Der Bodenständige

Ich hab‘ ja schon lan­ge den Ein­druck, dass NRWs Arbeits­mi­nis­ter Karl-Josef Lau­mann in der fal­schen Par­tei ist. Auf dem 38. Bun­des­par­tei­tag der CDU in Stutt­gart hielt er eine viel­be­ach­te­te Rede, in der er eine stär­ke­re sozi­al­po­li­ti­sche Aus­rich­tung sei­ner Par­tei for­der­te. So enga­giert kämpf­te er für ein fai­res Ren­ten­kon­zept, dass man fürch­ten muss­te, ihn wür­de am Red­ner­pult plat­zen. (Das Video dazu konn­te ich nicht im Netz fin­den, für Hin­wei­se bin ich dankbar.)

Lau­mann kri­ti­sier­te die bereits heu­ti­gen Ren­ten­kür­zun­gen deut­lich und beton­te, dass jemand, der 45 Jah­re gear­bei­tet hat, im Alter nicht mit einer Almo­sen abge­speist wer­den dürfe.

Er gehört zu den weni­gen Poli­ti­kern, die wis­sen, wovon sie spre­chen. Als ehe­ma­li­ger Betriebs­rat und IG-Metall-Mit­glied hat sich Lau­mann stets für die Inter­es­sen der »Nor­mal­bür­ger« ein­ge­setzt und inner­halb der CDU immer wie­der dar­an erin­nert, die Belan­ge der Arbeit­neh­mer im Blick zu behalten.

Auch wenn er damit den wirt­schafts­li­be­ra­len Kräf­ten häu­fig auf die Ner­ven ging, hat er sich inner­halb der Uni­on eine beson­de­re Stel­lung erar­bei­tet. Als »sozia­les Gewis­sen« sei­ner Par­tei steht er für den Anspruch, dass das »C« in der CDU mehr ist als ein blo­ßes Eti­kett. Ent­spre­chend deut­lich fiel sei­ne Unter­stüt­zung aus: Bei der Wahl asl einen von sechs stell­ver­tre­ten­den Par­tei­vor­sit­zen­den erhielt er 89 Pro­zent der Stim­men und somit das bes­te Ergebnis.

Lau­mann ist kein Aka­de­mi­ker, son­dern gelern­ter Schlos­ser und hat 15 Jah­re in die­sem Beruf gear­bei­tet. »Dass ich so bin, wie ich bin, hat auch mit die­sen 15 Jah­ren zu tun«, sag­te er ein­mal in einem Inter­view mit dem Maga­zin Cor­rec­tiv. Die­se Authen­ti­zi­tät nimmt man ihm ab – lei­der sind Per­sön­lich­kei­ten wie er in den Par­la­men­ten inzwi­schen sel­ten geworden.

2 Gedanken zu „Der Bodenständige“

  1. ich habe vor kur­zem ein Video gese­hen, indem erklärt wur­de, war­um unse­re Poli­tik, bzw. unse­re Poli­ti­ker so schlecht sind. Die kön­nen nur Poli­tik — aber nichts anderes.
    Von denen kann nach dem Bun­des­tag kei­ner zurück in einen Job, der ihn ernährt, also wird alles dafür getan um wie­der­ge­wählt zu werden.
    Und wer nie mal mit sei­nen Hän­den gear­bei­tet hat und am Ende des Monats bemerkt hat, dass für die gan­ze Pla­cke­rei nur ein Hun­ger­lohn raus­springt — viel­leicht sogar in einem “nor­ma­len” Eltern­haus auf­ge­wach­sen ist, wo die Ren­te vor­ne und hin­ten nicht reicht — der wird auch kei­ne Sozi­al­kom­pe­tenz haben und dafür kämp­fen, dass sol­che Leu­te wie Merz, Spahn oder ande­re mil­lio­nen­schwe­ren Gesel­len mit deren Men­schen­feind­li­chen Ansich­ten in der Poli­tik kei­nen Platz haben.
    By the way: Dass Merz mit 91,2 % als Par­tei­vor­sit­zen­der wie­der­ge­wählt wur­de, wird als tol­les Ergeb­nis in den Medi­en gefei­ert. Vor nicht all­zu­lan­ger Zeit wur­de einem ande­ren Poli­ti­ker mit einem ähn­li­chen Ergeb­nis ein kata­stro­pha­les Ergeb­nis beschei­nigt. Fern­se­hen, Rund­funk und Pres­se soll­ten sich mal einig wer­den, was ein gutes oder schlech­tes Ergeb­nis ist — für mich ist ein Ergeb­nis von etwas über 90% kein tol­les Ergeb­nis: heißt näm­lich, dass fast jeder zehn­te gegen ihn ist.

    Antworten
    • Des­halb ist mir der Lau­mann ja sym­pa­tisch, der war vor sei­ner poli­ti­schen Kar­rie­re wenigs­tens ein paar Jah­re als Maschi­nen­sch­lo­ser tätig, der weiß also wovon er redet. Nur scha­de, dass er in der fal­schen Par­tei ist.

      Antworten

Schreibe einen Kommentar