Kinokritik: Der Astronaut- Project Hail Mary
Man muss es so sagen: Der Film ist kein knallhartes Weltraum-Drama, sondern eher eine Liebeserklärung an die Ära von E.T. Das Ganze ist ganz niedlich geraten – ein Film, den man sich hervorragend mit der Familie ansehen kann, ohne dass man danach drei Tage lang über die Abgründe der menschlichen Existenz grübeln muss.
Ryan Gosling spielt diesen Ryland Grace mit einer Spielfreude, die ansteckend wirkt. Er gibt den verträumten Softie-Wissenschaftler so überzeugend, dass man ihm den interstellaren MacGyver sofort abnimmt und ihn eigentlich ständig in den Arm nehmen möchte. Wenn er mit seinem Alien-Kumpel »Rocky« kommuniziert, fehlt eigentlich nur noch der leuchtende Zeigefinger, um die Hommage an Spielberg perfekt zu machen. »Rocky« ist dabei so rührig gestaltet, dass man fast vergessen könnte, dass es sich um ein außerirdisches Gestein handelt. Das Rocky zu allem Überfluss nicht auch noch übergroßen Babyaugen spendiert bekommen hat, nimmt der Zuschauer dankbar wahr.
Den strengen Kontrast dazu setzt Sandra Hüller als Eva Stratt. Während im All der Kuschelkurs gefahren wird, agiert Hüller auf der Erde mit einer Kühle, wie eine frisch polierte Edelstahlarbeitsplatte in der Küche. Eva Stratt spielt unnahbar und effizient – eine echter »Maître de Mission«. Dieser Kontrast zwischen Hüllers eisiger Professionalität und Goslings verträumtem Entdeckergeist lässt den Film letztendlich nicht vollends als Schmonzette abtun.
Fazit: Für Fans von E.T. und rührigen Sci-Fi-Geschichten ist »Project Hail Mary« ein echtes Fest. Wer kein Problem mit einer Portion Weltraum-Zuckerwatte hat und sich gerne von der Spielfreude eines Ryan Gosling anstecken lässt, wird hier bestens bedient.
Wer wegen der erhofften schönen Weltraumbilder ins Kino gekommen war, wurde enttäuscht und sollte sich vielleicht lieber noch mal den Film »Gravity« ansehen.