Jährlicher Warnhinweis

Der von mir hoch­ge­schätz­te Blog­ger Matt Wag­ner weist in sei­ner Kolum­ne zum Jah­res­en­de regel­mä­ßig auf die fata­len Gefah­ren des Sil­ves­ter­feu­er­werks hin. Ich wie­der­um war­ne in schö­ner Regel­mä­ßig­keit vor einer ganz ande­ren, sai­so­na­len Deto­na­ti­on: der modi­schen Ent­glei­sung der kur­zen Hose am Männerbein.

Genutzt hat bei­des nichts. Regel­mä­ßig spren­gen sich Hob­by­py­ro­ma­nen zum Jah­res­ab­schluss die Fin­ger weg. Und mit exakt der­sel­ben mathe­ma­ti­schen Wahr­schein­lich­keit nei­gen Män­ner ab 40 im Som­mer zu beklei­dungs­mor­phen Störungen.

Ich habe es inzwi­schen im Grun­de auf­ge­ge­ben, min­des­tens der Gene­ra­ti­on Ü50 ein tex­ti­les Grund­ver­ständ­nis von Ästhe­tik zu ver­mit­teln. Es ist ein aus­sichts­lo­ser Kampf gegen käse­blei­che, behaar­te Bei­ne mit land­kar­ten­glei­chen Krampf­adern, die in Kom­bi­na­ti­on mit aus­ge­latsch­ten San­da­len (und den dar­in gefan­ge­nen, über­lan­gen Fuß­nä­geln) in der ihr eige­nen peri­phe­ren Bedeu­tungs­lo­sig­keit zur Schau gestellt wer­den. Gekrönt wird die­ses opti­sche Infer­no meist von einem wohl­ge­form­ten Bauch­an­satz, der sich müh­sam unter einem viel zu engen, mit Wer­be­tex­ten bedruck­ten T‑Shirt abzeichnet.

Da Hop­fen und Malz hier ohne­hin ver­lo­ren sind, möch­te ich mich heu­te zumin­dest auf ein grund­le­gen­des, zivi­li­sa­to­ri­sches Gesetz beschrän­ken. Näm­lich das halb­wegs stil­vol­le Erschei­nungs­bild bei öffent­li­chen Ver­an­stal­tun­gen, die nicht auf dem Ten­nis­platz im Frei­bad oder mei­net­we­gen auch im Fuß­ball­sta­di­on stattfinden

Lie­be Män­ner, es gibt schlicht­weg kei­ne Ent­schul­di­gung dafür, als erwach­se­ner Mann in der Öffent­lich­kei bei Ver­an­stal­tun­gen in kur­zen Hosen auf­zu­kreu­zen. Kei­ne. Nicht mal die glo­ba­le Erwärmung. 

Die Räum­lich­kei­ten für offi­zi­el­le Events wer­den näm­lich in der Regel auf eine huma­ne »Sak­ko­tem­pe­ra­tur« runtergekühlt. 

Und wer gar kein Sak­ko besitzt, ist mit einem klas­si­schen Hemd und einer Hose – und zwar bei­de bit­te­schön in der Lang­va­ri­an­te – bes­tens bedient. Ver­hül­lung von Män­ner­bei­nen ist kein Luxus, son­dern ein Akt der Nächstenliebe.

5 Kommentare zu „Jährlicher Warnhinweis“

  1. Ich war kurz besorgt wegen Welt­po­li­tik, Infla­ti­on und Kli­ma­kri­se. Aber zum Glück warn­test du mich recht­zei­tig vor dem eigent­li­chen Unter­gang — Män­ner mit Shorts. Das beru­higt mich unge­mein. Danke.

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  2. Ich gehe nie/nicht im Trai­nings­an­zug auf die Stra­ße, bei kur­zen Hosen wäre ich jetzt geneigt, es doch zu tun. Mit 72 stört sich dar­an, außer dir, kein Mensch, Frau­en schon gar nicht. Nimm es hin wie ein Mann und den­ke dir von mir aus dei­nen Teil. 🙂 Etwa so wie Karl Lager­feld, der einst von denen sprach, die die Kon­trol­le über ihr Leben ver­lo­ren hät­ten. Nur, weil sie einen Trai­nings­an­zug in der Öffent­lich­keit tru­gen. Ich gucke mich um und sehe all die dicken 20-jäh­ri­gen, die, viel­leicht auf­grund der uner­träg­li­chen Hit­ze, ihre Busen und Bäu­che hin­ter viel zu knap­pen Tei­len verbergen.

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    • Der Jah­res­hin­weis ist ja auch nicht ganz ernst gemeint. Ich hat­te nur ges­tern zum wie­der­hol­ten Male eine ver­stö­ren­de Begeg­nung bei einer öffent­li­chen Ver­samm­lung mit der oben genann­ten Spezies. 😉

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  3. Nein. NEIN! Bei kur­zen Hosen bin ich raus! In der eige­nen Woh­nung ja — aber selbst da, tra­ge ich bei den jet­zi­gen Tem­pe­ra­tu­ren zumin­dest eine beque­me wei­te Jog­ging­ho­se. Beim ein­kau­fen gibt es nur lang!
    Es ist wie Du sagst: Die Ver­wahr­lo­sung fängt mit Knie­frei­en Hosen an, irgend­wann wer­den die modi­schen Slip­per gegen aus­ge­lat­sche müf­feln­de San­da­len getauscht, anschlie­ßend wer­den die Füße sich selbst über­las­sen um Zehen­nä­gel und Horn­haut wild spries­sen zu las­sen und ande­ren Mit­men­schen jeg­li­chen Appe­tit aufs Essen oder ande­re Akti­vi­tä­ten zu verderben!
    Ich bin ganz klar bei Dir!
    Grü­ße aus dem nicht bein­frei­em Dortund
    P.

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