Die nächste Rentenkürzung

Wenn wir uns die Ren­ten­vor­schlä­ge der Ren­ten­kom­mis­si­on näher anschau­en, muss man fest­stel­len, dass der Begriff Reform ein Euphe­mis­mus dafür ist, die Ren­ten nach­hal­tig zu kür­zen – bes­ten­falls ohne dass es groß auf­fällt. Gelun­gen ist das bereits im Jahr 2025, näm­lich mit der Anhe­bung des Jah­res­ver­diens­tes auf nun­mehr 51.944 € (Durch­schnitts­ent­gelt 2026)Euro für einen!Rentenpunkt.

Ein wei­te­rer Coup der Bun­des­re­gie­rung könn­te das Aus­set­zen der Hal­te­li­nie von 48 Pro­zent sein. Wobei die­se Rechen­grö­ße zwar als Siche­rungs­ni­veau vor Steu­ern gilt, jedoch wenig über die indi­vi­du­el­le Ren­te aus­sagt. Die­se Kenn­zahl ver­gleicht die Stan­dard­ren­te schlicht­weg mit dem Durch­schnitts­ent­gelt der Bevöl­ke­rung. Aller­dings – ist die­se »Hal­te­li­nie« erst geris­sen, lässt sich spä­ter leich­ter ein nied­ri­ge­res Ren­ten­ni­veau argumentieren. 

Der nächs­te Plan der Bun­des­re­gie­rung zur Ren­ten­kür­zung ist der per­fi­des­te. Es wer­den näm­lich offen­sicht­lich kei­ne Ren­ten gekürzt, ganz im Gegen­teil. Rent­ner und Rent­ne­rin­nen bekom­men jedes Jahr ihren Teil an »Ren­ten­er­hö­hung« dazu. Trotz­dem sum­miert sich die Ren­ten­kür­zung schnell auf ein paar tau­send Euro, bzw. monat­lich auf eini­ge hun­dert Euro. Wie das? Ganz ein­fach. Geplant ist die Abkop­pe­lung der Ren­ten von den Lohn­stei­ge­run­gen. Um nun nicht gleich die gesamt im Ruhe­stand befind­li­che Bevöl­ke­rung auf­zu­wie­geln, ver­spricht man »selbst­ver­ständ­lich » die jähr­li­che Infla­ti­ons­ra­te mit einer ent­spre­chen­den Erhö­hung der Bezü­ge auszugleichen. 

Klingt gut, oder?
Die selbst­ge­fäl­li­ge Täu­schung fängt da an, wo nie­mand nach­rech­net, was es denn eigent­lich heißt, wenn die Ren­ten von der Lohn­ent­wick­lung abge­kop­pelt werden. 

Für sowas ist ja die KI gut zu gebrau­chen und so habe ich Clau­de beauf­tragt, ein anschau­li­ches Modell auf­zu­zei­gen, das die Ren­ten­ent­wick­lung eines Durch­schnitts­rent­ners über 10 Jah­re bei einer Kopp­lung an die Infla­ti­ons­ra­te im Ver­gleich zur aktu­el­len Lohn­ent­wick­lung simu­liert. Die Eck­da­ten waren eine Real­lohn­stei­ge­rung von 3 % und eine durch­schnitt­li­che Infla­ti­on von 2,5 %. Außer­dem soll­te Clau­de die resul­tie­ren­de Kauf­kraft­dif­fe­renz und den kumu­lier­ten Unter­schied im Ren­ten­vo­lu­men auf­zei­gen, um die Aus­wir­kun­gen auf das indi­vi­du­el­le Ein­kom­mens­ni­veau sicht­bar zu machen. 

Das Ergeb­nis:

Die Plä­ne der Ren­ten­kom­mis­si­on sind also nichts wei­ter, als ein wei­te­re, mas­si­ve Ren­ten­kür­zung. Mit Refor­men hat das jeden­falls nichts zu tun, eher schon mit einer Aus­wei­tung der Alters­ar­mut.

7 Kommentare zu „Die nächste Rentenkürzung“

  1. Ich fin­de es schwie­rig, ein­fach nur zu kri­ti­sie­ren, ohne Alter­na­ti­ven auf­zu­zei­gen. Es ist doch ganz klar, dass alle dazu bei­tra­gen müs­sen, um die gesetz­li­che Ren­te so halb­wegs zu sta­bi­li­sie­ren. Da es nicht genü­gend Gebur­ten und Zuwan­de­rung im arbeits­fä­hi­gen Alter gibt, müs­sen auch die jet­zi­gen und künf­ti­gen Rent­ner, die ja häu­fig durch feh­len­de Nach­kom­men — wie ich z.B. — zur Mise­re bei­getra­gen haben, sel­ber Ein­schnit­te in Kauf neh­men. M.E. ist es abso­lut fair, wenn die Ren­ten nur noch mit der Infla­ti­on Schritt hal­ten. Hier mit Alters­ar­mut zu argu­men­tie­ren, grenzt an Dem­ago­gie. Die schrump­fen­de, arbeits­tä­ti­ge Bevöl­ke­rung hin­ge­gen, die mit zukünf­tig wei­ter stei­gen­den Ren­ten­bei­trä­gen kämp­fen wird, wird so etwas ent­las­tet. Vor­aus­ge­setzt natür­lich, dass die Löh­ne stär­ker als die Infla­ti­on stei­gen, was abso­lut nicht sicher ist. s. z. B. Japan.

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    • Die Durch­schnitt­ren­te in Deutsch­land liegt bei 1500 Euro/brutto, das sind ca. 1250 Euro net­to. Die Armuts­gren­ze in Deutsch­land liegt bei 60 % des mitt­le­ren Net­to­ein­kom­mens. Kon­kret betrifft das Allein­le­ben­de mit weni­ger als 1446 Euro net­to im Monat. Die Alters­ar­mut ist also kei­ne Dem­ago­gie, son­dern sta­tis­ti­sche Realität.

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  2. Hal­lo Text­re­bell, wer­den hier kri­ti­sche Anmer­kun­gen nicht publi­ziert oder ist mein Kom­men­tar ein­fach so ver­schwun­den? Auf jeden Fall schade.

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    • Par­don, ich war ter­min­lich verhindert

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  3. Nur eine win­zi­ge Anmer­kung dazu. Armut rela­tiv zu defi­nie­ren, fin­de ich auch schwie­rig. In mei­nem simp­len Welt­bild bedeu­tet Armut, dass man nicht genug Geld hat, sich Essen, Kla­mot­ten und ein paar ande­re Basics wie ein Dach überm Kopf — was ja im Armuts­fall sowie­so über Wohn­geld bezahlt wird — zu kau­fen bzw. zu mie­ten. Mit ande­ren Wor­ten Armut ist abso­lut. Wenn ich kei­ne oder kaum Kne­te habe, bin ich arm. Aber wenn das Durch­schnitts­ein­kom­men im Jahr 1 Mio. ist und ich “nur” 600 Tau­send ver­die­ne, bin ich doch nicht arm.

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    • Du bist also der Ansicht, dass jemand der 45 Jah­re und län­ger gear­bei­tet hat, als Rent­ner vom Sozi­al­amt ali­men­tiert wer­den sollte?

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  4. Ich stei­ge hier aus, Pole­mik und Unter­stel­lun­gen sind kei­ne Basis für eine frucht­ba­re Diskussion.

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