
So bin ich irgendwann auf Raubschnecken gekommen. Helena Raubschnecken ernähren sich von anderen Schnecken und sind laut Literatur hervorragend geeignet, um einen Schneckenüberschuss im Becken auf natürlich Art abzubauen, angeblich ohne dabei selbst zur Plage zu werden, da sie sich nur langsam vermehren.
Soweit die Theorie. Anfang Juli hatte ich dann vier Helena Raubschnecken in mein Aquarium gesetzt – und siehe da, nach ein paar Wochen war von den anderen Schnecken kaum noch etwas zu sehen. Allerdings vermehrten sich die Raubschnecken umso zahlreicher und bald hatte ich sichtbar eine ganze Horde, der zugegebener Maßen hübschen Schnecken. Meine Annahme allerdings, dass sich die Helenas vielleicht selber fressen, war falsch.Im Gegenteil, die Tiere vermehrten sich in beunruhigender Anzahl weiter.
Zu meiner Beruhigung las ich, dass die Art sehr friedlich ist und Fischen, Garnelen, Krebsen und anderen Schnecken vergesellschaftet werden kann.
Was man leicht vergisst ist, dass jedes noch so kleine und friedlich Tier tatsächlich auch aggressiv werden kann. Entweder um die Brut zu schützen oder schlichtweg bei Hunger. Vorgestern jedenfalls sah ich auf dem Kies ca. dreißig tote Minigarnelen in meinem Becken. Bei näherer Betrachtung sah ich, dass der Boden übersäht war mit leeren Chitinpanzern von meinen Minigarnelen. Die kleinen Raubschnecken (ca. 3cm groß) hatten offensichtlich einen Weg gefunden, die Garnelen trotz Schutzpanzer, zu überwältigen und zu fressen. Einen Tag später konnte ich beobachten, wie sie die etwas dusseligen Garnelen mit ihrem Fuß festhielten und durch eine offene Stelle im ansonsten recht harten Panzer mit ihrem Rüssel aussaugen.
Interessant fand ich die Feststellung, welchen Schaden eine invasive, vom Menschen in ein Ökosystem eingesetzte Art, selbst in einem Aquarium anrichten kann.
Der aktuelle Disney-Animationsfilm „Zoomania 2“ mit der blauen Schlangenfigur Gary De’Snake löst derzeit in China einen Hype aus, sodass viele junge Menschen reale hellblaue Insel-Bambusottern als Haustiere kaufen wollen. Ich möchte nicht wissen, wieviel Schlangen dieser Art später einfach in der Natur ausgesetzt werden, weil die Halter überfordert sind.
Vielleicht eine dumme Frage, aber ich kenn mich mit Aquarien garnicht aus: Warum sammelst du die schädlichen Schnecken nicht einfach raus?
Das mache ich, allerdings ist das eine Sache von ein paar Tagen, da sich die Tiere im Boden einbuddeln. Ich muss dann jeweils wieder eine Nacht warten, um bei Tages(Licht) ‑anbruch die Schnecken einzusammeln. 🙂
Wenn Du eine Mantis ins Aquarium setzt bekommen die Schnecken aber den Endgegner — da ist nix mehr mit mal eben aussaugen. Die werden buchstäblich atomisiert. Da musst Du nur aufpassen. Die Schlagkraft des Über-Shrimps kann sogar Aquariumscheiben zum Springen bringen.
Ne, lass mal😁Ich habe mir ja eigentlich extra friedliche Tiere zusammengestellt. (Salmler und Welse) , dass so kleine Schnecken randalieren können, hätte ich nicht erwartet.
So ist das mit den invasiven Arten. Bei meinen Spaziergängen sehe ich immer wieder Pflanzen, die auch zu dieser Sorte zählen und die man eigentlich gar nicht pflanzen darf. Soweit die Theorie. Offenbar werden sie verkauft und entsprechend auch in die Gärten gepflanzt. Erst nach und nach erkennt man das Verhängnis. Und dann fallen mir die Nil- oder auch die Kanadagänse ein. Ich habe gar nichts gegen die schönen Tiere. Aber … du weißt schon. Offenbar haben die keine natürlichen Feinde.
Man bekommt ein ganz anderes Verständnis dafür, was passiert, wenn der Mensch in die Natur eingreift. Waschbären, Nutrias und einige Flusskrebse, um nur einige zu nennen.
Leider gab und gibt es auch immer wieder “Tierfreunde”, die ihre Tiere in der Natur aussetzten. Ich erinnere mich an die Schmuckschildkröte oder Katzenwelse. Zu groß geworden oder einfach keine Zeit mehr und damit ins nächste Gewässer, mit dem Erfolg der unkontrollierten Vermehrung ohne entsprechende Fressfeinde.
Da sieht man im Kleinen, was im Großen schon so oft schief gegangen ist. In der Theorie klingt alles immer so einfach aber dann läuft es halt doch anders, als geplant. Schade um die Garnelen. Wie löst du das Problem? Oder löst es sich von selbst, wenn die Garnelen alle sind?
Bei der Menge Garnelen fallen 30–40 Stck nicht ins Gewicht. Die vermehren sich nämlich auch wie die Fliegen. (Wie im übrigen die Antennewelse auch) Ich habe noch ein weites Becken mit gefräßigen Leopardbuschfischen, die kümmern sich um alles, was ich im Becken oben abgesammelt, bzw. zu fangen kriege. So kann ich ein halbwegs ausgeglichenes Ökosytem gewähren.(Wenn auch über zwei Becken hinweg)😁