Invasive Art

Anen­to­me Hele­na — Wiki­pe­dia gemein­frei­es Werk
Vor ca. einem hal­ben Jahr hat­te ich mir eine Schne­cken­pla­ge in mei­nem Aqua­ri­um ein­ge­fan­gen. Nicht schön anzu­se­hen, aber auch nicht gefähr­lich. In frü­hen Jah­ren habe ich immer mal wie­der einen schne­cken­fres­sen­den Kugel­fisch ein­ge­setzt, um der Pla­ge Herr zu wer­den. Mit dem Ergeb­nis, dass zwar die Schne­cken dezi­miert waren, aber ich den Fisch auf­wän­dig mit Mücken­lar­ven füt­tern muss­te, als Fleisch­fres­ser ver­schmäht der Assel-Kugel­fisch näm­lich Tro­cken­fut­ter. Jeden­falls soll­te eine ande­re Lösung her, auch des­halb, weil Colo­me­sus asel­lus, so der wis­sen­schaft­li­che Name, oft­mals ordent­lich Ärger machen kann.


So bin ich irgend­wann auf Raub­schne­cken gekom­men. Hele­na Raub­schne­cken ernäh­ren sich von ande­ren Schne­cken und sind laut Lite­ra­tur her­vor­ra­gend geeig­net, um einen Schne­cken­über­schuss im Becken auf natür­lich Art abzu­bau­en, angeb­lich ohne dabei selbst zur Pla­ge zu wer­den, da sie sich nur lang­sam vermehren. 

Soweit die Theo­rie. Anfang Juli hat­te ich dann vier Hele­na Raub­schne­cken in mein Aqua­ri­um gesetzt – und sie­he da, nach ein paar Wochen war von den ande­ren Schne­cken kaum noch etwas zu sehen. Aller­dings ver­mehr­ten sich die Raub­schne­cken umso zahl­rei­cher und bald hat­te ich sicht­bar eine gan­ze Hor­de, der zuge­ge­be­ner Maßen hüb­schen Schne­cken. Mei­ne Annah­me aller­dings, dass sich die Hele­nas viel­leicht sel­ber fres­sen, war falsch.Im Gegen­teil, die Tie­re ver­mehr­ten sich in beun­ru­hi­gen­der Anzahl weiter.

Zu mei­ner Beru­hi­gung las ich, dass die Art sehr fried­lich ist und Fischen, Gar­ne­len, Kreb­sen und ande­ren Schne­cken ver­ge­sell­schaf­tet wer­den kann. 

Was man leicht ver­gisst ist, dass jedes noch so klei­ne und fried­lich Tier tat­säch­lich auch aggres­siv wer­den kann. Ent­we­der um die Brut zu schüt­zen oder schlicht­weg bei Hun­ger. Vor­ges­tern jeden­falls sah ich auf dem Kies ca. drei­ßig tote Mini­gar­ne­len in mei­nem Becken. Bei nähe­rer Betrach­tung sah ich, dass der Boden über­säht war mit lee­ren Chi­tin­pan­zern von mei­nen Mini­gar­ne­len. Die klei­nen Raub­schne­cken (ca. 3cm groß) hat­ten offen­sicht­lich einen Weg gefun­den, die Gar­ne­len trotz Schutz­pan­zer, zu über­wäl­ti­gen und zu fres­sen. Einen Tag spä­ter konn­te ich beob­ach­ten, wie sie die etwas dus­se­li­gen Gar­ne­len mit ihrem Fuß fest­hiel­ten und durch eine offe­ne Stel­le im ansons­ten recht har­ten Pan­zer mit ihrem Rüs­sel aussaugen.

Inter­es­sant fand ich die Fest­stel­lung, wel­chen Scha­den eine inva­si­ve, vom Men­schen in ein Öko­sys­tem ein­ge­setz­te Art, selbst in einem Aqua­ri­um anrich­ten kann. 

