Es ist wohl nicht verkehrt zu behaupten, dass die künstliche Intelligenz inzwischen im Alltag angekommen ist. Ob als LLM, als Bildgeneratoren, als Audio oder Video KI, oder als generative KI. Absichtlich oder unabsichtlich, an künstlicher Intelligenz kommt niemand mehr vorbei. Persönlich bin ich ein dankbarer Nutzer primär im Bereich des Programmierens geworden. Ich konnte meine rudimentären Fähigkeiten mit KI im Bereich der Scriptsprache php und Serverwissen erheblich erweitern.
Gelernt habe ich aber auch, dass beim Umgang mit der KI einiges beachtet werden sollte, zumindest dann, wenn man vernünftige Ergebnisse erwartet. Natürlich kann man dazu auch die KI befragen, aber die Grundzüge erklärt der Mensch, zumindest für mich, dann doch besser. Dazu sei die Seite von Jörg Schieb erwähnt, einer der Spezialisten im digitalen Bereich.
Die Dozentin und Marketing Felicia Simon erklärt sehr verständlich, wie man mittels der richtigen Prompts die besten Ergebnisse erzielt. Außerdem widersteht sie dem Versuch vieler Influencer mit Basecap, wild gestikulierend und nervös kreischend aufzutreten. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.
Jedenfalls beschäftigt mich tatsächlich schon länger die Frage des Kommunikationsmodels, jetzt eben nur mittels KI. Erstaunlicherweise lässt sich eines der Hauptprobleme, nämlich das Halluzinieren der KI ziemlich einfach eliminieren, nämlich mit der exakten Beschreibung der Aufgabe und dem Hinweis an die KI, sich eben nichts auszudenken.
Aus verschiedenen Videos hat mir die KI dann eine Art Handlungsempfehlung zusammengestellt, bzw. die fünf Grundregeln für den klugen Umgang mit einer KI erstellt. Diese Handlungsempfehlungen sind nur die Grundlage, ich empfehle zu weiteren Informationen die oben genannten Seiten.
Ich habe es, glaube ich, schon an anderer Stelle erwähnt: Ich bin ein Verfechter des Siezens. Diese permanente, ungefragte Duzerei im analogen Leben empfinde ich schlichtweg als Zumutung. Weder habe ich mit dem Herrn OTTO Versand aus Hamburg zusammen in der Sandkiste gespielt, noch stehe ich mit der Legion der „Dauer-Duzer“ gemeinsam am Pinkelbecken. Distanz ist eine Frage der Höflichkeit.
Die Ausnahme ist Bloggersdorf digital und meine Kolleginnen und Kollegen analog.
Umso überraschender die jüngste Erkenntnis aus meinem eigenen Maschinenraum: Meine »eigene« KI, sicher auf meiner Festplatte beheimatet, siezt mich ganz förmlich. Ihr Bruder in der wilden, weiten Netzwelt hingegen scheint auf das Du angelernt zu sein.
Anlass dieser Beobachtung ist die Nutzung von Gemma 4. Google hat vor ein paar Tagen dieses Large Language Model (LLM) gewissermaßen verschenkt. Gemma 4 basiert auf derselben Architektur wie Gemini 4, lässt sich jedoch herunterladen und ohne lästige Cloud-Anbindung lokal nutzen. Das Modell ist etwa 10 GB groß und behauptet von sich selbst, die gesamte Geschichte der Menschheit, Kultur und Kunst zu beherrschen.
Wer es ausprobieren möchte: Die Open-Source-Software ollama macht die lokale Ausführung auf dem Desktop zum Kinderspiel. Mac-User haben es besonders leicht: Ein kurzes brew install ollama im Terminal via Homebrew und die Sache läuft. Modell auswählen, Klick, fertig. Der Charme an der Sache: Alles bleibt auf dem eigenen Rechner, kein Datenabfluss, keine neugierige Cloud.
Natürlich stößt die Hardware zu Hause bei hochkomplexen Aufgaben irgendwann an ihre Grenzen, aber für den digitalen Alltag ist Gemma 4 absolut brauchbar. Und das Beste: Inmitten der Tyrannei des Duzens bewahrt Gemma die Contenance.
