Kippt das rigerose Verbrenner-Aus?

Der aktu­el­le Sta­tus der­zeit regelt, dass ab 2035 kei­ne Neu­wa­gen mit Ver­bren­nungs­mo­to­ren mehr zuge­las­sen wer­den dür­fen. Ab 1. Janu­ar 2035 dür­fen in der EU nur noch emis­si­ons­freie Neu­wa­gen, wie Elek­tro­au­tos, neu zuge­las­sen wer­den. In Deutsch­land ringt die Bun­des­re­gie­rung um eine ein­heit­li­che Posi­ti­on, wohl auch weil Auto­in­dus­trie und Zulie­fe­rer mas­siv Arbeits­plät­ze abge­baut haben. Nun will die Bun­des­re­gie­rung auf eine wei­te­re Locke­rung des Ver­bren­ner-Ver­bots bei der EU drän­gen. Auch nach 2035 sol­len Hybrid­fahr­zeu­ge, also Fahr­zeu­ge mit Ver­bren­ner und Elek­tro­mo­tor zuge­las­sen wer­den. Auch beson­ders effi­zi­en­te Ver­bren­ner­mo­to­ren sol­len nach Wil­len der Koali­ti­on wei­ter zuge­las­sen werden. 

Ein­ge­denk der Tat­sa­che, dass wir mit einem strik­ten Ver­bren­ner­ver­bot ver­mut­lich nicht nur die deut­sche Auto­mo­bil­in­dus­trie und die Zulie­fe­rer ver­lie­ren, (und das mit ca. 800.000 Arbeits­plät­zen) wür­de Deutsch­land sich natür­lich auch von der Ent­wick­lung und For­schung der Moto­ren­tech­nik abkop­peln. Was auf den ers­ten Blick für die Ent­wick­lung der CO2 Emit­tie­rung und damit auch für Kli­ma posi­tiv erschei­nen mag, ist auf den zwei­ten Blick ein Trug­schluss. Nicht nur, dass der Moto­ren­bau neben dem Maschi­nen­bau sozu­sa­gen eine Kern­kom­pe­tenz der Bun­des­re­pu­blik ist, Deutsch­land wür­de eben­falls das Know­how, For­schung und Ent­wick­lung des Moto­ren­baus unwi­der­ruf­lich an Län­der wie die USA, Chi­na, Japan, Indi­en, Bra­si­li­en und Russ­land ver­lie­ren. Das hat die Koali­ti­on in sel­te­ne­re Ein­mü­tig­keit offen­sicht­lich erkannt und ver­sucht nun die EU für ein Umden­ken zu gewinnen. 

Mit dem strik­ten Ver­bot gin­gen außer­dem um die 5 Pro­zent Wirt­schafts­kraft ver­lo­ren – und das vor dem Hin­ter­grund einer sta­gnie­ren­den Wirt­schaft. Die Ein­bu­ßen für die Bun­des­re­pu­blik las­sen sich zwar nicht direkt ermit­teln, schrumpft die deut­sche Wirt­schaft aber noch mehr, wird ver­mut­lich für den wich­ti­gen Kli­ma­schutz kein Geld mehr da sein. 

Ich hal­te die Hybrid­tech­nik als Über­gangs­tech­no­lo­gie für einen guten Kom­pro­miss zur Ein­spa­rung von CO2 Emis­sio­nen und für die ver­nünf­tigs­te Lösung. Mit dem Ein­satz von Elek­tro­mo­to­ren in Ver­bin­dung mit dem Ver­bren­ner las­sen sich nicht nur eheb­li­che Men­gen an Sprit spa­ren und die Reich­wei­te ver­län­gern; wir kop­peln uns damit eben nicht nur von einer Tech­nik kom­plett ab, son­dern inves­tie­ren wei­ter­hin in For­schung und Ent­wick­lung immer effi­zi­en­te­rer Motoren. 

Der Sprit­ver­brauch sol­cher Hybrid­fahr­zeu­ge ist heu­te bereits nur noch mar­gi­nal. Zudem könn­te man in den Innen­städ­ten rein auf das elek­tri­sche Fah­ren set­zen, um ent­spre­chend des Lärms und der Abgas­emis­sio­nen nahe Null zu reduzieren. 

