Lázár

Das Erstaun­li­che an die­sem Buch ist weni­ger der Inhalt als sein Erschaf­fer. Das Schick­sal von Aris­to­kra­ten – selbst wenn es noch so dra­ma­tisch ist – gehört eigent­lich nicht zu mei­ner bevor­zug­ten Lek­tü­re. Lesens­wert wird das Buch viel­mehr durch die Tat­sa­che, dass die­se Geschich­te von einem erst 23-Jäh­ri­gen erzählt wird. Der Schwei­zer Autor Nelio Bie­der­mann schreibt hier nicht nur sei­ne Fami­li­en­ge­schich­te, son­dern kata­pul­tiert sich mit die­sem Werk selbst­be­wusst in den Kreis ernst­zu­neh­men­der Schriftsteller.

Der Roman setzt mit der Geburt von Lajos von Lázár in einem abge­le­ge­nen Wald­schloss ein und ver­folgt die Fami­lie durch Krie­ge, Dik­ta­tu­ren, Ent­eig­nun­gen und den unga­ri­schen Auf­stand von 1956. Die Lázárs erle­ben aris­to­kra­ti­schen Glanz eben­so wie exis­ten­zi­el­le Brü­che: Ver­lus­te im Zwei­ten Welt­krieg, Zwangs­ar­beit unter dem Sowjet­re­gime, schließ­lich die Flucht in die Schweiz. Allein das ist bereits ein­drucks­voll und span­nungs­reich erzählt; die hohe atmo­sphä­ri­sche Dich­te und die häu­fig lako­ni­schen Schluss­ak­kor­de ein­zel­ner Kapi­tel ver­stär­ken die­sen Eindruck.

Ins­be­son­de­re die Spra­che des jun­gen Autors begeis­tert: Fern­ab jeder modi­schen Ver­hun­zung greift Bie­der­mann auf die Tra­di­ti­on gro­ßer Erzäh­ler zurück. Kein Anbie­dern an Main­stream oder Jugend­spra­che, kei­ne gedan­ken­lo­se Anhäu­fung von Angli­zis­men oder sons­ti­gem Sprach­müll. Statt­des­sen eine kla­re Spra­che, atmo­sphä­risch, mit lei­ser Poe­sie und hart im Ton des Unver­meid­li­chen. Hier schreibt jemand, der schrei­ben kann, über das Schick­sal sei­ner ade­li­gen Vorfahren.

Respekt.

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