Iran – wem nutzt der Konflikt?

Krie­ge fol­gen meis­tens einer recht simp­len, wenn auch düs­te­ren Logik: Ein Staat will das, was ein ande­rer hat – Res­sour­cen, Ter­ri­to­ri­en oder gleich das gan­ze Paket. Beim US-Prä­si­den­ten und sei­nem aktu­el­len neu­en Schlag gegen den Iran gerät die­se Logik aller­dings ins Wan­ken. Sicher, ame­ri­ka­ni­sche Prä­si­den­ten haben schon immer ganz ger­ne mal einen Kon­flikt vom Zaun gebro­chen, wenn die hei­mi­schen Umfra­ge­wer­te im Kel­ler waren. Doch im Fall des Irans hat Trump unterm Strich, wie bereits vor eini­gen Mona­ten, wohl deut­lich mehr zu ver­lie­ren als zu gewinnen.

Klar, das kurz­fris­ti­ge Kal­kül zieht im eige­nen Lager. Für die kon­ser­va­ti­ven Hard­li­ner kommt der Kon­flikt wie geru­fen, um den Iran mili­tä­risch und poli­tisch dau­er­haft zu stut­zen. Das bedient per­fekt Trumps Lieb­lings­nar­ra­tiv vom star­ken Anfüh­rer, der »Ter­ror­fi­nan­zie­rer« und Geg­ner Isra­els ohne Zögern in die Schran­ken weist.

Die Rea­li­tät holt den Prä­si­den­ten aller­dings recht schnell an der Zapf­säu­le ein. Explo­die­ren­de Öl- und Ben­zin­prei­se tref­fen den ame­ri­ka­ni­schen Ver­brau­cher näm­lich genau wie alle andern auch. Für Trumps Wäh­ler ist der Sprit­preis an den Tank­stel­len Indi­ka­tor für eine schlech­te oder gute Regie­rung. Trump muss also den Spa­gat schaf­fen, gleich­zei­tig den star­ken Mann zu mar­kie­ren und irgend­wie die Prei­se zu drücken.

Nicht zuletzt wür­de ein »Infla­ti­ons­schock«, aus­ge­löst durch neue mili­tä­ri­sche Eska­la­tio­nen, der US-Wirt­schaft mas­siv zuset­zen. Wenn die Ener­gie­prei­se durch die Decke gehen, lei­det die glo­ba­le Wirt­schaft – und damit ganz auto­ma­tisch die USA und das ohne­hin ange­kratz­te inter­na­tio­na­le Anse­hen ihres Prä­si­den­ten. Trump spielt hier also wie­der ein­mal mit dem Feuer.

Mili­tä­risch mag ein Schlag den Iran schwä­chen, aber das Risi­ko einer unkon­trol­lier­ten Eska­la­ti­on steigt gewal­tig. Zudem ver­liert die USA damit das letz­te biss­chen Glaub­wür­dig­keit als bere­chen­ba­rer Part­ner. Gewin­ner bei die­sem Spiel sind Mos­kau und Peking.

Chi­na bei­spiels­wei­se pflegt sei­ne Kon­tak­te nach Tehe­ran ohne­hin recht unge­niert. Seit eini­gen Jah­ren tarnt man das dort als »umfas­sen­de stra­te­gi­sche Part­ner­schaft für Ange­le­gen­hei­ten von Wirt­schafts­si­cher­heit und tech­no­lo­gi­scher Koope­ra­ti­on«. Auf gut Deutsch: Wäh­rend der Rest der Welt sich an Sank­tio­nen abar­bei­tet, sichert sich Chi­na im Iran wei­ter­hin den Zugriff auf Rohstoffe. 

Ja, die kurz­fris­ti­gen Erfol­ge sind da – Applaus von der repu­bli­ka­ni­schen Basis, Rücken­wind für Tei­le der hei­mi­schen Ener­gie­bran­che und ein ange­schla­ge­ner Geg­ner im Nahen Osten. Aber dem gegen­über steht eine ziem­lich saf­ti­ge Rech­nung: hef­ti­ger Infla­ti­ons­druck, das Risi­ko eines Flä­chen­brands und eine struk­tu­rel­le Stär­kung von Riva­len wie Chi­na und Russ­land. Ob sich die­ser »Deal« für Trump am Ende wirk­lich aus­zahlt, darf bezwei­felt werden.

2 Kommentare zu „Iran – wem nutzt der Konflikt?“

  1. Ich glau­be Trump nutzt die­ses “Krieg an — Krieg aus”-Spiel ganz gezielt um sich am Akti­en­markt zu berei­chern. Sie­he hier: https://www.zdfheute.de/politik/ausland/trump-aktien-vorwurf-bereicherung-100.html Jedes­mal wenn er sei­ne Angrif­fe wie­der auf­nimmt, reagie­ren die Ira­ner und schlie­ßen die Stra­ße von Hor­mus, was die Ölprei­se nach oben treibt — dar­auf reagie­ren die Akti­en­wer­te und es ist ja nicht das ers­te Mal, dass nach­ge­wie­se­ner­ma­ßen hun­der­te Mil­li­on hohe Akti­en­käu­fe aus dem wei­ßen Haus getä­tigt wur­den, kurz bevor der Spin­ner wie­der auf den roten Knopf gedrückt hat.
    Er hat ja sogar vor lau­fen­der Kame­ra gesagt, dass ihm sein Volk egal ist in Bezug auf Erd­öl­prei­se — was mich schau­dern lässt, wie blind und dumm die rest­li­chen Anhän­ger von Donald Trumps Poli­tik sind.
    Dass Trumps Steu­er­un­ter­la­gen auf­grund sei­ner Mario­net­ten in den hohen Posi­tio­nen nun auch rück­wir­kend nicht mehr geprüft wer­den dür­fen, alle sei­ne Kom­pli­zen mit dem “Exe­cu­ti­ve Grant of Cle­men­cy” eine Gene­ral-Amnes­tie für alle began­ge­nen Ver­bre­chen bekom­men haben, lässt mich stark dar­an zwei­feln, dass Ame­ri­ka über­haupt noch­mals in der Lage sein wird als Welt­macht auf die­ser Welt aner­kannt zu wer­den. Für mich ist das nur noch eine Bana­nen-Repu­blik — nur wesent­lich stär­ker bewaffnet.

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    • @Peter: Das mag sein, jeden­falls wäre es Trump zu zutrau­en. Wobei man sagen muss, die Amis haben ein ganz ande­res kul­tu­rel­les Ver­ständ­nis. Das Ver­ständ­nis für Mili­tär, bzw. mili­tä­ri­sche Gewalt ist in den USA posi­tiv besetzt. Die älte­re Gene­ra­ti­on der USA sieht ihr Land gar als das Land mit einem natür­li­chen welt­wei­ten Führungsanspruch.

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