Die Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen den Grünen-Bundestagsabgeordneten Stefan Gelbhaar, die Ende 2024/Anfang 2025 publik wurden, erwiesen sich dagegen als haltlos. Mindestens ein zentraler, stark belastender Vorwurf war offenbar frei erfunden und ging auf eine Berliner Grünen-Bezirksfraktionsvorsitzende zurück. Politisch ist Gelbhaar damit erledigt.
Dass man nur mit genug Dreck schmeißen muss, damit etwas hängen bleibt, ist in der Politik kein neues Muster. Die Barschel-Affäre ist exemplarisch für die schmutzigen Tricks von Politikern: 1987 versuchte der damalige Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Uwe Barschel, im Wahlkampf, den SPD-Spitzenkandidaten Björn Engholm mit unlauteren Mitteln massiv zu beschädigen.
In diesem Jahr nun wird versucht, dem CDU-Kandidaten für das Ministerpräsidentenamt in Baden-Württemberg, Manuel Hagel, einen Sexismusvorwurf anzuhängen, weil er in einem Interview über einen Schulbesuch sagte: »Da gibt’s für 29-jährige Abgeordnete schlimmere Termine als diesen.« Eine Schülerin schien es ihm besonders angetan zu haben: »Ich werd’s nie vergessen, die erste Frage, sie hieß Eva, braune Haare, rehbraune Augen.« [rundschau-online]
Die Grünen-Abgeordnete Zoe Mayer verstieg sich zu der Behauptung, diese Sätze seien als Beleg für Sexismus ausreichend: »Was meint ein erwachsener Mann damit, dass es ein besonders schöner Termin ist, wenn er in einem Klassenzimmer mit maximal 16-Jährigen sitzt?«
Wir stehen in den nächsten Jahren vor den größten demokratisch gewählten politischen Eruptionen in der deutschen Geschichte seit 1933. Im Autoländle brodelt’s gewaltig aufgrund der Automobilkrise. Die AfD könnte in Baden-Württemberg bei den Wahlen am 8.März Zugewinne machen; kann sie sich auf Landes- und Bundesebene weiter durchsetzen, könnten sie die ersten rechtsextremen Ministerpräsidenten stellen.
Haben wir keine andern Sorgen, als eine unglückliche Äußerung eines 29-jährigen Mannes in einem Interview vor acht Jahren?
Ich finde es zwar gut, dass die Grünen in BW aufgeholt haben. Aber doch nicht um diesen Preis! Hagel ist mir durch diese Jagd auf ihn eher sympathisch geworden. Ja, ich bin sehr kritisch eingestellt, was Übergriffe auf Frauen angeht. Aber was sich da abspielt, ist so drüber, dass ich manchmal kaum fassen kann, wie bigott manche sind und wie in Teilen unmenschlich manche Leute das Handeln anderer bewerten.
Der Zeitpunkt und der Zeitraum der zurückliegende Ereignisse lassen nur den Schluss einer Inszenierung zu. Vor allem aber hat Hagel nicht der Schülerin unanständige Komplimente gemacht, sondern sich in einem Interview unprofessionell geäußert. Wer das als Politikerin ausschlachten muss, hat offensichtlich politisch sonst nichts zu bieten.
muss ja auch kein Skandal sein, die Leute fällen einfach nur ihre Wahlentscheidungen im lichte der Eignung des Kandidaten.
@Gjerv: … und ein Interview aus 2018 sagt was über die Eignung aus?
@Peter Lohren: Es sagt aus, dass dieser zu diesem Zeitpunkt bereits dreißigjährige, erwachsene Mann, Manuel Hagel, für öffentliche Ämter ungeeignet ist, und man, wenn man einen Funken Anstand im Leib hat, über Schamgefühl verfügt und ein Interesse daran hat, dass das Land Baden-Württemberg von halbwegs vernünftigen Leuten regiert wird, Manuel Hagel vom Amt des Ministerpräsidenten fernhält. Manuel Hagel ist peinlich, hat sich nicht im Griff, beherrscht den öffentlichen Auftritt nicht, hat kein Rückgrat, keine Würde und keinen Esprit. Männer mit Anstand und Verstand schämen sich für Manuel Hagel. Sie verachten Manuel Hagel.
Einfach nur falsch. Wer aufgrund dieser Äußerung so urteilt, hat eine verkorkste Vorstellung von so ziemlich allem, was ich mir vorstellen kann. Aber gut. Woke ist halt leider nicht tot. Männer mit Anstand? Boah eh. Kanns nur bei den Grünen geben.
Mit “Einfach nur falsch” bringt Horst Schulte zum Ausdruck, dass Manuel Hagel sich aufgrund seiner peinlichen, schamlosen Äußerungen aus Sicht von Horst Schulte offenbar besonders für ein hohes öffentliches Amt eignet.
Damit hat sich der Betreiber des “Blog für Mutige jeden Alters” als derjenige offenbart, der weder fühlt, noch denkt noch widerspricht, schon gar nicht den Mächtigen oder denjenigen, die gerne mächtig wären. Horst Schulte ist Untertan durch und durch.
