Dresscode

So eine Beer­di­gung ist ja eigent­lich ein for­mel­ler Anlass. Glück­li­cher­wei­se möch­te man mei­nen, denn for­ma­le Abläu­fe erspa­ren mit­un­ter eine Rei­he von Pein­lich­kei­ten. Teil­neh­men­de wis­sen in der Regel, was zu tun ist. Wer’s nicht weiß: In Schwarz klei­den, die Hän­de fal­ten und betrof­fen gucken. 

In den letz­ten Jah­ren konn­te man aller­dings eine zuneh­men­de Indi­vi­dua­li­sie­rung von Bei­set­zun­gen beob­ach­ten. Nicht mehr Psalm 23 und schwar­zer Anzug sind gefragt. Non­kon­for­mis­mus auch auf Beer­di­gun­gen. Jede noch so skur­ri­le Idee wird zuneh­mend umge­setzt, selbst hier auf dem Dorf. Angeb­lich immer auf Wunsch des Ver­stor­be­nen. Kunst­stück, Ver­stor­be­ne ent­zie­hen sich gemein­hin der Nachfrage.
Eben­falls angeb­lich auf Wunsch des Ver­stor­be­nen soll kei­ne Trau­er­klei­dung getra­gen wer­den, was zumin­dest bei mir die Fra­ge auf­wirft: Was denn sonst? 

Ich mei­ne ich kann ver­ste­hen, wenn aus kul­tu­rel­len Grün­den auf schwar­ze Beklei­dung ver­zich­tet wird, wenn bei­spiels­wei­se die Far­be weiß Trau­er bekundet.
Im Som­mer auf einer Beer­di­gung dann die Aus­wüch­se die­ser Neue­rung. Kur­ze Hosen, Schlab­ber­shirts und Jogginghosen. 

WTF?

Heu­te dann eine wei­te­re Ein­la­dung – aller­dings kei­ne Beer­di­gung — mit Anga­be des Dresscodes:

Urban Fes­ti­val Chic.
Mix & Match: Ein Mix aus Street­style und State­ment-Pie­ces, Laye­ring, auf­fäl­li­ge Accessoires

Was auch immer das heißt: Ich den­ke, der nicht mehr benö­tig­te schwar­ze Beer­di­gungs­an­zug ist wohl passend. 

Jährlicher Sommerhinweis

Ich weiß, es sind 30 Grad da drau­ßen und auch auf die Gefahr hin mich unbe­liebt zu machen, muss ich doch auch in die­sem Som­mer mei­nen Appell an die Her­ren der Schöp­fung rich­ten, kei­ne kur­zen Hosen zu tra­gen. Nun sind wir Män­ner was die Mode angeht, ziem­lich unbe­darft. Nichts­des­to­we­ni­ger gibt es eine unte­re Mode­gren­ze, die tun­lichst nicht unter­schrit­ten wer­den soll­te: Jog­ging­ho­sen und KURZE Hosen. Das gilt zumin­dest für Män­ner ab einem gewis­sen Alter. Ja man könn­te sogar sagen, dass die sitt­li­cher Rei­fe mit Beginn der Aus­sor­tie­rung der Jog­ging­ho­sen, kur­zen Hosen und zu engen T‑Shirts mit Löchern beginnt. Also Män­ner, ertragt die Hit­ze wie ein Mann und zieht die kur­zen Hosen nur da an, wo euch nie­mand sieht. Zur Ori­en­tie­rung ein paar Hin­wei­se, die bei Beant­wor­tung mit Ja die unver­fäng­li­che Kleid­sam­keit kur­zer Hosen bejaht.
Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie dazu gehö­ren, dann machen Sie ein­fach einen klei­nen Test:

