
Der Webring uberblogr.com ist mit rund 320 gelisteten Blogs zwar ordentlich aufgestellt. Ob diese Zahl jedoch für eine belastbare empirische Aussage ausreicht, darf bezweifelt werden. Hinzu kommt ein weiterer Effekt: Oft folgt hier der eine dem anderen. Letztlich unterscheidet sich das bei Uberblogr nicht wesentlich von anderen Netzwerken. Man folgt sich, weil es inhaltliche Überschneidungen gibt – und diese entstehen häufig dort, wo eine gewisse Homogenität herrscht.
Die thematische Interessenlage ist dabei nicht selten altersabhängig, es sei denn, es handelt sich um klar abgegrenzte Spezialthemen wie WordPress, CSS oder andere technische Fragestellungen.
Tatsächlich existiert eine wissenschaftliche Untersuchung zum Bloggen in Deutschland. Prof. Dr. Michael Schenk von der Universität Hohenheim hat sich in einer Studie mit dem Selbstverständnis von Themenbloggern beschäftigt. Die Untersuchung stammt zwar aus dem Jahr 2014, liefert aber nach wie vor aufschlussreiche Ergebnisse. Besonders interessant sind die Motive für das Bloggen: Neben dem Wunsch, einen persönlichen Beitrag zur Meinungsbildung zu leisten, nannten die Befragten Unterhaltung, soziale Anerkennung, berufliche Chancen und Selbstreflexion als zentrale Antriebsfaktoren.
Die in der Stichprobe erfassten Bloggerinnen und Blogger waren überwiegend männlich (68,9 Prozent) und im Durchschnitt 38,1 Jahre alt. Die Altersspanne reichte dabei von 14 bis 72 Jahren. Von einer reinen Alterskohorte kann also keine Rede sein.
Darüber hinaus beleuchtet die Studie Fragen zum zeitlichen Aufwand, zu genutzten technischen Mitteln, Recherchepraxis, journalistischer Qualität sowie zum Bildungsabschluss der Bloggenden. Insgesamt handelt es sich um eine durchaus lesenswerte und nach wie vor relevante Untersuchung.
DFJV-Studie-Blogger-Journalismus
Quelle:dfjv.de
“Eine gewisse Homogenität”… Genau!
Trotz der nicht repräsentativen Daten eines Webringes würde ich allerdings gefühlt auch davon ausgehen, dass die ganz jungen Blogger*innen eher selten sind. Die tummeln sich potenziell eher auf anderen Plattformen. Leute mit Sendungsbewusstsein 🙂 werden eher einen Blog gründen und dort auch über längere Zeiträume ihre Positionen kundtun. Oder was man sonst noch so bloggt.
Das Durchschnittsalter von 38,1 ist interessant, und dass Frauen eher seltener zu bloggen scheinen, hat mich überrascht. Danke für den Link.
Ich wäre auch von der Annahme ausgegangen, dass vorwiegend Menschen über 50 bloggen. Nun ist die Studie ja schon etwas älter, vielleicht sind’s die Bloggerkolleginnen und ‑kollegen auch.🙂
Interessante Studie. Danke für den Link und die Kurzzusammenfassung.
Es wäre in der Tat interessant, wie sich die Situation zwölf Jahre später darstellt – zumal die Hochzeit der Social-Media-Plattformen ja 2014 gerade erst begonnen hat.
Ich beobachte allerdings auch eine kleine Renaissance des Bloggens, gerade in den Kreisen, die das Bloggen vor zehn bis fünfzehn Jahren zugunsten von Twitter & Co. vernachlässigt haben. Aber vielleicht ist das auch nur eine Wahrnehmungsverzerrung und/oder Wunschdenken.
@Katja: Das kann sein. Twitter, Facebook und Co. sind ja nun schon etwas älter, aber ja, wahrscheinlich kommt das mit der Hochphase hin. Die Gründung von TikTok fällt glaube ich in diese Zeit. Twitter war seinerzeit eine hervorragende Infoquelle, ist leider lange vorbei. Ich glaube aber eher nicht, dass sich die Blogszene gewandelt hat, sondern die Gesellschaft im Allgemeinen. Die Social-Media Plattformen haben eine Bedürfnis geweckt, was es vorher so nicht gab, vor allem TikTok ist damit sehr erfolgreich.Kurze Videos trainieren das Gehirn auf rasche Reize, längere Konzentration wird erschwert. Dopamin wird im Belohnungssystem freigesetzt. Da beißt sich die Katze in den Schwanz. Das Bedürfnis sich einzubringen lässt nach, man gibt sich lieber dem Dopamin-Kick beim Konsumieren hin.