Ein weiterer Coup der Bundesregierung könnte das Aussetzen der Haltelinie von 48 Prozent sein. Wobei diese Rechengröße zwar als Sicherungsniveau vor Steuern gilt, jedoch wenig über die individuelle Rente aussagt. Diese Kennzahl vergleicht die Standardrente schlichtweg mit dem Durchschnittsentgelt der Bevölkerung. Allerdings – ist diese »Haltelinie« erst gerissen, lässt sich später leichter ein niedrigeres Rentenniveau argumentieren.
Der nächste Plan der Bundesregierung zur Rentenkürzung ist der perfideste. Es werden nämlich offensichtlich keine Renten gekürzt, ganz im Gegenteil. Rentner und Rentnerinnen bekommen jedes Jahr ihren Teil an »Rentenerhöhung« dazu. Trotzdem summiert sich die Rentenkürzung schnell auf ein paar tausend Euro, bzw. monatlich auf einige hundert Euro. Wie das? Ganz einfach. Geplant ist die Abkoppelung der Renten von den Lohnsteigerungen. Um nun nicht gleich die gesamt im Ruhestand befindliche Bevölkerung aufzuwiegeln, verspricht man »selbstverständlich » die jährliche Inflationsrate mit einer entsprechenden Erhöhung der Bezüge auszugleichen.
Klingt gut, oder?
Die selbstgefällige Täuschung fängt da an, wo niemand nachrechnet, was es denn eigentlich heißt, wenn die Renten von der Lohnentwicklung abgekoppelt werden.
Für sowas ist ja die KI gut zu gebrauchen und so habe ich Claude beauftragt, ein anschauliches Modell aufzuzeigen, das die Rentenentwicklung eines Durchschnittsrentners über 10 Jahre bei einer Kopplung an die Inflationsrate im Vergleich zur aktuellen Lohnentwicklung simuliert. Die Eckdaten waren eine Reallohnsteigerung von 3 % und eine durchschnittliche Inflation von 2,5 %. Außerdem sollte Claude die resultierende Kaufkraftdifferenz und den kumulierten Unterschied im Rentenvolumen aufzeigen, um die Auswirkungen auf das individuelle Einkommensniveau sichtbar zu machen.
Das Ergebnis:
Die Pläne der Rentenkommission sind also nichts weiter, als ein weitere, massive Rentenkürzung. Mit Reformen hat das jedenfalls nichts zu tun, eher schon mit einer Ausweitung der Altersarmut.

Ich finde es schwierig, einfach nur zu kritisieren, ohne Alternativen aufzuzeigen. Es ist doch ganz klar, dass alle dazu beitragen müssen, um die gesetzliche Rente so halbwegs zu stabilisieren. Da es nicht genügend Geburten und Zuwanderung im arbeitsfähigen Alter gibt, müssen auch die jetzigen und künftigen Rentner, die ja häufig durch fehlende Nachkommen — wie ich z.B. — zur Misere beigetragen haben, selber Einschnitte in Kauf nehmen. M.E. ist es absolut fair, wenn die Renten nur noch mit der Inflation Schritt halten. Hier mit Altersarmut zu argumentieren, grenzt an Demagogie. Die schrumpfende, arbeitstätige Bevölkerung hingegen, die mit zukünftig weiter steigenden Rentenbeiträgen kämpfen wird, wird so etwas entlastet. Vorausgesetzt natürlich, dass die Löhne stärker als die Inflation steigen, was absolut nicht sicher ist. s. z. B. Japan.
Die Durchschnittrente in Deutschland liegt bei 1500 Euro/brutto, das sind ca. 1250 Euro netto. Die Armutsgrenze in Deutschland liegt bei 60 % des mittleren Nettoeinkommens. Konkret betrifft das Alleinlebende mit weniger als 1446 Euro netto im Monat. Die Altersarmut ist also keine Demagogie, sondern statistische Realität.
Hallo Textrebell, werden hier kritische Anmerkungen nicht publiziert oder ist mein Kommentar einfach so verschwunden? Auf jeden Fall schade.
Pardon, ich war terminlich verhindert
Nur eine winzige Anmerkung dazu. Armut relativ zu definieren, finde ich auch schwierig. In meinem simplen Weltbild bedeutet Armut, dass man nicht genug Geld hat, sich Essen, Klamotten und ein paar andere Basics wie ein Dach überm Kopf — was ja im Armutsfall sowieso über Wohngeld bezahlt wird — zu kaufen bzw. zu mieten. Mit anderen Worten Armut ist absolut. Wenn ich keine oder kaum Knete habe, bin ich arm. Aber wenn das Durchschnittseinkommen im Jahr 1 Mio. ist und ich “nur” 600 Tausend verdiene, bin ich doch nicht arm.
Du bist also der Ansicht, dass jemand der 45 Jahre und länger gearbeitet hat, als Rentner vom Sozialamt alimentiert werden sollte?
Ich steige hier aus, Polemik und Unterstellungen sind keine Basis für eine fruchtbare Diskussion.