  • Sind sie beim Fuss­ball, Hand­ball oder Ten­nis – und zwar auf dem Platz und nicht auf der Zuschauertribüne?
  • Sind sie in einem Trach­ten­ver­ein und auf dem Weg zu einer Veranstaltung?
  • Sind sie an einem Ort, an dem nie­mand Ein­blick hat und nie­mand ohne Vor­ankün­di­gung her­ein­kom­men kann?
  • Ist Ihr Name Char­lie Brown oder Micky Maus?
  • Sind sie unter 12 Jah­re alt?
  • Bierfass auf Stöckchen

    Mei­ner Mei­nung nach gibt es Din­ge, die trotz Main­stream oder pro­test­haft zur Schau gestell­ter Gleich­be­rech­ti­gung gar nicht gehen, es sei denn, ich möch­te mei­ne offen­kun­dig zurück­ge­blie­be­ne kind­li­che Ent­wick­lungs­stu­fe in der Öffent­lich­keit dokumentieren.

    Kur­ze Hosen – ein­mal mehr The­ma in die­sem Som­mer. Und nein, lie­be Geschlechts­ge­nos­sen, egal wer euch was erzählt: Für zwei Beklei­dungs­stü­cke gilt, dass sie nur beim Sport getra­gen wer­den dür­fen: Die Jog­ging­ho­se und die kur­ze Hose.

    Ein­schrän­kend kön­nen viel­leicht noch ganz jun­ge Män­ner oder ver­rück­te Eng­län­der mit die­sem pein­li­chen Klei­dungs­stück punk­ten, das war’s dann aber auch schon. Wer‘s nicht glaubt, las­se sich ein­mal von einer Ver­trau­ens­per­son sei­ner Wahl unter­halb des Bauch­an­sat­zes foto­gra­fie­ren. Im bes­ten Fall lugen schim­pan­sen­glei­che unte­re Extre­mi­tä­ten aus dem zu kur­zen Bein­kleid und schmer­zen das Auge.

    Im schlimms­ten Fall mutet der kurz­be­hos­te Mann der Öffent­lich­keit wei­ße, durch Krampf­adern mar­mo­rier­te dün­ne Ste­cken zu, die beim Anblick der Last der Bier­wam­pe augen­schein­lich abzu­kni­cken dro­hen. Macht das nicht Män­ner, ihr bringt damit eine gan­ze Spe­zi­es in Verruf.

    Wer sie sich nun als Mann nicht sicher ist, ob er kur­ze Hosen tra­gen soll­te, dem hilft viel­leicht ein kur­zer Test weiter:

    • Sind sie beim Fuss­ball, Hand­ball oder Ten­nis – und zwar auf dem Platz und nicht auf der Zuschauertribüne? 
    • Sind sie an einem Ort, an dem nie­mand Ein­blick hat und nie­mand ohne Vor­ankün­di­gung her­ein­kom­men kann?
    • Ist Ihr Name Bart Simpson oder Micky Maus?
    • Sind sie unter 12 Jah­re alt ?

    Wenn Sie eine der Fra­gen mit ja beant­wor­tet haben, dann dür­fen Sie kur­ze Hosen tragen.

    Kalter Sommer?

    Ein­ge­denk der Tat­sa­che, dass heu­te Sie­ben­schlä­fer­tag ist, ist es wohl so, dass der Som­mer auch die nächs­ten Wochen eher einem lau­en Win­ter gleicht, wenn man der Bau­ern­re­gel Glau­ben schen­ken kann.

    Wie die sprich­wört­li­che Medail­le hat aller­dings auch ein kal­ter Som­mer zwei Sei­ten, das Argu­ment liegt nah: Schwit­zen ist nicht.

    Ein ande­res Argu­ment, das durch­aus, zumin­dest für mich, tat­säch­lich als ein Plä­doy­er für einen kal­ten Som­mer geeig­net ist, ist die Tat­sa­che, bei Tem­pe­ra­tu­ren um die 10° von stil­lo­sen Beklei­dungs­un­fäl­len ver­schont zu bleiben.