@ Gjerv: Ich habe ja schon viel dummes Zeug gelesen, aber der Kommentar setzt noch mal einen drauf. Wenn Du nur beleidigen willst, mach das du wegkommst, du Schmock.
@Gierv: Du scheinst ihn besser zu kennen, mir war Manuel Hagel bisher überhaupt noch nicht aufgefallen. Jedenfalls könnte ich ihm aus einer despektierlichen Antwort in einem Interview, diese Eigenschaften nicht zuschreiben, zumindest nicht in Gänze. Der Journalist Harald Martenstein sagte dazu treffend: »Bester Charakter und die Qualität als Politiker sind aber nun mal nicht immer deckungsgleich.«
Es ist möglich und für aufrechte Demokraten leider auch nötig, jemanden, der sich für ein öffentliches Amt bewirbt, kennenzulernen. Mir wäre es ebenfalls lieber gewesen, Manuel Hagel, Peter Lohren, Horst Schulte oder Harald Martenstein niemals kennen zu müssen.
Ah, ein Bot, deshalb 😂
Die Schablone, die du für Gjerv gefunden hast, gefällt mir. Allemal besser als die, die er für mich fand.
Heja Heja, hier geht es ja richtig ab — die Woken Krieger sind auf Kriegspfad.. 🙂
Ich darf auch mal meinen Hut in den Ring werfen — mon Chapeau — sozusagen.
Inwiefern eine solche Äußerung rassistisch ist, da ist bei jedem die Grenze zum Sexismus anscheinend anders gezogen — bei einigen ist die Latte so niedrig, dass sie auf dem Boden liegt.
Ich bemühe mich dahingehend zurück zu halten — wer meine Blogbeiträge von vor 15 bis 20 Jahren kennt, der weiß, dass ich durchaus zotige Begriffe für “Weibsvolk” (übrigens ein Wort welches Salonfähig durch den Film “das Leben des Brian” wurde. Ich schreibe das, damit mich der hier schreibende seltsame Woke Krieger nicht mit einem “Rosa Wattebauschfluch” belegt). Ich würde Äußerungen immer in einem Kontext sehen und bei welcher Gelegenheit. Wer kennt nicht die Männergespräche wo Männer sich bei feiern im Kreise der Freunde damit brüsten, was sie für tolle Hechte im Bett sind. Was unter Kumpels gesagt wird, bleibt unter Kumpels.
Dort sind deshalb auch aus gutem Grund keine Frauen gewünscht (wenn ein Freund fragt ob er seine Freundin mitbringen kann, wird er meist schon schief angeschaut) — und die meisten Frauen wissen was da passiert, bleiben mit dem Arsch zu Hause und halten schon mal den Eimer bereit, wenn Ihr Kerl total besoffen nach Hause kommt und 10 Liter Bier auskotzt.
Das ist eklig aber völlig in Ordnung. Wir lassen die Partnerein auch mit ihren Freundinnen zu ihren Buchlesungen gehen, oder Vernissagen oder was auch immer — denn das finden wir eklig..
Es sind die persönlichen Freiheiten aber auch die immer noch in den Genen steckenden Verhaltensweisen, die einfach von Zeit zu Zeit ein Ventil brauchen.
Auch dass man sich gegenseitig über Messenger Videos mit durchaus attraktiven weiblichen Protagonisten schickt fällt in den Bereich.. ja welchen denn: ist es Sexismus, eksessive Pornografie? ist es unanständig? ist es etwas für das man sich schämen sollte, oder gleich eine Therapie aufsuchen?
Die weiblichen Akteure sehen nicht aus, als würden ihnen erotische Posen schwerfallen oder sogar Schmerzen bereiten. Da sollte man dann auch mal die Frage stellen: wer ist das/die Schwein/in? Der, der sich die Videos anschaut oder die, die für Geld, Likes oder was auch immer blankzieht? Die Männer sind trotzdem glücklich verheiratet, lieben ihre Frauen und auch Töchter ohne Hintergedanken zu haben — so what? Wir können unsere Machosprüche gut dort anbringen und auch ausleben wo sie angebracht sind — genauso wie wir sie ausschalten wenn wir mit unserer Partnerin zusammen sind. Scheinbar wird uns von Frauen unterstellt, dass wir das nicht können. Das mag leider auch auf einige zutreffen — aber es ist eben nicht die Regel, sondern eher die Ausnahme.
Sexismus ist es wenn ich eine Frau direkt Sexismusisiere (oder wie das heißt).
Dass es von einem in der Öffentlichkeit stehenden Politiker ziemlich dumm war diese Äußerung so unbedacht in einem Interview zu sagen, zeigt nicht, dass er ein Sexist oder gleich ein Sexualstraftäter ist (ganz ehrlich: der flapsige Spruch hätte auch von mir kommen können!). Es zeigt, dass er noch viel lernen muss um im Haifischbecken Politik zu überleben.
Beim Brüderle dachte ich damals: “Wow, das muss die Himmelreich ja sehr traumatisiert haben, wenn sie sich passend zur Wahl daran erinnert.”
Und als sie dann Chefredakteurin bei Vice wurde, war das ein gutes Beispiel für die Opferrolle als Karriereboost.