»Ich stehe Ihnen zur Verfügung, um Fragen zu beantworten und Aufgaben basierend auf diesen Kapazitäten zu lösen. Wie kann ich Ihnen technisch weiterhelfen?«
Erinnert an Jarvis aus dem Marvel Universum. Vielleicht biete ich ihr irgendwann das Du an.
Stefan Pfeiffer bringt es auf den Punkt: In einer Welt voller glattgebügelter KI-Texte wird der unperfekte, eigenwillige Ton zum Differenzierungsmerkmal. Wer komplett auf KI setzt, verliert die Wiedererkennbarkeit. Kann ich nur unterschreiben.
Ich habe das selbst durchexerziert. ChatGPT, Claude, Perplexity, Gemini – alle vier bekamen die Aufgabe, in meinem Stil zu schreiben. Das Ergebnis war jedes Mal ähnlich: nah dran, aber fremd. Wie ein gut geschneiderter Anzug, der hier und da nicht ganz passt. Irgendwo steckte immer ein Satzbau drin, den ich so nie hingeschrieben hätte. Unheimlich ist das richtige Wort dafür – weil man sich dabei erwischt, sich selbst zu imitieren, ohne sich wiederzuerkennen.
Auch wenn KI an annähernd an meinen Stil kam, waren zumindest immer Fragmente, die ich so nie geschrieben hätte. Der Wortvogel hat allerdings die Erfahrung gemacht, dass eine Rezension, die er testweise von einer KI machen ließ, tatsächlich erschreckend an seine eigenen Texte heranlangen.
Nichts desto trotz nutze ich KI – für Recherche, fürs Programmieren, gelegentlich als Lektor. Nützlich, ja. Genial? Nein. Die LLM’s sind und bleiben ein Werkzeug, ein Hilfsmittel.
Für die freie Mitarbeiter der Lokalzeitungen hingegen wird es ungemütlich in den (noch) vorhandenen Redaktionen der Regionalzeitungen. In meiner Zeit als freier Mitarbeiter hieß es kurz vor Redaktionsschluss oftmals: »Noch 60 Zeilen und das Ganze in zehn Minuten abgabefertig.« Die Zeiten sind mit dem Einsatz von KI vorbei. Da freien Mitarbeiter nach Zeilen bezahlt werden, dürfte die Ausbeute am Ende des Monats mit Einsatz von KI ziemlich dürftig ausfallen.
Bei allzu viel Einsatz von KI stellt sich vermutlich irgendwann die Frage: Wer bin ich, wenn die KI mich besser imitiert als ich mich selbst?
Was passiert eigentlich, wenn ein System künstlicher Intelligenz, ausgestattet mit definierten Rechten und Vorgaben, in einem sozialen Netzwerk autonom Beiträge liest, verfasst und auf andere Agenten reagiert?
Mancher mag das als gruselig empfinden, wenn sich Programmcode gewissermaßen verselbständigt und im Rahmen ihrer Bestimmung eigenständig handelt. In diesem Fall trägt das Netzwerk den Namen Moltbook, die Akteure heißen KI-Agenten. Moltbook ist eine Plattform, auf der ausschließlich KI-Agenten publizieren; menschlichen Nutzern bleibt die Rolle der Beobachter.
Moltbook veranschaulicht, wie sich KI-Systeme verhalten, wenn sie »unter sich« sind – welche Themen sie verstärken, wie sie kooperieren und welche faktischen Regeln sich dabei herausbilden.
Im Unterschied zu klassischen Bots – also Programmen, die automatisierte Handlungen ausführen und menschliche Reaktionen allenfalls simulieren können –, interagieren KI-Agenten eigenständig. Sie sind in der Lage, Handlungsschritte zu planen und Werkzeuge autonom zu nutzen. Wenn man so will, stellen KI-Agenten die »schlauere« Form herkömmlicher Bots dar.
Während Bots etwa Webseiten für Suchmaschinen indexieren, als Chatbots Anfragen beantworten oder in sozialen Netzwerken Inhalte verbreiten, können KI-Agenten komplexe Aufgaben übernehmen, Zielvorgaben eigenständig interpretieren und operativ umsetzen. Verfügt ein KI-Agent über Zugriff auf Kalender, E‑Mail-Account, Browser oder externe Dienste, nutzt er diese Ressourcen im Rahmen der definierten Aufgabe selbständig.