Der aktu­el­le Dis­ney-Ani­ma­ti­ons­film „Zoo­ma­nia 2“ mit der blau­en Schlan­gen­fi­gur Gary De’Snake löst der­zeit in Chi­na einen Hype aus, sodass vie­le jun­ge Men­schen rea­le hell­blaue Insel-Bam­bu­sot­tern als Haus­tie­re kau­fen wol­len. Ich möch­te nicht wis­sen, wie­viel Schlan­gen die­ser Art spä­ter ein­fach in der Natur aus­ge­setzt wer­den, weil die Hal­ter über­for­dert sind. 

8 Gedanken zu „Invasive Art“

  1. Viel­leicht eine dum­me Fra­ge, aber ich kenn mich mit Aqua­ri­en gar­nicht aus: War­um sam­melst du die schäd­li­chen Schne­cken nicht ein­fach raus?

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    • Das mache ich, aller­dings ist das eine Sache von ein paar Tagen, da sich die Tie­re im Boden ein­bud­deln. Ich muss dann jeweils wie­der eine Nacht war­ten, um bei Tages(Licht) ‑anbruch die Schne­cken einzusammeln. 🙂

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  2. Wenn Du eine Man­tis ins Aqua­ri­um setzt bekom­men die Schne­cken aber den End­geg­ner — da ist nix mehr mit mal eben aus­sau­gen. Die wer­den buch­stäb­lich ato­mi­siert. Da musst Du nur auf­pas­sen. Die Schlag­kraft des Über-Shrimps kann sogar Aqua­ri­um­schei­ben zum Sprin­gen bringen.

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    • Ne, lass mal😁Ich habe mir ja eigent­lich extra fried­li­che Tie­re zusam­men­ge­stellt. (Salm­ler und Wel­se) , dass so klei­ne Schne­cken ran­da­lie­ren kön­nen, hät­te ich nicht erwartet.

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  3. So ist das mit den inva­si­ven Arten. Bei mei­nen Spa­zier­gän­gen sehe ich immer wie­der Pflan­zen, die auch zu die­ser Sor­te zäh­len und die man eigent­lich gar nicht pflan­zen darf. Soweit die Theo­rie. Offen­bar wer­den sie ver­kauft und ent­spre­chend auch in die Gär­ten gepflanzt. Erst nach und nach erkennt man das Ver­häng­nis. Und dann fal­len mir die Nil- oder auch die Kana­da­gän­se ein. Ich habe gar nichts gegen die schö­nen Tie­re. Aber … du weißt schon. Offen­bar haben die kei­ne natür­li­chen Feinde.

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    • Man bekommt ein ganz ande­res Ver­ständ­nis dafür, was pas­siert, wenn der Mensch in die Natur ein­greift. Wasch­bä­ren, Nut­ri­as und eini­ge Fluss­kreb­se, um nur eini­ge zu nennen. 

      Lei­der gab und gibt es auch immer wie­der “Tier­freun­de”, die ihre Tie­re in der Natur aus­setz­ten. Ich erin­ne­re mich an die Schmuck­schild­krö­te oder Kat­zen­wel­se. Zu groß gewor­den oder ein­fach kei­ne Zeit mehr und damit ins nächs­te Gewäs­ser, mit dem Erfolg der unkon­trol­lier­ten Ver­meh­rung ohne ent­spre­chen­de Fressfeinde.

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  4. Da sieht man im Klei­nen, was im Gro­ßen schon so oft schief gegan­gen ist. In der Theo­rie klingt alles immer so ein­fach aber dann läuft es halt doch anders, als geplant. Scha­de um die Gar­ne­len. Wie löst du das Pro­blem? Oder löst es sich von selbst, wenn die Gar­ne­len alle sind?

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    • Bei der Men­ge Gar­ne­len fal­len 30–40 Stck nicht ins Gewicht. Die ver­meh­ren sich näm­lich auch wie die Flie­gen. (Wie im übri­gen die Anten­ne­wel­se auch) Ich habe noch ein wei­tes Becken mit gefrä­ßi­gen Leo­pard­busch­fi­schen, die küm­mern sich um alles, was ich im Becken oben abge­sam­melt, bzw. zu fan­gen krie­ge. So kann ich ein halb­wegs aus­ge­gli­che­nes Öko­sy­tem gewähren.(Wenn auch über zwei Becken hinweg)😁

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