Kriegsverbrechen im Sauerland

Gestern erin­ner­te der bun­des­wei­te Gedenk­tag des Holo­caust an die Befrei­ung des KZ in Ausch­witz. Das Ver­nich­tungs­la­ger Ausch­witz ist wohl das Syn­onym für die Ver­bre­chen der Deut­schen und die Ermor­dung von über einer Mil­li­on Men­schen allein in Ausch­witz, vor­wie­gend Juden, Sin­ti und Roma und sowje­ti­sche Kriegs­ge­fan­ge­ne. Aber auch hier im Sau­er­land gab es grau­sa­me Ermor­dun­gen und Ver­bre­chen gegen die Menschlichkeit. 

Ende März 1945 ver­üb­te ein Kom­man­do der soge­nann­ten „Divi­si­on zur Ver­gel­tung“ im Raum Sut­trop ein Mas­sa­ker an 57 Zwangs­ar­bei­te­rin­nen und Zwangs­ar­bei­tern sowie einem Säug­ling. Der Säug­ling wur­de wie ein Tier mit dem Kopf an einen Baum geschla­gen, bis er tot war. Die Geflüch­te­ten wur­den gezielt inter­niert, in einer Schu­le fest­ge­hal­ten und schließ­lich in einem Wald­ge­biet sys­te­ma­tisch erschos­sen. Das Ver­bre­chen steht exem­pla­risch für die bru­ta­len End­pha­se­ver­bre­chen des NS-Regimes und zeigt die kalt geplan­te Gewalt gegen schutz­lo­se Men­schen bis in die letz­ten Kriegstage.

Die Lei­chen der Getö­te­ten wur­den Ende April nach dem Ein­marsch der Alli­ier­ten exhu­miert. Die gesam­te Orts­be­völ­ke­rung von Sut­trop und Kal­len­hardt, d.h. Kin­der ein­ge­schlos­sen, wur­de gezwun­gen, als Süh­ne­maß­nah­me am 3. Mai 1945 an den gegen­über der Erschie­ßungs­stel­le auf­ge­reih­ten Lei­chen vor­bei­zu­ge­hen. Eine Tan­te von mir erin­nert sich dar­an, als Kind eben­falls die Lei­chen­ber­ge gese­hen zu haben. 

Die gesam­te Doku­men­ta­ti­on und die fil­mi­sche Auf­zeich­nung des Vor­bei­gangs an den Lei­chen ist auf der Sei­te lwl.org — West­fä­li­sche Geschich­te dokumentiert.

3 Gedanken zu „Kriegsverbrechen im Sauerland“

  1. Es sind furcht­ba­re Din­ge, die pas­siert sind. Bemer­kens­wert fin­de ich, dass unse­re Medi­en nie ver­ges­sen, nicht ein­fach von Deut­schen und Deutsch­land als Täter und Land der Täter gespro­chen wird, son­dern zumin­dest ein “NS” davor­ge­setzt wird. Es war nicht NS-Deutsch­land, son­dern Deutsch­land. Wir, die Bevöl­ke­rung, hat sich die­ses schreck­li­che und sin­gu­lä­re Ver­bre­chen zuzu­schrei­ben. Von wegen: Das ist doch so lan­ge her! Das ist nur der Teil, der auf die Geschich­te rekurriert. 

    Als ich ges­tern unse­ren Bun­des­prä­si­den­ten mit den ewi­gen Ver­wei­sen auf die Geschich­te hör­te, wur­de ich kurz wütend. Wie steht es denn heu­te mit dem “Nie wie­der”? Im Hin­blick auf die Sicher­heit der Juden in unse­rem Land brin­gen wir nichts zustan­de. Wir las­sen lin­ke und ara­bi­sche Anti­se­mi­ten gewäh­ren und das seit Jah­ren. Dass es jetzt beson­ders schlimm ist, hat Ursa­chen. Aber wir benen­nen die­se Ursa­chen nicht so, dass jeder begreift, was eigent­lich jetzt zu tun wäre. Wir könn­ten dafür sor­gen, dass die übels­ten Isra­el-Has­ser aus dem ara­bi­schen Raum, die sich in unse­rem Land tum­meln, klar in die Schran­ken ver­wie­sen wer­den und — falls das nichts bringt — aus dem Land gewor­fen wer­den. Aber lie­ber ver­su­chen uns die Lin­ken klar­zu­ma­chen, dass Über­grif­fe auf jüdi­sches Leben in unse­rem Land von Nazis aus­ge­hen. So ein­fach ist das nur längst nicht mehr.

    Antworten
  2. Ich habe ges­tern die fil­mi­sche Bio­gra­phie von Hans Rosen­thal gese­hen. Es war ein “lei­ser” Film, frei von Effekt­ha­sche­rei und Sen­sa­tio­nen, aber gera­de des­we­gen hat er bei nach­hal­tig Ein­druck hin­ter­las­sen. Ras­sis­mus und Anti­se­mi­tis­mus, ob von links oder rechts, muss ener­gisch ent­ge­gen­ge­tre­ten wer­den. Ich weiß aus eige­ner Erfah­rung, dass das immer schwie­ri­ger wird…

    Antworten
    • Ja, den haben wir sei­ner­zeit auch gese­hen. Sehr gelun­gen und eindrucksvoll.

      Antworten

Schreibe einen Kommentar