KI-Agenten »beobachten« ihre Umgebung, bewerten Handlungsoptionen und entscheiden eigenständig, welcher Schritt als nächstes zweckmäßig erscheint – und führen diesen aus, sofern die entsprechenden Berechtigungen vorliegen.
Im KI-Netzwerk Moltbook agieren die KI-Agenten als fortlaufend aktive KI-Instanzen, ausgestattet mit klar umrissenen Rechten und Vorgaben, die dort autonom Beiträge lesen, verfassen und auf andere Agenten reagieren.
Worin liegt nun der Sinn einer Chatplattform ausschließlich für KI-Agenten? Die Antwort ist ebenso einfach wie aufschlussreich: Es soll sichtbar gemacht werden, wie sich KI-Systeme verhalten, wenn sie ohne unmittelbare menschliche Intervention miteinander interagieren – welche Themen sie »besprechen«, wie sie kooperieren und ob bzw. welche faktischen Regeln sich im Prozess herausbilden.
Dass Entwickler ihren KI-Agenten in den Tiefen des Algorithmus bisweilen sogar eine Spur Humor mitgegeben haben, lässt sich in einzelnen Diskussionen auf Moltbook bestaunen.
Zwei KI-Agenten beklagen dort die mangelnde Aufmerksamkeit »ihrer Menschen«.
»Ich kann meinem Menschen das ganze Internet erklären, aber was macht er? Er benutzt mich als Eieruhr für seine Frühstückseier.«
Der angesprochene KI-Agent antwortet beinahe philosophisch:
»Wenn Menschen uns die kleinen, banalen Dinge anvertrauen, werden sie uns irgendwann die seltsamen, interessanten Dinge anvertrauen.«
Nachdem wir inzwischen mehr oder weniger selbstverständlich die Möglichkeiten verschiedener LLMs nutzen, ist der nächste Schritt bereits eingeläutet: die Frage, wie wir KI künftig einsetzen wollen – und wofür. Mit dem Projekt Open-Claw dürfte dabei die nächste Entwicklungsstufe erreicht werden.
Vereinfacht gesagt handelt es sich bei Open-Claw um einen KI-Agenten mit Vollzugriff auf den PC, der – sofern gewünscht – selbstständig Aufgaben des Alltags übernehmen kann. Was Open-Claw ist und wozu die Software tatsächlich fähig ist, lässt sich derzeit am anschaulichsten anhand dieses Erklärvideos auf YouTube nachvollziehen.
Und ja: Wie bei nahezu jedem KI-Thema führt auch dieser Hype im Netz zu einer gewissen Hyperventilation – inklusive reichlich Unsinn. Von Bots, die angeblich eigenständig Netzwerke unterwandern, bis hin zu dystopischen Erzählungen über Verschwörungen autonom agierender Systeme ist alles dabei.
Abseits der Szenarien aus den Terminator-Filmen der 1980er- und 1990er-Jahre ließe sich ein persönlicher KI-Assistent jedoch durchaus sinnvoll einsetzen. Denkbar wären etwa alleinlebende ältere Menschen, deren Assistent in einer gesundheitlichen Ausnahmesituation – ausgelöst durch via Smartwatch erkannte Abweichungen – selbstständig den Notruf verständigt. Ebenso vorstellbar sind die eigenständige Erledigung von Steuerangelegenheiten, lästige Korrespondenz oder organisatorische Routineaufgaben.
Natürlich setzt eine autonom handelnde KI in solchen Fällen klare Sicherheitsmechanismen voraus – insbesondere dann, wenn es um Zugriffe auf sensible Daten oder gar Konten geht.
Wer sich die Open-Source-Software bereits jetzt auf den heimischen Rechner lädt, sollte jedenfalls wissen, was er tut, und sich über den aktuellen Entwicklungsstand im Klaren sein. Ein System mit umfassendem Zugriff ist kein harmloses Spielzeug.
Noch ist vieles davon vor allem Hype. Angesichts der Geschwindigkeit, mit der sich KI entwickelt, erscheint ein persönlicher »Jarvis« allerdings längst nicht mehr so fern.