Erfolgreiche Gehirnwäsche?

Ein Gespräch mit einem Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker ist in der Regel etwas uner­freu­li­ches, aller­dings lässt sich auch etwas über gelun­ge­ne Mani­pu­la­ti­on lernen. 

Der Bekann­te war außer sich. Was als harm­lo­ser Small­talk begann, ende­te mit einem auf­ge­brach­ten Men­schen, dem offen­sicht­lich der Hang zur Rea­li­tät abhan­den gekom­men war. 

Viel mehr als die kru­den Argu­men­ta­ti­ons­ket­ten, die Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker auf­bau­en, inter­es­sier­te mich die Fra­ge, was einen Men­schen dazu bewe­gen könn­te, Ver­schwö­rungs­theo­rien zu ver­fal­len und die­se mas­siv ver­su­chen zu verbreiten. 

Und sie­he da, auch dazu gibt es eine wis­sen­schaft­li­che Abhand­lung, “Ver­schwö­rungs­theo­rien und ihre Anhän­ger”, gefun­den über Goog­le Sho­lar. Prof. Dr. Jür­gen Kör­ner hat sich mit dem Phä­no­men Ver­schwö­rung beschäf­tigt und die Aus­lö­ser bzw. Mecha­nis­men dazu untersucht. 

Zunächst ist fest­zu­stel­len, dass eine Ver­schwö­rungs­theo­rie kom­ple­xe Zusam­men­hän­ge ver­ein­facht, somit ver­lie­ren Sach­ver­hal­te ihren Schre­cken und der Mensch gewinnt schein­bar die Kon­troll­fä­hig­keit über kom­pli­zier­te Sach­ver­hal­te zurück. 

Ver­schwö­rungs­er­zäh­lun­gen lie­fern eine kla­re Ursa­che, was emo­tio­nal ent­las­tend wirkt. Eine Rol­le spielt sicher­lich die Gemein­schaft, auch wenn sie oft­mals nur vir­tu­ell erlebt wird. In der Sze­ne fin­den sie plötz­lich Gleich­ge­sinn­te, die Bestä­ti­gung, Iden­ti­tät und ein „Wir gegen die“ anbieten. 

Oft­mals füh­len sich Men­schen, die ins Ver­schwö­rungs­mi­lieus abrut­schen, gesell­schaft­lich nicht geach­tet und fin­den in der „Ver­schwö­rungs­ge­mein­schaft“ Bestä­ti­gung ihrer Mei­nung und ihrer Person.

Dane­ben gibt es die­je­ni­gen, die nar­ziss­ti­sche Ten­den­zen auf­wei­sen und glau­ben, etwas ganz Beson­de­res zu wis­sen, was sonst kaum jemand weiß. Auch eine vor­he­ri­ge nega­ti­ve Erfah­rung mit Poli­ti­kern oder Auto­ri­tä­ten und sei es nur durch Intrans­pa­renz berei­tet oft den Boden für Verschwörungen. 

Durch Mani­pu­la­ti­on in den sozia­len Netz­wer­ken kommt es letzt­end­lich zu einer Bestä­ti­gung der eige­nen Ansich­ten; Fake News und gefälsch­te Bil­der und Fil­me wer­den unkri­tisch bewer­tet und ver­stär­ken oft­mals die eige­ne Welt­an­sicht. Ein Algo­rith­mus sorgt dafür, dass der User in sei­ner Ver­schwö­rungs­bla­se bleibt. 

Gefälsch­te Nach­rich­ten, Bil­der, vor allem Vide­os wer­den in die Time­line gespült und ver­stär­ken den kogni­ti­ven Gesamt­ein­druck. Seriö­se Medi­en sind dann die Fake News in Diens­ten der Herr­schen­den. An dem Punkt haben die Pro­fi­teu­re der Mani­pu­la­ti­on gewon­nen. Kri­ti­sche Selbst­re­fle­xi­on ist nicht mehr mög­lich. Mit Argu­men­ten las­sen sich Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker oft­mals auch nicht mehr überzeugen. 

Im Gegen­teilt – jeder Ver­such wird sofort als Beleg für das die Rich­tig­keit der eige­nen Argu­men­te gewertet.

Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker sind nicht ein­fach „gehirn­ge­wa­schen“, son­dern gera­ten in eine Mischung aus Kri­se, kogni­ti­ven Mus­tern, sozia­ler Bestä­ti­gung und digi­ta­ler Ver­stär­kung. Die­se Kom­bi­na­ti­on kann sehr mäch­tig sein – und das macht Ver­schwö­rungs­theo­rien so anziehend.
Wie gut inzwi­schen dabei unter­stüt­zen­de Fake-Vide­os sind, lässt sich an dem nach­fol­gen­den wit­zig gemach­ten Video zeigen. 

2 Gedanken zu „Erfolgreiche Gehirnwäsche?“

  1. Toll erklärt! Wie häu­fig man heut­zu­ta­ge im ech­ten Leben auf sol­che Leu­te trifft, erschüt­tert mich. Selbst gute Freun­de zei­gen Ansät­ze. Da weiß ich nicht, wie ich damit umge­hen soll. Meis­tens hal­te ich die Klap­pe und len­ke mit einem ande­ren The­ma ab und zwar in der Hoff­nung, dass ich damit nicht ledig­lich auf einem ande­ren Feld ange­kom­men bin. Heut­zu­ta­ge gibts ja Ver­schwö­rungs­theo­rien dank der aso­zia­len Medi­en rund um alle Belan­ge des täg­li­chen Lebens. Das Gefühl habe ich jeden­falls häu­fig. Wenn ich sehe, wie vie­le Hir­n­is ihre Vide­os bei You­Tube pos­ten, dann wird mir um unse­re Zukunft angst und bange.

    • @Horst: Ich fin­de es unfass­bar wie gut bei­spiels­wei­se gefälsch­te Nach­rich­ten oder Vide­os heu­te gemacht sind. Ich sel­ber bin auch das ein oder ande­re Mal ins Grü­beln gekom­men, ob nicht die­se oder jene Nach­richt wahr ist — und das — obwohl ich mich als digi­tal eini­ger­ma­ßen erfah­ren ein­schät­ze. Erstaunt bin ich, mit wel­chem Fana­tis­mus eini­ge Men­schen Ver­schwö­rungs­theo­rien verbreiten.

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