Wirt­schaft und Wett­be­werbs­fä­hig­keit wür­den in dem Bereich des Moto­ren­baus erhal­ten blei­ben. Letzt­end­lich wür­de auch das Kli­ma gewin­nen, da ein star­res Ver­bot von Neu­fahr­zeu­gen mit Ver­bren­ner ver­mut­lich nur dem Gebraucht­wa­gen­markt hilft. 

Gebrauch­te Autos mit einem maxi­mal höhe­ren Sprit­ver­brauch wür­den noch über Jahr­zehn­te hin­weg von den­je­ni­gen genutzt, sie sich kein Elek­tro­au­to leis­ten kön­nen, bzw. ohne Lade­mög­lich­kei­ten sind. 

3 Gedanken zu „Kippt das rigerose Verbrenner-Aus?“

  1. Wie ist aber vor die­sem Hin­ter­grund die gra­vie­ren­de Ver­än­de­rung auf dem größ­ten Auto­markt der Welt zu sehen? Es heißt, in Chi­na wür­den nur noch Elek­tro­au­tos zuge­las­sen und Ver­bren­nungs­mo­to­ren erhiel­ten nur noch Zulas­sun­gen unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen, die stark limi­tiert sei­en. Wenn ich mir also vor­stel­le, dass die Regie­rung auf­grund der Tor­schluss­pa­nik nun laut: “Kom­man­do zurück” ruft, wird das in der Auto­in­dus­trie plus Zulie­fe­rer unter Umstän­den auch nicht nur gut ankom­men. Oder? 

    Die EU hat sich viel­leicht mit ihren rigo­ro­sen Beschlüs­sen ins Knie geschos­sen. Deutsch­land, bzw. unse­re Regie­run­gen, haben immer gewusst, dass die­se Vor­rei­ter­rol­le, derer man sich gern rühmt, mit Risi­ken besetzt war. Nun rea­li­sie­ren sich die Aus­wir­kun­gen und schon kip­pen die Damen und Her­ren in Ber­lin von den Stüh­len. Kei­ne sou­ve­rä­ne Hal­tung. Es wäre schlimm, wenn sich die­se Vol­te als feh­ler­haft erweist. Ich hal­te das nicht für aus­ge­schlos­sen. Gibts eigent­lich schon Stim­men zu den Plä­nen der Regie­rung? Ich habs nicht mitbekommen.

    Man sieht jeden­falls, wie groß die Panik in der Regie­rung ist.

    • Elek­tro­fahr­zeu­ge (inklu­si­ve Hybri­de) errei­chen 2025 einen Markt­an­teil von etwa 48%, wäh­rend Ver­bren­ner und Hybri­de mit Ver­bren­nungs­mo­tor wei­ter­hin domi­nie­ren. Chi­na plant kein Ver­bren­ner-Ver­bot wie in der EU, son­dern setzt lang­fris­tig auf Hybrid­an­trie­be und expor­tiert zuneh­mend Ver­bren­nungs­mo­tor-Fahr­zeu­ge nach Euro­pa. Her­stel­ler wie BYD füh­ren zwar bei E‑Autos (1,58 Mil­lio­nen bis Sep­tem­ber), pro­du­zie­ren aber auch ande­re Antrieb. (Quel­le: KI)

      Ich den­ke, wir haben mit weder der Umwelt noch den Arbeits­plät­zen in der Auto­mo­bil­in­dus­trie einen Gefal­len getan. Hybrid-Moto­ren wären ja auch kein Zurück­ru­dern, son­dern eine Erwei­te­rung der bestehen­den Reglementierungen.

  2. In Metro­po­len wie Shang­hai läuft der ent­schei­den­de Hebel nicht über das Auto, son­dern über das Kenn­zei­chen. Wer dort einen klas­si­schen Ben­zi­ner zulas­sen will, braucht ein blau­es Num­mern­schild – und das gibt es nur per Auk­ti­on. Die durch­schnitt­li­chen Zuschlä­ge lie­gen seit Jah­ren um die 90′ bis 93′ Ren­min­bi, also grob 12′ bis 13′ EUR. In ein­zel­nen Mona­ten lag der Min­dest­preis sogar bei rund 92′ RMB, was gut 14‘ Dol­lar ent­spricht. Für vie­le Haus­hal­te ist das Num­mern­schild damit teu­rer als ein Kleinwagen.