    Wer als Erwach­se­ner öffent­lich kur­ze Hosen trägt, soll­te bit­te auch kon­se­quen­ter­wei­se eine Hol­zen­te hin­ter sich herziehen.

    — Sil­ver­ei­sen™ (@silvereisen)

    Eben

    Die Sonne bringt es an den Tag

    In der Tat, Män­ner in kur­zen Hosen sind etwas befremd­lich. Die JUNGE FREIHEIT merkt dazu an:

    Nun ja, tat­säch­lich gibt es Män­ner, die kön­nen kur­ze Hosen tra­gen. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie dazu gehö­ren, dann machen Sie ein­fach einen klei­nen Test:

    - Sind sie beim Fuss­ball, Hand­ball oder Ten­nis – und zwar auf dem Platz und nicht auf der Zuschauertribüne?

    - Sind sie in einem Trach­ten­ver­ein und auf dem Weg zu einer Veranstaltung?

    - Sind sie an einem Ort, an dem nie­mand Ein­blick hat und nie­mand ohne Vor­ankün­di­gung her­ein­kom­men kann?

    - Ist Ihr Name Char­lie Brown oder Micky Maus?

    - Sind sie unter 12 Jahre?

    Wenn Sie eine der Fra­gen mit ja beant­wor­tet haben, dann dür­fen Sie kur­ze Hosen tra­gen. Sonst aber nicht!

    Jährlicher Warnhinweis

    Der von mir hoch­ge­schätz­te Blog­ger Matt Wag­ner weist in sei­ner Kolum­ne zum Jah­res­en­de regel­mä­ßig auf die fata­len Gefah­ren des Sil­ves­ter­feu­er­werks hin. Ich wie­der­um war­ne in schö­ner Regel­mä­ßig­keit vor einer ganz ande­ren, sai­so­na­len Deto­na­ti­on: der modi­schen Ent­glei­sung der kur­zen Hose am Männerbein.

    Genutzt hat bei­des nichts. Regel­mä­ßig spren­gen sich Hob­by­py­ro­ma­nen zum Jah­res­ab­schluss die Fin­ger weg. Und mit exakt der­sel­ben mathe­ma­ti­schen Wahr­schein­lich­keit nei­gen Män­ner ab 40 im Som­mer zu beklei­dungs­mor­phen Störungen.

    Ich habe es inzwi­schen im Grun­de auf­ge­ge­ben, min­des­tens der Gene­ra­ti­on Ü50 ein tex­ti­les Grund­ver­ständ­nis von Ästhe­tik zu ver­mit­teln. Es ist ein aus­sichts­lo­ser Kampf gegen käse­blei­che, behaar­te Bei­ne mit land­kar­ten­glei­chen Krampf­adern, die in Kom­bi­na­ti­on mit aus­ge­latsch­ten San­da­len (und den dar­in gefan­ge­nen, über­lan­gen Fuß­nä­geln) in der ihr eige­nen peri­phe­ren Bedeu­tungs­lo­sig­keit zur Schau gestellt wer­den. Gekrönt wird die­ses opti­sche Infer­no meist von einem wohl­ge­form­ten Bauch­an­satz, der sich müh­sam unter einem viel zu engen, mit Wer­be­tex­ten bedruck­ten T‑Shirt abzeichnet.

    Da Hop­fen und Malz hier ohne­hin ver­lo­ren sind, möch­te ich mich heu­te zumin­dest auf ein grund­le­gen­des, zivi­li­sa­to­ri­sches Gesetz beschrän­ken. Näm­lich das halb­wegs stil­vol­le Erschei­nungs­bild bei öffent­li­chen Ver­an­stal­tun­gen, die nicht auf dem Ten­nis­platz im Frei­bad oder mei­net­we­gen auch im Fuß­ball­sta­di­on stattfinden

    Lie­be Män­ner, es gibt schlicht­weg kei­ne Ent­schul­di­gung dafür, als erwach­se­ner Mann in der Öffent­lich­kei bei Ver­an­stal­tun­gen in kur­zen Hosen auf­zu­kreu­zen. Kei­ne. Nicht mal die glo­ba­le Erwärmung. 

