Im Kontext mit der Energiekrise fordern einige die Abwanderung mindestens der energieintensiven Industrie. Selbst die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer fordert die Abwanderung der energieintensiven Industrien aus Deutschland.
Ist es tatsächlich so, dass wir ohne Industrie in Deutschland besser dran wären? Wäre das etwas, um nachhaltig Umweltschutz zu betreiben und den Klimawandel positiv zu beeinflussen?
Werfen wir einen Blick auf den Status quo: Deutschland heute, das ist ein Land, in dem immer noch etwa 20 bis 23 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) direkt aus der Industrie stammen. Wir sind extrem exportorientiert – die Welt kauft unsere Maschinen, und wir finanzieren davon die notwendigen Ausgaben des Staats, der durch Steuern und Beiträge finanziert wird.
So weit, so stabil. Zumindest in der Theorie.
Doch spielen wir das Szenario einmal konsequent zu Ende: Was passiert eigentlich, wenn die Industrieproduktion in den nächsten Jahren massiv wegbricht oder schlicht ins Ausland abwandert?
Ein Gedankenspiel:
Sollte die Industrie wegfallen, reden wir hier nicht über eine kleine Delle im Wachstum. Wir reden über einen massiven Einbruch der Wirtschaftskraft. In einem realistischen Modell bricht das BIP um 15 % bis 25 % ein. Das ist kein „Gürtel-enger-schnallen“ mehr, das ist ein struktureller Totalschaden.
Die Folgen wären dramatisch:
Von der Exportnation zum Bittsteller
Das Ergebnis dieser Entwicklung wäre eine fundamentale Transformation – und zwar keine von der Sorte, die man mit dem Wort „Zukunftschancen“ schönfärben kann. Deutschland würde sich von einer stolzen Exportnation zu einer importabhängigen Dienstleistungsökonomie wandeln, vielleicht noch als Staat, der sich in Ackerbau und Viehzucht versucht.
Forschung, Innovation, Investitionen, all das wäre unwiederbringlich weg.
Der Arbeitsmarkt würde kollabieren. Jeder Industriejob zieht 2–3 andere Jobst hinterher. Bei ca. 8 Millionen Menschen, cie die direkt in der Industrie beschäftig sind, sprechen wir in Summe von etwa 24 Millionen direkt oder indirekt betroffenen Arbeitnehmern. Die Arbeitslosenquote würde durch die Decke gehen. Das Gesundheit – und Sozialstem wäre am Ende. Alle Staatsausgaben müssten auf den Prüfstand; die meisten wären vermutlich nicht mehr finanzierbar.
Wir müssten dann also vor allem Dienstleistungen austauschen, während wir die lebensnotwendigen Güter und Technologien teuer aus dem Ausland einkaufen müssen. Ohne Industrie würde Deutschland deutlich ärmer werden. Der Sozialstaat würde massiv unter Druck geraten, mit der Folge massiver Zunahme von Kriminalität und Verbrechen. Letztendlich würden wir an internationaler Bedeutung verlieren. Von den innenpolitischen Verwerfungen will ich gar nicht erst anfangen.
Ob man mit Haareschneiden und App-Programmieren einen Wohlstand aufrechtrechnen kann, der bisher an der Wertschöpfung von Stahl, Chemie und Automobilen hing, darf bezweifelt werden.
Vielleicht sollten wir uns weniger darauf konzentrieren, wie wir die Industrie loswerden, und mehr darauf, wie wir sie behalten. Bevor wir am Ende nur noch dasitzen und uns gegenseitig per App erklären, warum der Kühlschrank leer bleibt.
Das ist das Gedankenmodell von Akademikern, die auf einer rosa Wolke leben. Realitätsfremd — vor allem in einer Welt in der ein knallharter Verdrängungswettbewerb geführt wird.
Aktuell können und dürfen wir die Schwerindustrie gar nicht abwandern lassen. Panzer werden nun mal nicht aus chinesischem Billig Stahl gebaut — dazu kommt, dass Lieferketten lang sind und China in Bezug auf Eroberung andere Länder ein nicht kalkulierbares Risiko ist.
Klar ist Stahl ein Produkt, welches Unmengen Energie verschlingt — aber das tut es in anderen Ländern bei der Fertigung auch — es wird nur ge-“greenwashed”.
Niemand kann zaubern.
Eventuell sollte man mal überlegen bei Produkten, die Essentiell für den Standort Deutschland sind, bei der CO2-Belastung Ausnahmen zuzulassen.
Und die Energie sollte mehr und mehr aus Erneuerbaren kommen — nur das wird Deutschland vor einem Absturz bewahren — egal was Frau Reiche für dummes Zeug in ihrem Gas(t)Beitrag in der Frankfurter Allgemeine schreibt. Sie vergisst da nämlich ein paar Zahlen: die 82 Milliarden, die wir jedes Jahr für teures Gas bezahlen (jedes Jahr — Tendenz steigend wohlgemerkt!) — während der Netzausbau einmalige Kosten sind.
Dazu wird verschwiegen, dass das temporäre abschalten von Windkraftwerken wegen Überstromproduzierung wesentlich günstiger ist als das herunterfahren der heissgeliebten Kohle und Gaskraftwerke. Und was die Energiebilanz angeht — da werden die Windräder als Haupttäter genannt. Es wird vergessen zu sagen, dass die Abwärme beim verfeuern fossiler Brennstoffe in Kraftwerken ebenfalls in die Bilanz Einzug hält und das nicht zu knapp.
Ich sag nur: #Reiche-weg-sofort!
@Peter: Reiche war Vorsitzende der Geschäftsführung von Westenergie, die muss das sagen, was sie sagt 😀 Aber im Ernst — natürlich müssen wir die erneuerbaren Energien massiv ausbauen. Nur so kriegen wir ja die Energiepreise (Strom) auf Dauer runter. Allerdings sehe ich auch die Notwendigkeit von Gaskraftwerken als Backup-Ressource. Beides zusammen könnte uns von der extrem unsauberen Kohleverstromung wegbringen. Benzin und Dieselpreise müssen allerdings auch noch bezahlbar sein, dafür kann mal ja mal das Flugbenzin besteuern, das ist größtenteils nämlich steuerfrei.
gegen Flugbenzinversteuerung habe ich nichts einzuwenden — ich habe Angst vorm fliegen und seit ich einen Herzschrittmacher habe, bin ich in jeder Kontrolle der Terrorist, der was im Körper versteckt — deshalb ruhig 100% drauf auf Flugbenzin..
Manch eine® gibt ja solche Parolen nur von sich, um Aufmerksamkeit zu generieren. Frei nach dem Motto “es gibt keine schlechte Presse”. Ich will mir gar nicht vorstellen, dass solche Aussagen wirklich ernst gemeint sind.
Deshalb müssen die Energiepreise runter und zwar drastisch. Wer glaubt, die hohen Energiepreise wären Motivation für eine beschleunigte Transformation, der irrt. Ohne die Industrie ist kein nachhaltiger Klimaschutz möglich und ohne billige Energie keine Industrie. Als »Dienstleistungsgesellschaft« würden wir uns Klimaschutz nämlich überhaupt nicht mehr leisten können. Ausbau der erneuerbaren bei gleichzeitigem Bau von Gaskraftwerken als Backup-Lösung, die womöglich in der Zukunft mit Wasserstoff betrieben werden können; trotzdem bis dahin eine dauerhafte Senkung der Öl, — Gas, — und Strompreise, ist meines Erachtens der richtige Weg aus der Krise. China macht es mal wieder vor.