Der Roman setzt mit der Geburt von Lajos von Lázár in einem abgelegenen Waldschloss ein und verfolgt die Familie durch Kriege, Diktaturen, Enteignungen und den ungarischen Aufstand von 1956. Die Lázárs erleben aristokratischen Glanz ebenso wie existenzielle Brüche: Verluste im Zweiten Weltkrieg, Zwangsarbeit unter dem Sowjetregime, schließlich die Flucht in die Schweiz. Allein das ist bereits eindrucksvoll und spannungsreich erzählt; die hohe atmosphärische Dichte und die häufig lakonischen Schlussakkorde einzelner Kapitel verstärken diesen Eindruck.
Insbesondere die Sprache des jungen Autors begeistert: Fernab jeder modischen Verhunzung greift Biedermann auf die Tradition großer Erzähler zurück. Kein Anbiedern an Mainstream oder Jugendsprache, keine gedankenlose Anhäufung von Anglizismen oder sonstigem Sprachmüll. Stattdessen eine klare Sprache, atmosphärisch, mit leiser Poesie und hart im Ton des Unvermeidlichen. Hier schreibt jemand, der schreiben kann, über das Schicksal seiner adeligen Vorfahren.
Respekt.