    Die Räum­lich­kei­ten für offi­zi­el­le Events wer­den näm­lich in der Regel auf eine huma­ne »Sak­ko­tem­pe­ra­tur« runtergekühlt. 

    Und wer gar kein Sak­ko besitzt, ist mit einem klas­si­schen Hemd und einer Hose – und zwar bei­de bit­te­schön in der Lang­va­ri­an­te – bes­tens bedient. Ver­hül­lung von Män­ner­bei­nen ist kein Luxus, son­dern ein Akt der Nächstenliebe.

    Balkon mit 96000 PS


    Mrs.L und ich haben gesün­digt, jawohl. Genö­tigt durch Bekann­te schip­per­ten wir jüngst mit einem Rie­sen­schiff durch die Ost­see. Natür­lich nicht ohne schlech­tes Gewis­sen. Die Neu­gier über­wog aller­dings. Ich hat­te von Kreuz­fahr­ten nicht nur nicht den blas­ses­ten Schim­mer; mei­ne Vor­stel­lung einer Kreuz­fahrt beschränk­te sich auf auf weih­nacht­li­chen Seri­en a la „das Traum­schiff.“ Illus­tre Mil­lio­nä­re las­sen mit Cham­pa­gner in der Hand, er im 4000 Euro Brio­ni Anzug, sie im Prad­akleid, den Blick über die Ree­ling schwei­fen. Umso über­rasch­ter war ich, als ich auf die Klei­der­fra­ge und in Sor­ge ob des Fal­ten­wurfs mei­nes 5 Jah­re alten Anzugs zu hören bekam:“ Anzug ist nicht, aber das Abend­essen soll­te in lan­ger Hose ein­ge­nom­men wer­den.“ In Erman­ge­lung kur­zer Hosen im hei­mi­schen Klei­der­schrank also kei­ne gro­ße Kreuzfahrerhürde.

    Wer erst ein­mal die Sicher­heits­checks (vier an der Zahl!) pas­siert und sein Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung an der Schiffs­klap­pe abge­ge­ben hat, den umschließt das Schiff wie ein Pan­zer, von dem man oben aus dem Aus­guck, Par­don von der Reling, auf das run­ter schau­en kann, was dort in drei­ßig Meter Tie­fe so im Hafen passiert.

    Im Schiffs­bauch zeigt sich das Ambi­en­te for­mi­da­bel. Hat sich der Rei­sen­de ein­mal an die stän­di­ge ner­ven­de Des­in­fi­zie­re­rei — aus mei­ner Sicht albern, aber wohl not­wen­dig — der Hän­de vor jeder Restau­rant­tür gewöhnt, prä­sen­tiert sich ein Buf­fet, dass tat­säch­lich sei­nes­glei­chen sucht.

    Pas­sa­gie­re die sich nach abend­li­chen Ver­an­stal­tun­gen mor­gens aus der Kabi­ne schä­len, belohnt der Blick fast jeden Mor­gen auf eine ande­re Stadt – und das ohne läs­ti­gen Fuß­marsch. Betreu­ter Urlaub vom Bal­kon aus.

    Mrs. L und ich sind uns einig: Kreuz­fahr­ten sind für Leu­te die beim Fahr­rad­fah­ren einen Helm tragen. 

    Der Sommer

    Ja, ok, der Som­mer ist nicht gera­de das, was unter schön ver­stan­den wer­den kann. Aber die Vor­tei­le eines 15° kal­ten Som­mers soll­ten mei­nes Erach­tens auch erwähnt sein. Schwit­zen­de und modisch des­ori­en­tier­te Men­schen sind in die­sem Som­mer in der Minderzahl.