Der dörflich behüteten, jeder kennt jeden, Idylle entkommen zu wollen, ist aber nicht so einfach. Sicher, das Fahrrad wäre hilfreich, wird aber in einem Alter, wo man gemeinhin mit aufbrezelten und Auspuff entkernten 50ccm Zweirädern die Gegend unsicher macht, zunehmend uncool.
Was also tun, wenn das halbe Dorf vermeintlich mit Argusaugen darüber wacht, wer, wann und wo im Dorf Ausbrüche aus dem Gemeinschaftsleben versucht und das natürlich sofort an die zuständige Erziehungsstelle oder auch nur an einen der zahlreichen Verwandten weitergibt?
Nun, die Uroma, wie jeder im Dorf mit einem Fahrzeug ausgerüstet und zum Glück für das jüngste Netzkind nicht mit einem Trecker, war bisher Garant für eine mehr oder weniger einwandfreie Chauffeursfahrt in nächste verwandtschaftsfreie Gefilde. Allerdings steht zu befürchten, dass, wenn man den Dorfsheriff als unfähigen Trottel bezeichnet und ihm androht, ihn übers Knie zu legen, nicht unbedingt als Garantie dafür ist, den Führerschein in Zukunft zu behalten.… Außerdem soll das Glück bei nächtlichen Autofahrten ohne Licht im hohen Alter nicht überstrapaziert werden.
An manchen Abenden wird der Job des Teenietaxi auch für mich frei, das Netzkind ist aber mitnichten bereit für ein Telefonat,; bevorzugt korrespondiert das Kind mittels Sprachnachricht.
Wobei – der Begriff Korrespondenz impliziert ja eigentlich den wechselseitigen Austausch von Nachrichten, im Fall des jüngsten Netzkindes kann davon keine Rede sein. Ein kurzes Pling und ich erhalte eine Nachricht, die ich der klingonischen Sprache zuordne, wobei ich die wohl eher verstehen würde. Nicht nur ich, sondern auch Whatasapp versteht beim Versuch des Transkribierens so was wie:
Der Vibe war komplett lost. Erst war’s voll cringe, dann kam er mit so ’nem NPC-Move, alle waren lowkey shook. 8 Uhr?
Das Handy schütteln nützt übrigens nichts, der Kauderwelsch bleibt genau so auf dem Bildschirm. Rückfragen sind schon deshalb nicht möglich, weil die Kids entweder auf ihren Ohren sitzen, oder einfach nicht ans Handy gehen.
Der Versuch der Übersetzung durch Google endet mit einer Seite, auf der ein mit Denkblasen in Form von Fragezeichen sitzendes Männchen an einem Eisloch angelt.
Ich schwör’ Bro!

Das erklärt auch den schleppenden Gesprächsverlauf zwischen dem Nachwuchs der neuen Freundin des Schwagers und “uns Alten” 😂. Hab gelernt, dass Erwachsene generell peinlich, knutschende Erwachsene abgrundtief peinlich und Mütter todespeinlich sind. Immerhin waren die beiden Teenies so einsichtig, sich auch selbst als peinlich zu bezeichnen. Kann mich nicht erinnern, dass ich in dem Alter so anstrengen bzw. peinlich gewesen sei 😇
Nein, natürlich nicht. Im Rückblick waren wir alle die liebsten Kinder 😉