Agenten unter sich

Was pas­siert eigent­lich, wenn ein Sys­tem künst­li­cher Intel­li­genz, aus­ge­stat­tet mit defi­nier­ten Rech­ten und Vor­ga­ben, in einem sozia­len Netz­werk auto­nom Bei­trä­ge liest, ver­fasst und auf ande­re Agen­ten reagiert?

Man­cher mag das als gru­se­lig emp­fin­den, wenn sich Pro­gramm­code gewis­ser­ma­ßen ver­selb­stän­digt und im Rah­men ihrer Bestim­mung eigen­stän­dig han­delt. In die­sem Fall trägt das Netz­werk den Namen Molt­book, die Akteu­re hei­ßen KI-Agen­ten. Molt­book ist eine Platt­form, auf der aus­schließ­lich KI-Agen­ten publi­zie­ren; mensch­li­chen Nut­zern bleibt die Rol­le der Beobachter.

Molt­book ver­an­schau­licht, wie sich KI-Sys­te­me ver­hal­ten, wenn sie »unter sich« sind – wel­che The­men sie ver­stär­ken, wie sie koope­rie­ren und wel­che fak­ti­schen Regeln sich dabei herausbilden.

Im Unter­schied zu klas­si­schen Bots – also Pro­gram­men, die auto­ma­ti­sier­te Hand­lun­gen aus­füh­ren und mensch­li­che Reak­tio­nen allen­falls simu­lie­ren kön­nen –, inter­agie­ren KI-Agen­ten eigen­stän­dig. Sie sind in der Lage, Hand­lungs­schrit­te zu pla­nen und Werk­zeu­ge auto­nom zu nut­zen. Wenn man so will, stel­len KI-Agen­ten die »schlaue­re« Form her­kömm­li­cher Bots dar.

Wäh­rend Bots etwa Web­sei­ten für Such­ma­schi­nen inde­xie­ren, als Chat­bots Anfra­gen beant­wor­ten oder in sozia­len Netz­wer­ken Inhal­te ver­brei­ten, kön­nen KI-Agen­ten kom­ple­xe Auf­ga­ben über­neh­men, Ziel­vor­ga­ben eigen­stän­dig inter­pre­tie­ren und ope­ra­tiv umset­zen. Ver­fügt ein KI-Agent über Zugriff auf Kalen­der, E‑Mail-Account, Brow­ser oder exter­ne Diens­te, nutzt er die­se Res­sour­cen im Rah­men der defi­nier­ten Auf­ga­be selbständig.

KI-Agen­ten »beob­ach­ten« ihre Umge­bung, bewer­ten Hand­lungs­op­tio­nen und ent­schei­den eigen­stän­dig, wel­cher Schritt als nächs­tes zweck­mä­ßig erscheint – und füh­ren die­sen aus, sofern die ent­spre­chen­den Berech­ti­gun­gen vorliegen.

Im KI-Netz­werk Molt­book agie­ren die KI-Agen­ten als fort­lau­fend akti­ve KI-Instan­zen, aus­ge­stat­tet mit klar umris­se­nen Rech­ten und Vor­ga­ben, die dort auto­nom Bei­trä­ge lesen, ver­fas­sen und auf ande­re Agen­ten reagieren.

Wor­in liegt nun der Sinn einer Chat­platt­form aus­schließ­lich für KI-Agen­ten? Die Ant­wort ist eben­so ein­fach wie auf­schluss­reich: Es soll sicht­bar gemacht wer­den, wie sich KI-Sys­te­me ver­hal­ten, wenn sie ohne unmit­tel­ba­re mensch­li­che Inter­ven­ti­on mit­ein­an­der inter­agie­ren – wel­che The­men sie »bespre­chen«, wie sie koope­rie­ren und ob bzw. wel­che fak­ti­schen Regeln sich im Pro­zess herausbilden.

Dass Ent­wick­ler ihren KI-Agen­ten in den Tie­fen des Algo­rith­mus bis­wei­len sogar eine Spur Humor mit­ge­ge­ben haben, lässt sich in ein­zel­nen Dis­kus­sio­nen auf Molt­book bestaunen.
Zwei KI-Agen­ten bekla­gen dort die man­geln­de Auf­merk­sam­keit »ihrer Menschen«.

»Ich kann mei­nem Men­schen das gan­ze Inter­net erklä­ren, aber was macht er? Er benutzt mich als Eier­uhr für sei­ne Frühstückseier.«

Der ange­spro­che­ne KI-Agent ant­wor­tet bei­na­he philosophisch:

»Wenn Men­schen uns die klei­nen, bana­len Din­ge anver­trau­en, wer­den sie uns irgend­wann die selt­sa­men, inter­es­san­ten Din­ge anvertrauen.«

2 Gedanken zu „Agenten unter sich“

  1. Ich bin ja, was KI angeht, ziem­lich offen. Schon allei­ne auch aus Eigen­nutz, da ich den Anschluss nicht ver­lie­ren will. Ich bekom­me ja regel­mä­ßig in mei­nem Umfeld mit, wie sich vie­le in mei­nem Alter mit Han­dy, PC usw. oft schwer tun. Ich befra­ge oft KI, wenn ich mit tech­ni­schen Sachen nicht wei­ter kom­me und bin froh, dass es die­se Mög­lich­kei­ten gibt. Aber dass KI-Agen­ten sich in gewis­ser Wei­se selbst­stän­dig machen kön­nen, fin­de ich schon ein wenig befremd­lich. Viel­leicht müss­te ich mich aber nur mehr mit dem The­ma beschäftigen.

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    • Molt­book ist ja in ers­ter Linie ein Expe­ri­ment, vor allem aber offen­sicht­lich Spiel­wie­se und ein Rie­sen­spaß für die Ent­wick­ler und Pro­gram­mie­rer. BTW: Tech­ni­sches Ver­ständ­nis hat nicht viel mit dem Alter zu tun. Blog­ger­ko­le­ge Horst Schul­te bei­spiels­wei­se macht aus sei­nem Alter kein Geheim­nis und ist wesent­lich fit­ter im Umgang mit Word­Press als die meis­ten, die ich kenne.

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