    Par­al­lel dazu läuft in Peking ein Lot­te­rie­sys­tem: Für kon­ven­tio­nel­le Ver­bren­ner gibt es nur eine begrenz­te Anzahl von Kenn­zei­chen, die per Los ver­ge­ben wer­den. Die Gewinn­chan­cen sind gering, die War­te­zei­ten lang. New-Ener­gy-Vehic­les (NEV) dage­gen – also Elek­tro­au­tos und Plug-in-Hybri­de – wer­den bevor­zugt behan­delt und sind von vie­len die­ser Restrik­tio­nen ausgenommen.

    Schluss­end­lich heißt das: Ein Ver­bren­ner ist in vie­len Groß­städ­ten nicht ver­bo­ten, aber er wird künst­lich unat­trak­tiv gemacht – admi­nis­tra­tiv und finanziell.

    Dazu kom­men regio­na­le Ver­bo­te mit kla­rer Ansa­ge: Die Insel­pro­vinz Hainan hat beschlos­sen, ab 2030 kei­ne rei­nen Ver­bren­ner mehr zu ver­kau­fen. Ab dann sol­len alle neu­en und ersetz­ten Fahr­zeu­ge im Pri­vat­be­reich NEVs sein. In Ana­ly­sen wird Hainan gern als „ers­ter Schuss“ auf ein bun­des­wei­tes Ver­bren­ner-Aus beschrie­ben – mit der Per­spek­ti­ve, dass spä­tes­tens um 2050 lan­des­weit Schluss sein könn­te, in Mega-Citys wie Peking schon um 2030.

    Wäh­rend Chi­na so an meh­re­ren Stell­schrau­ben den Ver­bren­ner zurück­drängt und NEVs nach vorn schiebt, ver­sucht die deut­sche Bun­des­re­gie­rung unter Fried­rich Merz in Brüs­sel gera­de das Gegen­teil: Die im EU-Recht fest­ge­schrie­be­ne Gren­ze, ab 2035 nur noch Neu­wa­gen ohne CO₂-Emis­si­on am Aus­puff zuzu­las­sen, soll auf­ge­weicht wer­den. Merz hat ange­kün­digt, die Kom­mis­si­on offi­zi­ell um Aus­nah­men zu bit­ten – zuguns­ten von Hybri­den und „hoch­ef­fi­zi­en­ten“ Ver­bren­nern. Unter­stützt wird er dabei von der SPD im Koali­ti­ons­ver­trag der neu­en Regierung.

    Offi­zi­el­le Begrün­dung: Wett­be­werbs­fä­hig­keit, Arbeits­plät­ze, „Tech­no­lo­gie­of­fen­heit“. Inof­fi­zi­ell schwingt ein Gefühl mit, das man eher aus ver­spä­te­ten Bahn­an­sa­gen kennt: „Wir kom­men ein biss­chen spä­ter, aber wir kommen.“

    Dabei ist der Zug längst unter­wegs. Die Märk­te haben sich schon deut­lich in Rich­tung E‑Mobilität bewegt. In Chi­na lag der Anteil der NEVs an den Neu­ver­käu­fen 2025 bei rund 50 Pro­zent, teil­wei­se sogar dar­über. In der EU kamen 2024 zusam­men­ge­zählt Bat­te­rie- und Plug-in Hybri­de auf gut 21 Pro­zent der Neu­zu­las­sun­gen. In Deutsch­land ist der BEV- Anteil nach einem Ein­bruch 2024 (13,5 Pro­zent) inzwi­schen wie­der in Rich­tung 18 Pro­zent geklettert.

    Auf dem chi­ne­si­schen Pkw-Markt wird ein wei­te­res Wachs­tum der NEV-Ver­käu­fe pro­gnos­ti­ziert. S&P Glo­bal geht davon aus, dass die­se 2025 einen Anteil von 51 % an den Neu­wa­gen­ver­käu­fen errei­chen könn­ten – ein Anstieg von 7 % bis 8 % gegen­über dem Vorjahr.

    Jetzt zu dei­nem Punkt mit den „puren Ver­kaufs­zah­len nach Chi­na“ – also: Was pas­siert eigent­lich mit den deut­schen Her­stel­lern im Reich der Mitte?

    Die Kurz­form: Die Men­ge schrumpft, die Abhän­gig­keit bleibt hoch. Eine Aus­wer­tung für 2023 und 2024 zeigt, wie deut­lich die Kur­ve nach unten zeigt – obwohl Chi­na für alle drei gro­ßen deut­schen Her­stel­ler wei­ter­hin der wich­tigs­te Ein­zel­markt bleibt.

