeschnittene System-Prompts für Claude, Gemini, Grok und ChatGPT entwickelt. Das Ziel: den LLMs das nervige Anbiedern, Schulterklopfen und »menscheln« auszutreiben und ihnen stattdessen professionelles Sparring anzuerziehen.
Wer also ebenfalls »kein Werkzeug braucht, das zu allem zustimmt und immer Ja sagt, sondern eins, das auch widerspricht, wenn es tatsächliche Gründe zum Widerspruch gibt – wohlwollend, konstruktiv, aber nicht gefällig«, wird hier fündig: Vladimir hat die Prompts auf GitHub zur freien Nutzung bereitgestellt.
Mich beschäftigt vor allem der Wunsch, einer KI das Menscheln abzugewöhnen. Nach Jahren der Bemühung, Maschinen möglichst menschlich wirken zu lassen, beginnt nun offenbar die Gegenbewegung: freundlich ja, aber bitte ohne künstliche Nähe, Schmeichelei und diese merkwürdige Form digitaler Empathie, bei der schon ein Einkaufszettel emotional begleitet wird.
Eigentlich ist das nur folgerichtig. Von einer Maschine erwartet man ja gerade nicht, dass sie sich aufführt wie der nette Kollege aus dem Großraumbüro, der jede schlechte Idee mit „spannender Ansatz“ eröffnet.
Interessanter ist deshalb der Wunsch nach Widerspruch. Eine KI, die begründet Nein sagt, wäre tatsächlich nützlicher als eine, die jede Eingabe zunächst wertschätzt.
Vielleicht ist das der eigentliche Fortschritt:
Die Maschine soll menschlich genug sein, um uns zu verstehen.
Und un-menschlich genug, um uns nicht dauernd recht zu geben. 🦌
Ich hatte noch keine Zeit, die Anweisung in den KI’s abzuspeichern, erhoffe mir aber genau den von Dir beschriebenen Effekt. 🙂