    Noch wich­ti­ger als die abso­lu­ten Zah­len ist der Trend im Markt­an­teil: Der Anteil deut­scher Mar­ken an den Gesamt­ver­käu­fen in Chi­na ist von rund 24 Pro­zent (2019) auf nur noch etwa 15 Pro­zent im Jahr 2024 gefal­len. Par­al­lel dazu ist der Anteil aus­län­di­scher Mar­ken ins­ge­samt von rund 62 auf etwas über 30 Pro­zent abge­stürzt – chi­ne­si­sche Her­stel­ler domi­nie­ren den Hei­mat­markt, gera­de im NEV2-Segment.

    Dei­ne intui­ti­ve Wahr­neh­mung „Die Zah­len nach Chi­na sind stark zurück­ge­gan­gen“ ist also ziem­lich gut belegt: weni­ger Stück­zah­len, deut­lich weni­ger Markt­an­teil und ein bru­tal har­ter Wett­be­werb mit BYD & Co. Vor die­sem Hin­ter­grund wirkt die deut­sche „Gegen­maß­nah­me“, das EU- Ver­bren­ner-Aus 2035 zu ver­schie­ben oder auf­zu­wei­chen, eher wie eine innen­po­li­ti­sche Beru­hi­gungs­ta­blet­te als wie eine Ant­wort auf die Wirk­lich­keit der Märkte:

    In Chi­na schiebt man E‑Mobilität nicht nur mit Sub­ven­tio­nen, son­dern mit hand­fes­ten Nach­tei­len für Ver­bren­ner – teu­re oder kaum erreich­ba­re Kenn­zei­chen, Fahr­be­schrän­kun­gen, regio­na­le Verbotsfahrpläne.

    In Euro­pa steigt der Anteil elek­tri­fi­zier­ter Antrie­be kon­ti­nu­ier­lich, wenn­gleich auch Rück­schrit­te erkenn­bar sind. Die deut­schen Her­stel­ler ver­lie­ren aus­ge­rech­net in dem Markt an Boden, der bis­her ihr Pro­fi­tan­ker war – Chi­na –, wäh­rend chi­ne­si­sche Mar­ken Euro­pa mit güns­ti­gen E‑Autos fluten.

    Für die deut­schen Zulie­fe­rer ist das dop­pelt bit­ter. Wer stark am klas­si­schen Antriebs­strang hängt – Ein­spritz­tech­nik, Getrie­be, Abgas­an­la­ge –, kann sich über jedes zusätz­li­che Ver­bren­ner-Jahr freu­en, das Ber­lin aus Brüs­sel her­aus­ver­han­delt. Kurz­fris­tig hilft das, Auf­trags­lö­cher und Ent­las­sun­gen zu stre­cken. Lang­fris­tig ändert es aber nichts dar­an, dass der welt­wei­te Markt für
    Ver­bren­ner aus­trock­net – nur eben in Chi­na schnel­ler als in Europa.

    Ist die Ber­li­ner Initia­ti­ve also erfolgversprechend?

    Poli­tisch mag sie in Deutsch­land für Schlag­zei­len sor­gen, wirt­schaft­lich ist sie bes­ten­falls ein Zeit­kauf. Das eigent­li­che Pro­blem der deut­schen Auto­in­dus­trie ist nicht, dass 2035 in der EU ein Datum im Gesetz steht. 

    Das Pro­blem ist, dass in Chi­na – und zuneh­mend auch in Euro­pa – längst ein ande­res Spiel gespielt wird: eines, in dem Soft­ware, Bat­te­rie­tech­no­lo­gie, Platt­for­men und Preis­brei­te über
    Markt­an­tei­le entscheiden.

    Solan­ge Deutsch­land mehr Ener­gie hin­ein­steckt, das alte Spiel etwas län­ger lau­fen zu las­sen, statt im neu­en Spiel end­lich voll mit­zu­spie­len, bleibt der Ver­such, das Ver­bren­ner-Aus zu ver­schie­ben, ein wenig wie ein Stau auf der A3: laut, ner­vig – und am Ende kommt man trotz­dem nicht schnel­ler ans Ziel.

    Legen­de:
    1. Bat­tery Elec­tric Vehic­le (BEV) + Plug-in Hybrid Elec­tric Vehic­le (PHEV) ↩
    2. New Ener­gy Vehic­le (NEV) ↩

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